Auf Lanzarote betreibt Aussteiger Sven Fiedler eine Tauchschule. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin Antje ist er vor 14 Jahren von Deutschland nach Lahora ausgewandert und nun weist er Touristen in die hohe Kunst des Tiefseetauchens ein.
Die neuen Gäste, das Pärchen Jola und Theo, sind jedoch eine Herausforderung für ihn und seine gelassene Art. Jola ist Schauspielerin, etliche Jahre jünger als Theo und offensichtlich nicht glücklich mit ihm.
Sven beobachtet etliches, was ihn stutzig macht. Bis er sich vor der Tatsache, dass da einiges bei den beiden schiefläuft, nicht mehr verschliessen kann. Denn ein Mord ist kein Spass!
Sven, der Aussteiger, der auf Lanzarote eine Tauschschule betreibt, erzählt den grössten Teil der Geschichte in Ich Perspektive. So kann man nachvollziehen, wie Sven denkt, fühlt und auch handelt. Seine Ueberzeugung, sich nicht in das Leben anderer einzumischen, bekommt Schlagseite, als das illustre Pärchen Jola und Theo sich bei ihm einmieten. Für eine stattliche Summe, die seine finanzielle und berufliche Zukunft sichert, mieten sie sein Ferienhäuschen, nehmen bei ihm Tauchunterricht und erwarten rund um die Uhr Betreuung.
Plötzlich steht Svens Leben, seine Gefühle und seine Beziehung zu Antje Kopf. Sein Motto "leben und leben lassen", funktioniert plötzlich nicht mehr und er wird regelrecht aufgefressen von seinen Kunden. Ab und zu sind Tagebucheinträge von Jola eingeflochten, die Geschehenes ganz anders darstellen, als es Sven erzählt. Ich empfand diese Ambivalenz ungeheuer spannend und dies war auch ein Grund, weshalb ich durch das Buch geflogen bin.
Der zweite Grund war die Angabe auf dem Klappentext. Auf dem steht nämlich, dass ein Mord geschieht. Wer ist das Opfer und wer der Täter? Beides habe ich allen vier Figuren zugetraut. Sven, Jola, Theo und Antje könnten sowohl Täter, als auch Opfer sein. Tatsächlich ist die Tat schockierend, sehr spannend und überraschenderweise ganz anders als ich mir ausgemalt habe.
Die titelgebende Nullzeit ist ein Begriff aus der Welt der Tauchkunde und passt hervorragend zu der Story.
Ich bin längst ein Fan von Juli Zehs Art zu schreiben. Sehr klar, manchmal distanziert, doch immer auf den Punkt gebracht. Sie lässt sie nicht nur die Figuren zum Leben erwachen, sondern beschreibt auch bildgewaltig die Szenen, die sich unter oder am Wasser abspielen. Die Autorin hat die Geschichte mit einem unvergleichlichen Finale enden lassen. Einem Finale, bei dem ich da sass und staunte über dieses einfallreiche Ende.
Man taucht ein in eine Geschichte verschiedener Perspektiven - wem soll man glauben?
Bewertung am 06.09.2020
Bewertungsnummer: 374044
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Sven ist ein Aussteiger. Deutschland hat er vor über einem Jahrzehnt den Rücken gekehrt, weil er dieses verlogene Wettschwimmen mit Haien nicht mehr ertragen wollte. Antje, für die er eine dauerhafte Jugendliebe ist, wanderte gleich mit aus. Die beiden betreiben eine Tauchschule, und ihre nächsten Gäste sind Jola und Theo, ein schwer einzuschätzendes Ehepaar in einer Hassliebe. Jola, die in Deutschland in einer Telenovela als Schauspielerin mitspielt, versucht mit diesem Tauchlehrgang eine Filmrolle über das Leben einer berühmten Taucherin zu ergattern, die sie verehrt. Theo, Schriftsteller eines einzigen bisher veröffentlichten Romans, lässt sich von Jola aushalten. Und da sind die beiden nun, haben Sven exklusiv für einen festgelegten Zeitraum für ein dringend benötigtes Honorar gebucht, und machen ihm fast von Tag eins an nur Ärger. Durch die Aktionen zwischen Theo und Jola wird Sven immer tiefer in deren skurriles Beziehungsleben gezogen, und es ergibt sich eine eigenwillige Dreiecksbeziehung.
Sven ist der Ich-Erzähler der Geschichte. Seine Episoden werden von Tagebucheinträgen Jolas abgelöst. Scheinen sie sich zunächst noch zu ergänzen, weiß der Leser mit Fortschreiten der Geschichte nicht mehr, wem der erzählenden Personen er Glauben schenken soll. Bis zuletzt spann sich in meinen Gedanken die Skepsis beiden gegenüber, gleichzeitig wollte ich beiden glauben.
Sehr interessant fand ich die Ruhe der Tauchgänge, die einen Teil von Svens Episoden ausmachen. Juli Zeh ist ein kleines Kunststück damit gelungen, diese Tauchgänge zen-meditativ zu beschreiben. Diese Ruhe wird in einem spannungsgeladenen Finale auch dringend benötigt!
Meinung aus der Buchhandlung
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Das erste Buch, das ich je von Juli Zeh gelesen habe und es hat mich so begeistert, dass es auch sicher nicht das letzte bleiben wird!
Eine so spannende Dreiecksgeschichte - fast schon ein Krimi, aber doch ein wunderschön geschriebender Roman! Top Emfehlung!
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Eine sehr spannende Dreiecksgeschichte um die Schauspielerin Jola, den Schriftsteller Theo und deren Tauchlehrer Sven - thrillermäßig, mit erotischem Moment. Für mich ein toll erzähltes Buch, das ich kaum mehr aus der Hand legen wollte.
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