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Juli Zeh

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Lesung. Ungekürzte Ausgabe

Hörbuch (CD)

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Beschreibung

Der Bestseller von Juli Zeh zum Sonderpreis, gelesen von Anna Schudt

Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht: Abstand von Robert, ihrem Freund, der ihr in seinem verbissenen Klimaaktivismus immer fremder wird? Zuflucht wegen der inneren Unruhe, die sie nachts nicht mehr schlafen lässt? Antwort auf die Frage, wann die Welt eigentlich so durcheinandergeraten ist? Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht.

Juli Zehs Roman erzählt von unserer unmittelbarsten Gegenwart, von unseren Befangenheiten, Schwächen und Ängsten, und er erzählt von unseren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn wir uns trauen, Menschen zu sein.

Ungekürzte Lesung mit Anna Schudt

1 MP3-CD, 10h 11min

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Promotion im Europa- und Völkerrecht. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Schon ihr Debütroman »Adler und Engel« (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Thomas-Mann-Preis (2013) und dem Heinrich-Böll-Preis (2019). Im Jahr 2018 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und wurde zur Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt. Zuletzt erschien im Luchterhand Literaturverlag der Roman »Über Menschen«, das meistverkaufte belletristische Hardcover des Jahres 2021..
Anna Schudt, geboren 1974 in Konstanz, ließ sich an der Otto-Falckenberg-Schule in München ausbilden. Sie stand an den Kammerspielen München auf der Bühne, bevor sie für zwei Spielzeiten an der Berliner Schaubühne unter Thomas Ostermeier engagiert wurde. 2001 kam Schudt ans Bayerische Staatsschauspiel, wo sie u. a. in »Kabale und Liebe« und als Maria Stuart im gleichnamigen Drama zu sehen war und bis 2009 zum Ensemble gehörte. 2010 spielte sie am Düsseldorfer Schaupielhaus die Rolle der Anna Karenina. Anna Schudt ist auch in vielen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Darunter von 2012 bis 2022 als Ermittlerin im Dortmunder »Tatort« oder in der Hauptrolle des vielfach prämierten TV-Films »Aufbruch in die Freiheit«. Für ihre schauspielerischen Leistungen erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen wie den Kurt-Meisel-Preis, den International Emmy Award, die Goldene Kamera und den Bayerischen Fernsehpreis. Im Hörverlag ist sie in »Die Wälder« von Melanie Raabe und »Über Menschen« von Juli Zeh zu hören.

Details

Medium

CD

Sprecher

Anna Schudt

Spieldauer

10 Stunden und 11 Minuten

Erscheinungsdatum

10.08.2022

Verlag

Der Hörverlag

Beschreibung

Details

Medium

CD

Sprecher

Anna Schudt

Spieldauer

10 Stunden und 11 Minuten

Erscheinungsdatum

10.08.2022

Verlag

Der Hörverlag

Anzahl

1

Fassung

ungekürzt

Hörtyp

Lesung

Sprache

Deutsch

EAN

9783844546781

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Sehr angenehmes Buch :)

Bewertung am 26.05.2022

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Habe das Buch in 2 Tagen durchgelesen und fand es durchweg sehr angenehm und auch spannend. Hier und da etwas vorhersehbar aber einfach eine schöne leichte Lektüre. Es zeigt, wie wichtig es ist, auch hinter die Fassade eines Menschen zu schauen. Manchmal lohnt es wirklich, wenn man seine Vorurteile links liegen lässt und über manches hinwegsieht.

Sehr angenehmes Buch :)

Bewertung am 26.05.2022
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Habe das Buch in 2 Tagen durchgelesen und fand es durchweg sehr angenehm und auch spannend. Hier und da etwas vorhersehbar aber einfach eine schöne leichte Lektüre. Es zeigt, wie wichtig es ist, auch hinter die Fassade eines Menschen zu schauen. Manchmal lohnt es wirklich, wenn man seine Vorurteile links liegen lässt und über manches hinwegsieht.

Gut gemeint ist halt nicht gut.

Bewertung aus Pregassona am 23.03.2022

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich mag Juli Zeh. Ich verfolge ihre Auftritte sei es als Literaturkritikerin, sei es als Gast in Talkshows. Ich mag ihre Ansichten, und die Art, wie sie ihre Standpunkte vertritt. Ich kenne sie als moderate, verbindende Person, die sich klar gegen Extremismus jeglicher Couleur stellt. Ich kannte sie allerdings nicht als Schriftstellerin. Und mit dieser Einstellung ging ich in dieses Buch. Die Geschichte ist simpel. Grossstadt-Mensch flieht aufs Land, in die tiefste Provinz, ehemalige DDR. Angeblich wegen Corona, aber bald stellt sich heraus, dass es mehrere Gründe gibt. Und auf dem Land, in der (ehemaligen) DDR trifft sie auf den Dorf-Nazi, gewalttätig, vorbestraft, alkoholiker, zerrüttete Existenz. Natürlich AfD Wähler. Somit öffnet Juli Zeh verschiedene Spannungsfelder: die Spaltung zwischen Stadt und Land (besser gesagt zwischen Berlin-Prenzlauer Berg und einem desolatem Kaff, dass in der DDR stecken geblieben ist). Zwischen gebildeten Menschen und solchen aus der "bildungsfernen" Unterschicht. Zwischen Dialog und Gewalt. Interessant, könnte man denken. Die 350 Seiten sind sehr gut strukturiert, mit relativ kurzen Kapiteln. Sozusagen mungerechte Häppchen die leicht zu verdauen sind. Doch damit kommt Juli Zeh an ihre Grenzen. Die Juristin und Richterin schafft es nicht, ihre berufliche Sprache anzupassen. Genau wie vor Gericht schreibt sie zwar extrem präzise, allerdings komplett frei von Gefühlen und Emotionen. Sie erzählt die Geschiche sehr genau. Fast wie eine Reportage. Jegliche Art von Sprachton, Farbe oder Poesie lässt sie nicht zu. Das Buch wird somit recht kühl und emotionslos. Nur Dora und Gote kriegen ein bisschen Tiefgang. Ihre Charaktere werden ein bisschen besser ausgeschmückt. Alle anderen Figuren sind reinste Komparsen, ein paar wenige haben eine Sprechrolle. Die andere grosse Grenze, die Juli Zeh nicht überwindet, and der sie sogar kläglich scheitert, ist der Inhalt der Geschichte. Auf der einen Seite die gebildete Dora, aus sehr gutem Hause, erfolgreich im Beruf, mit hippen Menschen um sich, und einer ncht mehr ganz so tollen Beziehung. Auf der anderen Seite der dumme Ossi, der auch Asi ist. Der nicht reden kann, sich nur durch brummen und Körpergerüche ausdrückt. Dessen Familie kaputt ist. Der schon wegen körperlicher Gewalt in der Kiste sass. Der in einem Bauwagen lebt. Der sich mit rechtsradikalen Nazis vollaufen lässt und dazu SS Lieder singt. Also ganz klar Gut versus Böse. Juli Zeh versucht dann, ganz ihrer Art folgend, in dem Bösen auch was Gutes zu finden. Klar, auch Nazis liebe ihre Kinder, auch Nazis grillen gerne in geselliger Runde. Auch Nazis können schöne Kunstwerke fabrizieren. Sie können sogar sehr nett sein. Fast liebenswert. Auch im bösen Nazidorf leben Menschen, die sich gegenseitig helfen und sich über ein Dorffest freuen. Und auch die Gute merkt irgenwann, dass ihr Standpunkt vielleicht am Prenzlauer Berg vertretbar ist, in der Provinz aber an der Wirklichkeit zerschellt. Dass ihre Ansichten nicht nur gut, sonder auch arrogant und überheblich sind. Und somit landet Juli Zeh in der totalen Bredouille. Und kommt nicht mehr raus. Irgendwann kommt irgendwas wie Liebe zwischen Dora und Gote auf. Doch kann man einen Nazi lieben? Darf man einen Nazi lieben? Sie versucht, sich den Nazi schön zu schreiben. Das geht allerdings nicht. Auch wenn er sich liebevoll um seine Tochter kümmert, wenn er Dora die schönsten Möbel baut, wunderbare Skulpturen kreiert, bleiben seine Einstellungen und Handlungen inakzeptabel. Ausländerfeindlichkeit, gar Gewalt gegen Ausländer, wie Heime "abfackeln", oder Homophobie kann man sich einfach nicht schön schreiben. Und man kann es als "sogenannter Gutmensch", oder besser "Mensch auf der richtigen Seite", auch nicht relativieren. Man kann nicht darüber hinwegsehen. Gewalt und Hass sind nicht verhandelbar. Un so nimmt das Dilemma seinen Lauf. Man merkt, dass Juli Zeh vor hatte, Brücken zu bauen. Das Gute mit dem Bösen zu verbinden. Zu zeigen, dass die zwei Welten nicht nur gegesätzlich sind, sondern auch Gemeinsamkeiten haben. Aber das ist ihr nicht gelungen. Oder vielleicht ist es ganz einfach nicht möglich. Vielleicht sind es wirklich zwei Welten, die nicht zusammen existieren können. Eigentlich ein sehr interessanter Ansatz, den sie allerdings nicht vertieft hat. Gote, der Böse, bleibt immer vorhesehbar. Ein bisschen plump. Fast klischeehaft. Und auch Dora macht eigentlich keine wirkliche Entwicklung. Sie fühlt ich zu Gote hingezogen, doch dann straft sie ihre eigene Moral und Weltanschauung. Die Beziehung zwischen ihnen, also zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch, bleibt sehr an der Oberfläche hängen. Ich hätte mir da von Juli Zeh schon ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht. Eine bessere Analyse dieser zwei Wertesysteme. Sie hat es versucht. Lange. Um genau zu sein bis Seite 197. Dann hat sie die Notbremse gezogen. Die Reissleine. Gote, der Dorf-Nazi kann nicht integriert werden, also muss er sterben. Ein sogenanntes Deus ex Machina. Ein bösartiger Hirntumor. Inoperabel. Todesurteil. Man gewährt dem Todgeweihten noch ein paar schöne Tage. Und dann ist Ende im Gelände. Zudem lässt Juli Zeh den Dorf-Nazi Suizid begehen. Oder präziser einen Unfall bauen, bei dem er ums Leben kommt. Und das ist dann doch irgendwie grottesk. Was ist das? Gerechtigkeit? Oder ist es ein Schuldeingeständnis des Nazis? Eine gerechte Strafe für seine Taten? Diese Fragen bleiben offen. Fazit: Juli Zehs "Über Menschen" ist ein sehr leicht zu lesendes Buch, dass vorgibt, sich mit ganz grundlegenden Problemen unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen, das aber immer nur an der Oberfläche kratzt. Tiefgang haben weder die Figuren, noch die Geschichte. Die Spache ist einer Juristin angemessen. Sehr präzise und sachlich, allerdings ohne jegliche Emotionen, Gefühle und Poesie. Für mich ist diese Buch leichte Kost. Aber sicherlich keine Literatur. Und zudem kam es mir andauernd vor, als ob eine sehr versierte prominente Person, zwei absolut hype Themen genommen hat (Corona und die Spaltung der Gesellschaft), die sicher sehr viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen werden, um daraus ein Buch zu schreiben. Sie ist bewusst an der Oberfläche geblieben, damit dieses Buch auch nicht allzu weh tut und massentauglich beibt. Es ist auch ganz klar ein kurzlebiger Hit, denn in ein paar Jahren, wenn Corona nicht mehr das dominante Thema sein wird, erinnert sich niemand mehr an Juli Zehs "Über Menschen", und es landet dort, wo es eigentlich hingehört, nämlich in der Vergessenheit.

Gut gemeint ist halt nicht gut.

Bewertung aus Pregassona am 23.03.2022
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich mag Juli Zeh. Ich verfolge ihre Auftritte sei es als Literaturkritikerin, sei es als Gast in Talkshows. Ich mag ihre Ansichten, und die Art, wie sie ihre Standpunkte vertritt. Ich kenne sie als moderate, verbindende Person, die sich klar gegen Extremismus jeglicher Couleur stellt. Ich kannte sie allerdings nicht als Schriftstellerin. Und mit dieser Einstellung ging ich in dieses Buch. Die Geschichte ist simpel. Grossstadt-Mensch flieht aufs Land, in die tiefste Provinz, ehemalige DDR. Angeblich wegen Corona, aber bald stellt sich heraus, dass es mehrere Gründe gibt. Und auf dem Land, in der (ehemaligen) DDR trifft sie auf den Dorf-Nazi, gewalttätig, vorbestraft, alkoholiker, zerrüttete Existenz. Natürlich AfD Wähler. Somit öffnet Juli Zeh verschiedene Spannungsfelder: die Spaltung zwischen Stadt und Land (besser gesagt zwischen Berlin-Prenzlauer Berg und einem desolatem Kaff, dass in der DDR stecken geblieben ist). Zwischen gebildeten Menschen und solchen aus der "bildungsfernen" Unterschicht. Zwischen Dialog und Gewalt. Interessant, könnte man denken. Die 350 Seiten sind sehr gut strukturiert, mit relativ kurzen Kapiteln. Sozusagen mungerechte Häppchen die leicht zu verdauen sind. Doch damit kommt Juli Zeh an ihre Grenzen. Die Juristin und Richterin schafft es nicht, ihre berufliche Sprache anzupassen. Genau wie vor Gericht schreibt sie zwar extrem präzise, allerdings komplett frei von Gefühlen und Emotionen. Sie erzählt die Geschiche sehr genau. Fast wie eine Reportage. Jegliche Art von Sprachton, Farbe oder Poesie lässt sie nicht zu. Das Buch wird somit recht kühl und emotionslos. Nur Dora und Gote kriegen ein bisschen Tiefgang. Ihre Charaktere werden ein bisschen besser ausgeschmückt. Alle anderen Figuren sind reinste Komparsen, ein paar wenige haben eine Sprechrolle. Die andere grosse Grenze, die Juli Zeh nicht überwindet, and der sie sogar kläglich scheitert, ist der Inhalt der Geschichte. Auf der einen Seite die gebildete Dora, aus sehr gutem Hause, erfolgreich im Beruf, mit hippen Menschen um sich, und einer ncht mehr ganz so tollen Beziehung. Auf der anderen Seite der dumme Ossi, der auch Asi ist. Der nicht reden kann, sich nur durch brummen und Körpergerüche ausdrückt. Dessen Familie kaputt ist. Der schon wegen körperlicher Gewalt in der Kiste sass. Der in einem Bauwagen lebt. Der sich mit rechtsradikalen Nazis vollaufen lässt und dazu SS Lieder singt. Also ganz klar Gut versus Böse. Juli Zeh versucht dann, ganz ihrer Art folgend, in dem Bösen auch was Gutes zu finden. Klar, auch Nazis liebe ihre Kinder, auch Nazis grillen gerne in geselliger Runde. Auch Nazis können schöne Kunstwerke fabrizieren. Sie können sogar sehr nett sein. Fast liebenswert. Auch im bösen Nazidorf leben Menschen, die sich gegenseitig helfen und sich über ein Dorffest freuen. Und auch die Gute merkt irgenwann, dass ihr Standpunkt vielleicht am Prenzlauer Berg vertretbar ist, in der Provinz aber an der Wirklichkeit zerschellt. Dass ihre Ansichten nicht nur gut, sonder auch arrogant und überheblich sind. Und somit landet Juli Zeh in der totalen Bredouille. Und kommt nicht mehr raus. Irgendwann kommt irgendwas wie Liebe zwischen Dora und Gote auf. Doch kann man einen Nazi lieben? Darf man einen Nazi lieben? Sie versucht, sich den Nazi schön zu schreiben. Das geht allerdings nicht. Auch wenn er sich liebevoll um seine Tochter kümmert, wenn er Dora die schönsten Möbel baut, wunderbare Skulpturen kreiert, bleiben seine Einstellungen und Handlungen inakzeptabel. Ausländerfeindlichkeit, gar Gewalt gegen Ausländer, wie Heime "abfackeln", oder Homophobie kann man sich einfach nicht schön schreiben. Und man kann es als "sogenannter Gutmensch", oder besser "Mensch auf der richtigen Seite", auch nicht relativieren. Man kann nicht darüber hinwegsehen. Gewalt und Hass sind nicht verhandelbar. Un so nimmt das Dilemma seinen Lauf. Man merkt, dass Juli Zeh vor hatte, Brücken zu bauen. Das Gute mit dem Bösen zu verbinden. Zu zeigen, dass die zwei Welten nicht nur gegesätzlich sind, sondern auch Gemeinsamkeiten haben. Aber das ist ihr nicht gelungen. Oder vielleicht ist es ganz einfach nicht möglich. Vielleicht sind es wirklich zwei Welten, die nicht zusammen existieren können. Eigentlich ein sehr interessanter Ansatz, den sie allerdings nicht vertieft hat. Gote, der Böse, bleibt immer vorhesehbar. Ein bisschen plump. Fast klischeehaft. Und auch Dora macht eigentlich keine wirkliche Entwicklung. Sie fühlt ich zu Gote hingezogen, doch dann straft sie ihre eigene Moral und Weltanschauung. Die Beziehung zwischen ihnen, also zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch, bleibt sehr an der Oberfläche hängen. Ich hätte mir da von Juli Zeh schon ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht. Eine bessere Analyse dieser zwei Wertesysteme. Sie hat es versucht. Lange. Um genau zu sein bis Seite 197. Dann hat sie die Notbremse gezogen. Die Reissleine. Gote, der Dorf-Nazi kann nicht integriert werden, also muss er sterben. Ein sogenanntes Deus ex Machina. Ein bösartiger Hirntumor. Inoperabel. Todesurteil. Man gewährt dem Todgeweihten noch ein paar schöne Tage. Und dann ist Ende im Gelände. Zudem lässt Juli Zeh den Dorf-Nazi Suizid begehen. Oder präziser einen Unfall bauen, bei dem er ums Leben kommt. Und das ist dann doch irgendwie grottesk. Was ist das? Gerechtigkeit? Oder ist es ein Schuldeingeständnis des Nazis? Eine gerechte Strafe für seine Taten? Diese Fragen bleiben offen. Fazit: Juli Zehs "Über Menschen" ist ein sehr leicht zu lesendes Buch, dass vorgibt, sich mit ganz grundlegenden Problemen unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen, das aber immer nur an der Oberfläche kratzt. Tiefgang haben weder die Figuren, noch die Geschichte. Die Spache ist einer Juristin angemessen. Sehr präzise und sachlich, allerdings ohne jegliche Emotionen, Gefühle und Poesie. Für mich ist diese Buch leichte Kost. Aber sicherlich keine Literatur. Und zudem kam es mir andauernd vor, als ob eine sehr versierte prominente Person, zwei absolut hype Themen genommen hat (Corona und die Spaltung der Gesellschaft), die sicher sehr viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen werden, um daraus ein Buch zu schreiben. Sie ist bewusst an der Oberfläche geblieben, damit dieses Buch auch nicht allzu weh tut und massentauglich beibt. Es ist auch ganz klar ein kurzlebiger Hit, denn in ein paar Jahren, wenn Corona nicht mehr das dominante Thema sein wird, erinnert sich niemand mehr an Juli Zehs "Über Menschen", und es landet dort, wo es eigentlich hingehört, nämlich in der Vergessenheit.

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Eine Kritik an unserer aufgeregten Gesellschaft verpackt in trockenem Humor und mit sympatischen und spannenden Charakteren. Absolute Leseempfehlung. Juli Zeh ist eine meiner Lieblingsautorinnen und auch wenn mich ihre letzten zwei Bücher nicht überzeugen konnten, hat sie mich mit diesem wieder völlig abgeholt. Wenn ihnen dieses Buch gefallen hat, sollten sie unbedingt "Unterleuten" auch noch lesen.
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