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Ich, die ich Männer nicht kannte Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Verkaufsrang

629

Einband

Gebundene Ausgabe

Book Tropes

Found Family + weitere

Erscheinungsdatum

14.03.2026

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

224

Maße (L/B/H)

20,8/13,2/2,5 cm

Gewicht

314 g

Farbe

Anthrazit / Altweiß

Auflage

6. Druckaufl. 2026

Originaltitel

Moi Qui N’ai Pas Connu Les Hommes

Übersetzt von

Luca Homburg

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-608-96670-1

Beschreibung

Rezension

»Das Großartige an Jacqueline Harpmans existentieller Parabel ist: Sie lässt all diese Deutungsoptionen zu und ist offen für weitere.« Dina Netz, Deutschlandfunk, 23. April 2026 ("Deutschlandfunk")
»Mit ihrer kargen und zugleich zutiefst menschlichen Stimme zeigt Harpman, dass manchmal selbst in den extremsten Umständen doch ein Funke Menschlichkeit bestehen bleibt. Ein beklemmender, unvergesslicher Roman, der heute mehr zum Nachdenken anregt als je zuvor.« Lola Fröbe, ELLE, 12. April 2026 ("ELLE")
»[E]in uraltes Bewusstsein in mir hat sich aufs Herrlichste umarmt gefühlt. Wenn wir uns mit Haut und Haaren dem Hier und Jetzt hingeben, uns die Neugier aufs Leben bewahren, das Staunen, selbst für die kleinsten Dinge und Ereignisse, verwurzelt sich eine tiefe Freude und innere Zufriedenheit in uns, die uns trägt und erfüllt und keine Einsamkeit und Verlorenheit kennt.« Jeanette Hain, Die Zeit "Was wir lesen" Newsletter, 02. April 2026 ("Die Zeit Newsletter")
»ein Meisterwerk« Erwin Uhrmann, Die Presse am Sonntag, 15. März 2026 ("Die Presse am Sonntag")
»Der verspätete Erfolg von ›Ich, die ich Männer nicht kannte‹ ist vermutlich das Beste, was TikTok je angestoßen hat.« Marie-Luise Goldmann, Die Welt am Sonntag, 08. März 2026 ("Welt am Sonntag")
»Harpmans Buch kann als Variation von Margaret Atwoods „Der Report der Magd“ (ein Fall extremer patriarchalischer Gewalt) gelesen werden, als antifeministische Beschreibung dessen, wie Frauen Männer brauchen, um zu überleben, als Geschichte einer Gruppe von Überlebenden in einer postapokalyptischen Landschaft, als Bekräftigung der Notwendigkeit, seine Geschichte zu erzählen, […] schließlich als Echo der Auschwitz-Erfahrung der Autorin. Das Geniale an diesem Buch ist jedoch, dass es zwar mit all diesen möglichen Hintergründen spielt, aber voller Details ist, die jede dieser Lesarten zunichtemachen. Es gibt keine Erklärung dafür, was wirklich vorgefallen ist, nur die Beschreibung wachsender Verzweiflung und Einsamkeit.« Slavoj Žižek, Die Welt, 04. Februar 2026 ("Die Welt")
»›Ich, die ich Männer nicht kannte‹ ist verstörend und schön zugleich. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Eine Dystopie, die zum Nachdenken anregt, über das, was auch in unserer Gegenwart geschieht und vollkommen absurd und sinnlos ist.« Barbara Geschwinde, SWR Kultur, 30. März 2026 ("SWR Kultur")
»Ein Buch, das mit Margaret Atwoods ›Der Report der Magd‹ in einem Atemzug genannt wird.« Christoph Schröder, SWR Kultur, 29. Januar 2026 ("SWR Kultur")

Produktdetails

Verkaufsrang

629

Einband

Gebundene Ausgabe

Book Tropes

  • Found Family
  • Dystopian
  • Survival

Erscheinungsdatum

14.03.2026

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

224

Maße (L/B/H)

20,8/13,2/2,5 cm

Gewicht

314 g

Farbe

Anthrazit / Altweiß

Auflage

6. Druckaufl. 2026

Originaltitel

Moi Qui N’ai Pas Connu Les Hommes

Übersetzt von

Luca Homburg

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-608-96670-1

Herstelleradresse

Klett-Cotta Verlag
Rotebühlstr. 77
70178 Stuttgart
DE

Email: produktsicherheit@klett-cotta.de

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Erschütternd

Bewertung am 02.06.2026

Bewertungsnummer: 3156835

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich glaube, es ist bislang noch selten, dass ein dreißig Jahre altes Buch, das eigentlich schon fast in Vergessenheit geraten war, noch einmal so einen Hype erlebt, wie ihn "I who have never known men" im vergangenen Jahr erlebt hat. In seiner englischen Übersetzung habe ich das Buch plötzlich überall gesehen, entsprechend wundert es mich nicht, dass es nun eine deutsche Übersetzung gibt. Und ja, nach dem Lesen verstehe ich den Hype. Nie zuvor habe ich eine Dystopie gelesen, die so andersartig, so hellsichtig und so erschütternd ist. 39 Frauen leben gemeinsam in einem Käfig, bewacht von Wärtern. Sie wissen nicht wer die Wärter sind, wer sie selbst sind und wie sie dort hineingekommen sind. Es ist eine Existenz rein um der Existenz Willen, bis sich eines Tages die Tür des Käfigs öffnet. Eschütternd ist dieser Roman im wahrsten Sinne des Wortes. In seiner Radikalität: Wie kann so viel Brutalität in der Einfachheit einer Tatsache liegen? Dieses Buch ist vielleicht der Inbegriff von "show don't tell", weil alles gezeigt und nichts erklärt wird. Das lässt die Tür offen - nicht nur die Tür des Käfigs, sondern auch die Tür zur Vorstellungskraft eines Lesenden - für zahllose Interpretationen und Lesarten. Am Ende ist es für mich ein Gedankenkarussell gewesen, weil nichts so richtig gepasst hat. Am Ende doch nichts außer die Sinnlosigkeit Sinn ergibt. Es ist ein bitteres Verwirrspiel, in dem teils grausame Bilder gezeichnet werden. Ein Buchclub- oder Leserundenbuch, an dem man sich gemeinsam abarbeiten kann. Ich würde empfehlen, das Buch in einem mental stabilen Moment zu lesen. Dann handelt es sich aber wirklich eine Geschichte, welche die Aufmerksamkeit verdient, welche sie in den letzten Monaten erhalten hat. Sie hat mich nachhaltig beeindruckt.

Erschütternd

Bewertung am 02.06.2026
Bewertungsnummer: 3156835
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich glaube, es ist bislang noch selten, dass ein dreißig Jahre altes Buch, das eigentlich schon fast in Vergessenheit geraten war, noch einmal so einen Hype erlebt, wie ihn "I who have never known men" im vergangenen Jahr erlebt hat. In seiner englischen Übersetzung habe ich das Buch plötzlich überall gesehen, entsprechend wundert es mich nicht, dass es nun eine deutsche Übersetzung gibt. Und ja, nach dem Lesen verstehe ich den Hype. Nie zuvor habe ich eine Dystopie gelesen, die so andersartig, so hellsichtig und so erschütternd ist. 39 Frauen leben gemeinsam in einem Käfig, bewacht von Wärtern. Sie wissen nicht wer die Wärter sind, wer sie selbst sind und wie sie dort hineingekommen sind. Es ist eine Existenz rein um der Existenz Willen, bis sich eines Tages die Tür des Käfigs öffnet. Eschütternd ist dieser Roman im wahrsten Sinne des Wortes. In seiner Radikalität: Wie kann so viel Brutalität in der Einfachheit einer Tatsache liegen? Dieses Buch ist vielleicht der Inbegriff von "show don't tell", weil alles gezeigt und nichts erklärt wird. Das lässt die Tür offen - nicht nur die Tür des Käfigs, sondern auch die Tür zur Vorstellungskraft eines Lesenden - für zahllose Interpretationen und Lesarten. Am Ende ist es für mich ein Gedankenkarussell gewesen, weil nichts so richtig gepasst hat. Am Ende doch nichts außer die Sinnlosigkeit Sinn ergibt. Es ist ein bitteres Verwirrspiel, in dem teils grausame Bilder gezeichnet werden. Ein Buchclub- oder Leserundenbuch, an dem man sich gemeinsam abarbeiten kann. Ich würde empfehlen, das Buch in einem mental stabilen Moment zu lesen. Dann handelt es sich aber wirklich eine Geschichte, welche die Aufmerksamkeit verdient, welche sie in den letzten Monaten erhalten hat. Sie hat mich nachhaltig beeindruckt.

Was macht uns menschlich?

Nina am 17.05.2026

Bewertungsnummer: 3141324

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich, die ich Männer nie kannte von Jacqueline Harpman hat mich komplett überrascht. Ich wusste vorher schon, dass das Buch eher ruhig und philosophisch sein soll, aber ich hätte nie gedacht, dass es mich emotional und gedanklich so mitnimmt. Das Buch erinnert an eine Dystopie oder eine postapokalyptische Welt, lebt für mich aber viel mehr von seiner Atmosphäre als von irgendeiner großen Handlung oder Action. Stattdessen geht es um Menschlichkeit, Einsamkeit und existenzielle Fragen — und genau das hat mich so gefesselt. Die namenlose Erzählerin lebt gemeinsam mit 39 anderen Frauen in einer Art Käfig unter der Erde. Niemand weiß, warum sie dort sind oder was überhaupt mit der Welt passiert ist. Als sich plötzlich alles verändert, begleitet man die Erzählerin dabei, wie sie versucht, diese fremde und leere Welt zu verstehen. Ich kann gar nicht genau erklären, warum mich dieses Buch so berührt hat. Es passiert eigentlich gar nicht ständig etwas Großes, und trotzdem konnte ich kaum aufhören zu lesen. Diese beklemmende, stille Atmosphäre hat mich die ganze Zeit begleitet. Selbst in den ruhigen Momenten lag immer etwas Unheimliches und Trauriges über der Geschichte. Besonders faszinierend fand ich die Gedanken über Menschlichkeit und Identität. Immer wieder habe ich mich gefragt, was einen Menschen eigentlich ausmacht und wie sehr unsere Erinnerungen, Beziehungen und Erfahrungen uns prägen. Genau solche Fragen haben das Buch für mich so besonders gemacht. Auch die Einsamkeit war unglaublich greifbar. Oft hatte ich beim Lesen dieses leere, fast verlorene Gefühl, das die Erzählerin ständig begleitet. Das Buch wirkt dadurch manchmal fast surreal und bleibt einem wirklich im Kopf. Für mich ist das eines dieser Bücher, die man nicht einfach nur liest und wieder vergisst. Es hat mich nachdenklich gemacht, verstört und gleichzeitig total fasziniert. Ich glaube, mich wird diese Geschichte noch sehr lange begleiten.

Was macht uns menschlich?

Nina am 17.05.2026
Bewertungsnummer: 3141324
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich, die ich Männer nie kannte von Jacqueline Harpman hat mich komplett überrascht. Ich wusste vorher schon, dass das Buch eher ruhig und philosophisch sein soll, aber ich hätte nie gedacht, dass es mich emotional und gedanklich so mitnimmt. Das Buch erinnert an eine Dystopie oder eine postapokalyptische Welt, lebt für mich aber viel mehr von seiner Atmosphäre als von irgendeiner großen Handlung oder Action. Stattdessen geht es um Menschlichkeit, Einsamkeit und existenzielle Fragen — und genau das hat mich so gefesselt. Die namenlose Erzählerin lebt gemeinsam mit 39 anderen Frauen in einer Art Käfig unter der Erde. Niemand weiß, warum sie dort sind oder was überhaupt mit der Welt passiert ist. Als sich plötzlich alles verändert, begleitet man die Erzählerin dabei, wie sie versucht, diese fremde und leere Welt zu verstehen. Ich kann gar nicht genau erklären, warum mich dieses Buch so berührt hat. Es passiert eigentlich gar nicht ständig etwas Großes, und trotzdem konnte ich kaum aufhören zu lesen. Diese beklemmende, stille Atmosphäre hat mich die ganze Zeit begleitet. Selbst in den ruhigen Momenten lag immer etwas Unheimliches und Trauriges über der Geschichte. Besonders faszinierend fand ich die Gedanken über Menschlichkeit und Identität. Immer wieder habe ich mich gefragt, was einen Menschen eigentlich ausmacht und wie sehr unsere Erinnerungen, Beziehungen und Erfahrungen uns prägen. Genau solche Fragen haben das Buch für mich so besonders gemacht. Auch die Einsamkeit war unglaublich greifbar. Oft hatte ich beim Lesen dieses leere, fast verlorene Gefühl, das die Erzählerin ständig begleitet. Das Buch wirkt dadurch manchmal fast surreal und bleibt einem wirklich im Kopf. Für mich ist das eines dieser Bücher, die man nicht einfach nur liest und wieder vergisst. Es hat mich nachdenklich gemacht, verstört und gleichzeitig total fasziniert. Ich glaube, mich wird diese Geschichte noch sehr lange begleiten.

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Ich, die ich Männer nicht kannte

von Jacqueline Harpman

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Lea

Thalia M4 Wörgl

Zum Portrait

5/5

Wow!

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ein super spannendes Konzept, welches grandios umgesetzt wurde! Ich hätte das Buch in einem Stück durchsuchten können. Es regt zum nachdenken an und lässt einen nichtmehr los! Absolute Empfehlung!
  • Lea
  • Buchhändler/-in

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5/5

Wow!

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ein super spannendes Konzept, welches grandios umgesetzt wurde! Ich hätte das Buch in einem Stück durchsuchten können. Es regt zum nachdenken an und lässt einen nichtmehr los! Absolute Empfehlung!

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Claudia

Thalia Wien – Mariahilfer Straße

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5/5

"Meine Erinnerungen beginnen mit meiner Wut."

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Jedes Mal wieder, wenn ich an Jaqueline Harpmans Geschichte denke, spüre ich diesen kalten Schauer meinen Rücken hinauflaufen. Stell dir vor, du kennst nichts als diesen einen Raum in einem Kerker, deine gesamten Erinnerungen spielen sich dort unter 39 anderen Frauen wieder aber eines Tages schafft ihr es auszubrechen. Keine Wärter, keine Peitschen, nur eine grausame, alles verschlingende Leere. Doch was befindet sich einen Fußmarsch von dort? Eine Stadt? Antworten, warum sie eigentlich in diesem Kerker waren? Sind sie denn überhaupt noch auf der Erde? Und warum genau diese Frauen?  Vor einem Jahr habe ich Harpmans Roman "I Who Have Never Known Men" in der englischen Fassung, übersetzt von Ros Schwartz, zum ersten Mal gelesen und Ooof. Worte reichen hier fast nicht aus zu beschreiben, wie ich mich danach fühlte. Auch hier, in der neuübersetzten deutschen Fassung nach Luca Homburg, ging es mir ähnlich. Harpman schaffte es 1995 bereits, in wenigen Worten und einfacher Prosa einen Zustand des absoluten Unbehagens zu beschreiben. Unsere Hauptcharakterin ist zwischen 10 und 15 und lebt mit 39 Frauen eingesperrt in einen fensterlosen Kerker, bewacht von Wärtern, die weder mit ihnen sprechen noch sonst wie kommunizieren, die abermaligen Peitschenschläge ausgenommen, als sie ihren Alltag zu hinterfragen beginnt. Durch künstliches Licht ist für sie Tag und Nacht und weder wissen sie, wie es zu diesem Zustand gekommen ist, noch, warum sie eigentlich eingesperrt sind. Als sie eines Tages doch ausbrechen und es aus dem Kerker rausschaffen, wollen sie zurück ins gekannte Leben - außer unsere Hauptcharakterin, den alles was sie kennt, ist das Leben im Kerker. "Meine Erinnerungen beginnen mit meiner Wut." Unvorstellbar und grausam, in den 90ern als Science Fiction herausgebracht, spiegelt der Roman die heutige politische Lage fast erschreckend wider, ähnlich wie Atwoods "The Handmaid's Tale", auch hier viel zu nahe zum heutigen gesellschaftlichen Zustand. Der Roman wirft erschreckende Fragen immer und immer wieder auf. Was macht Menschen aus? Was ein Leben? Was für eine Rolle spielen Bücher und Literatur im Leben eines Menschen? Auch die tragische Komik zu Ende der Geschichte ist in einer patriarchalen Gesellschaft einfach nur furchtbar (Behandlung der Frauen durch Männer und dessen Folgen). Der patriarchale Grundton des Romans zieht sich beinahe Seite durch Seite - die Wärter, die Männer, Entdeckungen, Erschaffungen der Wissenschaftler usw. Besonders spannend fand ich hier auch, die Übersetzungen zu vergleichen. Was mir hier auch gleich auffiel, waren Wörter im deutschen Sprachgebraucht, die auch wieder und wieder darauf zurückgreifen, zum Beispiel der Begriff der "Tage" anstelle von "period" oder dem Begriff "herrlich".  Jaqueline Harpmans Roman ist vollkommen zurecht als Klassiker der Literatur anzusehen, die Geschichte aus so vielen Ansatzpunkten aus zu betrachten. Literatur und Sprachgebrauch ist politisch, wieder und wieder. Ich kann "Ich, die ich Männer nicht kannte" nur empfehlen.
  • Claudia
  • Buchhändler/-in

5/5

"Meine Erinnerungen beginnen mit meiner Wut."

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Jedes Mal wieder, wenn ich an Jaqueline Harpmans Geschichte denke, spüre ich diesen kalten Schauer meinen Rücken hinauflaufen. Stell dir vor, du kennst nichts als diesen einen Raum in einem Kerker, deine gesamten Erinnerungen spielen sich dort unter 39 anderen Frauen wieder aber eines Tages schafft ihr es auszubrechen. Keine Wärter, keine Peitschen, nur eine grausame, alles verschlingende Leere. Doch was befindet sich einen Fußmarsch von dort? Eine Stadt? Antworten, warum sie eigentlich in diesem Kerker waren? Sind sie denn überhaupt noch auf der Erde? Und warum genau diese Frauen?  Vor einem Jahr habe ich Harpmans Roman "I Who Have Never Known Men" in der englischen Fassung, übersetzt von Ros Schwartz, zum ersten Mal gelesen und Ooof. Worte reichen hier fast nicht aus zu beschreiben, wie ich mich danach fühlte. Auch hier, in der neuübersetzten deutschen Fassung nach Luca Homburg, ging es mir ähnlich. Harpman schaffte es 1995 bereits, in wenigen Worten und einfacher Prosa einen Zustand des absoluten Unbehagens zu beschreiben. Unsere Hauptcharakterin ist zwischen 10 und 15 und lebt mit 39 Frauen eingesperrt in einen fensterlosen Kerker, bewacht von Wärtern, die weder mit ihnen sprechen noch sonst wie kommunizieren, die abermaligen Peitschenschläge ausgenommen, als sie ihren Alltag zu hinterfragen beginnt. Durch künstliches Licht ist für sie Tag und Nacht und weder wissen sie, wie es zu diesem Zustand gekommen ist, noch, warum sie eigentlich eingesperrt sind. Als sie eines Tages doch ausbrechen und es aus dem Kerker rausschaffen, wollen sie zurück ins gekannte Leben - außer unsere Hauptcharakterin, den alles was sie kennt, ist das Leben im Kerker. "Meine Erinnerungen beginnen mit meiner Wut." Unvorstellbar und grausam, in den 90ern als Science Fiction herausgebracht, spiegelt der Roman die heutige politische Lage fast erschreckend wider, ähnlich wie Atwoods "The Handmaid's Tale", auch hier viel zu nahe zum heutigen gesellschaftlichen Zustand. Der Roman wirft erschreckende Fragen immer und immer wieder auf. Was macht Menschen aus? Was ein Leben? Was für eine Rolle spielen Bücher und Literatur im Leben eines Menschen? Auch die tragische Komik zu Ende der Geschichte ist in einer patriarchalen Gesellschaft einfach nur furchtbar (Behandlung der Frauen durch Männer und dessen Folgen). Der patriarchale Grundton des Romans zieht sich beinahe Seite durch Seite - die Wärter, die Männer, Entdeckungen, Erschaffungen der Wissenschaftler usw. Besonders spannend fand ich hier auch, die Übersetzungen zu vergleichen. Was mir hier auch gleich auffiel, waren Wörter im deutschen Sprachgebraucht, die auch wieder und wieder darauf zurückgreifen, zum Beispiel der Begriff der "Tage" anstelle von "period" oder dem Begriff "herrlich".  Jaqueline Harpmans Roman ist vollkommen zurecht als Klassiker der Literatur anzusehen, die Geschichte aus so vielen Ansatzpunkten aus zu betrachten. Literatur und Sprachgebrauch ist politisch, wieder und wieder. Ich kann "Ich, die ich Männer nicht kannte" nur empfehlen.

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Ich, die ich Männer nicht kannte

von Jacqueline Harpman

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