• Produktbild: Die sieben Monde des Maali Almeida
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Die sieben Monde des Maali Almeida Ausgezeichnet mit dem Booker Prize 2022

131

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Rezension

Ein Roman, der ins Herz der Finsternis stößt, aber der sich trotzdem noch eine gewisse Leichtigkeit bewahrt – also ein literarisches Kunststück, das großen Respekt verdient! ("ORF Ö1 "Ex Libris"")
Shehan Karunatilaka erzählt in seinem intelligenten und eindrucksvollen Roman von einem blutigen Bürgerkrieg, der im Westen in Vergessenheit zu geraten droht. ("taz")
Was kommt nach dem Tod? Was wissen wir über den Bürgerkrieg in Sri Lanka? Und wer hat unseren Erzähler Maali ermordet, der im rasanten Roman des Booker-Preisträgers aus Colombo in eigener Sache ermittelt? Diese Fragen bringen die Geschichte des toten Kriegsfotografen Maali so in Fahrt, dass ich mich nach kurzen Startschwierigkeiten am Buch festgekrallt habe. BBBBB ("Brigitte")
"Die sieben Monde des Maali Almeida" ist eine farbintensiv leuchtende subtropische Blüte. Der Roman beeindruckt mit seiner scharfen Mischung aus Fantasie und Zeitgeschichte. ("Kölner Stadt-Anzeiger")
Shehan Karunatilakas lange erwarteter zweiter Roman ist eine meisterhaft inszenierte Gesellschaftssatire voll von popkulturellen Anspielungen. ("Die Presse")
In seinem vierten, von Hannes Meyer mitreißend übersetzten Roman breitet der 1975 in der Hafenstadt Galle geborene Shehan Karunatilaka das ganze Panoptikum des Krieges in seiner alltäglichen Banalität aus. Er führt die Folgen von Kolonialismus, Rassismus und Korruption eindrucksvoll und facettenreich vor Augen. ("Rolling Stone")
„Die sieben Monde des Maali Almeida“, von Hannes Meyer mit Esprit und Tempo ins Deutsche übertragen, legt Zeugnis ab: von den Toten, vom Gewicht der Zeugenschaft und von der Rolle, die der Literatur hierbei zukommen kann. ("Deutschlandfunk Kultur "Buchkritik"")
„Die sieben Monde des Maali Almeida“ ist eine vielfarbig leuchtende subtropische Blüte. Der Roman beeindruckt mit seiner scharfen Mischung aus Fantasie und Zeitgeschichte. ("Frankfurter Rundschau")
Das ist große Erzählkunst. ("WDR Westart Lesestoff")
Karunatilaka führt die Gleichzeitigkeit von Kolonialismus, Rassismus und Korruption vor Augen. Mit den Mitteln der Literatur entlarvt er eindrucksvoll die grausamen Wirklichkeit des Krieges. ("der Freitag")

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

15.04.2025

Abbildungen

mit 1 schwarzweissen Karte und 2 schwarzweissen Abbildungen

Verlag

Rowohlt Taschenbuch

Seitenzahl

544

Maße (L/B/H)

18,9/12,3/3,7 cm

Gewicht

415 g

Farbe

Aubergine / Seidengrau

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

The Seven Moons of Maali Almeida

Übersetzt von

Hannes Meyer

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-499-01254-9

Warnhinweis

nicht erforderlich.

Rezension

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

15.04.2025

Abbildungen

mit 1 schwarzweissen Karte und 2 schwarzweissen Abbildungen

Verlag

Rowohlt Taschenbuch

Seitenzahl

544

Maße (L/B/H)

18,9/12,3/3,7 cm

Gewicht

415 g

Farbe

Aubergine / Seidengrau

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

The Seven Moons of Maali Almeida

Übersetzt von

Hannes Meyer

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-499-01254-9

Herstelleradresse

Rowohlt Taschenbuch
Kirchenallee 19
20099 Hamburg
DE

Email: produktsicherheit@rowohlt.de

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  • Bewertung

    5/5

    10.06.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Bunt, lebendig, anspruchsvoll!

    Optisch finde ich das Buch wunderschön und bin daher auch froh es anders als sonst nicht auf dem Ereader zu lesen. Für die Lesbarkeit wäre es manchmal tatsächlich besser auf dem E-Reader, da man hier öfter mal Dinge nachschlagen könnte. Inhaltlich erinnert es mich an Lincoln in the Bardo, bei dem sich die Figuren auch in einer Zwischenwelt zwischen Leben und Tod bewegen. Ich hab es gern gelesen und Maali Almeida dabei zugesehen, wie er versucht herauszufinden, was ihm passiert ist. Das Buch ist in der „Du-Perspektive“ geschrieben, was unter anderem dazu beiträgt, dass ich es teilweise etwas anstrengend zu lesen finde. Darüberhinaus ist es für jemanden wie mich, der sich bisher wenig mit dem Konflikt in Sri Lanka auseinander gesetzt hat, nicht leicht bei allen Personen und Gruppierungen den Überblick zu behalten. Trotzdem mag ich das Buch, weil es bunt ist und lebendig und die Figuren liebevoll gezeichnet sind.

  • Niko

    aus Austria

    5/5

    14.04.2024

    Hörbuch-Download

    Spannender Roman mit sehr gute Einblicke in den Sri Lankas Bürgerkrieg der 80er Jahren

    In dem Roman „Die sieben Monde des Maali Almeida“ erzählt der Sri Lanker Autor Shehan Karunatilaka die fiktiven ersten sieben Tage nach Maali Almeidas Tod. Maali Almeida ist tot und gefangen in der Zwischenwelt/Jenseits, wo nur Geister herumlaufen. Er kann sich aber nicht erinnern, wie er gestorben ist und fängt an zu recherchieren. Die Geschichte erzählt von Maali Almeidas Leben, seine Freunde und seien Arbeit. Nebenbei ist aber eine Geschichte über Sri Lanka und den Bürgerkrieg in den 1980er Jahren. Maali Almeida war ein schwuler Kriegsfotograf und Zocker - nichts davon erleichtert ihm das Leben in einem Land, wo er als Fotograf so viel Todesopfern gesehen und fotografiert hat oder in einem Land wo schwul zu sein, einen Grund ermordet zu werden war. Der Schreibstil ist flüssig, die Spannung steigt langsam, dafür verteilt über das ganze Buch und die Charaktere sind sehr gut konturiert. Über Maali Almeida erfahren wir die Dinge nur langsam, einen nach dem anderen, verteilt an den sieben Tage/Monde. Shehan Karunatilaka zeigt viel Liebe an seinem Land und dessen Bewohner auch wenn alles weit weg von Perfektion ist. Die Geschichte Sri Lankas war mir fremd und ich musste einiges recherchieren. Aber auch nur das Erzählte in diesem Buch wäre genug gewesen, mir ein genaueres Bild über dieses Land zu machen, da hat Shehan Karunatilaka sehr gut gemacht. Nach einige Zeit hatte ich den Eindruck gehabt, dass ich Maali Almeida gut genug kennengelernt habe und ich habe angefangen mit ihm bei deiner Recherche mitzufiebern - ich musste mir immer wieder in Erinnerung rufen, dass er tot ist, er sucht leider nur die Grunde, wie das passiert ist, weil helfen kann ihm nichts mehr. Fazit: „Die sieben Monde des Maali Almeida“ von Shehan Karunatilaka ist ein besonderes Buch, das ich sehr gerne weiterempfehlen kann. Man muss vielleicht vorgewarnt sein, dass das Buch, durch den vielen Einblicke in die Sri Lankas Politik und in den 1980er Bürgerkrieg ziemlich einspruchsvoll sein kann. Dafür lernt man sehr viel aus dem Buch. Das Hörbuch ist von Hans Löw gesprochen. Seine Stimme habe ich sehr passend für das Buch und die Spannung aus dem Buch empfunden.

  • bookloving

    5/5

    12.04.2024

    Hörbuch-Download

    Beeindruckender Roman

    Der beeindruckende Roman „Die sieben Monde des Maali Almeida“ von dem srilankischen Autor Shehan Karunatilaka " wurde 2022 mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet. In seinem äußerst fesselnden und hoch komplex angelegten Werk setzt sich der Autor sehr eingehend mit dem brutalen Bürgerkrieg in Sri Lanka auseinander, der von 1983 bis 2009 andauerte und mehr als 100.000 Todesopfer forderte. Sehr eingehend und schonungslos beleuchtet Karunatilaka vor allem das Massaker an der tamilischen Minderheit im Jahr 1983, das für den blutigen Konflikt verantwortlich war. So tauchen wir ein in die bei uns im Westen nur wenig bekannte Episode der jüngeren srilankischen Geschichte und erhalten sehr verstörende Einblicke in ein korruptes Land mitten in einem gewaltvollen Bürgerkrieg und zudem viele Details zu den verschiedenen politisch-militärischen Strömungen und ausländischen Machtspielen im Hintergrund. Angesiedelt ist die Handlung Anfang der 1990er Jahre in der Hauptstadt Sri Lankas Colombo, die sich mitten in einem Bürgerkrieg befindet. Der Protagonist Maali Almeida ist ein homosexueller Kriegsfotograf und Zocker, der eines Morgens ermordet in einer Art überirdischen Zwischenreich im Jenseits erwacht. Bevor er endgültig ins Jenseits übertritt, kann er „sieben Monde" lang als Geist noch einmal auf die Erde zurückkehren, um herauszufinden, wer für seinen Tod verantwortlich ist. Zudem sorgt er sich um seine hochbrisanten Kriegsfotos, die zahlreiche Gräueltaten des Konflikts dokumentieren. Äußerst fesselnd ist es, dem ambitionierten Kriegsfotografen Almeida als Geist in vielfach bizarren Episoden durch die verschiedenen Stationen seines Lebens zu folgen und schrittweise mehr über sein Schicksal zu erfahren. Karunatilaka hat für seinen verwobenen und facettenreichen Roman eine ungewöhnliche Erzählweise gewählt, die unsere volle Aufmerksamkeit durch verschiedenen Ebenen und Handlungssprünge erfordert. Ganz im Stil des magischen Realismus lässt er gekonnt die Grenzen zwischen Realität und Mythos sowie von Diesseits und Jenseits ineinanderfließen. Neben dem vielschichtig angelegten Protagonisten Maali begegnen wir auch einigen historischen Persönlichkeiten und Figuren aus der srilankischen Mythologie. Doch Vorsicht, aufgrund der unerschrockenen Auseinandersetzung des Autors mit der blutigen Vergangenheit seiner Heimat, werden wir immer wieder mit schockierenden und blutrünstigen Szenen konfrontiert ZUM HÖRBUCH Dank der angenehmen, ruhigen Stimme des Theater-, Film- und Fernsehschauspielers Hans Löw findet man rasch Zugang zu der anspruchsvollen und komplexen Geschichte. Der Sprecher gestaltet die temporeiche, opulente Handlung durch geschickte Wechsel des Lesetempos und stimmliche Variationen sehr abwechslungsreich. Löw versteht es, die besondere Atmosphäre einzufangen, so dass man sich hervorragend auf die bisweilen bizarre Geisterwelt einlassen kann. Mit scheinbarer Leichtigkeit erweckt er insbesondere die schillernde Hauptfigur des Maali Almeida mit all seinen Eigenheiten zum Leben. Die durchweg gelungene und sehr versiert vorgetragene Lesung bot mir ein ungewöhnliches und einzigartiges Hörerlebnis. Löws einfühlsame Darbietung trug maßgeblich dazu bei, dass ich mich vollständig in die erzählerisch virtuose und aufrüttelnde Geschichte vertiefen konnte. FAZIT Ein virtuos erzählter, herausfordernder, aber lohnender Roman, der sich mit dem brutalen Bürgerkrieg in Sri Lanka auseinandersetzt! Ein gelungenes Plädoyer für die unzähligen Opfer und gegen das Vergessen der Verbrechen des Bürgerkriegs in Sri Lanka!

  • Bewertung

    aus Baden-Württemberg

    5/5

    30.01.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein verstörendes , genial-herausforderndes Abenteuer

    Ein schrill-verstörendes, genial-herausforderndes Abenteuer Ein buntes Cover, das die Sinne anspringt, freundliche Farben, aber eine Zähne fletschende Grimasse – passender kann man das Cover dieses Romans kaum gestalten. Der Protagonist Maali Almeida ist gewaltsam zu Tode gekommen. An die näheren Umstände erinnert er sich nicht, stattdessen findet er sich in einer skurrilen Dazwischenwelt wieder, in der es vor guten wie bösen Geistern nur so wimmelt (das Namenregister am Ende des Buches ist sehr hilfreich). Diese Welt ist vieldeutig, voller Schatten, Gerüchte und Unsicherheiten – sie wird höchst anschaulich skizziert. Maali war zu Lebzeiten Fotograf und Abenteurer. Er scheute keine Risiken, traute sich auf sämtliche Frontlinien seines von Terror, Hass und Fehden zerschundenen Landes Sri Lanka, wo seit 1983 ein blutiger Bürgerkrieg mit unzähligen Toten tobte. Er fotografierte für verschiedene Auftraggeber eindrucksvolle Bilder, die das Grauen dokumentierten. Dabei schien sich Maali offenbar für keine politische Seite besonders zu erwärmen, auch wenn er als „Mischling“ zur tamilischen Minderheit zählte. Aufgrund seiner Homosexualität lief er ohnehin latent Gefahr, die Repression des Staates zu spüren zu bekommen. Maali war ein Freigeist. In der Zwischenwelt hat man sieben Monde Zeit, in denen man überprüft, gewogen und vermessen wird. Wer Glück hat, darf am Ende der Prozedur ins Reich des Vergessens weiterreisen. Wer Pech hat, muss bleiben und läuft Gefahr, in den Einflussbereich der wirklich bösen Dämonen zu geraten, die sich von reiner Verzweiflung ernähren. Maali ist viel zu abenteuerlustig, um den leichten Weg zu gehen. Zudem möchte er herausfinden, wer ihn umgebracht hat. Und dann sind da auch noch seine Fotos im Geheimversteck, die Beweise für geschehenes, politisch initiiertes Unrecht liefern. Soll denn von seiner Arbeit, seinem Leben wirklich nichts zurückbleiben? Maali begibt sich auf die Suche. Wie bereits zu Lebzeiten kooperiert er mit der Halbwelt, deren Regeln es ihm zu bestimmten Konditionen möglich machen, durch die Lüfte zu den Orten getragen zu werden, an denen er bereits gewesen ist. Er muss nur seinen Namen erlauschen und dem Laut folgen. Auf diese Art und Weise trifft er seine Freunde, Kollegen und Familienmitglieder wieder. Dabei erfährt er manche Neuigkeit, manche Überraschung. Selbstverständlich darf er sich nicht zu erkennen geben, er ist für die Lebenden unsichtbar. Dadurch wird seine Mission sehr erschwert, fast unmöglich. Es gilt Hindernisse zu überwinden, Kompromisse zu schließen und Gefahren auch für die Lebenden zu parieren. Dabei lernen wir lernen Maali in all seiner Komplexität immer besser kennen. Die Lösung zu den offenen Fragen gleicht einem komplizierten Puzzle. Dieser Roman ist etwas Besonderes. Man kann ihn kaum in Worte fassen. Erzählt wird in einer eigenartigen „Du“-Perspektive, die teilweise als besseres Maali-Ich auftritt, teilweise aber auch als allwissender Erzähler rüberkommt. Die zahlreichen Namen und Figuren können zu Beginn verwirrend wirken. Relativ schnell bekommt man einen Eindruck von der Brutalität des Bürgerkrieges. Es wird gefoltert, gemordet, gemeuchelt, bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt und verscharrt. Es gibt nicht nur Tote, sondern auch unzählige Vermisste, die nie wieder auftauchen. Die am Krieg beteiligten Parteien (die erfreulich auf Seite 42/43 erklärt werden) gehen mit äußerster Rücksichtslosigkeit zur Sache, ein Menschenleben gilt nichts. All diese Fakten kann man nur durch die außergewöhnliche Perspektive, durch die Distanz der Zwischenwelt ertragen, in der sich übrigens auch Geister bewegen, die es in der Realität wirklich gegeben hat, bevor sie in den 1980er Jahren gewaltsam zu Tode kamen. Maali wird allmählich vom Beobachter zum Akteur. War er zu Lebzeiten alles andere als ein sympathischer Zeitgenosse, geht nach und nach ein Wandel mit ihm vonstatten. Dieser Roman ist wie ein Sturm, von dem man sich mitreißen lassen sollte. Zugegeben, macht er es dem Leser nicht immer leicht, das bunte bildreiche Figurenkarussell zu sortieren, einzuordnen, wer zu den Guten oder zu den Bösen gehört. Die Sprache ist salopp, jugendlich keck, manchmal vulgär und respektlos, schließlich spricht der Protagonist selbst. Er ist der Filter, durch den wir alles beobachten und wahrnehmen. Zahlreiche spritzige Dialoge durchziehen den Text. Maali hat viele Facetten. Er hadert mit seinem Glauben, mit den Göttern. Er flucht und schimpft. Als Lebender bewegte er sich überwiegend in einem windigen Milieu aus Heuchlern, Opportunisten und Scheinheiligen – so scheint es zumindest. Maali ist ein wahrer Anti-Held, der mitunter aber auch über große Fragen nachdenkt, philosophiert und gedankenschwere Weisheiten zum Besten gibt. Wie es dem Autor gelingt, dass wir dieser schrägen Figur in ihrem grotesken Umfeld mit Interesse folgen, zeigt großes schriftstellerisches Können. Zum Ende hin gewinnt die Geschichte an Fahrt und ihren Ausgang möchte ich als regelrecht bravourös bezeichnen. Der Roman ist für den europäischen Leser gewiss eine Herausforderung. Die Wiedergeburt, die Geister-, Mythen- und Aberglauben der asiatischen Religionen sind uns weitgehend fremd. Man muss sich deshalb auf diesen Roman einlassen. Leicht kann man sich angesichts der vielfältigen Charaktere, des Surrealen und der eigenwilligen Schauplätze überfordert fühlen. Mut zur Lücke!, möchte ich jedem raten. Auf höchst unterhaltsame Weise wird einem der Horizont erweitert, man lernt etwas über eine fremde Kultur und einen grausamen Krieg, der sich leider an anderen Stellen nur mit leichten Nuancen immer aufs Neue wiederholt. Insofern bleibt der Roman bestechend aktuell und erhielt höchst verdient den Bookerpreis 2022. Große Lese-Empfehlung!

  • Bewertung

    Thalia Book Circle Community

    5/5

    15.01.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Sri Lanka in den 90er Jahren...

    Colombo, Sri Lanka, Anfang der Neunzigerjahre. Maali Almeida, ein verkappt schwuler Kriegsfotograf und Zocker, erwacht eines Morgens im Jenseits, das eine himmlische Einwanderungsbehörde zu sein scheint. Während sein toter Körper gerade im Beira Lake versinkt, hat Maali keinen blassen Schimmer, von wem und warum er umgebracht wurde. Mitten im Bürgerkrieg ist die Liste der Verdächtigen leider bedrückend lang, wovon all die Geister und Dämonen, die ihn ab jetzt begleiten, ebenfalls ein furchterregendes Lied singen können. Doch auch im Leben nach dem Tod ist Zeit ein knappes Gut: Sieben Tage bleiben Maali, um herauszufinden, was geschehen ist. Und noch etwas treibt ihn um: Wie kann er mit den beiden ihm am nächsten Menschen Kontakt aufnehmen, um ihnen mitzuteilen, wo die Negative einiger hochbrisanter Fotos versteckt sind, die Sri Lanka in Aufruhr versetzen und der Welt zeigen sollen, was in seiner Heimat geschieht? (Verlagsbeschreibung) Maali Almeida ist ein 35jähriger Laberkopf, ein trinkfreudiger Spielsüchtiger, ein promiskuitiver Schwuler, ein Kriegsfotograf für wechselnde Parteien, ein Sohn, ein Freund - und vor allem ist er tot. Das begreift er jedoch erst allmählich, als er am Empfangstresen der Verwaltung für gerade Verstorbene über die nun anstehenden Formalitäten aufgeklärt wird. Doch Maali ist noch nicht bereit für das Licht, das Vergessen und die Wiedergeburt. Er will zum einen herausfinden, wer ihn umgebracht hat und weshalb - und zum anderen will er, dass seine heimlich geschossenen und hochbrisanten Aufnahmen aus den Kriegsgebieten in einer Ausstellung veröffentlicht werden, damit die Welt erwacht und der langjährige Bürgerkrieg in Sri Lanka (u.a. zwischen der singhalesischen Regierungspartei und tamilischen Seperatisten) womöglich endlich ein Ende findet. Wie Maali erfährt, bleiben ihm für diese Aufgaben genau sieben Monde - dauert seine Mission länger, muss er als Geist für immer im Zwischenreich verbleiben. Eines gleich vorweg: der Versuch, bei diesem Roman im Detail den Überblick zu behalten, ist gnadenlos zum Scheitern verurteilt - da hilft auch das angehängte Glossar nur bedingt. Zahllose Personen und Geister bevölkern die Erzählung, verschiedenste politische Organisationen und ihre Anführer bekriegen sich gegenseitig und jeweils mit genau den Mitteln, die sie den anderen vorwerfen, Fremdstaaten mischen sich ein:   “Die Forensiker der UN waren (…) eingeladen worden, um die örtlichen Behörden in der Identifikation von Leichen anhand von Vermisstenlisten zu schulen. Es hieß, dass gleichzeitig die CIA unsere Folterknechte ausbildete.” (S. 285)   Shehan Karunatilaka schildert hier ein zerrissenes Land, einen Sumpf aus Korruption, Intrigen, Doppelmoral, Machtgier, Skrupellosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Hass - die Menschlichkeit und der moralische Kompass bleiben da komplett auf der Strecke. Dieses Verhalten spiegelt sich auch in der Geisterwelt, und Maali hat Mühe, sich da hindurch zu lavieren ohne in die Fänge einiger ganz übler Dämonen zu geraten. Ein verwirrender, unruhiger, dialoglastiger, aus ungewöhnlicher Perspektive geschriebener Roman über eine politisch haltlose Situation, in der Recht und Ordnung nichts gelten, jeder jedem misstraut und man nur versuchen kann, bei allen politischen Organisationen möglichst unterm Radar zu bleiben, weil man ansonsten womöglich schon sein Todesurteil unterschrieben hat. All dies ist überaus bedrückend, gewaltvoll, unmenschlich - und im Gegensatz dazu agiert der Laberkopf Maali Almeida, der durch seine ungezwungene und sarkastische Art diese fürchterlichen Zustände halbwegs erträglich weden lässt. Tatsächlich mochte ich das das Schräge, Skurrile, Zynische und Sarkasitische hier sehr. Ohne diesen zynisch-sarkastischen Ton wäre die Lektüre stellenweise wohl auch kaum erträglich - immer wieder geht der Autor in seinen drastischen Schilderungen auch deutlich über Ekelgrenzen hinaus. Massaker hüben wie drüben, sinnloses Töten, alles im Namen von irgendwelchen vorgeschobenen Zielen und Werten. Abschlachten, Foltern, Verschwindenlassen. Never ending… Unfassbar und sinnlos. Dabei zeigt der Autor wie nebenher auch auf, dass beispielsweise die Weltreligionen auch keine Antwort bieten auf die drängenden Fragen oder auch nur zu einer moralischen Orietierung beitragen…   “Jede Zivilisation beginnt mit einem Völkermord. Das ist die Regel des Universums. (…) die Reichen versklaven die Mittellosen. Die Starken zermalmen die Schwachen.” (S. 199)   Mir gelingt es in der Rezension irgendwie nicht so richtig rüberzubringen, dass hier im Roman bei aller Schwere der Themen doch eher eine gewisse Leichtigkeit dominiert. Maali fungiert als Erzähler, wählt dafür jedoch die Du-Perspektive (redet sich selbst als du an) und schafft damit schon einmal Distanz zum Geschehen. Gerade gegen Ende konnten mich dann jedoch trotz aller Dinstanz doch auch einige Szenen berühren. Das Verweben der realen Welt mit der Geisterwelt war für mich nur anfangs etwas befremdlich, aber vermutlich spiegelt dies den Glauben der Bevölkerung Sri Lankas wider und wirkt daher doch passend. Maali bewegt sich in der Gegenwart wie in der Vergangenheit, und er kann als Geist zu jedem Ort gelangen, an dem sein Name genannt wird. Dies sorgt immer wieder für abrupte Szenenwechsel, treibt jedoch die Handlung voran. .Für mich stellte der Roman eine große Herausforderung dar. Aber: ich habe noch nie Vergleichbares gelesen, ein verwirrendes Potpourri aus fremd klingenden Namen, Gruppierungen, Handlungen, Welten, Kriegen, Gräueltaten, präsentiert in einem zynisch-sarkastischen Ton und aus einer außergewöhnichen Perspektive. Auch wenn ich nicht behaupte, immer den Durchblick behalten zu haben, hatte ich ausreichend Vertrauen zum Autor und ließ mich einfach durch die Handlung treiben. Sicher würde man bei einem zweiten Lesen noch viel mehr Details erkennen und zuordnen können, aber auch so kann ich sagen: hier gab es für mich gleich zu Jahresbeginn ein Highlight. Shehan Karunatilaka präsentiert hier einen außergewöhnlichen Roman, in dem sich magischer Realismus mit einer Kriminalgeschichte und einer hochpolitischen Erzählung über den Bürgerkrieg in Sri Lanka verbindet. Hierfür erhielt er 2022 den Booker Prize. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!   © Parden

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Unsere Meinungen

  • Zum Bewerterprofil von Philipp Hagen

    Philipp Hagen

    Thalia Wien – Mariahilfer Straße

    Buchhändler*in

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    5/5

    02.01.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein Labyrinth der Geister und...

    Ein Labyrinth der Geister und Dämonen.Eines der besten Bücher die Ich heuer zu Ende gebracht habe. Sri Lanka, es herrscht Bürgerkrieg und mehrere verfeindete Parteien stehen sich gegenüber und mittendrin Maali Almeida, Kriegsfotograph, seine Aufgabe: seinen eigenen Tod aufklären.
  • Zum Bewerterprofil von Mara Hollenstein-Tirk

    Mara Hollenstein-Tirk

    Thalia Graz – Murpark

    Buchhändler*in

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    4/5

    22.03.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Phantastischer Realismus trifft auf bissige Gesellschaftskritik

    Sri Lanka in den neunziger Jahren des letzten Jahrtausends. Das Land ist gespalten, ein Bürgerkrieg wütet, die Situation scheint ausweglos. Da erwacht der Presse-Fotograph Maali Almeida eines Tages in einer großen Halle und versteht die Welt nicht mehr. Gestorben soll er sein - ermordet. Sieben Tage hat er nun Zeit auf Erden, im Reich der Geister und Dämonen zu wandeln, um herauszufinden, was mit ihm geschehen ist. Doch wo fängt man am besten an, wenn man als Geist seinen eigenen Tod aufklären will? Verpackt in diese frische Prämisse, liefert Autor Shehan Karunatilaka nicht nur einen spannenden Kriminalfall, sondern auch noch eine faszinierende Lektüre über die jünger Geschichte Sri Lankas und einen tiefen Einblick in diese fremde Kultur. Wer nach diesen paar Zeilen bereits am Haken hängt, sollte auf jeden Fall zugreifen - es lohnt sich.
  • Zum Bewerterprofil von Lukas Bärwald

    Lukas Bärwald

    Thalia St. Pölten

    Buchhändler*in

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    4/5

    14.03.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Geistnahrung

    Kennen Sie „Ghost – Nachricht von Sam“, die 90er Liebeskomödie mit Patrick Swayze? Dieses Buch könnte von Anspruch und Inhalt nicht weiter davon entfernt sein und doch haben sie eine zentrale Gemeinsamkeit: In beiden Fällen steht im Mittelpunkt eine frisch ermordete Figur, die aus der Zwischenwelt von Leben und Tod jenen Menschen folgt, die ihr nahe als auch feindlich entgegenstanden um das Mysterium des eigenen Ablebens zu ergründen. Im Falle des mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichneten Romans handelt es sich dabei um einen jungen Kriegsfotojournalisten, der unvermittelt als Geist erwacht, ohne Wissen, aus welchen Gründen und von wem er getötet wurde. Schauplatz ist Sri Lanka, zu Beginn der 90er Jahre, wo zu diesem Zeitpunkt bereits seit fast einem Jahrzehnt ein blutiger Bürgerkrieg von drei verschiedenen Parteien geführt wird. Und dieser scheint auch der Schlüssel zum Rätsel seines Todes zu sein, denn schon bald ist von Umschlägen mit Fotografien des Journalisten die Rede, welche so viel politische Sprengkraft haben, um den Verlauf oder gar das mögliche Ende des Krieges maßgeblich zu beeinflussen. Damit beginnt eine immer rasanter werdende Jagd auf jene Umschläge, der sowohl im Diesseits als auch Jenseits erbittert geführt wird. Und die Zeit tickt: Denn Maali Almeida hat gerade einmal sieben Tage Zeit, um die ungelösten Fragen seines (Ab)Lebens zu klären, bevor sein Weg endgültig ins Nirvana führt. Jedoch hat die Lektüre auch ihre potenziellen Stolpersteine, denn so außergewöhnlich und fesselnd wie der Roman erzählt ist, so herausfordernd kann er auch sein. Denn die historischen und politischen Hintergründe werden größtenteils einmal umrissen und dann muss man entweder sehr gut aufgepasst haben oder ab gewillt sein, mehrfach das 10-seitige Glossar und Figurenregister am Ende des Buches zu Rate zu ziehen. Jedoch zahlt sich dieser Mehraufwand deutlich aus und gerade die zweite Hälfte nimmt dann so viel Fahrt und Dramatik auf, dass die dicht bedruckten 550 Seiten im Nu vorüberziehen. Vielleicht keine leichte, dafür aber eine umso einzigartigere und belohnendere Leseerfahrung.

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