Produktbild: Prima Facie
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Suzie Miller

1. Prima Facie

Prima Facie

Gesprochen von
27
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Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

Gesprochen von

Pegah Ferydoni

Spieldauer

10 Stunden und 16 Minuten

Abo-Fähigkeit

Ja

Erscheinungsdatum

29.01.2024

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

159

Verlag

Speak Low

Sprache

Deutsch

EAN

9783948674922

Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

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Pegah Ferydoni

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10 Stunden und 16 Minuten

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Ja

Erscheinungsdatum

29.01.2024

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Fassung

ungekürzt

Medium

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159

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Speak Low

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Deutsch

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9783948674922

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Wenn Recht nicht gerecht ist

Lana aus Wien am 13.02.2026

Bewertungsnummer: 3044636

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Prima Facie hat mich auf eine sehr unangenehm ehrliche Art getroffen. Die Prämisse ist außergewöhnlich und gleichzeitig erschreckend realistisch: Eine Strafverteidigerin, die jahrelang Täter in Sexualstrafverfahren verteidigt und Aussagen von Opfern hinterfragt hat, wird selbst Opfer einer Vergewaltigung – durch einen Arbeitskollegen. Genau das macht dieses Buch so stark. Es zeigt, dass sexualisierte Gewalt meist nicht durch Fremde passiert, sondern im eigenen Umfeld: durch Kollegen, Partner, Freunde oder Dates. Besonders eindrücklich fand ich nicht nur die Tat selbst, sondern das Danach. Diese Szenen, in denen Tessa nach Hause kommt und sich nicht einmal mehr in den eigenen vier Wänden sicher fühlt, haben mich wirklich getroffen. Wütend gemacht hat mich vor allem die Konfrontation mit dem Täter, in der plötzlich sie zur Gefahr gemacht wird – weil sie seine Karriere ruinieren könnte. Diese Täter:-Opfer-Umkehr ist so bitter und leider so real. Tessa ist als Figur sehr ambivalent. Am Anfang wirkte sie auf mich kalt und fast unsympathisch, aber je mehr man über ihre Vergangenheit erfährt – Arbeiterfamilie, Gewalt in der Kindheit, der Wunsch nach Kontrolle – desto nachvollziehbarer wird ihr Verhalten. Umso spannender ist ihr Wandel. Nach der Tat verändert sie sich, wird offener, verletzlicher, menschlicher. Besonders berührend fand ich, wie sehr sie durch die Geburt ihrer Nichte motiviert wird, ein anderes Vorbild zu sein. Der Schreibstil ist eher nüchtern und fast dokumentarisch, manchmal wie ein Gesetzestext. Aber genau das passt, weil es die Distanz und Kälte des Rechtssystems widerspiegelt. Dieses Buch ist weniger Thriller als Gesellschaftskritik. Es zeigt sehr deutlich, wie sehr das Rechtssystem bei sexualisierter Gewalt oft versagt und wie schwer es ist, als Opfer überhaupt ernst genommen zu werden. Besonders frustrierend ist auch, wie sehr Geld und Privilegien eine Rolle spielen können. Ich würde Prima Facie allen empfehlen, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen wollen oder ungewöhnliche Perspektiven mögen – auch besonders Menschen, die Jura studieren. Gleichzeitig ist es nichts für Leser:innen, die selbst traumatische Erfahrungen noch nicht aufgearbeitet haben, weil es sehr triggernd sein kann und auch ein Gefühl von Ohnmacht auslösen kann. Für mich ist Prima Facie ein wichtiges, einzigartiges und leider zeitloses Buch.

Wenn Recht nicht gerecht ist

Lana aus Wien am 13.02.2026
Bewertungsnummer: 3044636
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Prima Facie hat mich auf eine sehr unangenehm ehrliche Art getroffen. Die Prämisse ist außergewöhnlich und gleichzeitig erschreckend realistisch: Eine Strafverteidigerin, die jahrelang Täter in Sexualstrafverfahren verteidigt und Aussagen von Opfern hinterfragt hat, wird selbst Opfer einer Vergewaltigung – durch einen Arbeitskollegen. Genau das macht dieses Buch so stark. Es zeigt, dass sexualisierte Gewalt meist nicht durch Fremde passiert, sondern im eigenen Umfeld: durch Kollegen, Partner, Freunde oder Dates. Besonders eindrücklich fand ich nicht nur die Tat selbst, sondern das Danach. Diese Szenen, in denen Tessa nach Hause kommt und sich nicht einmal mehr in den eigenen vier Wänden sicher fühlt, haben mich wirklich getroffen. Wütend gemacht hat mich vor allem die Konfrontation mit dem Täter, in der plötzlich sie zur Gefahr gemacht wird – weil sie seine Karriere ruinieren könnte. Diese Täter:-Opfer-Umkehr ist so bitter und leider so real. Tessa ist als Figur sehr ambivalent. Am Anfang wirkte sie auf mich kalt und fast unsympathisch, aber je mehr man über ihre Vergangenheit erfährt – Arbeiterfamilie, Gewalt in der Kindheit, der Wunsch nach Kontrolle – desto nachvollziehbarer wird ihr Verhalten. Umso spannender ist ihr Wandel. Nach der Tat verändert sie sich, wird offener, verletzlicher, menschlicher. Besonders berührend fand ich, wie sehr sie durch die Geburt ihrer Nichte motiviert wird, ein anderes Vorbild zu sein. Der Schreibstil ist eher nüchtern und fast dokumentarisch, manchmal wie ein Gesetzestext. Aber genau das passt, weil es die Distanz und Kälte des Rechtssystems widerspiegelt. Dieses Buch ist weniger Thriller als Gesellschaftskritik. Es zeigt sehr deutlich, wie sehr das Rechtssystem bei sexualisierter Gewalt oft versagt und wie schwer es ist, als Opfer überhaupt ernst genommen zu werden. Besonders frustrierend ist auch, wie sehr Geld und Privilegien eine Rolle spielen können. Ich würde Prima Facie allen empfehlen, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen wollen oder ungewöhnliche Perspektiven mögen – auch besonders Menschen, die Jura studieren. Gleichzeitig ist es nichts für Leser:innen, die selbst traumatische Erfahrungen noch nicht aufgearbeitet haben, weil es sehr triggernd sein kann und auch ein Gefühl von Ohnmacht auslösen kann. Für mich ist Prima Facie ein wichtiges, einzigartiges und leider zeitloses Buch.

Kraftvolle, feministische Streitschrift

Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 10.12.2025

Bewertungsnummer: 2674401

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Endlich habe ich es auch gelesen! Ich bin eigentlich oft skeptisch, wenn um ein Buch ein Hype entsteht, aber hier ist es berechtigt! Mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen, die Geschichte baut sich gut auf und auch die zeitlichen Rückblenden sind gut gemacht. Besonders zum Ende hin entwickelt sich eine regelrechte Sogwirkung und ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Meiner Meinung nach ist das Buch ein absoultes Must-read, ein (leider immer noch!) sehr aktuelles und wichtiges Thema - UNBEDINGT LESEN!!   "Jede Dritte - das sind eine ganze Menge  Frauen, die etwas zu sagen haben. Zu viele, um sie zu ignorieren."

Kraftvolle, feministische Streitschrift

Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 10.12.2025
Bewertungsnummer: 2674401
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Endlich habe ich es auch gelesen! Ich bin eigentlich oft skeptisch, wenn um ein Buch ein Hype entsteht, aber hier ist es berechtigt! Mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen, die Geschichte baut sich gut auf und auch die zeitlichen Rückblenden sind gut gemacht. Besonders zum Ende hin entwickelt sich eine regelrechte Sogwirkung und ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Meiner Meinung nach ist das Buch ein absoultes Must-read, ein (leider immer noch!) sehr aktuelles und wichtiges Thema - UNBEDINGT LESEN!!   "Jede Dritte - das sind eine ganze Menge  Frauen, die etwas zu sagen haben. Zu viele, um sie zu ignorieren."

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Prima facie

von Suzie Miller

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Luna

Thalia Wien – Mariahilfer Straße

Zum Portrait

5/5

Das System gleicht das schon aus, oder?

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

"Prima Facie", geschrieben von Suzie Miller, übersetzt von Katharina Martl, ist ein wirklich wichtiger feministischer Roman. Suzie Miller behandelt darin die blinden Flecken in unserem Rechtssystem. Vor allem kritisiert sie die immer noch stark patriarchalen Strukturen, die dieses System ausmachen. Tessa Ensler ist Strafverteidigerin in London. Nicht selten kommt es vor, dass auch sie einen Mann verteidigt, der wegen mutmaßlicher Vergewaltigung oder sexueller Nötigung angeklagt ist. Tessa ist fest davon überzeugt, dass das System funktioniert, dass sich alles ausgleicht und kein Schuldiger unschuldig gesprochen wird. Nie kommt euch in den Sinn, dass es anders sein könnte. Die junge Anwältin ist bekannt für ihre Verhör-Taktiken und zählt so zu der "Elite". Erst als sie ein Verfahren am eigenen Leib erfahren muss, wird ihr klar, wie fehlerhaft das Rechtssystem ist. Ich bin wütend und traurig und entsetzt und gleichzeitig nicht überrascht. Dass unsere Welt auf dem Patriachart aufgebaut ist, wissen wir, denk ich, alle. Wie tief das Ganze geht, ist aber jedes Mal aufs Neue ein Schlag in die Fresse. Prinzipiell wird dir als Frau erst mal nicht geglaubt. Die sogenannte "Unschuldsvermutung" schützt in Fällen wie Vergewaltigung, sexuellem Missbrauch und häuslicher Gewalt mehr Täter als Opfer. Als Frau wirst du gefragt: "Was hatten Sie an?", "Hatten Sie vorher mit dem Angeklagten schon Sex?", "War der frühere Geschlechtsverkehr einvernehmlich?", "Waren Sie betrunken?", "Haben Sie sich neben dem Angeklagten umgezogen?", "Warum haben Sie sich nicht sofort an die Polizei gewendet?", "Es ist schon seltsam, dass Sie nach der vermeintlichen Vergewaltigung als Erstes zur Polizei laufen, oder?", "Haben Sie dem Angeklagten anzügliche Nachrichten und/oder Bilder geschickt?", "Das Video darf nicht als Beweis geführt werden, da der Täter keine Zustimmung zur Aufzeichnung gegeben hat." "Mit wie vielen Männern haben Sie denn bis zu dem jetzigen Zeitpunkt geschlafen?" Als Frau wird von einem erwartet, schüchtern, brav und zurückhaltend zu sein. Sobald man nicht in dieses Bild passt, "wollte man das doch bestimmt". Kein Ja ist auch kein Nein und wenn sie zu betrunken war, "war das fahrlässig" und wenn er zu betrunken war, "hatte er sich einfach nicht unter Kontrolle". Dann fragt man sich, warum nicht mehr Frauen so ein Vergehen anzeigen. Nachdem man solche Demütigungen ertragen musste? Mehr Frauen verlieren ihren Job für das Melden von sexuellen Straftaten, als Männer, die schuldig gesprochen worden sind. Ein Musiker, der ausverkaufte Touren hat, Präsidenten, die in den Himmel gelobt werden, und Schauspieler, die für große Rollen gebucht werden. Die Scharm muss die Seite wechseln! Bitte, liebe Männer, FLINTA*-Personen und alle dazwischen und drumherum, lest dieses Buch! Lernt daraus. Verändert was (und wenn es nur dieses Buch weiterempfehlen ist)!
  • Luna
  • Buchhändler/-in

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5/5

Das System gleicht das schon aus, oder?

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

"Prima Facie", geschrieben von Suzie Miller, übersetzt von Katharina Martl, ist ein wirklich wichtiger feministischer Roman. Suzie Miller behandelt darin die blinden Flecken in unserem Rechtssystem. Vor allem kritisiert sie die immer noch stark patriarchalen Strukturen, die dieses System ausmachen. Tessa Ensler ist Strafverteidigerin in London. Nicht selten kommt es vor, dass auch sie einen Mann verteidigt, der wegen mutmaßlicher Vergewaltigung oder sexueller Nötigung angeklagt ist. Tessa ist fest davon überzeugt, dass das System funktioniert, dass sich alles ausgleicht und kein Schuldiger unschuldig gesprochen wird. Nie kommt euch in den Sinn, dass es anders sein könnte. Die junge Anwältin ist bekannt für ihre Verhör-Taktiken und zählt so zu der "Elite". Erst als sie ein Verfahren am eigenen Leib erfahren muss, wird ihr klar, wie fehlerhaft das Rechtssystem ist. Ich bin wütend und traurig und entsetzt und gleichzeitig nicht überrascht. Dass unsere Welt auf dem Patriachart aufgebaut ist, wissen wir, denk ich, alle. Wie tief das Ganze geht, ist aber jedes Mal aufs Neue ein Schlag in die Fresse. Prinzipiell wird dir als Frau erst mal nicht geglaubt. Die sogenannte "Unschuldsvermutung" schützt in Fällen wie Vergewaltigung, sexuellem Missbrauch und häuslicher Gewalt mehr Täter als Opfer. Als Frau wirst du gefragt: "Was hatten Sie an?", "Hatten Sie vorher mit dem Angeklagten schon Sex?", "War der frühere Geschlechtsverkehr einvernehmlich?", "Waren Sie betrunken?", "Haben Sie sich neben dem Angeklagten umgezogen?", "Warum haben Sie sich nicht sofort an die Polizei gewendet?", "Es ist schon seltsam, dass Sie nach der vermeintlichen Vergewaltigung als Erstes zur Polizei laufen, oder?", "Haben Sie dem Angeklagten anzügliche Nachrichten und/oder Bilder geschickt?", "Das Video darf nicht als Beweis geführt werden, da der Täter keine Zustimmung zur Aufzeichnung gegeben hat." "Mit wie vielen Männern haben Sie denn bis zu dem jetzigen Zeitpunkt geschlafen?" Als Frau wird von einem erwartet, schüchtern, brav und zurückhaltend zu sein. Sobald man nicht in dieses Bild passt, "wollte man das doch bestimmt". Kein Ja ist auch kein Nein und wenn sie zu betrunken war, "war das fahrlässig" und wenn er zu betrunken war, "hatte er sich einfach nicht unter Kontrolle". Dann fragt man sich, warum nicht mehr Frauen so ein Vergehen anzeigen. Nachdem man solche Demütigungen ertragen musste? Mehr Frauen verlieren ihren Job für das Melden von sexuellen Straftaten, als Männer, die schuldig gesprochen worden sind. Ein Musiker, der ausverkaufte Touren hat, Präsidenten, die in den Himmel gelobt werden, und Schauspieler, die für große Rollen gebucht werden. Die Scharm muss die Seite wechseln! Bitte, liebe Männer, FLINTA*-Personen und alle dazwischen und drumherum, lest dieses Buch! Lernt daraus. Verändert was (und wenn es nur dieses Buch weiterempfehlen ist)!

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Herbert Hofer

Thalia Wien – Mariahilfer Straße

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5/5

Asymmetrische Verhältnisse 1

Bewertet: eBook (ePUB)

Prima facie - lateinisch für „Dem Anschein nach, auf den ersten Blick“ - ist ein ausserordentlich spannender, sehr lesenswerter Roman der sich mit Aspekten von Gerechtigkeit befasst. Zuallererst scheint Gerechtigkeit hier als juristisches Konzept auf, es werden aber auch soziale Gerechtigkeit und jene zwischen Mann und Frau verhandelt - oder, anders formuliert: es wird eine Gesellschaft beschrieben, die wenig sozialen Aufstieg zulässt, ein Justizsystem, das weiterhin patriarchal geprägt ist und ein Geschlechterverhältnis das häufig zu sexueller Gewalt führt, die selten juristisch geahndet wird. ____ Tessa Ensler stammt aus einfachen Verhältnissen - ihre Mutter arbeitet als Putzfrau - und hatte sich durch ihre Begabung und mit Fleiß ein Stipendium für Cambridge erarbeitet. Mittlerweile ist sie seit einigen Jahren als Straverteidigerin tätig, in ihrer Kanzlei ist sie dabei die Einzige, die nicht einer angesehenen Richter- oder Anwaltsfamilie entstammt. Sie registriert erst sehr allmählich, welche in diesem Milieu gültigen Codes sie alle nicht beherrscht. ____ Tessa geht sehr in ihrem Beruf auf, der für sie die Erfüllung eines Traumes bedeutet, im Gerichtssaal ist sie brilliant und gerade dabei, sich einen Namen zu machen. Sie identifiziert sich völlig mit den Prinzipien der Justiz. Wenn sie als Verteidigerin und ihr Gegenpart, die Vertreter der Staatsanwaltschaft, ihren Job gut machen, so ihre Überzeugung, sind die Entscheidungen des Gerichts als gerecht anzusehen. Auf dieser Grundlage verteidigt sie selbstverständlich auch Angeklagte nach Sexualdelikten und beherrscht alle Tricks, um deren Opfer unglaubwürdig wirken zu lassen. ____ Das Buch beschreibt in weiterer Folge aber auch dieses entwürdigende Ungleichgewicht sehr genau, dass das Opfer trotz des Erlebten vor Gericht um Glaubwürdigkeit ringen muss, während der Angeklagte ruhig alles abstreiten oder gar sich der Aussage entschlagen kann, und diese Demütigung und der emotionale Druck werden dabei äusserst schmerzlich nachvollziehbar. ____ All das ist von Beginn an spannend, in der zweiten Hälfte fast schon beklemmend und mündet in ein geradezu furioses Finale. ____ Suzie Miller ist Anwältin für Menschen- und Kinderrecht mit einem besonderen Augenmerk auf sexuellen Missbrauch. Jede dritte Frau erfährt im Laufe ihres Lebens sexuelle Gewalt, jede zehnte geht zur Polizei, nur 1,3 % der Fälle führen zu einer Verurteilung - so die Zahlen, die dem Text zufolge für Großbritannien gelten, hierzulande aber wohl kaum wesentlich anders lauten würden. ____ Aus all diesen Gründen würde ich sagen: wenn Sie daran interessiert sind, das Patriarchat zu überwinden, sollten Sie dieses Buch unbedingt lesen! Wenn Sie nicht daran interessiert sind, das Patriarchat zu überwinden, sollten Sie es erst recht lesen!
  • Herbert Hofer
  • Buchhändler/-in

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Bewertet: eBook (ePUB)

Prima facie - lateinisch für „Dem Anschein nach, auf den ersten Blick“ - ist ein ausserordentlich spannender, sehr lesenswerter Roman der sich mit Aspekten von Gerechtigkeit befasst. Zuallererst scheint Gerechtigkeit hier als juristisches Konzept auf, es werden aber auch soziale Gerechtigkeit und jene zwischen Mann und Frau verhandelt - oder, anders formuliert: es wird eine Gesellschaft beschrieben, die wenig sozialen Aufstieg zulässt, ein Justizsystem, das weiterhin patriarchal geprägt ist und ein Geschlechterverhältnis das häufig zu sexueller Gewalt führt, die selten juristisch geahndet wird. ____ Tessa Ensler stammt aus einfachen Verhältnissen - ihre Mutter arbeitet als Putzfrau - und hatte sich durch ihre Begabung und mit Fleiß ein Stipendium für Cambridge erarbeitet. Mittlerweile ist sie seit einigen Jahren als Straverteidigerin tätig, in ihrer Kanzlei ist sie dabei die Einzige, die nicht einer angesehenen Richter- oder Anwaltsfamilie entstammt. Sie registriert erst sehr allmählich, welche in diesem Milieu gültigen Codes sie alle nicht beherrscht. ____ Tessa geht sehr in ihrem Beruf auf, der für sie die Erfüllung eines Traumes bedeutet, im Gerichtssaal ist sie brilliant und gerade dabei, sich einen Namen zu machen. Sie identifiziert sich völlig mit den Prinzipien der Justiz. Wenn sie als Verteidigerin und ihr Gegenpart, die Vertreter der Staatsanwaltschaft, ihren Job gut machen, so ihre Überzeugung, sind die Entscheidungen des Gerichts als gerecht anzusehen. Auf dieser Grundlage verteidigt sie selbstverständlich auch Angeklagte nach Sexualdelikten und beherrscht alle Tricks, um deren Opfer unglaubwürdig wirken zu lassen. ____ Das Buch beschreibt in weiterer Folge aber auch dieses entwürdigende Ungleichgewicht sehr genau, dass das Opfer trotz des Erlebten vor Gericht um Glaubwürdigkeit ringen muss, während der Angeklagte ruhig alles abstreiten oder gar sich der Aussage entschlagen kann, und diese Demütigung und der emotionale Druck werden dabei äusserst schmerzlich nachvollziehbar. ____ All das ist von Beginn an spannend, in der zweiten Hälfte fast schon beklemmend und mündet in ein geradezu furioses Finale. ____ Suzie Miller ist Anwältin für Menschen- und Kinderrecht mit einem besonderen Augenmerk auf sexuellen Missbrauch. Jede dritte Frau erfährt im Laufe ihres Lebens sexuelle Gewalt, jede zehnte geht zur Polizei, nur 1,3 % der Fälle führen zu einer Verurteilung - so die Zahlen, die dem Text zufolge für Großbritannien gelten, hierzulande aber wohl kaum wesentlich anders lauten würden. ____ Aus all diesen Gründen würde ich sagen: wenn Sie daran interessiert sind, das Patriarchat zu überwinden, sollten Sie dieses Buch unbedingt lesen! Wenn Sie nicht daran interessiert sind, das Patriarchat zu überwinden, sollten Sie es erst recht lesen!

Meinung aus der Buchhandlung

Prima facie

von Suzie Miller

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