Schon früh in ihrem Leben hat die 32-jährige Henrietta eine Mauer zwischen sich und der Welt errichtet. Das verhilft ihr zu einem Job, bei dem man besser nicht ständig in Tränen ausbricht: Sie soll für todkranke Menschen deren Lebensgeschichte aufschreiben. Ihre erste Klientin, die 65-jährige Krebspatientin Annie, weicht Henriettas Fragen jedoch immer wieder aus, sodass sich einfach kein klares Bild ergeben will. Um Annies Leben zu verstehen und zu erfahren, was ihrer Schwester vor 46 Jahren zugestoßen ist, muss Henrietta etwas tun, was sie noch nie zuvor getan hat: ihre eigene Geschichte erzählen.
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Ein packender Schicksalsroman
Cornelia aus Garbsen am 02.02.2023
Bewertungsnummer: 1871647
Bewertet: Hörbuch-Download
Café Leben erzählt die Lebensgeschichten dreier Frauen. Anfangs erfahre ich nicht viel mehr, als das, was offensichtlich ist, wenn ich einen Menschen aus der Ferne betrachte: ich registriere die Haltung, den Bewegungsablauf, die Garderobe, bestimmte Verhaltensmuster.
Den Anfang einer näheren Bekanntschaft mache ich mit Henrietta. Henrietta Lockwood, die sich ihr Leben lang von anderen Menschen abschottet. Henrietta, die mit ihrem Hund Dave gemeinsam in einer kleinen Wohnung lebt. Henrietta, die Schwierigkeiten hat, einen Job zu halten. Ausgerechnet Henrietta bewirbt sich nun um einen Job, in dem es zwar ganz gut tut, sich selbst abzuschotten und nicht vor lauter zu Mitgefühl mitzuleiden. Es ist aber auch ein Job, in dem sie auf den Menschen, der ihr gegenübersitzt, eingehen muss. Henriettas Aufgabe besteht darin, Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben, in Gesprächen über ihr Leben zu begleiten und deren Geschichte in einem Lebensbuch zusammengefasst für die Nachwelt festzuhalten. Weil jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen hat.
So gerät Henrietta an ihre erste Klientin: Annie. Annie hat Krebs und auch zuvor war ihr Leben nicht glücklich verlaufen. Alles, was Annie bereit ist, Henrietta zu erzählen, klingt lückenhaft. Henriettas Ansprüchen zufolge fehlen viel zu viele Details, als dass sie aus Annies Erzählungen ein Lebensbuch schreiben könnte. Und dann sitzt Henrietta auch noch ihr Arbeitgeber mit seinen Fragebögen und Mitarbeitergesprächen im Nacken.
Jo Leevers macht die Annäherungen der beiden zurückhaltenden Frauen bildlich und greifbar. So unterschiedlich Henrietta und Annie auch sein mögen, so präsent ist bei beiden Frauen der Schmerz des bisher erlebten Lebens. Beide Frauen haben Verluste erlitten. Beide Frauen hadern mit den Umständen. Beide Frauen haben sich eingeigelt und versucht, mit ihrem Schicksal ganz allein klar zu kommen. Mit wem sollten sie das auch alles besprechen?
Café Leben erzählt von der Hilflosigkeit dieser Frauen, die die Lebensumstände mit sich bringen. Von der eigenen Machtlosigkeit und der Machtlosigkeit des Umfelds. Café Leben erzählt von Scham und davon, dass es einfacher ist, Dinge totzuschweigen, als zu benennen und auszusprechen. Und es erzählt davon, dass wenn über diese Dinge nicht gesprochen wird, für manche ein echtes, wirkliches Leben gar nicht möglich ist.
Die Themen wirken - klar benannt - vielleicht bedrückend. Doch Café Leben ist mit der Aufarbeitung der Lebensgeschichte so lebendig und bildhaft geschrieben, dass ich das Hörbuch am liebsten an einem Stück gehört hätte. Es war spannend zu verfolgen, wie sich die Details der Lebensgeschichten schlussendlich zusammenfügten.
Die Hörbuchsprecherinnen Nora Jokhosha, Tanja Fornaro und Heike Warmuth haben der jeweiligen Figur mit ihren Stimmen den notwendigen Nachdruck verliehen. Anhand der Stimme konnte ich immer gleich erkennen, wenn es einen Perspektivwechsel gab und in welcher Stimmung sich die Erzählende gerade befand. War Annie beispielsweise aufgeregt, bekam die Stimme einen helleren Klang. Ich hatte stets das Gefühl, dass ich direkt dabei war. Ich saß im Café, bei den Eltern, im Zug. Ich sah durch Henriettas Augen und fühlte mit Annie mit.
Es fällt mir schwer, mich von diesen Frauen zu trennen, da das Hörbuch nun zu Ende ist. Und doch hatte ich mir zum Schluss nichts sehnlicher gewünscht, als die Handlungen und Beweggründe dieser Frauen zu verstehen und hatte die Auflösung herbeigesehnt.
Fazit
Café Leben ist für alle, die gern Schicksalsromane lesen und an Menschen und deren Leben interessiert sind. Es geht um Trauer, ums Loslassen und darum, sich selbst ein Leben zu gestatten.
Lebensgeschichten
Lesemama am 01.02.2023
Bewertungsnummer: 1871010
Bewertet: Hörbuch-Download
Zum Hörbuch:
Henrietta lebt mit ihrem Hund Dave in London, sie führt ein sehr zurückgezogenes Leben und auf der Suche nach einem neues Job. Zufällig stieß sie auf eine Anzeige eines Hospiz die eine Schreiberin für das Projekt Lebensbuch suchten. Dort soll Henrietta Menschen helfen ihre Lebenserinnerungen zu schreiben.
Gleich an ihrem ersten Tag lernt sie Annie kennen und deren Leben ist mal ganz anders gelaufen als vermutet.
Henrietta hat den festen Willen, Annies Leben so genau wie möglich aufzuschreiben.
Meine Meinung:
Ich hörte das Buch als ungekürztes Hörbuch. Die Sprecherin hat eine sehr angenehme Stimme, der man gerne zuhört. Die Geschichte ist sehr berührend erzählt. Alleine schon die Idee des Lebensbuchs finde ich schön und dann noch der Namen des Cafés in dem Henrietta die Interviews führt: Café Leben.
Henrietta hat Probleme ihre Gefühle zu zeigen, wahrscheinlich eine Art Autimus, aber sie ist sehr penetrant wenn sie eine Aufgabe hat, darunter muss Annie dann leiden, die mehr erzählt als sie eigentlich erzählen möchte. Auch Henriettas Leben hat einige Geheimnisse die nach und nach zur Sprache kommen.
Die Geschichte ist sehr einfühlsam erzählt und hat mich sehr berührt. Ein besonderes Hörerlebnis, was noch lange nachwirkt.
Meinung aus der Buchhandlung
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Immer wieder kommt es vor, dass mich der Klappentext eines Buches fesselt, weil bestimmte Schlagwörter eine magnetische Anziehungskraft auf mich ausüben: Berge, Versagen und Tod. Letzteres allerdings nie im Zusammenhang mit Mord und Totschlag, also nicht mit Krimis, sondern es geht eher um den Umgang mit dem Tod und dem Sterben, so wie es z.B. bei Irvin D. Yalom der Fall ist, der zu meinen absoluten Lieblingsautoren zählt.
Da ist es nicht verwunderlich, dass ich auf “Cafe Leben” aufmerksam geworden bin, schließlich geht es darum, dass die verschlossene Henriette im Cafe eines Krankenhauses Geschichten todkranker Menschen aufschreiben soll. Auf einen Schlag habe ich also zwei Schlagwörter abgehandelt, denn Henriette sieht sich selbst als Versagerin.
“Cafe Leben” ist ein sehr berührendes Buch, das den Tod nicht schonungslos ins Rampenlicht zerrt, ihn aber allgegenwärtig macht. Manche möchten vielleicht eine Triggerwarnung für die Themen Krebs und Tod, andere möchten es vielleicht gerade deswegen lesen. Ich selbst habe das Buch etwa ein halbes Jahr, nachdem ich eine nahe Angehörige verloren haben, gelesen und ich habe es als sehr schön empfunden, über all diese Emotionen, die mit dem Tod einhergehen, zu lesen.
Der Roman von Jo Leevers ist auch ein Buch, das Mut macht. Es zeigt, dass der Tod endgültig ist, aber dass Erinnerungen an den Menschen bleiben. Es vermittelt auch, dass sehr viele andere Dinge eben nicht endgültig sind, Heilung Zeit braucht und auch kleine Schritte große Veränderungen mit sich bringen können.
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Henrietta lebt zurückgezogen und schreibt im Hospiz „das Lebensbuch“ für Sterbenskranke. Dort trifft sie auf Annie. Annie erzählt ihr, ihr Leben, ihr Schicksal und was passiert ist, und unter den Teppich gekehrt wurde. Henrietta bringt so einiges ans Tageslicht. Berührend, man weiß, wo die Reise hingeht. Doch die Geschichte von Annie hat mich sehr berührt, auch Henrietta hat einiges aus ihrer Kindheit aufzuarbeiten. Wunderschöne Idee. Man lebt für die nachkommenden weiter. Leseempfehlung, schönes Buch mit Tiefgang.
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