FATUM ist das erste Buch, in dem konsequent die katastrophale Rolle untersucht und beschrieben wird, die Klimawandel und Seuchen beim Zusammenbruch des römischen Weltreichs spielten. Gestützt auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Bereich der Klimawissenschaft und der Genetik erzählt Kyle Harper die Geschichte eines Infernos, in dem wir wie in einem fernen Spiegel beängstigend vertraute Züge unserer eigenen Welt wiedererkennen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
aus Büren OS Wewelsburg
5/5
28.07.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sind das Zufälle, dass in der…
Sind das Zufälle, dass in der letzten Zeit neue und gefährliche Viren und Erreger auftauchen, quasi als menschliches Schicksal? Nein, sagt Kyle Harper, Dekan der Universität Oklahoma und Fachmann für die römische Geschichte. Der Untergang des mächtigen römischen Reiches war lange Zeit nicht erklärbar, nun zeigen aktuelle Forschungen die tatsächlichen Gründe. Die Fortschritte in der Mikrobiologie, neue Methoden der Genomanalyse und immer weiter in Details gehende Forschungen an Pflanzen und Eisbohrkernen beweisen, dass das römische Reich an mehreren Faktoren scheiterte. Es war die Kombination vieler Einflüsse, klimatische Veränderungen, jedoch genau so ökonomische und ökologische. Der Einfall der Antoninischen und später der Justinianischen Pest, und die Klimaveränderungen im Mittelmeerraum, all das war nicht nur naturgegeben, sondern die Menschen dieser Zeit hatten erheblichen Einfluss darauf, was damals geschah. Was jedoch an diesem Szenario erschreckt, sind die Parallelen zu unserer heutigen Zeit. Und die noch immer vorherrschende Meinung, die Menschheit hätte alles im Griff, man brauche nur die richtige Technologie und die Märkte würden schon alles regeln und gut machen. Kyle Harper ist kein Virologe oder Epidemiologe, sondern Historiker. Sein Spezialgebiet ist das römische Reich, eine der größten und langlebigsten Mächte der Geschichte. Seinem Fachgebiet entsprechend liegt sein Blick auf der geschichtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung. Aber eben nicht nur. Harper spiegelt die Geschichte Roms an anderen Parametern wie Klima und globalen Veränderungen. Den fast zentralen Teil der Geschichte nimmt die Zeit ab 200 n. Chr. ein, besonders die drei großen Pandemien, die das römische Reich am Ende in die Knie zwangen. Die Römer waren die Hochtechnologen dieser Epoche, dementsprechend gewannen in dieser Zeit Themen an Bedeutung, die wir eher der Neuzeit zuordnen würden. Umfangreiche Rodungen für eine sich ausweitende Landwirtschaft, rücksichtslose Ausbeutung der Provinzen, Aufbau von Handelsbeziehungen bis nach China, eine florierende und mächtige Wirtschaft zu Land und zu See, die Römer herrschten von der Grenze zu Schottland bis tief ins Rote Meer hinein. Dementsprechend hielt sich das Römische Reich für allmächtig und unbesiegbar. In zwei Punkten irrten sie leider: Im sich verändernden Klima, und bei neuen Krankheiten wie Pocken und Pest. Mit Reitervölkern wie den Hunnen und anderen eurasischen Banden hatten die Römer nie Kontakt, ihre Art Kriege zu führen war den Römern völlig unbekannt. Wie auch tödliche Waffen wie die Langbogen der Hunnen. Dass die Hunnen überhaupt im Reich einfielen, hat wiederum Klimagründe. Man könnte die Hunnen als die ersten Klima-Migranten bezeichnen. Als dann noch die Pest aus Asien gerade über das weit verzweigte Handelsnetz Roms erst Ägypten, dann sogar Germanien und Schottland erreichte, war das Ende der römischen Ära besiegelt. In seinem Epilog geht Harper gerade auf das Thema Infektionen noch einmal detaillierter ein. Denn diese Welt wird zunehmend vom Menschen geprägt, aber von den unsichtbaren Feinden regiert. Selbst wenn von den Abermillionen an bekannten Erregern nur rund 1.400 für den Menschen gefährlich sind. Die eigentlich am meisten erschreckende Erkenntnis aus Harpers Buch ist die, dass die relative Hochtechnologie und Militärmacht der Römer ihnen am Ende gar nicht geholfen haben. Sie standen dem veränderten Klima, den Rattenhorden aus Asien mit dem Pesterreger und Hunnen und Goten in ausufernden Kriegen hilflos gegenüber. Der Glaube, man könnte die Natur überlisten oder gar beherrschen, hat sich schon in der Spätantike erübrigt. In diesem Sinne ist das Buch eine deutliche Warnung.
Bewertung
aus Wien
5/5
21.05.2020
eBook (ePUB)
Fatum : ein interessantes Geschichts und Gegenwartsbuch ..
.. flott und spannend geschrieben, viele Fremdwörter, sehr lehrreich und interessant. Zusammenhänge werden top erklärt und auf verschiedenen Ebenen erklärt.
Bewertung
4/5
04.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer meint aus der Vergangenheit...
Wer meint aus der Vergangenheit könne man nichts lernen sollte dringend dieses Buch lesen ! Wohin das führt wenn man ohne Rücksicht auf Ressourcen, Mitmenschen und die Tierwelt lebt kann man anhand des römischen Reiches exemplarisch nachvollziehen. Lernen bevor es zu spät ist !
Juti
aus HD
3/5
06.07.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gute Idee mit Schwächen in…
Gute Idee mit Schwächen in der Ausführung Seit 4 Jahren bewerte ich hier Bücher und bei diesem Sachbuch muss ich eine neue Kategorie einführen. Die These des Buches lautet, dass das Römische Reich wegen einer Verschlechterung des Klimas und wegen dreier verschiedener Epidemien unterging, unter anderem die Pest und die Pocken. So formuliert war mir das neu, ich glaubte der Hauptgrund seien die Einfälle der Germanen. Meine zweiter Bewertungspunkt ist die Zahl der Wiederholungen. Hier hätte ein guter Lektor mindestens 100 Seiten streichen können. Dreimal lese ich von der Weinpresse des Zorns und es sind so viele Getreideschiffe von Alexandria nach Konstantinopel gefahren, dass der Leser zu Fuß nach Ägypten laufen könnte. Was mich aber am meisten störte, dass der nordamerikanische Autor offenbar nicht weiß, dass der europäische Leser ein gewisses Vorwissen mitbringt, wenn er ein Buch über die Römer liest. Er behauptet, dass der Gesundheitszustand der Römer nicht der beste war, weil die Römer klein waren. Ich bestreite nicht, dass es vor allem in der Jugend einen Zusammenhang zwischen Körpergröße und Nahrungsaufnahme gibt, aber noch heute sind die Italiener die kleinsten Europäer und keiner kann mir weiß machen, dass sie weniger essen als, sagen wir, Belgier oder Schweden. Beim Klimawandel kann ich nachvollziehen, dass häufige Vulkanausbrüche das Klima abkühlen. Ich verstehe auch, dass die Sonnenaktivität nicht immer gleich ist. Die Trockenheit des Mittelmeerraums im Sommer hängt aber mit der atmosphärischen Zirkulation zusammen und warum die Flüsse Italiens zur Römerzeit im Sommer Hochwasser führen sollten, ist mir ein Rätsel. Ich mailte dazu einem Professor aus Freiburg, erhielt aber keine Antwort. Die Erklärung des Autor mit dem verschiedene Zugbahnen der Regengebiete befriedigt mich nicht. Was mich auch wundert, ist, dass das Christentum sich erst im 3. Jahrhundert von einer Sekte zur größeren Religion durchgesetzt hat. Ich weiß, dass die Apostelgeschichte nicht als historisches Buch zu lesen ist, aber welchen Sinn haben die Christenverfolgungen unter Nero, wenn das Christentum nur eine kleine Sekte war? Zu meinen Einwänden kommt vom Autor kein Wort. Ich behaupte nicht einmal richtig zu liegen, vermutlich hat er ja recht, aber dann schreib doch was dazu. Und es geht so weiter. Auf S.286 erlebt Valens 378 bei Adrianopel die schlimmste Niederlage der römischen Geschichte. Kein Wort zu Varus. Auf S. 316 wird von byzantinischer Seite gesprochen, bei der nur eine chemische Analyse zeigen könnte, ob sie erfolgreich war. Aber gab es im Mittelalter Seide in Europa? Und dann fehlt mir beim Marienkult (396) der Verweis auf die römische Göttin Isis. Trotz aller Mängel vergebe ich vor allem wegen der neue Idee, die dem Buch unter Greta und Corona Aktualität verschafft, noch 3 Sterne.
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5/5
14.04.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Geschichtsschreibung in der Theorie des Anthropozäns
In meiner dreizehnten Buchempfehlung möchte ich auf das Buch „Fatum. Das Klima und der Untergang des Römischen Reiches“ von Kyle Harper hinweisen.
Vielleicht muss man vorweg anmerken, dass es Korrelationen gibt, die weder gewollt noch intendiert sind. Zwar beschäftigt sich der an der University of Oklahoma lehrende Historiker für Römische Geschichte insbesondere mit dem Einfluss von Klimaveränderungen und Epidemien auf die politischen und ökonomischen Lebenswelten und Machtstrukturen innerhalb des Römischen Imperiums und damit auch mit deren Einfluss auf den Machtzerfall und Untergang des Römischen Reiches, dennoch hat die Publikation des Buches nichts mit unserer derzeitigen Covid 19-Pandemie oder mit der aktuelle Aufmerksamkeit zu tun, die die Politik wie auch die Gesellschaft dem Klimawandel schenkt. Jedoch verdeutlicht die Studie von Kyle Harper wie auch die jetzige Pandemie, dass es nur eine dumme Hybris des Menschen ist, die glaubt, dass nur menschliche Faktoren seine Lebenswelt intendieren.
Der Mensch mit all seinen unterschiedlichen – auch heterogenen – Lebenswelten braucht nicht nur einen Unterbau, sondern auch einen Unterbau des Unterbaus – usw. Kyle Harper weist schon zu Beginn seiner Untersuchung darauf hin, dass auch Vergils Anfangsverse im Buch „Aeneis“ mit dem Sturm, der See und den Naturgewalten einsetzen, deren Spielball der Held der Geschichte ist. Entgegen der traditionellen Geschichtsschreibung, die im Wesentlichen nur menschliche Ursachen und Wirkungen, Strukturen und Konstellationen in der Beschreibung ihres Objekts zulässt – wie etwa die Fähigkeit, die Energiezufuhr für eine wachsende Population zu sättigen und zu schützen –, so möchte er hingegen zeigen, dass mit der erfolgreichen Anpassung des Passendsten (oder des „Survival of the Fittest“) im Sinne Darwins es unweigerlich zu dessen „ökonomischer Effloreszenz“ kommt. Der Erfolg der Anpassung verkehrt sich in eine gesteigerte Verletzlichkeit. Kyle Harper beschreibt diese Vorgänge anhand des Römischen Imperiums. Am Ende des Buches schreibt er resümierend: „Die Bezeichnung ‚Anthropozän‘ für die jetzige Epoche der Erdgeschichte setzt sich immer mehr durch, da man erkannt hat, welch irreversiblen Auswirkungen die menschliche Zivilisation auf die physikalischen und biologischen Systeme des Planeten hat. […] In den Worten von John McNeill hat ‚das Anthropozän für sämtliche Spezies an Land und im Meer die Regeln der Evolution umgeschrieben. […] Spezies, die sich problemlos an einen von Menschen dominierten Planeten angepasst haben wie zum Beispiel Tauben, Eichhörnchen, Ratten, Rinder, Ziegen, Hirse, Reis und Mais, gedeihen.‘ Dabei wird jedoch ein düsteres Paradox unterschlagen: Durch den Anstieg der Bevölkerungszahl wurden auch die Spielregeln für die mikrobiellen Mitbewohner des Planeten Erde neu definiert.“
Das Römische Reich wurde nicht nur das Opfer einer Invasion von Barbaren, auch Umwelteinflüsse spielten eine nicht zu unterschätzende Rolle bei seinem Untergang. Faktoren wie, zum Beispiel, Vulkanausbrüche, ein sich wandelndes Klima oder neue Krankheiten waren ebenfalls am Werk, diesen Umständen war der Mensch mehr oder weniger hilflos ausgeliefert – und daran hat sich bis in die Gegenwart nicht allzuviel verändert. Kyle Harper betrachtet die Endzeit des Römischen Reiches aus einem neuen und zum Nachdenken anregenden Blickwinkel, auch wenn manche seiner Folgerungen umstritten sein mögen. Die Verwundbarkeit menschlicher Gesellschaften wird uns vor Augen geführt, die Aktualität dieses, im Original bereits 2017 erschienenen Buches, ist stellenweise bedrückend. (Siehe auch: Heather, Der Untergang des Römischen Weltreichs)
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