Hanna Krause war Blumenbinderin, bevor das Leben sie zur Kranführerin machte. Sie hat zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, einen Aufstand, zwei Weltkriege und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, den Kaiser und andere Führer, gute und schlechte Zeiten erlebt. Ein Roman über das Ende des Industriezeitalters und seiner Heldinnen im Osten Deutschlands - und über eine gewöhnliche Frau in diesem unfassbaren 20. Jahrhundert.
"In diesem Roman ... wird einfach nur sensibel und oft sogar heiter erzählt, warum unsere Mütter und Großmütter so wurden, wie sie waren, und das tröstet." Elke Heidenreich, Kölner Stadt-Anzeiger
"Die deutsche Literatur könnte mehr solcher Gestalten vertragen wie Hanna, die Kranfahrerin aus Magdeburg." Carsten Tesch, mdr KULTUR
"Was Gröschners Roman aus der Masse von Romanen, die Frauenschicksale erzählen, heraushebt, ist seine Tiefenschärfe." Marc Reichwein, Welt
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Das intensive Leben einer starken Frau
Test-LR am 01.05.2026
Bewertungsnummer: 3126005
Bewertet: eBook (ePUB)
Gestaltung:
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Das Titelbild ist sehr unscharf. Es sind mehrere Frauen und ein Kind zu erkennen. Für mich symbolisiert es mehrere Momente, die fotografisch übereinander in einer Collage dargestellt sind. So, als wäre der Fotograf schnell durch die Zeit gereist. Es macht neugierig und passt sehr gut zu diesem intensiven Roman.
Inhalt:
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Hanna muss sich bereits in jungen Jahren bewähren. Ihre Mutter starb, als sie noch ein Kind war, ihr Vater war Pole und hat die Familie kurz nach Hannas Geburt verlassen. Aufgewachsen ist sie mit ihrer großen Schwester Liese und ihren Halbschwestern Rose und Margarete.
Vor allem Rose behandelt Hanna nicht besonders gut. Aber sie lernt bei ihr das Blumenbinden. Ihre Liebe zu Blumen wird bis zum Lebensende halten und eine stete Konstante sein. Sie heiratet, erlebt den Zweiten Weltkrieg, bekommt mehrere Kinder, von denen einige als Totgeburt zur Welt kommen und eins verliert sie im Krieg. Nach dem Krieg wird sie Teil der neu gegründeten DDR und Blumenbinden ist nicht mehr gefragt. So wird sie Kranfahrerin und zwar eine sehr gute. Von dort oben kann sie im Werk die Mitarbeiter beobachten und sich ihre Gedanken über die Welt machen.
Mein Eindruck:
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"Hanna existierte. Nicht mehr und nicht weniger. Sie hatte versucht, über das Menschsein nachzudenken, war aber zu keinem Ergebnis gekommen, außer dass Blumen ihr menschlicher
vorkamen als ihre eigene Gattung. Sie hatte schon lange keine mehr wahrgenommen, seit sie mehr Zeit auf dem Dorf verbrachte als in der Stadt."(S. 102)
Mir gefiel das Buch sehr gut. Der Schreibstil ist nüchtern und dennoch oder gerade deshalb übte der Roman einen starken Sog auf mich aus. Hannas Schicksal ist hart und es gibt viele sehr detailliert beschriebene Situationen, vor allem im Krieg. Ich dachte oft: Wie hält die Frau das aus und macht trotzdem immer weiter?
Von ihren Gefühlen bekommt man beim Lesen wenig mit. Hanna machte auf mich eher den Eindruck, dass sie versucht, sehr rational und funktional an alle Probleme heranzugehen. Sie stumpft innerlich ab und schafft es nur so, weiter zu funktionieren. Während ihr Mann früh Invalide wird durch einen Werksunfall und sich dem Alkohol widmet, entfacht in Hanna immer wieder die Kraft, weiterzumachen, um für ihre Familie zu sorgen.
Vor allem die Beschäftigung mit Blumen richtet sie auf und gibt ihr Kraft. So beginnt auch jedes Kapitel passend zum Inhalt mit dem Namen und der Kurzbeschreibung einer Pflanze. Mir hat dieses Stilmittel sehr gut gefallen und nebenbei habe ich viel über Botanik gelernt.
Als ich über den Titel "Schwebende Lasten" nachdachte, kam mir in den Sinn, dass er zweideutig gemeint sein könnte. Zum einen bezeichnet er die Lasten, die durch den Kran transportiert werden und ist somit Symbol für die Kranfahrertätigkeit von Hanna. Zum anderen bedrohen aber auch immer wieder viele Schicksalsschläge ihr Leben und schweben als Lasten darüber. Diese Anspielung und Mehrdeutigkeit gefiel mir sehr gut.
Ich habe diesen Roman verschlungen. Bei den schlimmeren Szenen verhielt es sich wie bei einem Unfall: Man will nicht hinsehen, aber man kann auch nicht wegsehen. Und so musste ich diese Erzählung immer weiterlesen, um zu erfahren, wie Hanna weitermacht und wie alles endet.
Das Buch hallt noch lange in mir nach und hat mir durch die Intensität sehr viel Nachdenkenswertes beschert.
Fazit:
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Intensiv und fesselnd erzählt - es hallt noch lange nach.
Faszinierende Lebensgeschichte einer Frau im Wandel der Zeit
bookloving am 29.04.2026
Bewertungsnummer: 3124412
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Mit „Schwebende Lasten“ ist Annett Gröschner ein bemerkenswerter Roman über eine außergewöhnliche, charakterstarke Frau gelungen, die für das bewegte 20. Jahrhundert ebenso stehen könnte wie für die stille Stärke vieler Frauen ihrer Generation.
Im Mittelpunkt steht die Blumenbinderin und spätere Kranführerin Hanna Krause aus Magdeburg, die in ihrem ereignisreichen Leben Armut, Krieg, Verlust, Misogynie und familiäre Konflikte durchlebt hat und dennoch erstaunlich geerdet bleibt, ohne sich je von den vielen Schicksalsschlägen brechen zu lassen. Gröschner erzählt nicht nur ein individuelles Schicksal, sondern macht an der Lebensgeschichte ihrer Protagonistin eindrücklich die Turbulenzen und Brüche eines ganzen Jahrhunderts sichtbar.
Hanna wächst als junge Frau in Magdeburg auf, arbeitet zunächst als Blumenbinderin und trägt mit bemerkenswerter Widerstandskraft die Lasten des Alltags und ihrer Familie. Mit ihrer Fähigkeit, sich anzupassen und mit emotionalen und existentiellen Belastungen umzugehen, gelingt es ihr, die vielfältigen Herausforderungen der Zeit vom Kaiserreich über Weimarer Republik, Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg, die DDR und den Sozialismus bis hin zu Mauerfall und Wiedervereinigung zu meistern.
Besonders eindrucksvoll ist der Moment, als sie im Krupp Gruson Werk in Magdeburg die erste weibliche Kranführerin wird. Von dort oben bewegt sie tonnenschwere Lasten in die Luft mit großer Selbstverständlichkeit und beinahe spielerischer Leichtigkeit, als wäre dies ein natürlicher Teil ihres Lebensweges. Gerade darin liegt eine große symbolische Kraft, denn ihre äußere Stärke spiegelt die innere Haltung einer Frau, die das Schwere nahezu klaglos tragen kann.
Geschickt nutzt Gröschner Hannas beeindruckende Biografie als feines Brennglas, durch das politische Systeme, historische Zäsuren und alltägliche Lebenswirklichkeiten des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive einer gewöhnlichen Arbeiterin sichtbar werden. Ob nun der Alltag in Zeiten des Krieges, die Entbehrungen, die Bombennächte, den mühsamen Wiederaufbau, den Sozialismus in der DDR sowie der Systemzusammenbruch nach 1989 – all dies erscheint nicht abstrakt, sondern wird in kleinen, oft alltäglichen Szenen vermittelt, wodurch die Geschichte und bedeutsame historische Details für uns äußerst unmittelbar erfahrbar werden. Die Autorin nutzt dabei einen nüchternen, schnörkellosen Schreibstil, der hervorragend Hannahs burschikos pragmatische Art passt und gerade durch seine Zurückhaltung eine große emotionale Wirkung entfaltet.
Äußerst gelungen ist Gröschners authentische und vielschichtige Figurenzeichnung von Hanna als stille Heldin. Sie ist eine Frau aus einfachen Verhältnissen, die kein Aufsehen um sich macht, deren Wünsche und Träume stets verhältnismäßig unspektakulär bleiben und deren Leben von Arbeit, Verantwortung und schlichter Bodenständigkeit geprägt ist. Doch gerade in dieser scheinbaren Bescheidenheit offenbart sich ihre innere Stärke. Die Autorin schildert Hannas Leben mit viel Empathie, ohne sie zu heroisieren, und fängt in persönlichen Geschichten über Anpassung, eigener Entscheidungsfreiheit und stiller Resistenz eindrucksvoll ein Jahrhundert weiblicher Lebensrealität ein.
Gröschner hat für ihre Erzählung zudem eine interessante Rahmenhandlung entworfen, bei der Blumen eine besondere Rolle spielen. Als junge Floristin soll Hanna im Auftrag eines mysteriösen Kunden, ein niederländisches Blumenstillleben von Ambrosius Bosschaert nachstellen, was ihr erst am Ende ihres Lebens gelingen wird. Die einzelnen Blumen sind zugleich Kapitelüberschriften und strukturieren die Erzählung auf elegante Weise. Sie verknüpfen als Hannas innerer Kompass geschickt die Zeitachsen, Erinnerungen und emotionalen Wendungen in ihrer Biografie miteinander. Zugleich stehen die Blumen mit ihrer symbolischen Bedeutung für fragile Schönheit, Vergänglichkeit und den Versuch, mitten im Zerstörerischen kleine Räume von Ordnung und Trost zu bewahren..
In ihrem bewegenden Roman beleuchtet Gröschner viele gesellschaftlich relevante Themen. „Schwebende Lasten“ erzählt von Klassenzugehörigkeit, davon, wie Arbeit zur Identität wird, der Unsichtbarkeit weiblicher Lebensleistung, aber auch von Solidarität, existenzieller Würde, Humor und der Frage nach dem kostbaren privaten Glück allen Widrigkeiten zum Trotz. Gröschner erzählt von Frauen, die funktionieren, helfen, vieles tragen und aushalten müssen, aber dennoch Eigensinn und ihren eigenen Willen behalten.
Sie hat das faszinierende Porträt einer Frau gezeichnet, deren Biografie stellvertretend für jene Generation an Arbeiterinnen steht, die sich in Zeiten widriger Lebenslagen, politischer Umbrüche und persönlicher Tragödien bemühten, ihre Menschlichkeit zu bewahren und das Leben mit einem Rest von Würde zu bewältigen.
So rückt Gröschner auf beeindruckende Weise all jene Frauen in den Fokus, die in der offiziellen Geschichtsschreibung oft nur am Rand erscheinen und erinnert eindrücklich daran, wie Geschichte im Kleinen und Alltäglichen vor allem von ihnen getragen wird.
FAZIT
Ein beeindruckender und bewegender Roman über das bewegte Leben einer Arbeiterin, die das ganze 20. Jahrhundert persönlich durchgemacht hat. Eine äußerst eindrucksvolle, empathische Lebens und Zeitgeschichte und lesenswerte Lektüre!
Meinung aus der Buchhandlung
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"Schwebende Lasten" war ein richtig toller, berührender Roman, über eine Frau, die von Krieg bis DDR und Mauerfall alles miterlebt hat. Hanna wurde mehr als einmal im Leben herausgefordert und musste viele Dinge stoisch ertragen. Annett Gröscher nimmt den Leser mit und erschafft damit ein unheimlich dichtes und emotionales Leseerlebnis. Der Roman hat mir richtig gut gefallen.
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