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Anfänge Eine neue Geschichte der Menschheit | Der Nr.1 SPIEGEL-Bestseller

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Beschreibung

Produktdetails

Verkaufsrang

9931

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

13.01.2024

Abbildungen

broschiert, mit Abbildungen

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

672

Maße (L/B/H)

21,5/13,6/4,5 cm

Gewicht

608 g

Farbe

Messing / Rost

Auflage

5. Druckaufl. 2025

Originaltitel

The Dawn of Everything. A New History of Humanity

Übersetzt von

Henning Dedekind + weitere

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-608-96614-5

Beschreibung

Rezension

»Ich empfehle das Buch gern, weil es für mich auch ein sehr optimistisches Buch ist, das zeigt, dass die Menschen schon immer sehr kreative Lösungen für ihre Probleme gefunden haben und das kann heute immer noch der Fall sein.« Isabel Fargo Cole, SWR 2 Lesenswert Kritik, 14. Mai 2023 ("SWR 2 lesenswert Kritik")
»Graeber und Wengrow stellen mit neuen Ausgrabungsfunden alte Gewissheiten infrage. Ihr Werk erweitert den intellektuellen Horizont, die Detailfülle ist beeindruckend. […] Sie ermuntern die Menschen, durch mutigeres, selbstbestimmtes Handeln eine freiere Zukunft der Menschheit zu erkämpfen.« Dr. Michael Brackmann, Handelsblatt, 15. April 2022 ("Handelsblatt")
»‚Anfänge‘ schärft unseren Sinn für die ungeheure Vielfalt beginnender Vergesellschaftung, und das ist großartig.« Kerstin Decker, Der Tagesspiegel, 15. Februar 2022 ("Tagesspiegel")
»Anfänge ist […] im doppelten Sinne ein libertäres Buch: Es ist geprägt von der Bewunderung für alle, die für „staatliche“ Autorität nur Hohn und Spott übrig haben. Aber es ist auch „libertär“ in dem Wortsinne, den man in der Philosophie des Geistes kennt und der die Überzeugung beschreibt, dass wir in einem starken, echten Sinne über einen freien Willen verfügen. Dass die Welt wirklich von unserem Willen abhängt und nicht andersherum.« Lars Weisbrod, Die Zeit, 27. Januar 2021 ("Die Zeit")
»David Graeber und David Wengrow ermutigen uns in ihrem Buch, das Zusammenleben neu zu denken. Es ist ein radikaler Appell, die Welt zu verändern.« Joachim Gaertner, Das Erste, 23. Januar 2022 ("Das Erste")
»Die Lektüre ihres originellen Buches verändert den Blick auf die Menschheitsgeschichte grundlegend. Er lenkt ihn weg von den Grossreichen hin zu kleineren Gesellschaften und konstruktiven Ideen. Es gab und gibt immer mehrere Wege.« Martina Läubli, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 24. November 2024 ("NZZ am Sonntag")
»Eine gelungene Abrechnung mit eurozentrischer Arroganz und dem westlichen Fortschrittsgedanken.« Anton Benz, Spektrum.de, 25. November 2022 ("Spektrum")
»Die Lektüre ist ebenso herausfordernd wie kurzweilig, gibt inspirierende Impulse, das Werk einzubinden in aktuelle Diskussionen.« Andreas Kohm, Badische Zeitung, 29. Juli 2022 ("Badische Zeitung")
»Ein großartiges Buch, an dem sich die ›Gelehrten reiben‹ und die ›Geister scheiden‹ werden.« Niklot Krohn, Archäologie in Deutschland, Juni 2022 ("Archäologie in Deutschland")
»[W]as die beiden Autoren an spannenden Informationen und neuen Erkenntnissen zu bieten haben, ist schlichtweg umwerfend.« Wolfgang Schweiger, Traunsteiner Tagblatt, 02. April 2022 ("Traunsteiner Tagblatt")

Produktdetails

Verkaufsrang

9931

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

13.01.2024

Abbildungen

broschiert, mit Abbildungen

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

672

Maße (L/B/H)

21,5/13,6/4,5 cm

Gewicht

608 g

Farbe

Messing / Rost

Auflage

5. Druckaufl. 2025

Originaltitel

The Dawn of Everything. A New History of Humanity

Übersetzt von

  • Henning Dedekind
  • Helmut Dierlamm
  • Andreas Thomsen

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-608-96614-5

Herstelleradresse

Klett-Cotta Verlag
Rotebühlstr. 77
70178 Stuttgart
DE

Email: produktsicherheit@klett-cotta.de

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lehrreich

Bewertung aus Thun im Kanton Bern am 28.07.2024

Bewertungsnummer: 2254659

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Das Buch erzählt die Geschichte der Menschheit von den Anfängen bis jetzt. Der Schwerpunkt liegt bei den Übergängen von der Jäger- und Sammlergesellschaft zur Agrargesellschaft sowie von der Siedlung zur Stadt oder dem Stadtstaat und dem Staat (im modernen Sinn). Eigentlich zeigen die Autoren auf der Basis vieler empirisch Daten aus aller Welt (sie wandern vom Euphrat und Tigris über den Halbmond nach Europa, aber gehen weiter nach Amerika und Asien und kehren nach Afrika zurück und verweilen auch in Mittelamerika und Südamerika), dass es keine solche Übergänge gibt, schon gar keine deterministischen. Schon in der frühesten Zeit der Menschheitsgeschichte gab es Versuche, „demokratische“ Institutionen einzuführen. - Ein beeindruckendes Buch, das mit vielen Mythologien aufräumt. Eine kleine Schwäche liegt in der Langatmigkeit der Ausführungen. Ferner hat mich der leicht polemische Ton der Ausführungen etwas gestört. Es ist interessant, zu erfahren, wie sich die Menschheitsgeschichte entwickelt hat. Aber mich interessiert bedeutend weniger zu wissen, dass die meisten anderen Autoren in ihrer Geschichtenerzählung falsch lagen.

lehrreich

Bewertung aus Thun im Kanton Bern am 28.07.2024
Bewertungsnummer: 2254659
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Das Buch erzählt die Geschichte der Menschheit von den Anfängen bis jetzt. Der Schwerpunkt liegt bei den Übergängen von der Jäger- und Sammlergesellschaft zur Agrargesellschaft sowie von der Siedlung zur Stadt oder dem Stadtstaat und dem Staat (im modernen Sinn). Eigentlich zeigen die Autoren auf der Basis vieler empirisch Daten aus aller Welt (sie wandern vom Euphrat und Tigris über den Halbmond nach Europa, aber gehen weiter nach Amerika und Asien und kehren nach Afrika zurück und verweilen auch in Mittelamerika und Südamerika), dass es keine solche Übergänge gibt, schon gar keine deterministischen. Schon in der frühesten Zeit der Menschheitsgeschichte gab es Versuche, „demokratische“ Institutionen einzuführen. - Ein beeindruckendes Buch, das mit vielen Mythologien aufräumt. Eine kleine Schwäche liegt in der Langatmigkeit der Ausführungen. Ferner hat mich der leicht polemische Ton der Ausführungen etwas gestört. Es ist interessant, zu erfahren, wie sich die Menschheitsgeschichte entwickelt hat. Aber mich interessiert bedeutend weniger zu wissen, dass die meisten anderen Autoren in ihrer Geschichtenerzählung falsch lagen.

Graeber, Anthropologe und…

LichtundSchatten am 10.12.2025

Bewertungsnummer: 2974821

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Graeber, Anthropologe und anarchistisch geprägter Denker, und Wengrow, Archäologe, dem man die materialistische Nüchternheit zutraut, setzen bei einem Punkt an, den kaum jemand infrage stellt: der angeblich linearen Entwicklung der Menschheitsgeschichte. Sie rollen alles neu auf, alles anders, alles noch verwirrender als man es schon kennt. Dazu ein Hörbuch-Sprecher, der gerne Kindergeschichten vorliest. Im Kern plädieren Graeber und Wengrow für eine anthropologische Neubestimmung. Der Mensch ist für sie weder ein von äußeren Zwängen geschobenes Tier noch ein Kulturprodukt, das auf seine Struktur determiniert ist. Er ist ein Wesen, das auf Autonomie reagiert – das Optionen erschafft und wählt. Diese anthropologische Annahme erinnert verblüffend an jene Denker, die eine marktwirtschaftliche Anthropologie verteidigen: Adam Smith, Schumpeter, McCloskey, Hayek. Bei allen Unterschieden verbindet sie die Überzeugung, dass der Mensch ein schöpferisches, gestaltendes Wesen ist. Diese Nähe ist ironisch, weil der politisch linksstehende Graeber sicherlich niemals dem Kapitalismus das Wort reden wollte. Doch indem er die menschliche Kreativität ins Zentrum stellt, bestätigt er genau jene Vorstellung, die den produktiven Kapitalismus trägt: dass Menschen aus innerem Antrieb handeln, Neues schaffen und Gesellschaftsformen erfinden. Anfänge ist somit – ungewollt – auch eine philosophische Verteidigung des Unternehmerischen. Die Autoren ziehen daraus jedoch nicht die Konsequenzen, die ein marktwirtschaftlich denkender Leser ziehen könnte. Sie argumentieren, Ungleichheit sei nicht Natur, sondern bewusste Entscheidung – und damit potenziell aufhebbar. Aber damit akzeptieren sie implizit die Grundfigur des schöpferischen Menschen, der seine Welt nicht erleidet, sondern produziert. In der Sprache des Kapitalismus heißt das: Der Mensch ist ein Unternehmer seiner Lebensform.

Graeber, Anthropologe und…

LichtundSchatten am 10.12.2025
Bewertungsnummer: 2974821
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Graeber, Anthropologe und anarchistisch geprägter Denker, und Wengrow, Archäologe, dem man die materialistische Nüchternheit zutraut, setzen bei einem Punkt an, den kaum jemand infrage stellt: der angeblich linearen Entwicklung der Menschheitsgeschichte. Sie rollen alles neu auf, alles anders, alles noch verwirrender als man es schon kennt. Dazu ein Hörbuch-Sprecher, der gerne Kindergeschichten vorliest. Im Kern plädieren Graeber und Wengrow für eine anthropologische Neubestimmung. Der Mensch ist für sie weder ein von äußeren Zwängen geschobenes Tier noch ein Kulturprodukt, das auf seine Struktur determiniert ist. Er ist ein Wesen, das auf Autonomie reagiert – das Optionen erschafft und wählt. Diese anthropologische Annahme erinnert verblüffend an jene Denker, die eine marktwirtschaftliche Anthropologie verteidigen: Adam Smith, Schumpeter, McCloskey, Hayek. Bei allen Unterschieden verbindet sie die Überzeugung, dass der Mensch ein schöpferisches, gestaltendes Wesen ist. Diese Nähe ist ironisch, weil der politisch linksstehende Graeber sicherlich niemals dem Kapitalismus das Wort reden wollte. Doch indem er die menschliche Kreativität ins Zentrum stellt, bestätigt er genau jene Vorstellung, die den produktiven Kapitalismus trägt: dass Menschen aus innerem Antrieb handeln, Neues schaffen und Gesellschaftsformen erfinden. Anfänge ist somit – ungewollt – auch eine philosophische Verteidigung des Unternehmerischen. Die Autoren ziehen daraus jedoch nicht die Konsequenzen, die ein marktwirtschaftlich denkender Leser ziehen könnte. Sie argumentieren, Ungleichheit sei nicht Natur, sondern bewusste Entscheidung – und damit potenziell aufhebbar. Aber damit akzeptieren sie implizit die Grundfigur des schöpferischen Menschen, der seine Welt nicht erleidet, sondern produziert. In der Sprache des Kapitalismus heißt das: Der Mensch ist ein Unternehmer seiner Lebensform.

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Anfänge

von David Graeber, David Wengrow

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Herbert Hofer

Thalia Wien – Mariahilfer Straße

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5/5

Eine Geschichte der Menschheit - (endlich) in ihrer ganzen Vielfalt

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Es ist schon einige Zeit her, dass ich „Anfänge“ von David Graeber und David Wendrow gelesen habe. Aber nachdem es für mich nach wie vor eines der wichtigsten und inspirierendsten Bücher der letzten Jahre ist, möchte ich doch unbedingt eine Empfehlung dafür abgeben (die notgedrungen etwas oberflächlicher ausfällt, als das Buch es verdienen würde). ____ Graeber und Wendrow unternehmen darin den Versuch einer detaillierteren Darstellung der frühen Formen menschlichen Zusammenlebens - und zwar eine, die auf archäologischen und anthropologischen Fakten sowie auf Berichten über und auch von indigene/n Völker/n beruht. Sie wenden sich dabei ganz explizit gegen die immer gleiche Wiederholung des Mythos beispielsweise durch Autoren wie Harari und Diamond, demzufolge Jäger und Sammler Gesellschaften alle gleich egalitär organisiert gewesen wären und erst die Entwicklung der Landwirtschaft Hierarchien und Spezialisierungen hervorgebracht hätte. ____ Eine Vielzahl an Befunden belegen verschiedenste politische Modelle, unter denen Menschen über Jahrtausende zusammen gelebt haben, darunter auch solche, die es dem gängigen Mythos zufolge gar nicht gegeben haben soll - Monumentalbauten, die von nichtsesshaften Menschen errichtet wurden, sesshafte Menschen, die Ansiedlungen ohne erkennbares (rituelles oder politisches) Zentrum errichtet haben und sogar Gesellschaften, die in unterschiedlichen Jahreszeiten unterschiedliche Organisationsformen gewählt haben. Und es ist ja tatsächlich schwer vorstellbar, dass die Menschheit - der moderne Mensch, aber auch seine ausgestorbenen Verwandten - über Jahrhunderttausende gelebt haben soll ohne je über Formen des Zusammenlebens nachgedacht und gesprochen zu haben - und einzig die „Erfindung“ der Landwirtschaft das plötzlich geändert haben soll. ____ Zum Thema der Entwicklung von Landwirtschaft gibt es übrigens auch Befunde, die diesen Prozess plastischer, und als weniger plötzlich und weniger zielgerichtet beschreiben. ____ Wie profund die beiden Wissenschater in Ihrem Werk vorgehen, zeigt sich für mich ziemlich zu Beginn des Buches an ihrem Umgang mit dem Begriff der Gleichheit. Während sich andere Autoren (darunter auch die oben erwähnten) gleich an die Beantwortung der Frage machen würden, wann in der Menschheitsgeschichte Gleichheit geherrscht haben soll und ab wann nicht mehr, betrachten Graeber und Wendrow zuerst einmal die Frage: was ist Gleichheit und was inkludiert sie? Ist das politische und wirtschaftliche Gleichheit, oder auch Gleichheit in der Rollenverteilung der Geschlechter? Und, in einem nächsten Schritt, wie gerät dasThema der Gleichheit/Ungleichheit im 18. Jahrhundert (durch Rousseau) überhaupt in die europäischen philosophischen Diskurse? In einer Epoche somit, in der jeder Aspekt der europäischen Gesellschaften zutiefst hierarchisch geprägt war? Die Beantwortung dieser Frage ist ein umfangreiches und faszinierendes Kapitel und hat mit indigenen Perspektiven zu tun, deren Habilitation den Autoren ein zentrales Anliegen ist. ____ In den frühen Formen menschlichen Zusammenlebens werden sich möglicherweise kaum Lösungsansätze finden, die einer heutigen Weltbevölkerung von über 8 Milliarden Menschen hilfreich sein können. Aber einer biologischen Spezies anzugehören, zu deren DNA es gehört, immer neue politische Ideen zu entwickeln, fühlt sich doch deutlich hoffnungsvoller an als die immer gleiche Darstellung eben dieser Gattung als einer, die vor 10.000 Jahren Entscheidungen getroffen haben soll, die eine immerwährende Unfreiheit zur Folge haben sollen. ___ Mich hat das Buch zutiefst beeindruckt und wohl auch geprägt und ich bin fest entschlossen, es irgendwann einmal erneut zu lesen!
  • Herbert Hofer
  • Buchhändler/-in

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5/5

Eine Geschichte der Menschheit - (endlich) in ihrer ganzen Vielfalt

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Es ist schon einige Zeit her, dass ich „Anfänge“ von David Graeber und David Wendrow gelesen habe. Aber nachdem es für mich nach wie vor eines der wichtigsten und inspirierendsten Bücher der letzten Jahre ist, möchte ich doch unbedingt eine Empfehlung dafür abgeben (die notgedrungen etwas oberflächlicher ausfällt, als das Buch es verdienen würde). ____ Graeber und Wendrow unternehmen darin den Versuch einer detaillierteren Darstellung der frühen Formen menschlichen Zusammenlebens - und zwar eine, die auf archäologischen und anthropologischen Fakten sowie auf Berichten über und auch von indigene/n Völker/n beruht. Sie wenden sich dabei ganz explizit gegen die immer gleiche Wiederholung des Mythos beispielsweise durch Autoren wie Harari und Diamond, demzufolge Jäger und Sammler Gesellschaften alle gleich egalitär organisiert gewesen wären und erst die Entwicklung der Landwirtschaft Hierarchien und Spezialisierungen hervorgebracht hätte. ____ Eine Vielzahl an Befunden belegen verschiedenste politische Modelle, unter denen Menschen über Jahrtausende zusammen gelebt haben, darunter auch solche, die es dem gängigen Mythos zufolge gar nicht gegeben haben soll - Monumentalbauten, die von nichtsesshaften Menschen errichtet wurden, sesshafte Menschen, die Ansiedlungen ohne erkennbares (rituelles oder politisches) Zentrum errichtet haben und sogar Gesellschaften, die in unterschiedlichen Jahreszeiten unterschiedliche Organisationsformen gewählt haben. Und es ist ja tatsächlich schwer vorstellbar, dass die Menschheit - der moderne Mensch, aber auch seine ausgestorbenen Verwandten - über Jahrhunderttausende gelebt haben soll ohne je über Formen des Zusammenlebens nachgedacht und gesprochen zu haben - und einzig die „Erfindung“ der Landwirtschaft das plötzlich geändert haben soll. ____ Zum Thema der Entwicklung von Landwirtschaft gibt es übrigens auch Befunde, die diesen Prozess plastischer, und als weniger plötzlich und weniger zielgerichtet beschreiben. ____ Wie profund die beiden Wissenschater in Ihrem Werk vorgehen, zeigt sich für mich ziemlich zu Beginn des Buches an ihrem Umgang mit dem Begriff der Gleichheit. Während sich andere Autoren (darunter auch die oben erwähnten) gleich an die Beantwortung der Frage machen würden, wann in der Menschheitsgeschichte Gleichheit geherrscht haben soll und ab wann nicht mehr, betrachten Graeber und Wendrow zuerst einmal die Frage: was ist Gleichheit und was inkludiert sie? Ist das politische und wirtschaftliche Gleichheit, oder auch Gleichheit in der Rollenverteilung der Geschlechter? Und, in einem nächsten Schritt, wie gerät dasThema der Gleichheit/Ungleichheit im 18. Jahrhundert (durch Rousseau) überhaupt in die europäischen philosophischen Diskurse? In einer Epoche somit, in der jeder Aspekt der europäischen Gesellschaften zutiefst hierarchisch geprägt war? Die Beantwortung dieser Frage ist ein umfangreiches und faszinierendes Kapitel und hat mit indigenen Perspektiven zu tun, deren Habilitation den Autoren ein zentrales Anliegen ist. ____ In den frühen Formen menschlichen Zusammenlebens werden sich möglicherweise kaum Lösungsansätze finden, die einer heutigen Weltbevölkerung von über 8 Milliarden Menschen hilfreich sein können. Aber einer biologischen Spezies anzugehören, zu deren DNA es gehört, immer neue politische Ideen zu entwickeln, fühlt sich doch deutlich hoffnungsvoller an als die immer gleiche Darstellung eben dieser Gattung als einer, die vor 10.000 Jahren Entscheidungen getroffen haben soll, die eine immerwährende Unfreiheit zur Folge haben sollen. ___ Mich hat das Buch zutiefst beeindruckt und wohl auch geprägt und ich bin fest entschlossen, es irgendwann einmal erneut zu lesen!

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Ralf Rother

Thalia Wien – Mariahilfer Straße

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4/5

Arbeit am Mythos

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich muss zugeben, dass ich auf das Buch recht gespannt war, da es schon vor seinem Erscheinen mit großer Aufmerksamkeit und Lob bedacht wurde. Auch der Selbstanspruch der Autoren an das Buch ließe sich kaum überbieten. Die Kultur- und Sozialanthropologen und Archäologen David Graeber und David Wengrow haben sich vorgenommen, in ihrem umfang- und materialreichen Buch mit den Mythen unserer Anfangs- und Entstehungsgeschichte aufzuräumen. Tatsächlich bietet die klassische politische Philosophie zwei Hypothesen an, in denen beschrieben wird, wie unser Anfang der Menschheitsgeschichte vielleicht aussah. Die eine stammt von Thomas Hobbes, die andere von Jean-Jacques Rousseau, die in deren Formulierung nicht gegensätzlicher hätten sein können. Hobbes ging in seiner Hypothese von einem gewalttätigen Naturzustand der Menschen aus, um den Gesellschaftsvertrag und die Einbindung des Menschen in soziale Strukturen als ein zähmendes Zivilisationsprojekt zu beschreiben. Hingegen setzte Rousseau am Anfang seiner Soziallehre einen Naturzustand des Menschen, der ihn als frei, herrschaftslos, egalitär und gütig beschreibt. Soziale Ungerechtigkeiten, ungleiche Verteilung der Güter wie auch die Ausübung politischer Gewalt wären demnach Produkte des Zivilisationsprozesses und der Staatenbildung. An beiden Hypothesen der politischen Philosophie heftete sich eine unübersichtliche Rezeptionsgeschichte, die bis heute wirksam ist. Mit dieser Mythenbildung über unseren Anfang möchten die beiden Autoren aufräumen und ziehen hierzu unglaublich viel Forschungsmaterial aus der Archäologie und der Kultur- und Sozialanthropologie heran. Aus dem Fundus dieser Forschung zeigt sich, dass die Frühgeschichte der Menschheit vielgestaltiger in ihrer sozialpolitischen Ordnung ausgerichtet war als es sich Hobbes und Rousseau womöglich hätten vorstellen können. Allerdings dienten deren Hypothesen über den Naturzustand des Menschen nicht der Beschreibung, sondern zur logischen Explikation des Gesellschaftsvertrages. So blieb mir bei der wirklich umfangreichen Lektüre oftmals das Gefühl, dass das angeführte Material eine sorgfältigere Lektüre verdient hätte. Da mir viele angeführte Forschungen nicht unbekannt sind (z.B. die Grabungen von Catalhöyük und die Arbeiten von James C. Scott und anderen), hielt ich den oftmals polemischen, sprunghaften und moralischen Ton der Ausführungen für überflüssig. Mir kam der Eindruck, dass hier mehr am Mythus gearbeitet, als dass er abgeräumt wird.
  • Ralf Rother
  • Buchhändler/-in

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4/5

Arbeit am Mythos

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich muss zugeben, dass ich auf das Buch recht gespannt war, da es schon vor seinem Erscheinen mit großer Aufmerksamkeit und Lob bedacht wurde. Auch der Selbstanspruch der Autoren an das Buch ließe sich kaum überbieten. Die Kultur- und Sozialanthropologen und Archäologen David Graeber und David Wengrow haben sich vorgenommen, in ihrem umfang- und materialreichen Buch mit den Mythen unserer Anfangs- und Entstehungsgeschichte aufzuräumen. Tatsächlich bietet die klassische politische Philosophie zwei Hypothesen an, in denen beschrieben wird, wie unser Anfang der Menschheitsgeschichte vielleicht aussah. Die eine stammt von Thomas Hobbes, die andere von Jean-Jacques Rousseau, die in deren Formulierung nicht gegensätzlicher hätten sein können. Hobbes ging in seiner Hypothese von einem gewalttätigen Naturzustand der Menschen aus, um den Gesellschaftsvertrag und die Einbindung des Menschen in soziale Strukturen als ein zähmendes Zivilisationsprojekt zu beschreiben. Hingegen setzte Rousseau am Anfang seiner Soziallehre einen Naturzustand des Menschen, der ihn als frei, herrschaftslos, egalitär und gütig beschreibt. Soziale Ungerechtigkeiten, ungleiche Verteilung der Güter wie auch die Ausübung politischer Gewalt wären demnach Produkte des Zivilisationsprozesses und der Staatenbildung. An beiden Hypothesen der politischen Philosophie heftete sich eine unübersichtliche Rezeptionsgeschichte, die bis heute wirksam ist. Mit dieser Mythenbildung über unseren Anfang möchten die beiden Autoren aufräumen und ziehen hierzu unglaublich viel Forschungsmaterial aus der Archäologie und der Kultur- und Sozialanthropologie heran. Aus dem Fundus dieser Forschung zeigt sich, dass die Frühgeschichte der Menschheit vielgestaltiger in ihrer sozialpolitischen Ordnung ausgerichtet war als es sich Hobbes und Rousseau womöglich hätten vorstellen können. Allerdings dienten deren Hypothesen über den Naturzustand des Menschen nicht der Beschreibung, sondern zur logischen Explikation des Gesellschaftsvertrages. So blieb mir bei der wirklich umfangreichen Lektüre oftmals das Gefühl, dass das angeführte Material eine sorgfältigere Lektüre verdient hätte. Da mir viele angeführte Forschungen nicht unbekannt sind (z.B. die Grabungen von Catalhöyük und die Arbeiten von James C. Scott und anderen), hielt ich den oftmals polemischen, sprunghaften und moralischen Ton der Ausführungen für überflüssig. Mir kam der Eindruck, dass hier mehr am Mythus gearbeitet, als dass er abgeräumt wird.

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Anfänge

von David Graeber, David Wengrow

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