Regina Denks Roman Der Fährmann erzählt ein atmosphärisch düsteres Familiendrama an der deutsch-österreichischen Grenze zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts: Als Fährmann muss Hannes Winkler dem Brauch folgen, sich keine Frau zu nehmen. Denn sollte sein gefährlicher Beruf sein Leben fordern, darf er keine bedürftigen Angehörigen zurücklassen. Hannes' Herz gehört trotzdem schon lang seiner Jugendfreundin Elisabeth. Doch die ist Josef Steiner versprochen, dem Erben des größten Hofes am diesseitigen Ufer der Salzach. Das trifft nicht nur Hannes und Elisabeth hart, die seine Gefühle erwidert: Elisabeths beste Freundin Annemarie hatte sich Hoffnung auf eine Heirat mit Josef gemacht. Während der Erste Weltkrieg die kleine Gemeinschaft diesseits und jenseits der Salzach in Österreich und Deutschland spaltet, gerät das Leben der vier jungen Leute in einen Strudel aus Gewalt, Aufbegehren und Schuld. Als schließlich ein Kind verschwindet, wird eine tödliche Spirale in Gang gesetzt. Ein spannendes Hörbuch mit Tiefgang, authentischen Figuren und sprachlicher Raffinesse:
Eindrucksvoll erweckt Regina Denk die beiden Dörfer an der Salzach zum Leben, die - verbunden durch den Fährmann - seit jeher eine Gemeinschaft bilden. Bis der aufkeimende Nationalismus den Frieden empfindlich stört. Bis ein Krieg ausbricht, der die Welt verändert. Bis Freundschaft und Neid, Liebe und Schuld ein Drama in Gang setzen, das sich nicht mehr aufhalten lässt.
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Ein sehr intensiver historischer Roman
leseratte1310 (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 17.05.2026
Bewertungsnummer: 3140666
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Salzach trennt die Orte Hohenwart und Siegering und doch sind die Bewohner miteinander verbunden. Um von einem Ufer zum anderen zu kommen, müssen sie mit der Fähre übersetzen. Der Beruf des Fährmanns ist gefährlich, daher darf er nicht heiraten, um keine bedürftige Familie zurückzulassen, falls ihm etwas passiert. Hannes Winkler hat den Beruf von seinem Onkel übernommen, denn als jüngster in der Familie hätte er sich sonst als Knecht verdingen müssen. Seit Kindertagen gehört sein Herz der Elisabeth Hofer, die dem Steiner Josef versprochen ist. Elisabeths Freundin, die Annemarie Stiegl von der Salzschenke, hatte sich Hoffnung gemacht, dass der Josef sie heiratet. Aber wie schon immer, bestimmen Tradition und die Männer das Schicksal der Menschen. Dann ziehen die Männer in den Krieg und die Frauen müssen schauen, wie sie zurechtkommen. Viele Männer kommen nicht wieder zurück und die, die zurückkommen, haben ihre Verletzungen davongetragen.
Die Autorin Regina Denk macht es dem Leser nicht leicht mit ihrem historischen Roman. Das Leben ist hart und grausam. Die Väter und Ehemänner bestimmen über die Geschicke der Familie und sorgen gewalttätig für Zucht und Ordnung. Die Frauen sind nichts wert und haben sich zu fügen. Der Hannes hat sich zu fügen, weil er der jüngste Sohn ist, die Elisabeth, weil sie vom Vater versprochen wurde und die Annemie, weil sie für das Auskommen der Wirtsfamilie mit geradestehen muss. Hannes hat sich geschworen, dass er sich nie etwas zuschulden kommen lassen wird und so hält er sich zurück, wo er hätte eingreifen sollen. Lisi erträgt ihr Schicksal bis es fast zu spät ist und Annemie findet einen Weg, sich ein Stück Freiheit zu verschaffen.
Eigentlich sollte man annehmen, dass unter diesen unsäglichen Bedingungen sich die Frauen solidarisieren, doch sie machen sich das Leben schwer, schauen weg und schweigen. So kann es geschehen, dass das Böse von einer Generation zur anderen weitergegeben wird und es zu einer tragischen Entwicklung kommt, die das Leben der Freunde verändern wird. Plötzlich wachsen Menschen über sich hinaus, von denen man es nicht erwartet hätte.
Die Sprache in diesem Roman ist passend zur Handlungszeit und die Atmosphäre düster und bedrückend, aber auch fesselnd. Es ist oft schwer zu ertragen, mit welcher Grausamkeit vorgegangen wird und alle wegsehen und entschuldigen.
Es ist ein wunderbarer atmosphärisch dichter, aufwühlender Roman mit vielschichtigen Charakteren. Meine absolute Leseempfehlung!
Aufwühlend
Chris70 am 15.05.2026
Bewertungsnummer: 3139529
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Annemarie, Elisabeth und Hannes sind seit Kindertagen Freunde. Doch je älter sie werden, um so mehr trennen sich ihre Wege. Elisabeth und Hannes haben Gefühle zueinander, doch Hannes ist ungewollt ein Fährmann und ein Fährmann hat keine Frau.
Elisabeth wiederum wird dem Josef zugesprochen. Die Eltern entscheiden darüber und die Kinder müssen dem folgen.
Die Annemarie wiederum arbeitet hart im Wirtshaus ihrer Eltern und hat ein unfreiwilliges Verhältnis mit dem Josef.
Der Josef selbst hat von Kindheit an nur Härte kennengelernt und gibt diese kompromisslos weiter.
Welches Leben erwartet die Drei..
Kennt ihr das? Wenn wie mit einer Kneifzange dein Magen und dein Herz zusammengedrückt wird und du trotzdem nicht aufhören kannst zu lesen? So ist es mir hier ergangen.
Der außerordentlich kraftvolle, tiefgehende und teilweise poetische Erzählstil der Autorin matcht mit meinem Geschmack vollständig.
Ich litt mit allen drei Hauptfiguren physisch und psychisch mit.
Ja, solche Schicksale sind vielleicht der Zeit Anfang des 19. Jhd. geschuldet und trotzdem ist etwas ähnliches auch heutzutage manchen Frauen nicht fremd.
Muss ein Geschlecht ein anderes beherrschen?
Müssen wir Frauen uns von den Männern befreien, damit: „Sie wuchsen, nach oben, nach links und nach rechts, in Winkel, die sonst niemand erreichen konnte, breiteten sich aus, nahmen Platz ein, weil niemand mehr da war, der ihn für sich beanspruchte, allein, und mit keinem teilen konnte. Niemand mehr da war, der sie begrenzte und ihre Kraft verhinderte, bevor sie entstehen konnte." S. 234
Ich bin immer noch der Hoffnung, dass wir es hinbekommen, dass wir, egal welchem „Gender" zugehörig, alle gleichberechtigt sein werden.
Eine beeindruckende, aufwühlende, berührende Geschichte, mit einem Funken Hoffnung zum Schluss. Für mich ein Highlight!
Meinung aus der Buchhandlung
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Wie aus einem Guß kommt der heiß ersehnte neue Roman von Regina Denk daher. Zeit und Ort der Handlung sind das ländliche Grenzgebiet zwischen Österreich und Deutschland vor und im zweiten Weltkrieg. Also ein historisches, ländliches Setting, in dem gesellschaftliche Konventionen das Leben prägen und Lebenswege bestimmen – wen man lieben darf, wie man als Frau und Mann zu sein hat. Dank lebendig dargestellten, authentischen Charakteren und großen Lebensdramen ohne Pathos fühlt sich die Geschichte zeitlos und wie immer dagewesen an. Mit den Themen weibliche Unterdrückung und Selbstermächtigung als konstantes Hintergrundrauschen entwickelt dieser tolle Roman ein Lesesog, dem man sich nicht entziehen kann! Große, mitreißende Literatur mit Klassiker-Feeling!
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Die Protagonisten sind so authentisch und greifbar. Sehr bildhaft aus verschiedenen Blickwinkeln der Protagonisten erzählt. Tragische, schicksalhafte Familiengeschichte um Anfang 1910. Ein großartiges Buch. Der Schreibstil ist flüssig, ich konnte mich schwer der düsteren Geschichte entziehen. Absolute Empfehlung.
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