Ein ebenso mutiges wie sehr persönliches Theaterstück, ein literarisches Spiel an der Grenze zwischen Bühnenfigur und Autor
Ferdinand von Schirachs neues Buch »Regen« ist eine Erzählung in Form eines Theatermonologs, den Ferdinand von Schirach ab Herbst 2023 im Rahmen einer großen Premierentournee auf zahlreichen deutschen Bühnen selbst sprechen und aufführen wird: Ein Mann kommt durchnässt aus dem Regen in eine Bar - auf die Bühne - und denkt über Verbrechen und Strafen nach, über das Großartige und das Schreckliche unserer Zeit, über die Würde des Menschen, die Einsamkeit, die Liebe, den Verlust und das Scheitern.
Ungekürzte Lesung mit Ferdinand Schirach
1 CD, 1h 6min
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Bewertung
5/5
18.09.2023
Hörbuch (CD)
Tolle Geschichte.
Mir hat das gut gefallen hab es jetzt schon das 2 Mal angehört und werde es wieder tun .
Hab nur Hauptschulabschluss mußte damals viel arbeiten und jetzt fehlt mir die Bildung die ich gern nachholen möchte.
Würde mehr von schirach kaufen .
Bewertung
5/5
15.09.2023
Hörbuch (CD)
Flüchtig wie das Leben….
Ich habe versucht es so langsam wie möglich zu lesen,in dem Bewusstsein,dass es ein schnelles Ende haben wird.
Für jemanden,der dicke Wälzer liebt,gewöhnungsbedürftig.
Aber ich habe versucht,es als ein flüchtiges Ereignis zu sehen,wie ein Konzert,ein Kinobesuch oder Ähnliches.
Und ich habe versucht,es nicht am Preis zu bemessen.
Es ist eine flüchtige Begegnung,unverbindlich,die alles offen lässt.
Aber mit einer gewissen Tiefe zwischen den Zeilen.
Wer bereit ist sich darauf einzulassen,wird begeistert sein und sich an manchen Stellen wiedererkennen.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
08.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Wie man mit dem Tod im Nacken Mut zum Leben behält
Dieses Buch hat mich sehr berührt und gleichzeitig immer wieder durch seine Klarheit, seinen tiefgründigen Verstand und seinen stillen, aber scharfen Humor beeindruckt. Regen- Eine Liebeserklärung ist kein klassischer Roman, es ist ein Theaterstück, eine Sammlung aus Gedanken, Beobachtungen, Erinnerungen, moralischen Fragen und existenziellen Einsichten. Gerade diese Form macht das Buch für mich so bedeutungsvoll.
Was ich besonders liebe, ist dieser intelligente, sarkastische, scharfe Humor, der sich leise durch das Buch zieht und wie ein Verstärker wirkt- er hebt die Bedeutung der geschriebenen Worte noch einmal hervor. Es ist kein lauter Witz, sondern eine trockene, entlarvende Nüchternheit. Besonders deutlich wird das beim sogenannten Autowandern: Warum überhaupt hinausgehen in die Natur, wenn man doch von drinnen nach draußen schauen kann und sie sieht? Das ist keine Verherrlichung des Draußenseins, sondern eine radikale Infragestellung unserer Sehnsüchte. Dasselbe gilt für den von vielen geliebten weißen Strand in der Karibik, der nicht mehr ganz so romantisch ist, wenn man ihn nüchtern betrachtet. Der Traum vom Paradies wird klar zerlegt. Ich finde diesen Humor sensationell, weil er intelligent, bitter, präzise und gerade deshalb so tiefgründig ist.
Ein Satz, der mir besonders nahe ging, lautet: „Wir alle sind befangen, weil wir in uns gefangen sind.“.
Für mich steckt darin die ganze innere Schwere dieses Buches. Dieses Gefühl, sich selbst nicht entkommen zu können, festzusitzen in der eigenen Wahrnehmung, den eigenen Verletzungen, der eigenen Geschichte. Genau hier berührt das Buch auch ganz unmittelbar die Themen Depression und Einsamkeit, über die Schirach offen spricht. Seine Worte wirken dabei nie pathetisch, sondern ruhig, nüchtern, fast sachlich- und gerade deshalb so eindringlich.
Besonders berührend sind die biografischen Einblicke: der frühe Tod seines Vaters, der ihn tief geprägt hat und sein eigener Suizidversuch in jungen Jahren, der unbemerkt blieb- als Ausdruck einer Hilflosigkeit, die niemand gesehen hat. Diese Passagen sind nicht dramatisiert, nicht ausgeschmückt. Sie stehen einfach da. Still. Und genau darin liegt ihre große Wucht.
In diesem Zusammenhang trifft auch seine Aussage besonders tief, dass man seiner Meinung nach höchstens zweimal im Leben richtig lieben kann. Dieser Gedanke klingt banal, ist aber radikal. Er widerspricht der Vorstellung unendlicher emotionaler Möglichkeiten und spricht stattdessen von Begrenzung, von Endlichkeit, von der Seltenheit echter Liebe. Für mich liegt darin viel Melancholie, aber auch große Ehrlichkeit. Liebe erscheint hier nicht als etwas Beliebiges, sondern als etwas Kostbares, vielleicht sogar Gefährliches- weil man sich darin verlieren kann.
Spannend fand ich auch den Bezug auf die vier Tugenden der Antike: Vernunft, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung.
Sie wirken im Buch wie ein innerer moralischer Maßstab und werden zugleich immer wieder infrage gestellt. Denn Schirach macht sehr klar: „Niemand kann wirklich unvoreingenommen urteilen.“. Jeder Mensch ist geprägt, befangen, gefangen in sich selbst. Genau darin liegt für mich eine der härtesten Wahrheiten dieses Buches.
Auch die vielen Verweise auf Hemingway passen für mich hervorragend zu diesem Ton: diese Reduktion, diese innere Härte, dieses Aushalten ohne großen Gesten. Dazu passt auch Schirachs eigener Anspruch an die Sprache. Er schreibt, dass er seine Absätze immer wieder überarbeitet, bis nur noch der „einfachste Satz“ übrig bleibt, weil in ihm genug Aussage steckt. Genau das spürt man auf jeder Seite. Die Sprache ist klar, knapp, unaufgeregt und gerade deshalb so wirkungsvoll.
Für mich ist Regen- Eine Liebeserklärung ein Buch über: innere Gefangenschaft, Schuld und Gerechtigkeit, Einsamkeit und Depression, Wahrnehmung, Täuschung, Verrat und Entzauberung und über den Versuch, trotz allem einen klaren Blick auf die Welt zu behalten.
Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen und habe es zum Teil auch meiner Tochter vorgelesen, weil es mir so gut gefiel. Es ist kein lautes Buch. Es drängt sich nicht auf. In dieser Stille arbeitet es im Inneren weiter und lässt viel Raum zum Nachspüren, Nachdenken und Nachfühlen.
Bewertung
5/5
31.10.2024
Buch (Taschenbuch)
Tiefgründige Gedanken
Ich habe das Buch mehrmals gelesen und mir viele Stellen markiert, weil er so viele tiefgründige Gedanken in der gewohnt elaborierten Sprache beinhaltet. Es ist ein Lesegenuss, wie man ihn heutzutage leider nur noch selten findet.
Bewertung
5/5
14.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Meisterhaft!
Hier lässt uns Schirach wahrlich nicht im "Regen stehen"... Mit einer souveränen Gelassenheit erzählt der Autor seine Geschichte. Der Monolog eines Schriftstellers, der an der Bar sitzend, über Unwägbarkeiten und Großartigkeiten im Leben sinniert. Gleichsam stellt sich beim Lesen das Gefühl ein, ihm gegenüber zu sitzen. Locker und leicht der Schreibstil. Die Besonderheit dieses Büchleins liegt im Detail, in den wunderbar klugen Sätzen, denen ich sehr gern noch weiter gelauscht hätte...
Das anschließende Interview mit dem Autor ist ein wahrer Augenöffner.
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4/5
04.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Regen
1998 habe ich im Rahmen meiner Maturaarbeit über Heinrich von Kleist auch sein fragmentarisches, nicht ganz dreißig Seiten umspannendes Werk „Robert Guiskard“ gelesen. Als Maturantin habe ich mir ob der geringen Seitenanzahl die Hände gerieben, immerhin hat das Fragment in Form eines Reclamhefts auch keine zwanzig Schilling gekostet. Das mehr als Zehnfache an Geld für ein Werk mit dieser Textlänge ausgeben? Sehr fraglich, auch wenn der Autor Ferdinand von Schirach heißt.
Sein neues Buch, das einen Theatermonolog enthält, bei dem die Grenzen zwischen Romanfigur und Autor leicht verschwimmen, und außerdem ein sehr interessantes Interview mit Ferdinand von Schirach, umfasst gerade einmal 112 groß gedruckte Seiten. Und das ist für mehr als 20 Euro wirklich, wirklich wenig meiner Meinung nach. Es muss nicht jedes Buch ein dicker Schmöker sein, und von Schirachs Werken ist man es gewohnt, dass sie in der Regel etwa 200 Seiten umfassen. Aber das muss sich dann auch im Preis widerspiegeln. Was bisher immer gut gepasst war, oder sich zumindest noch im annehmbaren Rahmen bewegt hat, bekommt hier preislich schon eine leichte Schieflage. Normalerweise sage ich, dass der Preis bei einem fantastischen Buch zweitrangig ist und nicht der Rede wert, aber hier ist für mich einfach die Grenze der Unverhältnismäßigkeit erreicht. Beim Lesen des ebooks dachte ich zuerst nämlich noch, dass ein Fehler vorliegt und nicht der gesamte Text abgebildet ist.
Inhaltlich gibt es an „Regen“ nichts zu bemängeln. Ferdinand von Schirach ist für mich ein Autor, der jedes Thema anpacken und für Leserinnen und Leser spannend aufbereiten kann. In diesem Fall handelt der Monolog von einem Schreiber, der vor Gericht als Schöffe fungieren muss, und seine Gedanken mit einem Barkeeper teilt. Sowohl bei der Geschichte als auch beim Interview werden mannigfaltige Themen angeschnitten, und auch Schirachs Lieblingsthemen Recht, Gerechtigkeit und das Dilemma, das daraus oft entsteht, werden aufgegriffen.
Summa summarum würde ich sagen, dass das Buch sehr empfehlenswert ist, man sich aber bewusst dafür entscheiden muss, viel Geld für wenig Text auszugeben. Möchte man mehr über den Autoren und seine Gedankenwelt erfahren, dann ist das ausführliche Interview eine wahre Goldgrube. Ist man daran weniger oder gar nicht interessiert, weil man z.B. schon Interviews gelesen hat, dann macht es vermutlich mehr Sinn, zumindest auf die Taschenbuchausgabe zu warten.
Die Bewertung ist für mich in dieser Hinsicht auch schwierig: bewerte ich rein den Inhalt oder bewerte ich auch den überhöhten Preis? Ich habe mich jetzt für letzteres entschieden: Normalerweise würde ich für die Geschichte und das Interview 5 Sterne vergeben, 1 Stern Abzug gibt es aber für die Preisgestaltung.
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3/5
25.01.2025
Buch (Taschenbuch)
Memento Mori
Als Theatermonolog tituliert und als Gedankenstrom verpackt, bleibt Herr von Schirach in seiner Komfortzone und lässt seinen Protagonisten über „Gott und die Welt“ fabulieren. Mit Bildungsauftrag und pastellfarbenem, philosophischem Anstrich versehen, flicht er die romantische Komponente des Büchleins wirklich sehr gelungen ein. Aufgrund der doch vorhandenen humoristischen Zeilen bleibt der Witz nicht allein beim Preis der gebundenen Ausgabe für die knapp unter 8o Seiten.
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3/5
25.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine amüsante, jedoch SEHR kurze Kurzgeschichte...
Der Monolog Regen hat mir wirklich sehr gut gefallen; amüsant, interessant und ein wahrer Spaß zu lesen. Das ist für mich aber leider auch der einzige Grund für die drei Sterne: Die zweite Hälfte des kleinen Büchleins ist ein Interview, welches zwar ebenfalls nett zu lesen, aber einfach in Relation zum Buch deutlich zu lang ist!
Dazu kommen 21,50€ als Verkaufspreis: das ist schon ein stolzer Preis für das bisschen Inhalt.
Dafür musste ich leider zwei Sterne abziehen - schade!
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