»Liebe ist die Illusion, dass die aktuelle Beziehung hält, und die nach ihrem Ende nur durch eine neue Illusion in Form einer neuen Liebe zur Desillusion werden kann.«
Anti Müller ist kein Liebesroman. Es ist eine schonungslose Analyse verkrusteter Strukturen und ihrer sanften Vollstrecker, unter deren lackierten Nägeln noch immer der Schmutz des Patriarchats lauert.
Mit großer poetischer Präzision seziert Yade Önders Erzählerin die Mechanismen moderner Beziehungen sowie eines vermeintlich feministischen Kulturbetriebs, der nach wie vor den Männern die Regie überlässt. Über die Bühnen. Und über die Körper.
»Ich wage zu prophezeihen, dieses Buch wird ein feministischer Klassiker.« Daniela Dröscher
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Bianka
Thalia Book Circle Community
5/5
29.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bissig, wütend, komisch und gleichzeitig erschreckend traurig
„Anti Müller“ ist definitiv kein Buch, das man einfach gemütlich wegliest und anschließend wieder zur Seite legt.
Yade Yasemin Önder hat mir mit diesem Roman gleichzeitig den Nerv geraubt, mich zum Lachen gebracht und mich an einigen Stellen ziemlich sprachlos zurückgelassen.
Im Mittelpunkt steht eine namenlose Erzählerin Mitte 30, deren langjährige Beziehung zu Kar zerbrochen ist. Und plötzlich wird etwas, das für sie lange gar nicht im Vordergrund stand, zu einer existenziellen Frage. Sie möchte ein Kind. Und zwar jetzt. Ihre biologische Uhr tickt, die Zeit scheint davon zu rennen und aus einem Kinderwunsch wird zunehmend eine Obsession. Die Männer, die ihr auf ihrer Suche begegnen, machen die Sache allerdings nicht gerade einfacher.
Da ist unter anderem Andi Müller, Schauspieler und vermeintlicher Muster-Feminist. Einer dieser Männer, die die richtigen Worte kennen, die sich selbstverständlich für feministisch halten und wahrscheinlich auch genau wissen, welche Haltung auf einem Dating-Profil gut aussieht, aber sobald es um tatsächliche Verantwortung, Verbindlichkeit und die Bedürfnisse einer Frau geht, sieht die Sache plötzlich ganz anders aus.. Und genau hier wird der Roman unglaublich bissig.
Önder nimmt nicht nur die Männer auseinander, sondern gleich den gesamten Mikrokosmos, in dem ihre Erzählerin sich bewegt.
Dating, Beziehungen, Kinderwunsch und einen Kulturbetrieb, der sich nach außen modern und aufgeklärt gibt und trotzdem von Macht, Konkurrenz, Abhängigkeiten und alten Strukturen geprägt ist. Besonders beeindruckend fand ich dabei die Sprache. Die ist nicht einfach nur schön oder ungewöhnlich, sie hat eine eigene Energie.
Mal sind die Sätze kurz und beinahe abgehackt, dann wieder völlig überbordend. Es gibt Tinder-Profile, Chats, Beobachtungen, Gedankenspiralen und sprachliche Bilder, die gleichzeitig absurd komisch und bitterernst sein können. Diese Erzählerin denkt, beobachtet und analysiert ohne Pause und genau dadurch bekommt man das Gefühl, direkt in ihrem Kopf festzustecken.
Und trotzdem ist „Anti Müller“ für mich keineswegs nur eine wütende Abrechnung. Unter all dem Sarkasmus liegt eine riesige Verletzlichkeit. Denn hinter der Wut steckt eine Frau, die Angst hat, dass ihr ein Leben entgleitet, das sie plötzlich unbedingt haben möchte. Eine Frau, die gleichzeitig selbstbestimmt sein will und verzweifelt nach etwas sucht, das sie nicht vollständig kontrollieren kann. Das fand ich unglaublich stark. Überhaupt hat mich überrascht, wie viel Traurigkeit in diesem Buch steckt. Man lacht über absurde Dates, über selbsternannte Feministen und über die grotesken Mechanismen des Kulturbetriebs und plötzlich kippt die Stimmung und man merkt, eigentlich geht es hier gerade um Einsamkeit, Verlust, Alter, Körper, Kinderwunsch und die Angst, am Ende mit den eigenen Wünschen allein dazustehen.
Genau diese Mischung macht das Buch für mich so besonders. „Anti Müller“ ist unbequem. Es ist teilweise anstrengend. Es fordert Aufmerksamkeit. Aber genau das wollte ich hier auch. Ich möchte bei einem solchen Roman nicht das Gefühl haben, dass mir alles hübsch erklärt und mundgerecht serviert wird. Ich möchte eine Stimme, die aneckt, übertreibt, provoziert und mich zwingt, genauer hinzusehen. Und das gelingt Yade Yasemin Önder hervorragend. Für mich ein sprachlich herausragender, bitterböser und gleichzeitig sehr verletzlicher Roman über Kinderwunsch, Beziehungen, weibliche Selbstbestimmung und die Männer, die sich für progressiv halten, solange es sie nichts kostet. Ein Buch, das mich nachhaltig beschäftigt hat, und genau deshalb bekommt es von mir 5 Sterne.
Juno
5/5
20.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Über die Sehnsucht nach Verantwortung
Der Wunsch nach Familie, nach Männern die Verantwortung übernehmen und zu ihren Worten stehen, der unerfüllt bleibt, treibt das lyrische ich an den Rand des erträglichen und darüber hinaus. Teile des Romans haben mich an Warum Liebe weh tut von Eva Illouz erinnert.
Bewertung
5/5
07.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ganz besonderer Roman mit extrem toller Sprache
Dieses Buch ist der Hammer. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, und obwohl ich eigentlich keine schnelle Leserin bin, habe ich es in zwei Tagen weggesuchtet. Die ich-Erzählerin ist Autorin, sie schreibt an ihr ersten Roman, bahnt Liebesbeziehungen an und scheitert damit wieder, sie ist auf Literaturveranstaltungen und auf Dating-Plattformen und in Kinderwunschforen unterwegs und ist wütend auf unverbindliche Männer, auf die großen Egos in der Literatur-Bubble, und manchmal auch auf ihre eigenen Ansprüche. Dabei ist kein Satz ein schnöder Satz, sondern immer besonders.
Bewertung
4/5
23.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Beeindruckendes Buch!
BEWERTUNG
„Alles kann, nichts muss? Alles? Was zur Hölle heißt ALLES? Heißt alles Kinder? Natürlich heißt es das! Ich rase durch die Wohnung, weiß gar nicht, was ich suche, und ich finde dabei alles mögliche.“ Seite 123
INHALT
Eine Frau auf der Suche nach einem potentiellen Mann und Vater ihres ungeborenen Kindes. Weil sich die Suche nicht ganz so einfach gestaltet, wird die 35 jährige Protagonistin ziemlich nervös und gerät zunehmend unter Druck. Der Kinderwunsch wird zu einer Obsession.
„Sich selbst zu verletzen, ist eine Sache. Sich für einen anderen Mann zu verletzen, eine andere. Sich umsonst zu verletzen, ist unfassbar.“ Seite 130
EINDRUCK UND FAZIT
Ist das jetzt feministische Literatur? Steckt nicht jede Frau in dieser Ambivalenz? Irgendwann? Ich fand das Buch besonders, nicht nur stilistisch ein großartiges Buch, sondern auch inhaltlich anders und gewagt. Ein Buch über die Lebenswelt von Frauen, Themen und Schwierigkeiten, die uns beschäftigen und unter Druck setzen - und ganz wunderbar in Szene gesetzt. Ich musste mich an den Stil gewöhnen, als ich dann drin war, wurde es grandios!
Ich würde mich über eine Nominierung für die Shortlist freuen, befürchte aber, dass dieses Buch die weibliche Perspektive zu sehr zeigt (und kritisch hinterfragt).
„Einer kriegt Angst, dass ich mich in ihn verliebe. Einer kriegt Angst, dass ich mich nicht in ihn verlieben. Einer wohnt in einer Zehner – WG. (…) Einer kommt mit, kriegt aber keinen hoch. Einer kriegt ein hoch, aber kommt nicht. Einer kommt mit und kommt.“ Seite 210
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
4/5
06.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Longlist
ANTI MÜLLER
Yade Yasemine Önder
ET: 26.02.26
Unsere namenlose Ich-Erzählerin versucht noch immer, ihre gescheiterte Beziehung zu verdauen. Eigentlich wusste ihr Ex-Freund Kar von Anfang an, dass sie irgendwann Kinder haben möchte. Doch der junge, erfolgreiche Autor vertröstet sie immer wieder: Erst noch ein neues Buch schreiben, dann noch ein Podcast-Dreh und überhaupt gibt es immer etwas, das gerade wichtiger ist.
Mittlerweile ist unsere Protagonistin 36 und das Ticken ihrer biologischen Uhr wird immer lauter. Nur noch ein funktionierender Eierstock und ein großer Kinderwunsch setzen sie zunehmend unter Druck. Doch einen passenden Mann zu finden, gestaltet sich schwieriger als gedacht. Die Auswahl ist zwar groß, aber irgendwie scheint keiner der potenziellen Väter wirklich bereit zu sein, Verantwortung zu übernehmen.
Dann lernt sie Andi Müller kennen. Er ist Schauspieler, Vater von Zwillingen und gibt sich als reflektierter, feministischer Frauenversteher. Unsere Protagonistin schöpft Hoffnung, dass sich ihr großer Wunsch mit ihm vielleicht doch noch erfüllen könnte. Doch auch Andi ziert sich gewaltig, wenn es um Verbindlichkeit und Verantwortung geht.
Als ihre Obsession für ihn schließlich zu viel wird, gibt er ihr den Laufpass.
Und dann ist da auch noch ihr eigenes Leben als Autorin: Ihr erster Roman soll endlich fertig werden, doch die Erwartungen und der Druck wachsen – während der Kinderwunsch immer mehr Raum einnimmt.
Yade Yasemin Önders Schreibstil ist speziell. Wütend und fordernd, aber das passt hervorragend zu der zunehmenden Verzweiflung unserer Protagonistin. Mir war es persönlich aber manchmal einfach zu viel und dadurch habe ich es stellenweise als anstrengend empfunden. Trotz dieser Kritik finde ich das Thema unglaublich interessant. Gerade der Druck, unter dem Frauen mit Kinderwunsch stehen, während Männer vermeintlich alle Zeit der Welt haben, wird hier sehr deutlich. Und auch die scheinbar feministischen Männer bekommen ordentlich ihr Fett weg.
Fazit:
Ein bissiger, wütender und ungewöhnlicher Roman, der definitiv zum Nachdenken anregt. Sprachlich war er mir an manchen Stellen zu anstrengend, aber genau diese Überdrehtheit scheint Teil des Konzepts zu sein.
Chancen auf den Buchpreis? Ich bin gespannt. Und deshalb: Go Yade Yasemin Önder!
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5/5
30.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sprachgewaltiger Roman über moderne Beziehungen!
Der Roman "Anti Müller" von Yade Yasemin Önder hat mich allein aufgrund des grandiosen Covers schon in seinen Bann gezogen, da musste ich noch gar nicht anfangen zu lesen. Aber schon der Beginn hat mich absolut gefesselt - eine Protagonistin die Mitte dreißig ist, in der Literaturbranche arbeitet und aktiv in der Datingszene unterwegs ist, inklusive unzähliger Versuche auf Datingapps. Dabei versucht sie über ihren Ex Kar hinweg zu kommen, der für sie eher ein "Geist" als ein treuer Lebenspartner war. Nun steigt in ihr auch noch der Wunsch nach einem Kind, also wirft sie sich wieder in das Datingleben. Dort lernt sie Andi Müller kennen (cleveres Wortspiel im Titel), der selbst schon Vater, aber eher ein Freigeist ist. Er verschiebt und verdrängt ihre Bedürfnisse und den Kinderwunsch immer mehr nach hinten, doch sie entwickelt eine toxische Abhängigkeit zu ihm
Önder`s Roman ist sprachlich so gewaltig, mit Metaphern die mich teilweise umgehauen haben. Sie schreibt über patriarchale Strukturen in Kulturbetrieben und modernen Beziehungen, so feministisch und klug wie ich es selten gelesen habe.
Dabei schwebt über dem gesamten Roman die Frage: Was passiert, wenn das Kommando über den eigenen Körper (Thema Kinderwunsch) "vermeintlich" progressiven Männern überlassen wird?
Eine riesige Empfehlung & zurecht für den Deutschen Buchpreis nominiert!
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5/5
05.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die makabare Verbildlichung des Single-Seins einer Frau die irgendwo im Frust badet
»Anti Müller« ist einer dieser Romane die einen gleichermaßen unterhalten und zum Nachdenken bringen. Wir folgen hier einer Protagonistin, die ins Dating eintaucht und zunächst den 'Geist' kennenlernt - wohl eine Metapher für das heutige Ghosting. Denn so erwartet sie es. Dabei gibt es die ein oder andere Achterbahnfahrt an Wendungen und (leeren) Versprechen, bis hin zur herleitung des Titels.
'Ich werde über die Ungerechtigkeiten und Inkonsistenzen all jener Männer schreiben, die sich als beflissene Feministen bezeichnen.' In unserer Protagonistin tobt der Frust und doch kehrt die (emotionale) Abhängikeit und in ihr bestehende Unvollkommenheit immer wieder zurück.
Der Text wirkt zu Beginn wie eine Abfolge, woran ich mich anfangs etwas gewöhnen musste, dann aber wie eine Art Tagebucheintrag verschlang. Der Text wirkt wie eine Reflexion, wodurch er meiner Meinung nach unglaublich faszinierend und objektiv nachvollziehbar ist, denn die Thematik ist top aktuell und unsere Protagonistin in jeder Facette interessant geschrieben. In ihrer Sorge vor dem älter werden und der Einsamkeit, trifft sie drastische Entscheidungen und versinkt ein wenig im Wahnsinn. Ein Buch, dass nicht nur durch seine äußere Schönheit auffällt, sondern auch inhaltlich punktet. Eine große Empfehlung und wohl ein weiteres Lese-Highlight für dieses Jahr.
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5/5
08.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ja Ja Ja!
Dieses Cover! Diese Farben! Beim Durchblättern der Verlagsvorschauen ist mir Yade Yasemin Önders Roman „Anti Müller“ direkt ins Herz geschossen und ich konnte es kaum abwarten, ihn zu lesen. Ich durfte es auch als Buddy Read mit einer guten Freundin lesen, was das Erlebnis zu einem noch bessern machte. Daniela Dröscher sagt über Anti Müller auch „Dieses Buch wird ein feministischer Klassiker.“, und dem kann ich nur zustimmen. Wie auf dem Klappentext vermerkt, ist der Roman kein Liebesroman. Es geht um patriarchale Strukturen, den Kulturbetrieb, moderne Beziehungen, weibliche Körper, Machtgefälle und Ungleichheiten, es geht um das Verlangen – es werden so viele Themen behandelt, und dabei gut und verständlich aneinandergekettet.
Unsere Hauptcharakterin ist Mitte dreißig, schreibt an einem Roman und versucht, über ihren Ex Kar hinwegzukommen – eine große Nummer im Literaturbetrieb, sonst eher weniger als nichts. Gleichzeitig aber, wie der Titel des Buches vermuten lässt (wurde mir erst beim Lesen bewusst), möchte sie auch ihrem Wunsch nachkommen, Mutter zu werden. Also heißt es Dating Apps runterladen, ausgehen, in Klinken Termine ausmachen. Sie lernt Andi Müller kennen, bereits Vater und Theaterschauspieler, eine „freie Seele“, doch ist der Wunsch, Mutter zu werden größer, als sich vom ihm wieder zu lösen. Gleichzeitig kommt auch ihre eigene Kindheit immer wieder an die Oberfläche, ihre Anstrengungen im Kulturbetrieb genauso.
Ich bin nur so durch den Roman geflogen und habe mich in unserer Hauptcharakterin verloren. Sie ist in so vielen Fällen reletable, messy und klug. Der Ton von Önders so toll, ihr Schreibstil einzigartig. „Wie also von der Katastrophe erzählen? Wie vom Verlust? Wie beschreibt man Leid? […] Es also doppelt erzählen. […] In der Variation das Prinzip finden. In der Lüge die Möglichkeit. Im Konjunktiv die Wahrheit.“ Dieses Buch zu lesen und dann darüber zu sprechen war ein Traum, soviel mehr ist im Gespräch darüber aufgekommen. „Anti Müller“ ist definitiv ein Roman, über den Stunden gesprochen werden können, an so vielen Strängen angeknöpft werden kann. Ein wahnsinnig toller Lesemoment.
Dating und Kinderwunsch in der Kunstszene minus mentale Gesundheit
Einzigartige, beeindruckende Sprache. Immer, wenn man denkt, jetzt muss diese Reihe an gleich aufgebauten und doch immer noch überraschenden Wortketten jetzt aber ein Ende finden, schmeißt die Autorin uns noch fünf nach. Eine literarische Wucht, die modernes Dating, unerfüllten Kinderwunsch, mentale Gesundheit und die Abwesenheit dieser sowie Suizidalität behandelt, mit Witz und Einsicht in das Künstler:innen- und Literatenleben im heutigen Deutschland. Wärmste Empfehlung für alle, die bereit sind für schmerzhafte Schönheit und eine sprachliche Herausforderung.
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