Produktbild: Das Lied des Propheten

Das Lied des Propheten Roman | Booker Prize 2023

167

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Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB 3

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Verkaufsrang

5269

Erscheinungsdatum

13.07.2024

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

320 (Printausgabe)

Dateigröße

3672 KB

Auflage

4. Auflage, 2026

Übersetzt von

Eike Schönfeld

Sprache

Deutsch

EAN

9783608123272

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB 3

eBooks im ePUB 3-Format erlauben eine dynamische Anpassung des Inhalts an die jeweilige Display-Größe des Lesegeräts. Das Format eignet sich daher besonders für das Lesen auf mobilen Geräten, wie z.B. Ihrem tolino, Tablets oder Smartphones.

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  • entspricht der Vorgabe WCAG v2.2
  • entspricht der Vorgabe WCAG Level A

Verkaufsrang

5269

Erscheinungsdatum

13.07.2024

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

320 (Printausgabe)

Dateigröße

3672 KB

Auflage

4. Auflage, 2026

Übersetzt von

Eike Schönfeld

Sprache

Deutsch

EAN

9783608123272

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  • Martina Meyen

    aus Sankt Augustin

    5/5

    29.09.2024

    eBook (ePUB 3)

    Das intensivste Buch in diesem Jahr

    Ich habe schon gewusst, auf was ich mich einlasse, aber dieses Buch hat mich an meine Grenzen gebracht. Dieses Mal waren es nicht die furchtbaren Dinge aus der Vergangenheit, sondern ich hatte ständig im Kopf, dass es so oder so ähnlich in der nahen Zukunft passieren könnte. Denn als Ort des Geschehens hat David Lynch keinen fiktiven Ort gewählt, wie es ja häufig in Dystopien der Fall ist. Nein, Schauplatz ist Dublin und das ist verdammt nah. Dort begegne ich der Wissenschaftlerin und vierfachen Mutter Eilish Stack, die zuerst ihren Mann an das neue System verliert und das ist erst der Anfang von vielen mysteriösen Dingen, die ihr Leben immer mehr in den Abgrund stürzen. An den Schreibstil musste ich mich zunächst gewöhnen. Denn Paul Lynch schreibt endlose Sätze ohne Absätze und auch die direkte Rede sucht man hier vergeblich. Durch dieses Stilmittel hatte ich oft das Gefühl, durch die Zeilen zu rennen, weil mich eben keine Absätze stoppen, um mal kurz zu verschnaufen und Luft zu holen. Denn das, was da auf mich einprasselt, hat mich erstarren lassen und ich habe vergessen zu atmen. Zu ungeheuerlich sind die Szenarien, zu nah und zu realistisch. Im Unterbewusstsein frage ich mich die ganze Zeit, wie ich gehandelt hätte. Meine Heimat, mein Leben einfach so verlassen, um eben jenes zu retten? Und dann der Gedanke: Aber vielleicht wird ja doch alles gut, der Schrecken ist ja nur vorübergehend. Wie lange würde ich warten, bis ich den endgültigen Schritt gehe. Ich begleite Eilish und ihre Familie, teile ihre Sorgen und Ängste. Lynchs Sprache ist treibend und fordernd und gleichzeitig so unfassbar poetisch. Aber genau diese wunderschönen Worte zwischendurch haben den Schrecken für mich etwas erträglicher gemacht. Paul Lynchs Roman ist etwas Besonderes … in jeder Hinsicht … und dennoch war ich froh, als es zu Ende war. Denn vieles konnte ich kaum aushalten und bete, dass es in meinem Land und Leben niemals so weit kommen wird!

  • meerblick

    5/5

    24.07.2024

    eBook (ePUB 3)

    Plötzlich ziehen dunkle Wolken auf

    Düster und unheimlich erscheint die Welt um uns herum, wenn der freie Wille und das demokratische Miteinander durch blindes diktatorisches Handeln erstickt wird, nur noch Angst und Schrecken den Alltag der Gedankenwelt beherrscht. Die dystopische Fantasie 'Das Lied des Propheten' aus der Feder des irischen Schriftstellers Paul Lynch zeigt auf, was Krieg und Unterdrückung, Missbrauch der Menschenrechte mit Menschen anstellt, die es gewohnt waren, frei und unbeschwert zu leben. Der tägliche Kampf ums Überleben ist kräftezehrend und gefährlich. Diese Qual setzt der Autor gekonnt in der ihm eigenen bildhaften Sprache um, versetzt den Lesenden hinein in das Geschehen. Als Setting wählt er seine irische Heimat. Eilish, die Protagonistin und starke Frau der Fiktion, muss den täglichen Kampf ums Überleben für sich, ihre vier Kinder und den zunehmend deutlicher an Demenz erkrankenden Vater allein aufnehmen, weil ihr Mann Larry spurlos verschwand nach einer Vorladung durch die Geheimpolizei. Bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen, Denunziationen und diverse Einschränkungen der täglichen Versorgung der Bevölkerung gestalten den Alltag unerträglich und lassen den Gedanken an Flucht immer fordernder werden. Nichts deutet darauf hin, dass die gegenwärtigen Lebensumstände nur ein vorübergehender Alptraum sind, der sich alsbald in Wohlgefallen auflöst. Dieses schriftstellerische Konstrukt ist leider aktueller denn je. Es spiegelt das Dasein in kriegsbesetzten Gebieten auch in Europa wider, mahnt zur Wachsamkeit und zur Verteidigung all unserer menschlichen Werte.

  • drawe

    aus Landau

    5/5

    19.07.2024

    eBook (ePUB 3)

    Provozierend und eindringlich

    Regierungswechsel in Irland, und die NAP, eine nationalistisch orientierte Partei, trägt den Wahlsieg davon. In rasantem Tempo setzt die Regierung nun die Mittel ein, die eine rechtslastige, faschistoide Regierung hat. So wird die ordentliche Gesetzgebung ausgeschaltet und durch Notverordnungen ersetzt, die Grundrechte werden beschnitten bzw. abgeschafft, Zensur, Geheimpolizei, willkürliche Verhaftungen, Ausgangssperren, Ausschaltung politischer Gegner, Sippenhaft und so fort. Das ist kein neues Szenario; die Geschichte, auch die Zeitgeschichte, bieten hinreichend Beispiele. Die Regierung bzw. die Partei bleibt als dunkle, nicht greifbare Macht im Hintergrund. Der Autor rückt stattdessen eine Familie in den Mittelpunkt und zeigt, welche Auswirkungen der politische Rechtsruck auf diese Familie hat. Der Roman startet mit dem Verschwinden des Vaters, eines führenden Gewerkschaftlers, und es bleibt nun Sache seiner Frau Eilish, einer Wissenschaftlerin, ihre vier Kinder und ihren Vater durch das Chaos zu bringen und ihre Familie zu schützen. Der Familie droht die äußere und innere Zertrümmerung, wie es das Cover eindringlich zeigt. Eilish ist zunächst noch ungläubig, aber sie verliert sehr schnell das Vertrauen in einen Rechtsstaat. Es muss erst zum Äußersten kommen, bis sie sich zur Rettung ihrer Kinder durch die Flucht entschließt. Eilishs steigende Angst und Panik zeigen sich sprachlich sehr eindrucksvoll. Die schnelle Abfolge der Sätze, die teilweise ohne Punkt und Komma ineinander übergehen, der Verzicht auf Anführungszeichen, die Atemlosigkeit der Sprache – das alles wirkt provozierend und macht das Lesen nicht einfach, aber der Autor schafft damit eine ungemein dichte Atmosphäre, die den Leser aufrüttelt. Zugegeben: einige Metaphern fand ich zu gewollt, zu konstruiert – aber das tut der Botschaft dieses Romans keinen Abbruch: dem leidenschaftlichen Appell, die Demokratie zu schützen.

  • Bewertung

    5/5

    29.06.2024

    eBook (ePUB 3)

    Beunruhigende Dystopie

    "Für die Welt sind wir jetzt Fernsehen.", sagt eines der Kinder zu Eilish Stack, die versucht, in einer gekippten Gesellschaft ihre Familie zu retten. Dem Buch von Paul Lynch zu folgen, schmerzt, verfolgte mich in den Alltag. Wenn ich aus dem Buch auftauchte, war ich froh, im Sommer der Gegenwart zu sein. Aber mit welchem Recht und wie lange noch? Es sind ja immer die anderen, bei denen Krieg ausbricht und Not herrscht. Aber was passiert mit diesen "anderen"? Der Autor legt konsequent das Spotlight auf die Innenansicht der Mutter. 4 Kinder hat sie geboren, drei Teenager und ein Säugling, der Mann ein führender Gewerkschafter, der eines Tages nicht heimkommt. Fast sachlich seziert Lynch die folgenden Monate, wie sich die Gesellschaft immer mehr radikalisiert und es am Ende ums nackte Überleben geht - aber das gekonnt nebenbei, denn eigentlich ist es Eilish, die den Alltag organisiert, mit den Kindern diskutiert, den Partner vermisst und sich um ihren zunehmend dementen Vater sorgt. Bei all dem hat sie keine Pause, der Autor gibt ihr stilistisch nicht einmal Zeit für Anführungszeichen in Dialogen; kaum Absätze, die Pause böten. Man will Eilish in den Arm nehmen und aus dem Buch holen, aber ihr Alltag ist kein Buch, er ist Realität. Es ist ein Buch, das ebenso fesselt, wie es mich etwas ratlos zurück lässt. Das Szenario wirkt nicht unrealistisch. Bezüge zu realen Bedrohungsszenarien kann man zu Dutzenden finden und für sich interpretieren. Daher bleibt die Frage: Was würde ich tun, wenn ich plötzlich Fernsehen wäre? Hervorheben möchte ich an dieser Stelle noch die auf mich exzellent wirkende Übersetzungsarbeit. Ohne das Original zu kennen, spürte ich, dass hier jemand sehr akribisch nach Entsprechungen suchte und sie fand, sodass sie die Gesamtatmosphäre transportieren. Chapeau! Und zuletzt mein Dank an den Verlag und vorablesen.de für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

  • clematis

    3/5

    22.08.2024

    eBook (ePUB 3)

    Terror Dublin, Irland, Eilish…

    Terror Dublin, Irland, Eilish Stack steht nachdenklich am Fenster, blickt hinaus in den Garten, ins Dunkel der Kirschbäume, als die Garda an die Tür klopft. Ihr Mann, Lehrergewerkschafter Larry soll verhört werden, möglicherweise legt er staatgefährdendes Verhalten an den Tag. Ein Alptraum für die Wissenschaftlerin und ihre vier Kinder beginnt, als die Regierung sich zu einer Tyrannei entwickelt. Ein außergewöhnliches Titelbild weckt meine Neugierde, ein ruhiger, eher sachlicher, aber durchaus detaillierter Schreibstil holt mich auf den ersten Seiten ab. Was anfangs poetisch klingt, wird aber mit zunehmender Seitenzahl immer anstrengender: langwierige Sätze aus aneinander gestoppelten Elementen steigern das Tempo enorm, es gibt viele Beistriche anstelle von Punkten, sodass man förmlich mitgerissen wird vom Geschehen und kaum noch zum Luftholen kommt. Dabei verliert man leider mitunter den Faden und muss noch einmal zurückblättern und nachsehen, ob nichts überlesen worden ist. Auch das Einverleiben direkter Rede in einen Satz ohne Anführungszeichen erschwert den Lesefluss unnötig, insbesondere, wenn mehr als zwei Personen zugegen sind. Die ganz speziellen bildhaften Erklärungen wiederum sind geschickt und raffiniert eingefügt (z.B. „Sie sieht zu, wie ihr die Lüge aus dem Mund wächst.“ Kindle, Pos. 385) Die Geschichte selbst beginnt düster und wird immer düsterer, trotz Ermunterungen vom dementen Vater und der Schwester in Kanada kann sich Eilish lange nicht zum Handeln aufraffen. Erdulden, zur Wehr setzen, kämpfen, fliehen – welche Optionen haben sie und ihre Kinder? Mit eindringlichen Worten und lebhaften Vergleichen skizziert Paul Lynch ein schreckliches Szenario, das so unwirklich gar nicht ist. Was von außen einfach aussieht, ist wohl ziemlich kompliziert, wenn man selber in die Lage des Unterdrückten gerät, plötzlich umgeben ist von Polizei und Gewalt. Eilish kann den Wind nicht aufhalten, fühlt sich alsbald als Fahrgast ihres eigenen Lebens (kindle, Pos. 2779). Ein spannendes, aufwühlendes Buch, das aufgrund einer recht ungewöhnlichen Schreibweise teils mühsam zu lesen ist und mit seinem Inhalt keineswegs Unterhaltungswert darstellt, aber aufrüttelt und zum Hinsehen zwingt, was radikale Regimes und Terror anbelangt.

Kundinnen und Kunden meinen

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Bewertungen (167)

Unsere Meinungen

  • Zum Bewerterprofil von Harald Mitterecker

    Harald Mitterecker

    Thalia Wien – Mariahilfer Straße

    Buchhändler*in

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    5/5

    28.05.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Intensive Erzählung

    Einer der erschütterndsten Romane, die ich gelesen habe. Die Geschichte spielt in einem totalitären Irland. Die Regierung beeinflusst immer mehr das dortige Leben, Widerstand entsteht. Hauptprotagonistin Eilish Stack ist Mutter von vier Kindern. Sie versucht mit aller Macht, ihre Familie zu beschützen. Es ist eine erschreckend intensive Erzählung.
  • Zum Bewerterprofil von Herbert Hofer

    Herbert Hofer

    Thalia Wien – Mariahilfer Straße

    Buchhändler*in

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    5/5

    27.10.2024

    eBook (ePUB 3)

    Für uns das Ende der Welt, für andere nur ein kurzer Bericht in den Nachrichten

    Das Lied des Propheten ist durchaus fordernde und emotional belastende und dabei umso wichtigere Lektüre. In Folge einer nicht näher definierten Krise wird das Land, in dem der Roman spielt, per Notverordnungen regiert und entwickelt sich zusendends autoritärer und diktatorischer. Nun hat Paul Lynch dieses Szenario nicht in eine unbestimmte Zukunft oder Weltgegend verlagert sondern in ein Irland das zwar zweifelllos fiktiv aber dennoch im heutigen Europa angesiedelt ist. Ganz deutlich wird dem Leser damit vermittelt wie wenig weit es von einer funktionierenden Demokratie zu einer Diktatur sein kann und ein Rundumblick jetzt, im Oktober 2024, wird diesen Befund nur unterstreichen können! ___ Das Buch beschreibt das subjektive Erleben Eilish Stack's, Mutter von vier Kindern und Ehefrau von Larry. Die Ereignisse beginnen, als Larry, Funktionär der Lehrergewerkschaft, erst zu einer Befragung geladen und kurz danach verhaftet wird und und in der Folge unauffindbar ist. Die machthabende Partei erhöht den Druck, Ausgrenzungen, Drohungen, Säuberungen, behördliche Schikanen setzen Eilish nicht nur psychisch zu sondern machen ihren Alltag - als Ehefrau eines Regimegegners - mit den Kindern und dem demenzkranken Vater zusehends schwieriger. Rebellen leisten Widerstand, die Lage verschärft sich weiter, Hinrichtungen, Folter, Bürgerkrieg sind die unweigerlichen Folgen, Eilish und ihre Kinder in unterschiedlicher Weise von alledem betroffen, sie selbst als Mutter stets versuchend, den Kindern Zuversicht zu geben. ___ Paul Lynch’s Text hat sehr wenige Absätze, direkte Reden sind nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet, es gibt unkommentierte Zeitsprünge in der Handlung und es vermischen sich oft Träume und Fantasien mit den Handlungselementen. Das sind Kunstgriffe, die die Lektüre möglicherweise schwieriger machen, aber sie sorgen auch für eine Permanenz des Drucks und erhöhen die Emotionalität des Textes noch einmal deutlich - bis zu wirklich schwer erträglichen Szenen! ___ Paul Lynch wurde für dieses Buch mit dem Booker-Preis ausgezeichnet, es wurde mit so vielen Superlativen bedacht, dass es schwerfällt noch eigene Attribute dafür zu finden: ich fand es eindringlich und intensiv und es ist von einer beklemmenden Aktualität!
  • Zum Bewerterprofil von Elin K.

    Elin K.

    Thalia Ried – Weberzeile

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    5/5

    31.07.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Der machtlose Mensch

    Ungeheuer relevante Literatur ist Paul Lynchs beeindruckender Roman: eine Dystopie, die nicht realer sein könnte! Als Leser folgt man einer Frau in Irland und ihrem täglichen Kampf um das Überleben ihrer Familie, als ihr Mann verhaftet wird und der Staat in Totalitarismus und Bürgerkrieg abdriftetet. Bedrückend wie Cormac McCarthys „The Road“ und meisterhaft erzählt, vermag es der Autor, Gefühlen von Schockstarre, Verdrängung, Verzweiflung und Machtlosigkeit zu übermitteln. Der Roman weist darauf hin, wie nah wir am Abgrund stehen und zeigt mit dem Finger auf die Unmenschlichkeit unserer heutigen Zivilisation.
  • Zum Bewerterprofil von Lukas Bärwald

    Lukas Bärwald

    Thalia St. Pölten

    Buchhändler*in

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    4/5

    16.08.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Zur Vermeidung einer Dystopie

    Leicht war das nicht. Ursprünglich hatte ich mich für diesen Roman entschieden, weil er nach einer Mischung aus Margaret Atwoods „Report der Magd“, Orwells „1984“ und Kafkas „Der Prozess“ klang. Obendrein noch der Gewinn des renommierten Booker Preises und schon war ich überzeugt. Der Weg bis zum Ende des Buches war ein durchaus steiniger, aber rückblickend war es durchaus der Mühe wert. Aber von Beginn an: Die Geschichte spielt in einer unbestimmten, sich aber nicht allzu fern anfühlenden Zukunft in Dublin. Nachdem ihr Mann ohne Angabe nachvollziehbarer Gründe zuerst festgenommen und dann ohne Gerichtsverfahren mit unbekanntem Aufenthaltsort weggesperrt wurde, muss Eilish sehen, wie sie sowohl ihr Alltagsleben mit vier Kindern als auch das Überleben in diesem von Chaos und Willkür beherrschten Land meistern kann. Von innen und außen beginnt von da an ihre Welt immer weiter zu erschüttern: Während die neue Regierung sich immer mehr Notstandsvollmachten zu eigen macht und dadurch das Land mehr und mehr von einer Demokratie in eine Diktatur verwandelt, beginnt auch ihr Verhältnis zu den Kindern immer schwieriger zu werden und es scheint ihr kaum mehr möglich zu sein, den Anforderung Aller noch gerecht werden zu können und dabei gleichzeitig noch die verzweifelte Suche nach ihrem Mann voran zu treiben. Ein nicht zu kleiner Stolperstein bei der Lektüre des Buches ist die Entscheidung des Autors, keinerlei Anführungszeichen zu verwenden. So muss man auf eine Mischung aus eigener Intuition und dem Verstehen aus dem Kontext heraus vertrauen um in Dialogen nachzuvollziehen, zu welchem Zeitpunkt eine andere Figur die Sprache übernimmt. Gleichzeitig ist – dem Inhalt angemessen – der Ton des Romans durch und durch bedrückend und trostlos. Die Schicksalsgeschichte der Familie und der Blick auf die politische Zerrüttung des Landes sind spannende Punkte, die einen motiviert durch das Buch führen, jedoch muss man sich bewusst sein, dass es hier annähernd keinen Moment gibt, an dem man emotional zur Ruhe kommt – hier folgt eher Abgrund auf Abgrund. Was Paul Lynch mit „Das Lied des Propheten“ eindrücklich gelingt, ist vor Augen zu führen, wie Diktatur, Vertreibung und Flucht zustande kommen können. Und das nicht Tausende Kilometer entfernt in Asien oder Afrika, sondern einem Land nur ein paar Stunde mit dem Flugzeug entfernt, quasi gleich vor unserer Haustür. Im Englischen gibt es den Begriff der self-defeating prophecy, einer Variante unserer Zukunft, deren Geschichte uns präsentiert wird, um uns dermaßen abzuschrecken, dass wir unser Verhalten dahingehend ändern, dass diese Prophezeiung niemals zustande kommt. Hierbei handelt es sich um ein großartiges literarisches Beispiel dafür und es bleibt zu hoffen, dass es seinen Zweck erfüllen wird.
  • Zum Bewerterprofil von Walter Fürhacker

    Walter Fürhacker

    Thalia Salzburg – Europark

    Buchhändler*in

    5/5

    30.09.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    ERSCHÜTTERND!

    Albtraumhaft beschreibt Paul Lynch in seinem Roman ein von Anfang an dunkles, düsteres Schauspiel, das sich wüst und wild in einer gewaltigen Bildsprache zu einem grauenhaft deprimierenden Bürgerkrieg hochschaukelt. Die schwarzen Worte Lynchs schwärmen auf wie Nachtfalter, finstere Boten der Dunkelheit flirren ins dasige Hell, bedecken alles Licht, ihre Flügel umschließen die Hoffnung und verschlingen im Schwirren das letzte Schimmern einer guten Welt. Ein großes Warum bleibt übrig. Ich sehe auf, blinzle und blicke in meine Welt, wissend, dass dieses Buch diese Welt beschreibt, diese Welt, in der ich lebe, dass vieles Wirklichkeit sein könnte und auch tatsächlich ist. Ein erschütterndes, trauriges Buch. Ich war beim Lesen den Tränen nahe. Ein aufrüttelnder Roman. Eine Warnung, wachsam zu bleiben. Bitte unbedingt lesen!

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