Moskau um 1930: Zusammen mit seinen Gehilfen geht der Teufel um und wirbelt die Stadt mächtig durcheinander. Im Varietétheater richten sie ein heilloses Chaos an und stellen das Publikum – Bürger der Stalinzeit – mit all ihren Schwächen bloß. Die Behörden scheitern kläglich mit rationalen Erklärungsversuchen. Nur zwei Personen entgehen Schreck und Unbill: Der Meister – ein Schriftsteller, der seine Tage in der Psychiatrie zubringt – und Margarita, seine Geliebte, die sich in ihrem gutbürgerlichen Leben nach ihm sehnt. Bulgakows Meisterwerk ist eine auch heute noch hochpolitische Gesellschaftssatire.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
5/5
16.05.2023
Buch (Taschenbuch)
Tolles Buch!
Bulgakow ist ein wahrer Meister seines Faches. Das Buch glänzt mit sprachlicher Schönheit und inhaltlichem Spiel zwischen Gesellschaftssatire und märchenhaftem Charakter.
Ein gewisses Vorwissen und eine hohe Allgemeinbildung sind zudem vorteilhaft, um das Buch zu verstehen.
viertelnachdrei
5/5
21.05.2019
Buch (Taschenbuch)
Zauberhaft Grotesk
Wahrscheinlich der großartigste Roman, den ich je gelesen habe. Sprengt klassische Schemata und wirkt dennoch gesittet (was wahrscheinlich am Wiener Akzent des Burschen liegt), der Teufel und alle Hexen lenken nicht von Christus ab, der wunderbaren Erzählung in der Erzählung (besser als der Großinquisitor, definitiv). Spannend bis zum Ende, mitfühlend - äußerst mitfühlend - zauberhaft grotesk und leichthüpfig, mitunter genussvoll grantig. Obwohl der Autor gestorben ist, bevor er es noch selbst glätten konnte, ist es wie eine Komposition, einige Absätze gehen auch - ganz lustig - leicht von der Zunge, wirken fast metrisch. Jedes Buch, das nach "Meister und Magarita" gelesen wird, ist arm dran.
Bories vom Berg
aus München
5/5
20.05.2019
Buch (Taschenbuch)
«Leser mir nach!» Unter dem…
«Leser mir nach!» Unter dem Titel «Meister und Margarita» ist der Jahrhundertroman des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow 1966 posthum in einer radikal zensierten Fassung erstmals erschienen, unlektoriert und nicht von eigener Hand fertig gestellt. Nach einem atemberaubenden Blitzstart ist er dort gleichwohl zum meistgelesenen Roman des Zwanzigsten Jahrhunderts avanciert, ein literarischer Geniestreich ohne gleichen. Die Zahl der Arbeiten, die sich bis heute mit ihm wissenschaftlich befassen und um eine plausible Deutung ringen, ist inzwischen Legion. Dieser russische Jahrhundertroman nun ist 2012 in einer kongenialen Neuübersetzung erneut auf Deutsch erschienen, Felicitas Hoppe hat ihm aus diesem Anlass ein ebenso lesenswertes wie geistreiches Nachwort unter der Überschrift «Leser mir nach – du bist frei!» gewidmet. Worin liegt denn nun die große Faszination dieses Werks? Natürlich vor allem im mystischen Faust-Thema, das schon im Titel anklingt und dem Roman mit einem Goethe-Zitat als Motto deutlich vorangestellt ist. Dem Faust nämlich entspricht hier der «Meister», und dem Gretchen «Margarita». Der Magische Realismus Bulgakows hat den Stoff allerdings in einer radikal neuen Sichtweise aufgegriffen und dessen Thematik in eine unbekümmert groteske, satirische Form gebracht, die im Verbund mit einer überbordenden Phantasie einen ebenso großen Anteil an der begeisterten Rezeption dieses Werkes haben dürfte. «Es war Frühling, eine heiße Dämmerstunde am Patriachenteich» lautet der inzwischen berühmt gewordene erste Satz des Romans. Die zwei Herren, die dort sitzen, sind der Vorsitzende der Moskauer Autorenvereinigung und der Schriftsteller Iwan Nikolajewitsch Ponyrjow. Sie diskutieren über Iwans antireligiöses Poem, es geht um Metaphysisches, um Jesus und um Gottesbeweise, als sich plötzlich ein Ausländer in ihr Gespräch einmischt, ihnen die Leviten liest und nebenbei erwähnt, er habe schon mit Kant gefrühstückt und kenne Pontius Pilatus persönlich. So beginnt unter dem Titel «Reden Sie nie mit Unbekannten» das erste Kapitel. Dieser Fremde ist Woland, Professor der schwarzen Magie, in Wahrheit der unter verschiedenen Masken auftretende leibhaftige Satan, der in Folge mit seiner abenteuerlichen Entourage binnen kürzester Zeit in Moskau ein heilloses Chaos mit zwei Toten anrichtet, viele Menschen in Panik versetzt und alle Behörden kläglich scheitern lässt. Der «Meister» ist Insasse einer Psychiatrischen Klinik und kennt seinen Namen nicht. Er hatte an einem Roman über Pontius Pilatus geschrieben, als er «Margarita» kennenlernte, eine verheiratete Frau, die seine große Liebe wird. Als sein Roman von der Kritik verrissen wird, verbrennt er ihn, verfällt in Wahnsinn, Margarita und er werden getrennt. Einer von Wolands Helfern macht ihr ein unmoralisches Angebot, erhebt sie zur Königin an der Seite des Teufels bei einem riesigen, der Walpurgisnacht ähnelnden Ball, fortan gehört sie als Hexe zur Begleitung Satans. In mehreren Kapiteln wird parallel aus dem Roman des «Meisters» über Pontius Pilatus erzählt, wobei die Hinrichtung hier völlig entmystifiziert geschildert wird und Jesus als naiver Gutmensch erscheint. Am Ende treffen sich beide Handlungsstränge, als der «Meister» und Margarita nach ihrem Tode von Woland nach Jerusalem geführt werden, wo der depressive Pontius Pilatus einsam und verlassen mit seinem Hund in der Wildnis vor der Stadt sitzt, - und alle werden genau dort erlöst! Liebe, Vergebung, Erlösung sind die großen Fragen in Michail Bulgakows Philosophie. Mit Kunst und Künstler wird ein weiteres Thema abgehandelt, die unheilvolle Bürokratie im aberwitzigen Überwachungsstaat der 1930er Jahre unter Stalin wird nur indirekt auf amüsante Weise angeprangert. Ein umfangreicher Anhang hilft beim Verstehen vieler spezifisch russischer Details, der immense Lesespaß aber beruht zu einem nicht unwesentlichen Teil auch auf der wohldurchdachten, frischen Übersetzung. «Leser mir nach!» rufe auch ich.
Edith Berger
aus Graz
5/5
08.09.2026
eBook (ePUB)
Sehr amüsantes Lesevergnügen
Das ganze Schlamassel fängt damit an, dass der renommierte Vorsitzende der Literaturgesellschaft Michail Alexandrowitsch Berlioz im Gespräch mit dem jungen Lyriker Nikolajewitsch Ponyrew erst die Fassung und dann seinen Kopf verliert.
Vorhergesagt von einem Mann, der sich ungebeten in das Gespräch der zwei Schriftsteller einmischt. Nicht nur weissagt er den Tod von Berlioz, ganz beiläufig behauptet er beim Verhör von Jesus durch Pontius Pilatus dabei gewesen zu sein. Abgesehen davon, dass das Erscheinen dieses mysteriösen Herren ganz generell Verwirrung und in ganz Moskau schweres Chaos und Zerstörung auslöst.
Bewertung
Book Circle Community
5/5
16.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Meisterwerk zwischen Satire, Phantasie und philosophischer Tiefe
„Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow ist ein literarisches Meisterwerk, das sowohl durch seine imaginative Tiefe als auch durch seine philosophische Komplexität besticht. In diesem Roman, der in den 1930er Jahren entstand und posthum veröffentlicht wurde, verwebt Bulgakow auf meisterhafte Weise verschiedene Erzählebenen zu einem faszinierenden Ganzen.
Die Hauptgeschichte, die sich in Moskau abspielt, schildert das Auftreten des Teufels, Woland, und seiner Gefolgsleute in der Stadt. Durch diese übernatürlichen Ereignisse werden die Absurditäten und Widersprüche des sowjetischen Alltags aufs Korn genommen. Gleichzeitig wird eine zweite, tiefgreifende Handlungsebene entfaltet, die die Passion von Jesus Christus und Pontius Pilatus im antiken Jerusalem thematisiert.
Der Roman beeindruckt durch seine scharfsinnige Satire und seinen literarischen Witz, der die menschliche Hybris und das politische Klima der Zeit kritisiert. Die Figuren sind komplex und lebendig, wobei sowohl Woland als auch der Meister und Margarita selbst zu faszinierenden Protagonisten werden. Bulgakows innovative Erzähltechnik, die zwischen Realität und Fiktion, Gegenwart und Vergangenheit wechselt, schafft eine atmosphärische Tiefe, die den Leser sowohl intellektuell als auch emotional herausfordert.
„Meister und Margarita“ ist nicht nur ein Buch über die menschliche Natur und die Macht der Phantasie, sondern auch eine reflexive Betrachtung der Kunst und ihrer Rolle in der Gesellschaft. Die vielschichtige Handlung, kombiniert mit Bulgakows einzigartigem Stil, macht dieses Werk zu einem zeitlosen Klassiker der russischen Literatur.
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2/5
09.12.2024
Buch (Taschenbuch)
Ein „Klassiker“ seiner Zeit und seines Landes
Dieser russische Klassiker in (pseudo)philosophischem Gewand steckt voller Possen und Schelmerei. Im Wechselspiel zwischen Religions- und Gesellschaftskritik kippen auch die Kapitel zwischen hervorragender literarischer Qualität und skurriler Mittelmäßigkeit hin und her. Das zwischenzeitlich ausgezeichnete Sprachspiel zieht dennoch krampfhaft ein lahmes Bein hinter sich her und nötigt Buchhändler/innen, des Öfteren nach schlagkräftigen Argumenten zur Rechtfertigung dieses Werkes im Regal der Weltliteratur zu suchen. Auch die Figur des Satan verkommt in diesem Erguss zu einem abgebrannten Magier, welcher auf seine Gehilfen angewiesen bleibt. Das Buch im Buch über Pontius Pilatus besitzt bedauerlicherweise mehr Substanz und Sogwirkung als das eigentliche Werk selbst.
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