Ein stilles und zugleich sprachmächtiges Buch, das vom Verlust der Heimat durch Krieg, von Schmerz und Sprachverlust erzählt. In diesem ergreifenden Debüt findet die Autorin eine großartige eigene Sprache Der ungewöhnliche Titel »ë« steht für einen Buchstaben, der in der albanischen Sprache eine wichtige Funktion hat, obwohl er meist gar nicht ausgesprochen wird. Als Kind von Geflüchteten aus dem Kosovo ist die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme. Sie wächst in Deutschland auf, geht in den Kindergarten, zur Schule und auf die Universität, sucht nach Verständnis, aber stößt immer wieder auf Zuschreibungen, Ahnungslosigkeit und Ignoranz. Als der Kosovokrieg Ende der 90er-Jahre wütet, erlebt sie ihn aus sicherer Entfernung. Doch auch in der Diaspora sind Krieg und Tod präsent - sie werden nur anders erlebt als vor Ort. Der Roman »ë« erzählt von dem in Deutschland kaum bekannten Kosovokrieg und erinnert an das Leid von Familien, die ihre Heimat verloren haben, deren ermordete Angehörige anonym verscharrt wurden und bis heute verschollen oder nicht identifiziert sind. Eine Vergangenheit, die nicht vergehen kann, weil sie buchstäblich in jeder Faser des Körpers steckt, wird von Jehona Kicaj im wahrsten Wortsinn zur Sprache gebracht.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Hornita
aus Augsburg
5/5
12.09.2025
eBook (ePUB 3)
Authentisch und lesenswert
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen und ich finde, dass es die Nominierung für den Deutschen Buchpreis wirklich verdient hat. Die Erzählerin ist eine junge Frau, die in verschiedenen Erzählszenarien wiederkehrende Erzählstränge schildert. Die Episoden beim Zahnarzt zeigen eindringlich, dass sie etwas Unbenanntes zu verarbeiten hat. Gleichzeitig gibt es Erinnerungen an die erste Zeit in Deutschland, prägende Begegnungen, Studium, Treffen mit der Familie und deren Erinnerungen. Dazu kommt eine Vortragsreihe über den Kosovo und grausame Details über den Krieg. Als Leser pendelt man mit der Erzählerin zwischen Distanz und Betroffenheit. Der Schreibstil ist sachlich und fast neutral, nie belehrend, aber doch auch eindringlich und die junge Erzählerin wirkte auf mich alt, entwurzelt und auch ein bisschen desillusioniert. Sehr gut beschreiben fand ich den Spagat zwischen Sprachlosigkeit und Assimilation in der neuen Heimat. Durch die Stimmen und Erinnerungen der Familie werden Fluchterinnerungen geteilt und die Ängste der Älteren, die fürchten, dass die Kinder das Wesentliche ihrer Kultur vergessen. Auf mich wirkte das Buch sehr authentisch und ich finde die Darstellungen der verschiedenen Erlebnisse und Gefühle sehr feinfühlig und reflektiert.
Hornita
aus Augsburg
5/5
12.09.2025
eBook (ePUB 3)
Authentisch und lesenswert;…
Authentisch und lesenswert; Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen und ich finde, dass es die Nominierung für den Deutschen Buchpreis wirklich verdient hat. Die Erzählerin ist eine junge Frau, die in verschiedenen Erzählszenarien wiederkehrende Erzählstränge schildert. Die Episoden beim Zahnarzt zeigen eindringlich, dass sie etwas Unbenanntes zu verarbeiten hat. Gleichzeitig gibt es Erinnerungen an die erste Zeit in Deutschland, prägende Begegnungen, Studium, Treffen mit der Familie und deren Erinnerungen. Dazu kommt eine Vortragsreihe über den Kosovo und grausame Details über den Krieg. Als Leser pendelt man mit der Erzählerin zwischen Distanz und Betroffenheit. Der Schreibstil ist sachlich und fast neutral, nie belehrend, aber doch auch eindringlich und die junge Erzählerin wirkte auf mich alt, entwurzelt und auch ein bisschen desillusioniert. Sehr gut beschreiben fand ich den Spagat zwischen Sprachlosigkeit und Assimilation in der neuen Heimat. Durch die Stimmen und Erinnerungen der Familie werden Fluchterinnerungen geteilt und die Ängste der Älteren, die fürchten, dass die Kinder das Wesentliche ihrer Kultur vergessen. Auf mich wirkte das Buch sehr authentisch und ich finde die Darstellungen der verschiedenen Erlebnisse und Gefühle sehr feinfühlig und reflektiert.
Bewertung
aus Bad Münstereifel
5/5
27.07.2025
eBook (ePUB 3)
Das Buch hat mich sehr berührt
Gemeinsam mit ihren Eltern floh sie vor vielen Jahren nach Deutschland. Das Ankommen gestaltete sich schwierig und schon in Kindergarten begann für sie die Erfahrung des „Andersseins“. Stets war sie darauf bedacht, niemals aufzufallen und möglichst angepasst zu sein. Oft schweifen ihre Gedanken ab in die Vergangenheit. Denn ihre Heimat kann sie nicht vergessen.
Welch grausames Schicksal mussten die Menschen erleben, die im schrecklichen Krieg gegen Serbien angegriffen wurden. Realistisch und sehr emotional schildert die Autorin Jehona Kicaj in „ë“ die Erlebnisse ihrer Verwandten, die in Albanien geblieben sind. Neben den Ereignissen der Gegenwart berichtet die Ich-Erzählerin immer wieder auch Erfahrungen aus der Vergangenheit. Während des „Kosovo-Krieges“.
Ein Buch, das mich berührte und beschämte. Zu wenig interessierte mich damals das Schicksal der Betroffenen des Krieges. Aus dem Grund bin ich der Autorin sehr dankbar, dass sie mir auf diese Weise die Augen öffnete. Ich nehme das Buch als Anlass für das Lesen weitergehender Literatur. Für dieses Werk gebe ich sehr gerne eine Sternenregen.
Bewertung
5/5
19.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr berührender Roman
Das Buch erzählt von einer Protagonstin, die sich im Laufe ihres Lebens immer wieder mit der Vergangenheit und den Kriegsfolgen aus den 90er im Kosovo auseinandersetzt. Das Buch heisst "ë", ein Buchstabe im Albanischen Alphabet, dass mehrheitlich nicht ausgesprochen wird. Ein Roman, dass einen mitnimmt & zum nachdenken bringt. Sehr empfehlenswert!
Lana
aus Wien
5/5
19.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Niëmals vërgëssen
Selten hat mich ein Buch so zurückgelassen wie „ë“.
Es ist kein Roman, den man einfach liest – es ist einer, der nachwirkt. Lange.
Mich hat dieses Buch traurig gemacht, nachdenklich – und ehrlich gesagt auch wütend. Wütend darüber, wie wenig Raum der Kosovokrieg oder der Krieg in Bosnien in unserem kollektiven Bewusstsein einnehmen. Wie oft solche Themen ausgeblendet werden, während gleichzeitig Sätze wie „Hihi lol, Kosovo ist Serbien“ fallen, ohne dass verstanden wird, welches Leid dahintersteht.
Kicaj schafft es, genau diesen blinden Fleck sichtbar zu machen.
Besonders eindrücklich ist die Sprachlosigkeit der Protagonistin. Der Gedanke, dass die Zähne wie ein Gefängnis für Worte und Zunge sind, zieht sich subtil durch das Buch. Sie bleibt oft still, resigniert fast – und genau das macht es so schwer auszuhalten. Es ist kein lautes Aufbegehren, sondern ein leises, inneres Verstummen, das sich viel realistischer anfühlt als jede dramatische Gegenwehr.
„ë“ erzählt nicht nur von Krieg, sondern auch von dem, was danach bleibt: Diaspora, Fremdsein, Rassismus und Identitätsverlust. Und es macht deutlich, wie nah diese Themen eigentlich sind – näher, als man denkt.
Einige Szenen haben sich besonders eingebrannt:
Der kleine Junge, gefunden in einem Massengrab, mit einem T-Shirt, auf dem „Run for your life“ steht.
Oder die Menschen, die auf der Flucht Schutz suchen – und genau dort sterben, weil sie Hoffnung und Vertrauen hatten und dies schamlos ausgenutzt wurde.
Solche Bilder lassen einen nicht mehr los.
Was dieses Buch so stark macht, ist, dass es keine Antworten gibt. Kein Trost, keine Auflösung. Stattdessen bleiben Fragen, die sich nicht einfach abschütteln lassen:
Wie viel Leid kann ein Mensch oder ein ganzes Volk ertragen?
Und zu wie viel Grausamkeit ist der Mensch fähig?
„ë“ ist kein Buch, das man liest, um sich gut zu fühlen. Sondern eines, das einen zwingt, hinzusehen.
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5/5
02.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tolles literarisches Debüt über Flucht, Krieg und Heimatlosigkeit
„Meine Osteopathin sagt, ich muss verstehen lernen, warum eine nach außen gewendete Wut nach innen gerichtet wird. Ich weiß aber nicht, ob es tatsächlich eine Wut ist, die sich da Bahn bricht.“
Die Familie der Erzählerin flieht vor dem Kosovo-Krieg nach Deutschland. Ein tolles literarisches Debüt über Flucht, Krieg und Heimatlosigkeit. Unbedingte Lese-Empfehlung.
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