2021: Venedig ist von den Wassermassen eines letzten Acqua alta verschlungen worden. Guido Malegatti, einer der Überlebenden, fährt mit dem Boot durch die Ruinen, auf der Suche nach Frau und Tochter. Zwei Jahre zuvor: Angesichts des drohenden Meeresspiegelanstiegs bahnt sich der Konflikt innerhalb der Familie an. Guido als Wirtschaftsrat schwört auf den Tourismus und die Segnungen der Technik. Seine Frau Maria Alba schwelgt in der vergangenen Pracht einer Stadt am Rande des Zusammenbruchs. Und ihre 17-jährige Tochter Léa wird in dem Versuch, die geliebt Stadt zu retten, zur Gegnerin ihres Vaters.
Isabelle Autissier entwirft das so dramatische wie realistische Szenario vom Untergang Venedigs. Mitreißend zeichnet sie aus der Perspektive dreier Familienmitglieder nach, wie es zur Katastrophe kommt, und stellt uns alle vor die Frage: Wie würde ich mich verhalten?
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Gertie G.
aus Wien
5/5
01.04.2024
eBook (ePUB 3)
Eine Leseempfehlung
Isabelle Autissier stellt in ihrer Dystopie die Zerstörung Venedigs im Jahre 2021 durch ein gewaltiges Naturereignis dar. Doch ist es wirklich das Zusammenspiel zwischen Sturm und Wasser, das auf die maroden Mauern der Serennissa, die die Stadt zerstören? Oder ist es vielmehr die Gier nach noch mehr Umsatz, noch mehr Gewinn in Kombination von Ignoranz und Korruption? Mahner, die zum Schutz der Stadt und der Lagune aufrufen, gab und gibt es schon lange. Hat die Technikgläubigkeit der Menschen nun ein Ende?
Ob das mehr als sechs MilliardenEuro teure und jährlich rund 100 Millionen Euro an Unterhaltskosten verschlingende Sperrwerk Modulo Sperimentale Elettromeccanico (kurz MO.S.E.) Venedig wirklich schützen kann, wird die Zukunft zeigen.
Stadtrat Guido Malegatti irrt mit seinem Boot durch die Kanäle der zerstörten Stadt Venedig und lässt die Katastrophe Revue passieren, als müsse er sich noch einmal davon überzeugen, dass sie wirklich geschehen ist.
„Die Stadt, in der kein Stein mehr auf dem anderen liegt, wirkt abstoßend wie ein vor aller Augen verwesender Kadaver, wie ein geschändeter Körper. Mancherorts haben Gasexplosionen ganze Stockwerke zertrümmert und zusammen mit Kurzschlüssen anschließend Brände ausgelöst, deren Trümmer und rußige Holzbalken im Dunst aussehen, als würden sie noch immer qualmen. Hinter solchen Mauern haben Menschen gelebt, Pläne geschmiedet, Lust und Leid und großes Glück empfunden. Mit dem Einsturz ist nicht nur die prächtige Architektur verschwunden, sondern mit ihr auch das unscheinbare Leben, das die Stadt zusammengehalten hat.“
An jenem Abend, an dem sich die Katastrophe zusammenbraut, lassen sich die Tore des Sperrwerks nur halb aufrichten und der Chefingenieur spricht von Sabotage ...
Meine Meinung:
Die Zerstörung Venedigs durch Naturgewalten ist hier nur Fiktion. Doch was, wenn MO.S.E wirklich nicht hält? Es bliebe kaum Zeit, die Bevölkerung zu evakuieren.
Isabelle Autissier hat hier eine äußerst fesselnde Dystopie geschaffen. Sehr gut haben mir die Erklärungen von Professore Boldi gefallen, in denen er seine Studenten, darunter Léa auf die Schäden der Mauern der Palazzi hinweist, während alle Welt nur den Canaletto-Blick bewundert.
Während die Katastrophe Guido schwer verletzt auf der Terrasse überlebt hat, ist seine Ehefrau Maria Alba, Nachfahrin eines Dogen von der herabstürzenden Decke im Schlafzimmer getötet worden. Auf seiner Fahrt durch die Kanäle Venedigs können wir Leser die Geschichte bis zum Untergang miterleben. Wir erfahren aus der Sicht von Maria Alba, Guido und Léa was Venedig für jeden einzelnen von ihnen bedeutet. Maria Alba, die Traditionsbewusste, die fest an den Fortbestand Venedigs glaubt und Guido, der ausschließlich an den Profit denkt, den die Touristen mit ihren Kreuzfahrtschiffen erwirtschaften (wobei nachgewiesen ist, dass diese Besucher kaum einen Cent ausgeben innerhalb der Stadt ausgeben, sondern lediglich gaffen).
Wir erleben allerdings auch mit, wie aus einer Tochter aus gutem Haus, der an nichts gemangelt hat (außer vielleicht an Zuneigung) eine militante Gegnerin ihres Vaters wird, die sogar bereits ist, das Sperrwerk Mo.S.E. zu sprengen.
Fazit:
Isabelle Autissier gelingt es meisterhaft, das Katastrophenszenario realistisch darzustellen. Ob es den Verantwortlichen von Venedig gelingen wird, ähnliches in Zukunft zu verhindern? Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Hier wird vorweggenommen, wovor viele warnen: Venedig geht unter! Guido, Wirtschaftsrat von Venedig, muss die Kassen der Stadt füllen, seine Tochter Léa stemmt sich vehement gegen Massentourismus.
Realistischer, atmosphärisch packender Roman.
Isabelle Autissier at her best!
Bewertung
5/5
13.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Acqua Alta
Ein unglaublich interessantes Buch! Es fällt nicht unbedingt in mein Leseschema und doch hat mich der Klappentext angesprochen. Einfach mal etwas querlesen, dachte ich. Ich war aber von der ersten Seite an so gefesselt und konnte es nicht mehr weglegen. Man erfährt viel über Venedig, warum es funktioniert wie es funktioniert oder eben nicht. Über Korruption, den schmalen Grad zwischen Wirtschaftsinteressen und Umweltbewusstsein. Über M.O. S.E. das große Sperrwerk vor der Lagune die das Hochwasser abhalten soll und dass die Klimaerwärmung gar nicht das Hauptproblem für den steigenden Wasserpegel ist, sondern auf die vielen falschen Entscheidungen der letzten Jahrzehnte zurückzuführen ist. Der Schreibstil ist flüssig, leicht zu lesen und nie langweilig. Die beiden Sichten, die des wirtschaftsorientierten Vaters und der jungen Umweltaktivistin die absolut gegensätzlich sind, fand ich auch sehr interessant , versteht man ja doch irgendwie beide Seiten. Ein wirklich fesselndes und informatives Buch.
Bewertung
aus Villach
5/5
24.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Untergang Venedigs
ch war schon sehr oft in Venedig. Unvergesslich wird bleiben, als ich zwei Tage nach dem ersten Lockdown dort hinfuhr und genau wusste, so werde ich Venedig nie mehr erleben. Es war beeindruckend: kaum eine Menschenseele war anzutreffen, nur Einheimische – das hatte Flair und Stimmung.
Isabelle Autissier konnte mich schon vor ein paar Jahren mit ihrem Roman „Herz auf Eis“ begeistern. Auch Aqua alta ist kurzweilig und interessant zu lesen – ganz an „Herz auf Eis“ kommt es jedoch nicht heran.
Der Roman beginnt damit, dass Guido Malegatti in einem Krankenhaus erwacht und sich erinnert, dass die befürchtete Katastrophe eingetroffen ist: Venedig ist von einer gewaltigen Flutwelle erfasst worden und liegt in Trümmern. Auch der Sperrwall M.O.S.E., der dem italienischen Staat Milliarden gekostet hatte, konnte Venedig nicht schützen.
Mit einem Boot fährt Guido Malegatti durch das zerstörte Venedig, auf der Suche nach seiner Tochter Lea.
Die drei Mitglieder der Familie Malegatti stehen für unterschiedliche Sichtweisen auf Venedig:
Guido Malegatti, aufstrebender und ehrgeiziger Stadtpolitiker, ist zuständig für Wirtschaftsangelegenheiten, will eine Stadtentwicklung in Richtung mehr Tourismus, noch mehr Hotels, noch mehr Kreuzfahrtschiffe.
Seine Frau Maria Alba stammt aus dem alten Adel Venedigs, deren Familie drei Dogen hervorbrachte. Sie steht im Roman für die prachtvolle historische Geschichte Venedigs. Sie zeigt ihrer Tochter Lea die Schönheit der Stadt bei gemeinsamen Spaziergängen.
Seine Tochter Lea ist eine militante Umweltaktivistin und protestiert gegen Massentourismus, Kreuzfahrtschiffe und auch gegen den Vater, um ihr Venedig zu retten.
Der Roman ist sehr realistisch geschrieben und führt die Problematik Venedigs mit seinem Massentourismus deutlich vor Augen. Er schafft so ein Bewusstsein für eine mögliche Zukunft. Das Konzept der drei Sichtweisen auf Venedig finde ich besonders gelungen. Alles in allem ein sehr lesenswerter und wichtiger Roman!
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5/5
25.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fesselnde Geschichte, die einen...
Fesselnde Geschichte, die einen nicht so leicht loslässt. Die Umwelt und Naturbeschreibung, der Autorin sind beeindruckend und faszinierend, sie schaut genau hin. Starkes Buch, das lang im Kopf bleibt, und zum Nachdenken anregt.Hier geht es um Profit, aber um welchen Preis.
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3/5
01.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
La Serenissima als sterbender Protagonist
Isabelle Autissier hat es sich zur Aufgabe gemacht einen aufklärenden Roman über das Dahinscheiden Venedigs zu verfassen und reichert diesen mit zahlreichen Daten und Fakten über die Lagunenstadt an. Mit klassischer Rollen- und Figurenverteilung stellt sie Massentourismus, Klimawandel und Kapitalismus dem Willen der Bewohner ihre Stadt zu bewahren gegenüber. Ein wichtiges Buch in absurden Zeiten, wo ein kahlköpfiger Milliardär ein UNESCO Weltkulturerbe für Tage sein Eigen nennen darf und für seine Zwecke ausnutzt.
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