Regina Denks Roman Der Fährmann erzählt ein atmosphärisch düsteres Familiendrama an der deutsch-österreichischen Grenze zur Zeit des Ersten Weltkriegs.Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts: Als Fährmann muss Hannes Winkler dem Brauch folgen, sich keine Frau zu nehmen. Denn sollte sein gefährlicher Beruf sein Leben fordern, darf er keine bedürftigen Angehörigen zurücklassen. Hannes' Herz gehört trotzdem schon lang seiner Jugendfreundin Elisabeth. Doch die ist Josef Steiner versprochen, dem Erben des größten Hofes am diesseitigen Ufer der Salzach. Das trifft nicht nur Hannes und Elisabeth hart, die seine Gefühle erwidert: Elisabeths beste Freundin Annemarie hatte sich Hoffnung auf eine Heirat mit Josef gemacht.Während der Erste Weltkrieg die kleine Gemeinschaft diesseits und jenseits der Salzach in Österreich und Deutschland spaltet, gerät das Leben der vier jungen Leute in einen Strudel aus Gewalt, Aufbegehren und Schuld. Als schließlich ein Kind verschwindet, wird eine tödliche Spirale in Gang gesetzt.Ein spannendes Hörbuch mit Tiefgang, authentischen Figuren und sprachlicher Raffinesse:Eindrucksvoll erweckt Regina Denk die beiden Dörfer an der Salzach zum Leben, die - verbunden durch den Fährmann - seit jeher eine Gemeinschaft bilden. Bis der aufkeimende Nationalismus den Frieden empfindlich stört. Bis ein Krieg ausbricht, der die Welt verändert. Bis Freundschaft und Neid, Liebe und Schuld ein Drama in Gang setzen, das sich nicht mehr aufhalten lässt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
Bewertung
5/5
03.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie viel kann eine Freundschaft ertragen ?
Ich schreibe kaum Rezensionen, aber dieses Mal war ich so begeistert, dass ich mir die Zeit nehmen musste, meine Gedanken in Worte zu fassen.
Dieses Buch erzählt eine Liebesgeschichte – und eine noch viel größere Freundschaft. Es erzählt von einer Kindheit in einer Zeit, in der es für viele Kinder keine wirkliche Kindheit gab. Es ist ein Spiegel der Gesellschaft vor rund 100 Jahren: einer Gesellschaft, in der Jungen systematisch dazu erzogen wurden zu herrschen und zu bestimmen, während Mädchen lernten zu schweigen, zu ertragen und zu lächeln. Es geht um gesellschaftliche Erwartungen, patriarchale Strukturen und darum, wie Frauen zum Spielball der Männer wurden.
Wenn ihr sehen möchtet, wie schlimm das Patriarchat vor einigen Jahrzehnten noch war und welche Folgen es für das Leben unzähliger Frauen hatte, dann kann ich euch dieses Buch von Herzen empfehlen.
Dieses Buch bewegt das Herz. Es bricht es, heilt es wieder – nur um es anschließend erneut zu zerbrechen. Und genau in dem Moment, in dem man glaubt, dass es kein Happy End mehr geben kann, überrascht es einen doch noch.
Es schenkt Hoffnung und erinnert daran, dass selbst in den kältesten Nächten das Gute im Herzen der Menschen erblühen kann – und dass Heilung dort möglich ist, wo längst keine Hoffnung mehr zu sein schien.
Bewertung
5/5
24.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mitreißend wie ein Fluß
Diese Geschichte zieht einen von der ersten Seite in seinen Bann. Ich liebe es wenn ein Buch es schafft dass meine Gedanken, auch wenn ich nicht lese um die Geschichte kreisen.
Ich konnte mich so gut in die Frauen reinfühlen und ich fand es oft unerträglich was ein Mensch auszuhalten hatte in dieser Zeit. Ich muss jetzt ein paar Tage warten bis ich das nächste Buch starte weil für das nächste Buch wird es jetzt schwer meine Erwartungen zu erfüllen
Absolutes Lesehighlight
leseratte1310
Thalia Book Circle Community
5/5
17.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr intensiver historischer Roman
Die Salzach trennt die Orte Hohenwart und Siegering und doch sind die Bewohner miteinander verbunden. Um von einem Ufer zum anderen zu kommen, müssen sie mit der Fähre übersetzen. Der Beruf des Fährmanns ist gefährlich, daher darf er nicht heiraten, um keine bedürftige Familie zurückzulassen, falls ihm etwas passiert. Hannes Winkler hat den Beruf von seinem Onkel übernommen, denn als jüngster in der Familie hätte er sich sonst als Knecht verdingen müssen. Seit Kindertagen gehört sein Herz der Elisabeth Hofer, die dem Steiner Josef versprochen ist. Elisabeths Freundin, die Annemarie Stiegl von der Salzschenke, hatte sich Hoffnung gemacht, dass der Josef sie heiratet. Aber wie schon immer, bestimmen Tradition und die Männer das Schicksal der Menschen. Dann ziehen die Männer in den Krieg und die Frauen müssen schauen, wie sie zurechtkommen. Viele Männer kommen nicht wieder zurück und die, die zurückkommen, haben ihre Verletzungen davongetragen.
Die Autorin Regina Denk macht es dem Leser nicht leicht mit ihrem historischen Roman. Das Leben ist hart und grausam. Die Väter und Ehemänner bestimmen über die Geschicke der Familie und sorgen gewalttätig für Zucht und Ordnung. Die Frauen sind nichts wert und haben sich zu fügen. Der Hannes hat sich zu fügen, weil er der jüngste Sohn ist, die Elisabeth, weil sie vom Vater versprochen wurde und die Annemie, weil sie für das Auskommen der Wirtsfamilie mit geradestehen muss. Hannes hat sich geschworen, dass er sich nie etwas zuschulden kommen lassen wird und so hält er sich zurück, wo er hätte eingreifen sollen. Lisi erträgt ihr Schicksal bis es fast zu spät ist und Annemie findet einen Weg, sich ein Stück Freiheit zu verschaffen.
Eigentlich sollte man annehmen, dass unter diesen unsäglichen Bedingungen sich die Frauen solidarisieren, doch sie machen sich das Leben schwer, schauen weg und schweigen. So kann es geschehen, dass das Böse von einer Generation zur anderen weitergegeben wird und es zu einer tragischen Entwicklung kommt, die das Leben der Freunde verändern wird. Plötzlich wachsen Menschen über sich hinaus, von denen man es nicht erwartet hätte.
Die Sprache in diesem Roman ist passend zur Handlungszeit und die Atmosphäre düster und bedrückend, aber auch fesselnd. Es ist oft schwer zu ertragen, mit welcher Grausamkeit vorgegangen wird und alle wegsehen und entschuldigen.
Es ist ein wunderbarer atmosphärisch dichter, aufwühlender Roman mit vielschichtigen Charakteren. Meine absolute Leseempfehlung!
Chris70
5/5
15.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Aufwühlend
Annemarie, Elisabeth und Hannes sind seit Kindertagen Freunde. Doch je älter sie werden, um so mehr trennen sich ihre Wege. Elisabeth und Hannes haben Gefühle zueinander, doch Hannes ist ungewollt ein Fährmann und ein Fährmann hat keine Frau.
Elisabeth wiederum wird dem Josef zugesprochen. Die Eltern entscheiden darüber und die Kinder müssen dem folgen.
Die Annemarie wiederum arbeitet hart im Wirtshaus ihrer Eltern und hat ein unfreiwilliges Verhältnis mit dem Josef.
Der Josef selbst hat von Kindheit an nur Härte kennengelernt und gibt diese kompromisslos weiter.
Welches Leben erwartet die Drei..
Kennt ihr das? Wenn wie mit einer Kneifzange dein Magen und dein Herz zusammengedrückt wird und du trotzdem nicht aufhören kannst zu lesen? So ist es mir hier ergangen.
Der außerordentlich kraftvolle, tiefgehende und teilweise poetische Erzählstil der Autorin matcht mit meinem Geschmack vollständig.
Ich litt mit allen drei Hauptfiguren physisch und psychisch mit.
Ja, solche Schicksale sind vielleicht der Zeit Anfang des 19. Jhd. geschuldet und trotzdem ist etwas ähnliches auch heutzutage manchen Frauen nicht fremd.
Muss ein Geschlecht ein anderes beherrschen?
Müssen wir Frauen uns von den Männern befreien, damit: „Sie wuchsen, nach oben, nach links und nach rechts, in Winkel, die sonst niemand erreichen konnte, breiteten sich aus, nahmen Platz ein, weil niemand mehr da war, der ihn für sich beanspruchte, allein, und mit keinem teilen konnte. Niemand mehr da war, der sie begrenzte und ihre Kraft verhinderte, bevor sie entstehen konnte." S. 234
Ich bin immer noch der Hoffnung, dass wir es hinbekommen, dass wir, egal welchem „Gender" zugehörig, alle gleichberechtigt sein werden.
Eine beeindruckende, aufwühlende, berührende Geschichte, mit einem Funken Hoffnung zum Schluss. Für mich ein Highlight!
Isabel (engi)
aus Bietigheim-Bissingen
5/5
11.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Fluss, der alles mit sich reißt und keine Gnade kennt!
Mit „Der Fährmann“ präsentiert die talentierte Autorin Regina Denk ihren Leserinnen und Lesern so viel mehr als „nur“ eine Geschichte rund um Hannes, den jungen Fährmann. Um den Fährmann, der nicht heiraten darf, damit seine Familie wegen seines gefährlichen Berufs nicht irgendwann allein dastehen muss, wodurch ein gemeinsames Leben mit seiner geliebten Elisabeth in unerreichbare Ferne rückt. So wird sie schnell an den Jungbauern Josef Steiner verschachert, den sie nicht liebt und der seinerseits auch nie lieben gelernt hat, sondern vom eigenen Vater mit viele Strenge und Schlägen erzogen wurde, die er ungebremst weitergibt. Eine Zweckehe, die in Grausamkeit fast nicht übertroffen werden kann. Auch die junge Annemarie, die damals, als sie noch Kinder waren, die Elisabeth, der Hannes und sie, das dritte Musketier der kleinen Gemeinschaft von Freunden ausmachte, wird verschachert, aber nicht an nur einen Mann, sondern an viele Menschen, die allesamt Gäste der heimischen Gastwirtschaft sind. „Die Gäste müssen zufrieden sein, die Kasse muss stimmen!“ Mit diesen oder ähnlichen Worten der Mutter im Nacken, muss sie oft mehr als ein Lächeln oder einen derben Schwerz über sich ergehen lassen. Während Hannes jeden Tag aufs Neue Menschen über die Salzach von Österreich nach Deutschland und zurückbringt und sein ihm auferlegtes Schicksal still erträgt, müssen die beiden Frauen jeden Tag wieder nicht nur seelische, sondern auch körperliche Leiden ertragen, die sie bald an ein gefährliches Limit bringen. Als der aufkommende Krieg dem Martyrium wenigstens ein bisschen Einhalt zu gebieten scheint, keimt ein kleines Pflänzchen der Hoffnung auf. Darf es wachsen, oder wird es gnadenlos wieder niedergetrampelt werden?
Regina Denk hat mit ihrem für mich zweiten Buch aus ihrer Feder eine bild- und sprachgewaltige Story erschaffen, die ihresgleichen sucht. Sie erzählt eine Geschichte, die mir als Leserin den Fluss und vor allem auch die Menschen der damaligen Zeit so nahebringt, als wäre ich nicht nur lesenderweise dabei, sondern auch körperlich anwesend. Ich konnte sie spüren, die rohe Gewalt, ich konnte ihn riechen, den faulen Atem aus den Männermündern und ich konnte sie hören, die polternden Schritte betrunkener Männer, die keine Liebe kennen und keine Liebe geben können. Die ihre Kinder auf die gleiche Weise erziehen, wie sie selbst erzogen wurden und somit die nächste Generation roher Männer heranziehen.
Das Bild, das die Autorin zeichnet, ist erschreckend und ließ mich oft innenhalten beim Lesen, um zwischendurch mal wieder im Hier und Jetzt aufzutauchen zu können. Dieses Buch wird mir noch lange in Erinnerung bleiben und somit möchte ich auch für dieses Leseerlebnis mit fünf uneingeschränkten Punkten die volle Punktzahl vergeben. Für mich ist der Roman ein Meisterwerk, das nachhallt. Danke dafür, liebe Regina!
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5/5
25.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unterdrückung als Untiefe des Menschseins
Wie aus einem Guß kommt der heiß ersehnte neue Roman von Regina Denk daher. Zeit und Ort der Handlung sind das ländliche Grenzgebiet zwischen Österreich und Deutschland vor und im zweiten Weltkrieg. Also ein historisches, ländliches Setting, in dem gesellschaftliche Konventionen das Leben prägen und Lebenswege bestimmen – wen man lieben darf, wie man als Frau und Mann zu sein hat. Dank lebendig dargestellten, authentischen Charakteren und großen Lebensdramen ohne Pathos fühlt sich die Geschichte zeitlos und wie immer dagewesen an. Mit den Themen weibliche Unterdrückung und Selbstermächtigung als konstantes Hintergrundrauschen entwickelt dieser tolle Roman ein Lesesog, dem man sich nicht entziehen kann! Große, mitreißende Literatur mit Klassiker-Feeling!
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5/5
17.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Düster, tragisch…
Die Protagonisten sind so authentisch und greifbar. Sehr bildhaft aus verschiedenen Blickwinkeln der Protagonisten erzählt. Tragische, schicksalhafte Familiengeschichte um Anfang 1910. Ein großartiges Buch. Der Schreibstil ist flüssig, ich konnte mich schwer der düsteren Geschichte entziehen. Absolute Empfehlung.
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5/5
10.03.2026
eBook (ePUB 3)
Kompromisslos und düster
Auch mit ihrem zweiten Roman kann die Autorin wieder ausgezeichnet aufwarten.
Der Schreibstil ist bildgewaltig, kompromisslos und ehrlich. Die Stimmung ist düster und atmosphärisch, die Geschichte voller Tiefgang und harter Dramatik mit authentischen Figuren.
Ein bewegendes Drama ... für mich stilistisch und inhaltlich ein Meisterwerk!
Von Anfang an hat mich dieses Buch magisch angezogen und ich kann gar nicht genau sagen, wieso, aber sowohl das Cover als auch der Titel gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. Und was soll ich sagen? Mein Instinkt war richtig, denn „Der Fährmann“ ist definitiv jetzt schon ein Jahreshighlight für mich.
Worum geht es?
Wir befinden uns kurz vor dem 1. Weltkrieg an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Die drei Freunde aus Kindertagen – Hannes, Elisabeth (Lisi) und Annemarie (Annemie) – werden gemeinsam erwachsen und erleben sowohl private als auch geschichtliche Dramen. Annemarie liebt Hannes, der liebt Lisi, die liebt ihn auch, wird aber mit Josef verheiratet, um die beiden Bauernhöfe zu verbinden. Es geht um Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Tradition und Verpflichtungen, Neid, Eifersucht und Gewalt, immer vor der Kulisse des brodelnden Krieges.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Hannes, Lisi, Annemarie und Josef erzählt, wobei zwischen den einzelnen Kapiteln Zeitsprünge passieren. Obwohl manchmal ein Jahr vergeht, hat man nicht das Gefühl, etwas versäumt zu haben oder etwas nicht zu verstehen. Durch die Zeitsprünge passiert sehr viel und ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, weil ich immer wissen wollte, wie es weitergeht.
Der Schreibstil ist besonders und Regina Denk eine Meisterin der Worte. Sie schreibt so bildhaft und atmosphärisch, dass es mich wie ein Sog in die Geschichte hineingezogen hat. Schon das erste Kapitel „Anderswo“ war mit seinen mystischen, bedrohlichen Beschreibungen des Wassers ein Highlight. Der Fluss wird so personifiziert, dass man meinen könnte, er träfe eigene Entscheidungen. Ein Merkmal des Schreibstils sind zeilenlange Sätze – ich will nicht Schachtelsätze dazu sagen, denn die sind für mich negativ behaftet. In „Der Fährmann“ macht es Spaß, den Sätzen zu folgen, sie sind nie kompliziert oder wirken gewollt; man folgt ihnen atemlos, wie einen die ganze Geschichte atemlos macht.
Obwohl der Titel des Buches „Der Fährmann“ lautet, erfährt man im Vergleich zu den anderen recht wenig über Hannes. Trotzdem ist er ein wichtiger Part, sozusagen der Mittelpunkt, um den alle anderen kreisen. Nur dank ihm sind die Menschen mobil, er kennt viele Geheimnisse, die er auf seinen zahlreichen Fahrten über die Salzach mitbekommt. (Der Beruf des Fährmannes war mir vorher nicht wirklich bekannt. Welchen Gefahren sich diese Männer ausgesetzt haben, ist unglaublich. Dazu immer erreichbar sein, keine eigene Familie haben dürfen ...) Und Hannes ist ein Sympathieträger, hilfsbereit, würde keinen anderen verletzen, schon gar nicht die Menschen, die ihm wichtig sind. Er nimmt einen neutralen Part ein, wenn alle anderen vom Fremdenhass aufgestachelt sind. Wie einfach das geht und dass es nicht wirklich einen Unterschied zwischen damals und heute gibt, zeigt dieses Buch deutlich auf. Es ist so erschreckend, dass Krieg immer noch mit dem Adjektiv „heldenhaft“ verbunden wird. Dass niemand als Held zurückkommt, macht die Geschichte deutlich.
Wie Frauen im Buch behandelt werden und welchen Wert sie haben, ist erschreckend. Wenn man bedenkt, dass nur etwas mehr als hundert Jahre vergangen sind. Dass es Annemarie und Lisi bis zum Schluss geschafft haben, gleicht einem Wunder. Besonders Lisi, die kurz nach der Hochzeit mit Josef schon nur mehr einem Geist gleicht, muss so viel ertragen. Ich habe selten mit einer Figur so mitgelitten. Auch die Ablehnung, die sie vom eigenen Elternhaus bzw. ihrer Mutter erfährt, als sie sich hilfesuchend an sie wendet, hat mir Gänsehaut beschert. Und dann noch die Tatsache, dass die Mutter um die schlechte Behandlung weiß, ihrer Tochter aber trotzdem rät, zu ihrem Mann zurückzugehen, macht einen sprachlos. Zusammenfassend für die Mütter im Text kann man sagen, dass sie alles wissen, aber nichts tun. Sie schicken ihre Töchter bewusst ins Elend oder sehen einfach nur zu. Das finde ich genauso schrecklich wie Josefs Taten.
Obwohl Josef das Gegenstück zu Hannes darstellt, kann man ihn an manchen Stellen verstehen. Er ist selbst mit Gewalt aufgewachsen, hat nie ein liebes Wort erfahren, was er möchte, interessiert den strengen Vater nicht. Irgendwann bleibt aus seiner Sicht nichts anderes übrig, als sich mit Gewalt Gehör zu verschaffen. Es ist ein schleichender Prozess, bis Josef wirklich zum Monster wird, aber die Szene mit dem Fuchs war ein Zeichen, dass es nicht gut enden wird mit ihm – und sehr emotional beim Lesen, wie auch folgende Szenen:
Annemarie wird nach Wilms gebracht,
Lisi verliert das Wichtigste,
der gesamte Showdown
und das letzte Kapitel „Anderswo“ (allein den letzten Satz habe ich mehrmals gelesen, da er so mächtig ist: „[...] es sprachen die Kinder nicht die Sprache des Wassers, verstanden nicht die Warnung und die Sorge, sahen nur das, was die Menschen sehen wollten, und glaubten nur das, was sie glauben konnten anstelle von dem, was war, und dem, was noch immer wahr ist.“)
Die Figur der Annemarie gibt immer wieder Hoffnung, da sie es zumindest teilweise schafft, unabhängig zu werden und das Leben so zu gestalten, wie sie das möchte. Dass die drei Freunde am Ende beschließen, alles anders zu machen, neu zu beginnen, aus den alten Mustern auszubrechen, ist ebenso ein hoffnungsvolles Bild.
Regina Denk hat mit „Der Fährmann“ ein zeitloses Werk geschaffen, das einen sowohl sprachlich als auch inhaltlich nicht mehr loslässt. Die Geschichte schockiert immer wieder, rührt einen immer wieder zu Tränen. Ich kann das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen und werde die Botschaft weitertragen, wie es sich die Autorin in der Danksagung wünscht.
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