Ich frage für mein Leben gern. Eine der interessantesten, weil wahnsinnig viel über einen Menschen aussagenden, lautet: „Was wäre der größte Vorteil, wenn du mit einem Menschen befreundet sein könntest, der exakt so ist wie du?“ Und was soll ich sagen, Johanna Sebauer hat einen Roman darüber geschrieben.
Hendrik ist eines Tages wie vom Blitz geschlagen oder der Liebe auf den ersten Blick getroffen, als er einen Mann sieht, von dem er instinktiv weiß – nicht vermutet, sondern faktisch weiß – er ist ich, nur 30 Jahre später im Leben. Nachdem die erste, überstürzte Kontaktaufnahme vom Anderen ziemlich irritiert und verärgert abgewiesen wird, ändert sich alles beim Wiedersehen. Hendrik kann seinem Gegenüber (der selbstverständlich ebenfalls Hendrik heißt) auf den Kopf zu sagen, welche Vorlieben, Abneigungen und Erfahrungen er gemacht hat, bis dieser nachgibt und die Unglaublichkeit dieser skurrilen Situation zu akzeptieren beginnt.
Der zweite Roman der burgenländischen Autorin beschäftigt sich zentral mit der bangen Frage nach der eigenen Zukunft. Wenn um einen herum alles unsicher erscheint (der Protagonist wurde unlängst unsanft verlassen), der eingeschlagene Weg nicht der richtige zu sein scheint und da plötzlich jemand ist, der ziemlich sicher all das schon erlebt hat: wäre es nicht sehr nachvollziehbar, fragen und wissen zu wollen, was einen erwartet? Doch der „ältere Hendrik“, zögert, weigert sich, gibt selbst so gut wie nichts Privates über sich preis. Warum? Hat er ein Geheimnis? Gönnt er der Hauptfigur dieses Wissen nicht? Was versucht er zu verbergen?
Die beiden Männer drehen sich in einem immer problematischer werdenden Tanz umeinander, bis einer beginnt, die restliche Welt um sich herum zu übersehen…
„Popóm“ liest sich sehr leicht und flüssig dahin, hat einige skurril-witzige Momente und fokussiert sich ansonsten auf die Auseinandersetzung des Protagonisten mit seiner möglichen Zukunft und dem dafür immer blinder werden für seine Gegenwart. Dadurch verliert man beim Lesen nie den Überblick und kann auch nach längerer Lesepause problemlos wieder einsteigen. Jedoch bleibt am Ende auch ein Stück weit der Eindruck, als hätte der Roman noch ein oder zwei zusätzliche Handlungsfäden vertragen können, um noch etwas mehr Abwechslung zu bieten und das Thema vielleicht noch aus weiteren Perspektiven zu beleuchten.
Im aktuellen Trendgenre „Healing Fiction“ ist das Buch ein ungewöhnlicher, moderner Zugang jenseits von Teeläden und Bibliotheken zwischen Japan und Südkorea.