Die Mathematikstudentin Charlie sitzt mit einem blauen Auge in der U-Bahn. Eben hat sie noch »schlechter Mensch« gegoogelt, jetzt ist sie auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining für Frauen. Nur wenn sie daran teilnimmt, darf sie weiter bei ihrer besten Freundin Ella wohnen. In ihre eigene Wohnung kann sie nicht zurück. Doch mit den »Schwerverbrecherinnen« aus der Gruppe will Charlie nichts zu tun haben. Ist es denn ihre Schuld, dass ihr Exfreund Valentin sie immer wieder zur Weißglut trieb? Dabei hatte es gut angefangen: Mit ihm an der Seite fühlte sie sich endlich schön, als besserer Mensch. Bis es eskalierte. Erst im Austausch mit den anderen Frauen beginnt Charlie, Verantwortung zu übernehmen und ihre Geschichte neu zu erzählen. Mit Ellas Unterstützung kämpft sie sich aus der Spirale von Wut, Schmerz und Scham heraus.
Mit Leichtigkeit und Witz erzählt Clara Leinemann in Gelbe Monster von tradierten Liebesidealen, weiblicher Gewalt und emotionaler Abhängigkeit. Ein mitreißendes Debüt, dessen Antiheldin so liebenswert ist, dass man sich auf der letzten Seite nicht von ihr trennen möchte.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bewertung
5/5
13.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Female rage at its not so finest.
Charlie kann ihre Wut nicht kontrollieren und sie muss zum Antiaggressionstraining. Schon zu beginn des Buches wird deutlich, dass sie irgendwas gemacht haben muss, um dort zu landen. Was aber tatsächlich passiert ist und wie aus einer sehr liebevollen Frau gleichzeitig auch eine kontrollierende und wütende wird, zeigt Clara Leinemann in diesem Buch sehr gut. Wenn zu dieser nicht kontrollierbaren Wut, die Charlie spürt, der perfekte Anzünder in Form einer nicht wirklich gesunden Beziehung gegeben wird, geht alles in Flammen auf. Dieses Buch hat mich total umgehauen, vor allem weil es so ehrlich und angreifbar ist.
Island
aus Nürnberg
5/5
22.06.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Perspektivwechsel
Das Cover von "Gelbe Monster" ist definitiv auffällig gestaltet und wirkt nicht gerade freundlich, sodass irgendwie klar ist, dass man keinen Wohlfühlroman erwarten darf.
Zu Beginn des Buches sitzt Protagonistin Charlie mit einem blauen Auge in der U-Bahn und ist auf dem Weg zu einem Anti-Aggressionstraining. Eigentlich könnte alles gut sein in ihrem Leben, sie macht gerade ihren Master in Mathematik, als sie auf Valentin trifft und sich in ihn verliebt. Doch nun ist alles anders und man erfährt nach und nach, wie es so weit gekommen ist. Das ist sehr aufschlussreich und ermöglicht es, einmal die gewohnte Perspektive zu wechseln, aus der man fast automatisch davon ausgeht, dass wenn dann Männer gewalttätig werden. Diese Thematik, der sich der Roman am Beispiel von Charlie und anderen aus ihrer Therapiegruppe widmet, halte ich für sehr wichtig.
Beim Hörbuch hat mir die Sprecherin sehr gut gefallen, sie passt dazu, wie man sich die Protagonistin vorstellt und man kann sich so noch besser in Charlie hineinversetzen. Etwas schwierig gestalteten das Zuhören aber teilweise die Zeitsprünge, weil diese nicht immer offensichtlich waren, sodass sie zunächst für etwas Verwirrung sorgten.
wonderland09
5/5
11.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Weibliche Gewalt in (toxischen) Beziehungen
Gestaltung:
---------------
Die Farbgestaltung mit dem Monster hatte mich zunächst an ein Kinderbuch denken lassen. Aber ein Monster als Symbol für kindliche Ängste und die Farben Lila, gelb und schwarz für eine Gefühlsmischung aus Wut, Trauer, Neid gemischt mit einem Hauch Feminismus, sind sehr passend gewählt. Definitiv macht dieses Cover neugierig!
Inhalt:
---------------
"Charlie war der tiefsitzenden, grundlegenden Überzeugung, dass alles an ihr falsch war. Seit der Pubertät hatte sie immer wieder den Versuch unternommen, sich zu ändern und ein besserer Mensch zu werden. Sie wollte Shakira werden, sie wollte Helene aus der 9b werden, oder die Hauptfigur aus einer Serie, die alle in der Oberstufe sich anschauten, eine unbändige, schöne Teenagerin fatale mit glorifiziertem Drogenproblem.
So blieb es auch während des Studiums: Charlie wollte nahezu alle Frauen sein, die sie sah, nur nicht sich selbst; ihr Selbst war faul, hässlich und schaffte es nicht mal, das Pfand wegzubringen."(S. 19)
Die Mathematikstudentin Charlie fühlt sich immer schon als Außenseiterin. Als sie sich in Valentin verliebt, scheint alles perfekt. Sie fühlt sich schöner und als ein besserer Mensch. Doch dann läuft irgendetwas schief und schließlich sitzt Charlie mit einer verbundenen Hand und einem blauen Auge in der U-Bahn und ist auf dem Weg zum Antiaggressionstraining. Was ist passiert? Wird es Charlie gelingen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen?
Mein Eindruck:
---------------
"Sie sagte, von Gustav wisse sie, dass Valentin sich total als Opfer in der Beziehung darstellen würde, »Das ist so typisch« , fluchte sie, »sich verhalten wie ein kompletter Badboy und dann mit der Wut der Freundin nicht umgehen können und sagen, sie würde immer so ausrasten und sei so manipulativ. Das ist so unmöglich, das ist so sexistisch von ihm. Als dürfe eine Frau nicht auch mal wütend werden.«" (Ella zu Charlie, S. 169)
Das Thema an sich hätte mich erst gar nicht angesprochen, aber das Titelbild hatte mich neugierig gemacht und diese Neugier brachte mich dazu, mal kurz ins erste Kapitel reinzulesen. Und ab da konnte ich dann einfach nicht mehr aufhören, bis zum Ende. Das Buch hatte definitiv eine Sogwirkung auf mich!
Im Klappentext hieß es, die Autorin erzähle die Geschichte "klug und mit Witz". Den Witz konnte ich nicht feststellen, allerdings beschreibt sie alles mit einem feinen Gespür für die menschlichen Bedürfnisse und für tägliche Situationen und das hat den Reiz beim Lesen für mich ausgemacht.
Die Handlung ist in sofern fesselnd, weil sie zwischen Gegenwart und Rückblenden hin und her springt und man wissen möchte, wie Charlie in die Anfangssituation in der U-Bahn hineingeraten ist. So entfaltet sich das Geschehen erst nach und nach vor dem Leser. Da alles aus Charlies Perspektive beschrieben ist, kann man sich gut in sie hineinversetzen und ich konnte ihr Handeln dadurch größtenteils nachvollziehen. Valentins Perspektive und seine Motivation bleiben leider etwas blass. Ich kann gut verstehen, dass sein Verhalten häufig provokant auf sie gewirkt haben muss. Ich war beim Lesen auch des Öfteren versucht, ihn zu schütteln und zu sagen: "Was ist los mit Dir?" Auch wenn die Gewaltausbrüche von Charlie nicht sein dürften, so empfand ich auch sein Verhalten nicht korrekt und vermutlich hat er ebenfalls Probleme mit seinem Selbstwert. Daher entwickelt sich die Beziehung für beide leider in eine ungünstige Richtung.
Auch wenn ich Charlies Ausraster missbillige, so schwingt in der Erzählung immer wieder mit, dass manchmal Frauen durch das Verhalten von Männern dahin getrieben werden und sich nicht anders zu wehren wissen als körperlich. Diese Täter-Opfer-Umkehrung finde ich problematisch und hat mich nachdenklich zurückgelassen.
Leider wurde das Thema von Charlies problematischer Beziehung zu ihrer Mutter immer mal wieder kurz angerissen, aber nie ausgeführt, obwohl es scheinbar eine der Ursachen für Charlies Minderwertigkeitsgefühle darstellte. Hier hätte ich eine erklärende Episode gut gefunden. Das Ende hinterlässt ein mulmiges Gefühl bei mir, vor allem, weil es realistisch ist.
Insgesamt gefiel mir das Buch sehr gut und es macht auf ein wichtiges gesellschaftliches Problem aufmerksam und regt zum Nachdenken über Beziehungen und das Thema Grenzen setzen an.
Fazit:
---------------
Fesselnd geschriebener Roman über weibliche Gewalt, toxische Beziehungen und den gesellschaftlichen Umgang zwischen den Geschlechtern
Bewertung
5/5
08.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn Liebe kippt
Gewalt in der Beziehung, diese Phrase löst im Kopf gewisse Bilder aus. Von Männern, die agressiv werden und Frauen, die sich nicht wehren können und doch immer wieder zurück kommen. Clara Leinemann erzählt diese Geschichte neu.
Denn diesmal ist es Clara, die in ihrer Beziehung zu Valentin die Grenzen überschreitet. Von Anfang an ist es für sie die große Liebe und sie tut alles dafür, dass jeder das auch so sieht- vor allem Valentin. Doch während er immer wieder versucht aus der Beziehung auszubrechen, klammert sie sich nur umso enger an diesen Halt, der zum Zentrum ihres Lebens geworden ist. Und gleichzeitig wächst du Wut in ihr.
Weil wir als Lesende von außen auf diese Beziehung blicken, ist von Anfang an klar, dass Clara mehr von Valentin will als dieser zu geben bereit ist. Immer mehr stürzt sie sich in diese Spirale aus Verlangen nach Nähe und den wiederkehrenden Vertrauensbrüchen und Enttäuschungen, die dazu führen, dass sich in ihr eine rasende Wut aufbaut, die sich zunächst gegen sich selbst und später immer mehr auch gegen Valentin richtet.
Diese Toxizität des Miteinanders, die Clara ihrer gesamten Umwelt gegenüber aufbaut, und gleichzeitig das Verständnis für ihr Verhalten, nachdem man nach und nach auch mehr über ihre Vergangenheit erfährt, entwickeln eine spannende Ambivalenz, die mich sehr berührt hat.
Eiegntlich mag man in dieser Geschichte niemanden so wirklich, am wenigsten Clara selbst, und doch möchte man sie am liebsten in den Arm nehmen und vor sich selbst beschützen.
Dieses Buch hat ganz vortrefflich mit meinen Emotionen gespielt!
Nina
5/5
06.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wutexplosion
In „Gelbe Monster“ von Clara Leinemann, erschienen im Suhrkamp Verlag, geht es um Charlie, die schleichend von einer tiefgreifenden Obsession eingenommen wird. In ihrem Leben dreht sich alles um Valentin. Im Zentrum der Geschichte steht eine intensive Beziehung, die von Anfang an zum scheitern verurteilt ist. Dabei wird Charlies Wut schleichend radikaler und sie zunehmend gewalttätiger.
Wow. „Gelbe Monster“ hat alle meine Erwartungen übertroffen und mich oft zum Nachdenken gebracht. Charlies Gedankenwelt mit all ihren zerstörerischen, wutgeladenen aber teils auch nachvollziehbaren Gedanken/Gefühlen, sorgt für ein echt spannendes Leseerlebnis. So hab ich zwar die Gewalt die von Charlie ausgeht verurteilt, gleichzeitig aber auch verstanden wo der Ursprung dieser Wut liegt. Genau dieser Mix macht das Buch für mich so interessant, da sowohl „Täterin“ als auch „Opfer“ nicht klischeehaft beschrieben sind, sondern mehrdimensional dargestellt werden. Durch diese Komplexität wird man sehr herausgefordert, was ich unglaublich gelungen finde.
Für mich war „Gelbe Monster“ ein absolutes Highlight, da es weibliche Wut in all ihrer Vielschichtigkeit aufzeigt und gleichzeitig Raum für eigene Gedanken lässt. Ein kurzes, aber explosives Buch, welches mir lange im Kopf bleiben wird.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
24.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ist es eine Straftat sich zu verlieben?!
Ein beeindruckendes Debüt einer jungen Autorin, das mich positiv überrascht hat. Dabei lernt man die "Antiheldin" Charlie kennen, die ein Antiaggressionstraining für Frauen absolviert, nachdem sie ihren Freund Valentin wiederholt angegriffen hat. Die Beziehung zu ihm scheint zu Beginn "perfekt" zu sein, doch die Abwärtsspirale an toxischer Abhängigkeit beginnt. Ihre beste Freundin Ella hat langsam auch genug von Charlies' Verhalten und setzt ihr ein Ultimatum - das Antiaggressionstraining oder der Auszug aus der gemeinsamen Wohnung.
Ein psychologisch sehr spannender Roman, der subtil aber dennoch klar und deutlich Themen wie toxische Abhängigkeit & partnerschaftliche Gewalt anspricht.
Für mich ein starkes Debüt, das mich nachhaltig beschäftigt hat. Eine klare Leseempfehlung von mir!
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
25.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Debüt mit Wucht
Clara Leinemann schreibt ihren Debütroman rund um ihre Antiheldin Charlie. Charlie liebt Valentin, ist über beide Ohren weg verliebt und versteht plötzlich gar nichts mehr, denn - sie findet sich als Teilnehmerin eines Antiaggressionstrainings für Frauen wieder, ihre beste Freundin Ella lässt erst wieder locker, wenn sie dieses besteht und zusätzlich einen Therapieplatz für sich findet und auch Valentin blockt sie auf einmal ab, geht in Achtung, sobald sie eine Fliege in seiner Nähe zu verscheuchen versucht. Was ist hier los? Charlies Sicht auf ihre perfekte Beziehung zu Valentin scheint nach und nach klarer zu werden, was ach so fein schien, war es eigentlich gar nie wirklich und bald schon muss sie sich selbst, ihrem Schmerz, ihrer Wut, ihrer Scham stellen.
Durch die umherspringende Erzählweise bleiben Lesende stets gespannt, mit jeder neuen Erzählung auch lernen wir Charlie Schicht um Schicht persönlicher kennen. Sehr spannend, dass sie sich lieber mit dem Allgemeinen befasst und wir dadurch immer wieder kurze Einblicke in ihr Innenleben erhaschen. Ich habs sehr gerne gelesen! Ein Debütroman aus Berlin, der heraussticht und ich bin gespannt, was Clara Leinemann noch so schreiben wird.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
4/5
09.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Frustrierend aber realistisch
Puh. Schwieriges Buch.
Ich glaube, „Gelbe Monster“ ist eines dieser Bücher, bei denen ich die Qualität anerkennen kann und gleichzeitig keine besonders angenehme Leseerfahrung hatte. Und genau das ist irgendwie das Komplizierte daran: Es war so gut geschrieben, dass ich es stellenweise richtig fürchterlich fand. Also im positiven Sinn für das Buch, aber nicht unbedingt für meine Nerven.
Die Beziehung in diesem Buch war einfach durchgehend toxisch. Wirklich. Es war teilweise kaum auszuhalten. Die Gedanken der Protagonistin waren oft ein einziger Krampf, aber genau deshalb wahrscheinlich auch so glaubwürdig. Man merkt, wie sie sich ständig Dinge schönredet, relativiert oder versucht, Situationen anders einzuordnen, als sie eigentlich sind.
Was ich dem Buch definitiv zugutehalten muss: Es spricht über häusliche Gewalt und zwar nicht nur in der Form, wie viele Menschen sie sofort vor Augen haben. Es geht auch darum, welche Verhaltensweisen wir gesellschaftlich oft herunterspielen oder gar nicht erst als Gewalt wahrnehmen. Dieses ständige „Ist doch nicht so schlimm“ oder „War doch nur ein Scherz“ wird hier ziemlich gut aufgegriffen. Und ja, es ist wichtig, dass darüber gesprochen wird. Genauso wichtig finde ich, dass gezeigt wird, dass Frauen ebenfalls Täterinnen sein können und dass Gewalt nicht plötzlich harmlos wird, nur weil sie von einer Frau ausgeht.
Trotzdem hatte ich über weite Strecken das Gefühl, dass die Protagonistin sich nicht wirklich weiterentwickelt. Sie reflektiert zwar ständig, aber oft wirkte es eher so, als würde sie sich die Situation immer wieder neu erklären, statt tatsächlich etwas daraus zu lernen. Man will unbedingt wissen, wie es weitergeht, gleichzeitig merkt man aber auch, wie vieles hinausgezögert wird. Streit, Versöhnung, Streit, Rechtfertigungen, wieder Streit. Ein Kreislauf, der wahrscheinlich genau deshalb so frustrierend ist, weil er realistisch ist.
Besonders spannend fand ich, dass die Protagonistin ihrem Freund immer wieder bestimmte Verhaltensweisen vorwirft, während sie selbst ähnliche Muster zeigt. Das heißt nicht, dass er unschuldig wäre – ganz im Gegenteil. Aber ich hätte tatsächlich gerne einmal dieselbe Geschichte aus seiner Perspektive gelesen. Nicht um ihn zu verteidigen, sondern weil das Gesamtbild für mich dadurch vielleicht runder geworden wäre.
Was mich ebenfalls beschäftigt hat, war die angedeutete Vergangenheit mit ihrer Mutter. Immer wieder wird angedeutet, dass dort einiges schiefgelaufen ist, aber wirklich thematisiert wird es nie. Anfangs fand ich das frustrierend, später dachte ich mir, dass das vielleicht Absicht ist. Vielleicht soll man eben nicht automatisch bei jeder problematischen Handlung nach einer Erklärung suchen, die alles entschuldigt. Eine schwierige Kindheit kann vieles erklären, aber sie nimmt einem nicht die Verantwortung dafür, wie man später handelt und wie man mit seinen Problemen umgeht.
Deshalb fand ich es auch gut, dass das Thema Therapie viel Raum bekommen hat. Die Gruppensitzungen und die anderen Charaktere dort fand ich teilweise sogar spannender als die eigentliche Geschichte. Man bekommt einen Einblick in Dynamiken, mit denen viele Menschen wahrscheinlich nie direkt in Berührung kommen, und versteht dadurch zumindest ein Stück weit besser, wie solche Situationen entstehen und warum es so schwer sein kann, da wieder herauszukommen.
Auch die Freundschaft zu ihrer besten Freundin hat bei mir gemischte Gefühle ausgelöst. Einerseits war ich froh, dass diese Freundin da war, weil man merkt, wie wichtig solche Menschen in Krisen sein können. Andererseits hatte ich oft das Gefühl, dass unglaublich viel Verantwortung und emotionale Last auf ihr abgeladen wird.
Und dann ist da noch die gesamte Vorgeschichte der Beziehung. Sie hatte jahrelang einen Crush auf ihn, er betrügt seine damalige Freundin mit ihr, die Freundin kennt wiederum Menschen aus ihrem Umfeld – eigentlich waren schon die Ausgangsbedingungen eine einzige Katastrophe. Nichts an dieser Beziehung wirkte jemals gesund. Wirklich gar nichts.
Das Ende hat mich dann leider auch nicht zufrieden zurückgelassen. Als Valentin plötzlich wieder auftaucht und man erfährt, dass er anscheinend immer wieder durch diese Straße spaziert ist, obwohl er längst eine neue Freundin hat, konnte ich nur noch den Kopf schütteln. Und als dann die Frage von der neuen Freundin kommt, ob er vielleicht genau deshalb immer dort unterwegs war, damit sie sich zufällig begegnen, war mein einziger Gedanke: Bitte sucht euch beide Hilfe.
Ich bin ehrlich gesagt immer noch unsicher bei der Bewertung. Einerseits fand ich das Buch extrem gut geschrieben. Andererseits war es so unangenehm, frustrierend und emotional anstrengend, dass ich es oft kaum ausgehalten habe. Aber vielleicht ist genau das die Stärke des Buches. Es zeigt eine toxische Dynamik nicht romantisiert, nicht schöngefärbt und nicht mit einem befriedigenden Ende, sondern genauso, wie sie wahrscheinlich oft tatsächlich ist.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
4/5
30.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Liebe oder Kontrollsucht?
Wenn man an Gewalt in Beziehungen denkt, hat man sofort das Bild von einem aggressiven Mann im Kopf. Doch wie sieht es eigentlich aus, wenn die Rollen plötzlich getauscht sind? Clara Leinemann nimmt uns mit auf die Achterbahn der Gefühle ihrer Hauptfigur Charlie, die nach mehreren psychischen sowie physischen Attacken auf ihren Partner an einem Anti-Aggressionstraining für Frauen teilnimmt. Dabei werden mentale Probleme in Beziehungen wie Verlustängste, Manipulation und toxische Abhängigkeit brutal, aber dennoch verständlich dargestellt. Während und nach diesem Leseerlebnis kommt man gar nicht umhin, an seiner eigenen Moral zu zweifeln – denn Gewalt bleibt Gewalt, egal von welchem Geschlecht sie ausgeübt wird. Und wie schlimm diese Angriffe wahrgenommen werden, kann letztlich nur das Opfer wissen. Dieser Debütroman hat mich mit seinen einzigartigen Themen, seiner Direktheit sowie seiner verletzlichen Menschlichkeit vollkommen überzeugt.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.