Frauen, die verschwinden, eine fiktive Bossa-Nova-Platte von Charlie Parker, ein sprechender Affe und ein Mann, der sich fragt, wie er wurde, was er ist: Die Rätsel um die Menschen, Dinge, Wesen und Momente, die uns für immer prägen, beschäftigen die Ich-Erzähler der acht Geschichten in ›Erste Person Singular‹. Es sind klassische Murakami-Erzähler, die uns in eine Welt aus nostalgischen Jugenderinnerungen, vergangenen Liebschaften, philosophischen Betrachtungen, Literatur, Musik und Baseball entführen. Melancholisch, bestechend intelligent und tragikomisch im allerbesten Wortsinn sind diese Geschichten, die wie beiläufig mit der Grenze zwischen Fiktion und Realität spielen und immer wieder den Verdacht nahelegen, dass Autor und Ich-Erzähler mehr als nur ein paar Gemeinsamkeiten haben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
5/5
31.08.2022
Buch (Taschenbuch)
Mein Date mit Murakami
Was soll ich über mein erstes Date mit Murakami sagen.
Stell die vor, du sitzt in einer schummrigen Kneipe am Tresen. Neben dir ein fremder Mann, sein Blick gedankenversunken im Bier vor ihm. Asiatische Züge, nicht mehr ganz jung. Er scheint die Stille zu genießen, doch beginnt er dir Geschichten zu erzählen. Zunächst nur harmloses Alltagsgeplauder, das sich langsam mit alten Erinnerungen vermischt. Er erzählt von einer verflossenen Liebe, über Musik, seine Lieblingsbaseballmanschaft. Nach ein paar Gläsern Bier gerät er ins Philosophieren, will, dass du dir die Existenz eines Kreises vorstellst, der viele Mittelpunkte aber keine Begrenzung hat. Dann über eine Bossa Nova Platte eines Jazzmusikers, die aber nie existierte. So langsam runzelst du die Stirn. Vor allem bei der Geschichte von dem Affen, der Frauen den Namen stiehlt. Ganz am Ende hadert er noch mit seinem eigenen Ich – der ersten Person Singular. Dann wirft er einen letzten Blick in den schalen Rest Bier und geht.
So in etwa ist mein Date verlaufen. Nicht in rasender Geschwindigkeit, eher ganz gemächlich. Ich mochte seine leisen, melancholischen Töne, durch die hin und wieder ein Funken Humor durchblitzte. War gefangen von seinen bildhaften Worten. Ich sah den Affen mit einem Bier auf seinem Bett sitzen. Es war ein Leichtes, mir die pulsierende Metropole Tokio vorzustellen oder das Mädchen, das mit einer Beatles Platte unterm Arm durch ein Schulgebäude läuft.
Aber ich war mir nie ganz sicher, ob er nun von sich sprach und die Geschichten tatsächlich so stattfanden, wo er anfing zu flunkern und letztlich ins Reich der Fantasie abdriftete. Hin und wieder fiel ihm bei einer Erinnerung schon wieder die nächste ein, verwirrte mich an manchen Stellen und ließ mich am Ende sehr nachdenklich zurück.
Was dann geschah? Lest es in den Kommentar.
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Ich danke @btb_verlag und @bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Ich warf einen letzten Blick auf sein stehengelassenes Bier und bemerkte erst jetzt das Gekritzel auf dem Bierdeckel.
»... mitunter begeben sich ferne Erinnerungen auf eine lange Reise zu mir und erschüttern mich bei ihrer Ankunft mit ungeahnter Heftigkeit. So wie ein nächtlicher Sturm im Spätherbst die Blätter im Wald herumwirbelt ... und heftig an den Türen der Häuser rüttelt.« S.167
Ich stecke seine Notiz ein, verlasse die Kneipe und hoffe, Murakami bald wieder zu begegnen.
Klappentext
»Solange Murakami leben und schreiben wird, wird er dieses Universum erweitern.« PATTI SMITH
Frauen, die verschwinden, eine fiktive Bossa-Nova-Platte von Charlie Parker, ein sprechender Affe und ein Mann, der sich fragt, wie er wurde, was er ist: Die Rätsel um die Menschen, Dinge, Wesen und Momente, die uns für immer prägen, beschäftigen die Ich-Erzähler der acht Geschichten in ›Erste Person Singular‹. Es sind klassische Murakami-Erzähler, die uns in eine Welt aus nostalgischen Jugenderinnerungen, vergangenen Liebschaften, philosophischen Betrachtungen, Literatur, Musik und Baseball entführen. Melancholisch, bestechend intelligent und tragikomisch im allerbesten Wortsinn sind diese Geschichten, die wie beiläufig mit der Grenze zwischen Fiktion und Realität spielen und immer wieder den Verdacht nahelegen, dass Autor und Ich-Erzähler mehr als nur ein paar Gemeinsamkeiten haben.
Bewertung
3/5
26.07.2023
Buch (Taschenbuch)
Naja
Ich bin ein Haruki Fanboy und finde seinen Erzählstil einfach toll. Die Geschichten in diesem Buch finde ich nicht so Murakami. Tja auch das gibts, halb so schlimm - lesen kann man sie trotzdem.
Bewertung
Book Circle Community
5/5
25.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Geschichten, die das Leben schreibt
Wer kennts nicht? Ein Gemälde, ein Ort, ein Musikstück, ein Duft, der uns sofort an eine (vermeintlich kleine) Gegebenheit erinnert, welche uns im Laufe unseres Lebens begegnet ist.
Murakami erinnert sich in dieser Kurzgeschichten-Sammlung an einige Gegebenheiten, welche vorwiegend von einem Bild, einem Cover, einem Musikstück oder einem Ort in Erinnerung gerufen werden. Eine sehr persönliche und interessante Fülle an Geschichten, die er da zusammengetragen hat. Irgendwie hat Murakami mich ein bisschen ermuntert, auch an meine eigenen kleinen Geschichten und Gegebenheiten zurückzudenken und mir Gedanken dazu zu machen, in welchen Situationen ich mich an sie erinnere.
Was die Geschichten, welche grundsätzlich unabhängig voneinander sind, aber gemein haben, ist, dass es überall um ,,maskierte Personen’' geht. Sei es, weil diese wirklich verkleidet sind oder sich als etwas ausgeben, das sie nicht sind oder zum eigenen Schutz eine Maske überziehen.
Ein sehr tiefgründiges, intelligentes Buch, welches ich ganz sicher wieder lesen werde.
Bewertung
5/5
25.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Humorvolle, geheimnisumwobene Erzählungen
Die versammelten Texte über alleinstehende junge Herren ohne besondere Eigenschaften oder Ziele, die der Autor mit komischen, traurigen, jedenfalls merkwürdigen Begegnungen und Begebenheiten beschenkt, verblüffen mich sämtlich durch unerwartete Wendungen, Humor und eine gewisse Rätselhaftigkeit. Dass sich der Autor mit Erklärungen nicht abgibt, dafür aber mit Empathie für seine Figuren umso mehr, gefällt mir.
Außerdem sind es sehr aus der Luft gegriffene Erzählungen, was sie sehr vertraut wirken lässt und wie ein gute Geschichte wirkt, die man bei einem tollen Gespräch am Abend erzählt bekommt.
Bewertung
5/5
12.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Murakamis Feder tanzt zwischen...
Murakamis Feder tanzt zwischen Realität und Fiktion. Ein wunderbarer Kurzgeschichtenband für Fans, aber auch diejenigen, die ihn noch kennenlernen möchten. Pures Lesevergnügen!
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5/5
05.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
flüchtige Erinnerungen
Murakami kann es einfach. Sein Schreibstil ist unverwechselbar, ebenso seine Geschichten. In "Erste Person Singular", werden flüchtige Erinnerungen erzählt und man hat das Gefühl, es wären die Eigenen. Jede Kurzgeschichte hat seinen eigenen Charme und es war toll dieses Buch zu lesen.
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5/5
26.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Charlie Parker Plays Bossa Nova
Vielleicht rufe ich bei Orgasmus den Namen eines anderen Mannes, stört dich das? Zitat. Murakami ist einer von meinen japanischen Lieblingsautoren. So war die Freude groß über das neue Buch. Die Erzählungen sind wie immer großartig, jede ist anders, überraschend. Für Murakami Fans ein "Muss" und ein "Genuss". Leseempfehlung!
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4/5
28.06.2021
eBook (ePUB)
Murakamis Platte hat nen Sprung, aber das macht nichts.
Murakami schöpft aus seinem bekannten Themen- und Motivrepertoir: geheimnisvolle Frauen, Vergänglichkeit und Erinnerungen, Baseball zum Beispiel. Auch ein sprechender Affen, der etwas lebensmüde in einem Thermalbad abhängt, überrascht inzwischen nicht mehr wirklich.
Murakamis Platte hat einen Sprung, könnte man sagen, das aber in einem guten Sinne, denn der Sound ist gut, (das liegt auch an der wie immer wunderbaren Übersetzung von Ursula Gräfe) und der Meister des magischen Realismus weiß auch immer wieder mit kleinen Variationen zu überraschen.
Würde man die acht Erzählungen in eine Playlist übersetzen, fände man darauf einen Mix aus Beatles Songs, Bossa Nova Stücken und natürlich jede Menge Jazz. Insbesondere Charlie “Bird” Parker hat es dem obsessiven Musikliebhaber Murakami angetan.
In einer Erzählung geht es um eine fantastische Platte der Saxophon Legende. Das mysteriöse Album trägt den Titel: “Charlie Parker plays the bossa nova”. Der Erzähler meint sich zu erinnern, in seiner Studentenzeit einst eine Rezension zu diesem Album geschrieben zu haben und ist trotzdem höchst erstaunt, als er die Scheibe Jahre später in einem New Yorker Second Hand Plattenladen entdeckt. Denn das Besondere an dieser Platte ist nicht nur, dass sie eine Kollaboration mit einer Bossa Nova Koryphäe entsprungen sein soll, sondern auch, dass es sie garnicht gibt und nicht geben kann, da Parker bereits 1955 verstorben war und der Bos Nova erst Anfang der 60er so richtig abging. Haruki Murakami der selbst einmal eine Jazz Bar betrieben hat, weiß das ebenso wie der Erzähler. Und doch klingt dieser Fusion-Sound fantastisch, als Charlie Parker dem Erzähler persönlich im Traum eine Kostprobe gibt.
Was Fiktion ist und was autobiographisch, bleibt auch bei den anderen Storys dieser achtfachen Umkreisung des Ich wie immer dem Leser, der Leserin überlassen, oder wie es Murakami ausdrücken würde:
"Wer vermag mit Sicherheit zu sagen, was in der Vergangenheit wirklich passiert ist? Doch wenn wir Glück haben, bleiben zumindest Worte erhalten.“ (aus: Erste Person Singular)
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