"Unmöglicher Abschied" erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Frauen und beleuchtet zugleich ein jahrzehntelang verschwiegenes Kapitel koreanischer Geschichte
Eines Morgens ruft Inseon ihre Freundin Gyeongha zu sich ins Krankenhaus von Seoul. Sie hatte einen Unfall und bittet Gyeongha, ihr Zuhause auf der Insel Jeju aufzusuchen, weil ihr kleiner weißer Vogel sterben wird, wenn ihn niemand füttert. Als Gyeongha auf der Insel ankommt, bricht ein Schneesturm herein. Der Weg zu Inseons Haus wird zu einem Überlebenskampf gegen die Kälte, die mit jedem Schritt mehr in sie eindringt. Noch ahnt sie nicht, was sie dort erwartet: die verschüttete Geschichte von Inseons Familie, die eng verbunden ist mit einem lang verdrängten Kapitel koreanischer Geschichte. Han Kangs neuer Roman ist eine Hymne an die Freundschaft und das Erinnern, die Geschichte einer tiefen Liebe im Angesicht unsäglicher Gewalt - und eine Feier des Lebens, wie zerbrechlich es auch sein mag.
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Das Buch und Han Kang haben mich intensiv berührt, beeindruckt und tief erschüttert.
Namie am 09.02.2026
Bewertungsnummer: 3041174
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Intensiv berührt – von der Tiefe und Feinheit-, beeindruckt – von Schreibstil, Poesie, Symbolik und Vielschichtigkeit -, erschüttert – von der Geschichte, dem Schweigen, dem Trauma einer ganzen Generation.
„Schnee fällt.
Auf meine Stirn und Wangen
Auf meine Oberlippe, auf mein Philtrum.
Er ist nicht kalt.
Er ist so leicht
wie Federn.
Er wiegt nicht mehr als ein dünner Pinselstrich.
Ist meine Haut gefroren?
Deckt der Schnee sie zu wie das Gesicht einer Toden?“
Han Kang Unmöglicher Abschied, Seite 119
Wegen eines Unfalls schreibt Inseon ihre Freundin Gyeongha und bittet sie nach Seoul in ein Krankenhaus zu kommen in dem sie noch eine Weile bleiben muss.
Inseon hat vor allem einen Wunsch an die Freundin: Sie soll ihr Haus auf der Insel Jeju aufsuchen, um ihren weißen Vogel Ama zu retten, der nicht so lang ohne Futter und Wasser bleiben kann.
Da Inseon abgelegen im Landesinneren wohnt und ein Schneesturm einsetzt als Gyeongha auf der Insel ankommt, wird der Weg zur Einsiedelei von Inseon eine Herausforderung. Wird Gyeongha das Haus heil erreichen?
Hinter diesem Erzählstrang, erzählt Han Kang in verschiedenen Zeitebenen weitere Geschichten und vor allem die Geschichte eines grausamen Massakers, das zwischen 1948 bis 1950 an der Bevölkerung von Jeju verübt wurde und über das Jahrzehnte hinweg nicht gesprochen werden durfte.
Unmöglicher Abschied ist ein Buch tiefer Schwere und großer Gräueltaten, das Han Kang jedoch in feine und leise ja poetische Worte bettet. Ohne der Klarheit des Leides aus dem Weg zu gehen. Im Gegenteil.
Es ist ein Aufruf der Verarbeitung, ein Aussprechen dessen, was geschehen ist eine Möglichkeit das Menschen anfangen, wenigstens in nächster Generation, das Trauma solcher Taten zu verarbeiten… und es ist sanfte Trauer.
Am Anfang verwirrte mich das Buch und die Schreibweise von Han Kang. Es dauert, bis ich in ihre besondere Vielschichtigkeit, ihren Schreibstil und die verschiedenen Zeitebnen eintauchen kann.
Ich muss mir Teile des „mehr“ an Tiefe und Verstehens selbst erarbeiten in dem ich anfange zu recherchieren und mein fast nicht vorhandenes Wissen um Südkorea hat sich nun bedeutend erweitere.
Ich bin beeindruckt von Hang Kang; die durch ihre Schreibweise, Zeitsprünge, Symbolik, Poesi, Gegensätze und einer gewissen Ungewissheit ist man im Traum oder in der Wirklichkeit eine unbedingte Aufmerksamkeit fordert. Wer diese dem Buch nicht gibt, wird wahrscheinlich nicht richtig eintauchen können!
Das Buch ähnelt dem Sprichwort "das Leben wird vorwärts gelebt und Rückwärts verstanden". Fast genauso ist es mir mit dem Buch ergangen.
Während ich es von vorne nach hinten lese, fange ich an den vorderen Teil erst richtig zu verstehen, als ich darauf zurückblicken kann. So lese ich mich im Laufe des Buches auch immer wieder nach vorne zurück.
Das Buch bricht Schweigen, klärt auf und schafft nachhaltig Wissen und Interesse; Zumindest bei mir.
Ich kann das Buch Jedem empfehlen der bereit ist sich mit einem schweren Thema der Geschichte von Südkorea zu befassen und Zeit und Aufmerksamkeit in das Buch zu Investieren.
Es ist keine Lektüre für nebenbei.
Es ist jedoch ein Buch, das eine Geschichte erzählt, die schon vor vielen Jahrzehnten hätte erzählt werden müssen. Die dringend erzählt und gelesen werden muss!
Ergreifend und tief beunruhigend
Bewertung am 06.10.2025
Bewertungsnummer: 2618279
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Han Kang erzählt in “Unmöglicher Abschied” die Geschichte eines kollektiven Traumas. Während die äußere Handlung in der koreanischen Gegenwart spielt, reichen die Erinnerungen und Wunden der Protagonisten weit in die Vergangenheit.
Der Beginn des Romans befasst sich mit Gyeongha, die als lebensmüde Frau beschrieben wird, die täglich ein neues Testament verfasst. Beruflich widmet sich Gyeongha Kriegsverbrechen, die sie in ihren Büchern rekapituliert. Es ist zu vermuten, dass ihre Gefühlslage eng mit den Recherchen für diese Arbeit zusammenhängt. Eines Tages wird ihr tristes Dasein durch einen Anruf unterbrochen. Eine Freundin, mit der sie ein gemeinsames Projekt zu den örtlichen Massengräbern plant, ruft sie nach einem Unfall aus dem Krankenhaus an. Sie tritt mit der Bitte an Gyeongha heran, ihren kleinen weißen Vogel zu versorgen, während sie im Krankenhaus liegt, da er sonst sterbe. Geongha macht sich daraufhin auf den weiten Weg zu der Insel, auf der Inseon lebt. Dabei gerät sie in einen Schneesturm und kämpft sich mühsam und mit letzter Kraft zum Haus der Freundin durch. Im Haus findet sie einen leeren Käfig vor. Von da an wird die Erzählung zunehmend brüchiger und fragmentarischer. Gedanken und Bilder, die scheinbar nichts mit der Realität zu tun haben kommen auf, zum Beispiel befindet sich Inseon plötzlich bei ihr im Haus. Gyeongha finder in Inseons Zuhause die Geschichte eines kollektiven Traumas. Inseons Mutter hat in den Jahren 1948/49 die Niederschlagung von Aufständen miterlebt und konnte nur knapp entkommen. Dieses Trauma hat sie auch an Inseon weitergegeben, die sich beruflich ebenfalls mit Gewalt und Tod beschäftigt.
Der Aufbau des Romans scheint der Art und Weise, wie traumatisierte Menschen sich erinnern, nämlich fragmentarisch und in blitzartigen Bildern zu entsprechen. Dementsprechend ist es nicht immer leicht, der Handlung zu folgen.
Ferner ist der Roman voller Symbolik. Die Farbe ‘Weiß’ ist hierfür ein Beispiel. Der weiße Schnee begräbt die Erinnerungen an das Grauen, der weiße Vogel ist zerbrechlich wie eine Schneeflocke und steht für Lebendigkeit und Gegenwart. Als Gyeongha im Haus ankommt, ist sie dem Schnee entkommen und der Vogel scheint tot zu sein. Damit kann sie auch nicht mehr vergessen, sondern muss sich dem Trauma stellen.
Voller Aussagekraft ist auch das Ende, das offen lässt, was mit dem Vogel passiert ist.
Han Kang hat keinen leicht verdaulichen Roman geschrieben. Der Leser selbst erlebt die traumatischen Auswirkungen der Gräueltaten unmittelbar mit. Es ist ein Roman, der noch lange nachklingen wird.
Meinung aus der Buchhandlung
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Auch in diesem Werk vermag es die Autorin wieder grauenvolle, verstörende Ereignisse mit wunderschöner Sprachmelodie zu vereinen.
Es herrscht eine bewegende, tief traurige und beklemmende Stimmung vor, welche die sehr symbolische, poetische Sprache unterstreicht.
Man findet gewisse Parallelen zu Han Kangs vorigen Buch "Weiß", vor allem in der Farbmetaphorik, die auch hier wieder hervorragend zu Geltung kommt.
Eine auf verschiedenen Ebenen berührende Geschichte, die lange nachklingt.
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Über Freundschaft und Aufarbeitung koreanischer Geschichte. Der Erzählstil ist einzigartig, trotzdem gut zu lesen. Starke Geschichte. In diesem Buch gibt es keine Seite wo kein Schneesturm tobt. Die Ankunft auf der Insel mitten im Schneesturm ist extrem Bildhaft dargestellt. Etwas anderes.
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