Douglas Stuart gewinnt mit »Shuggie Bain« den Booker Prize 2020»Ein Debüt, das sich wie ein Meisterwerk liest.« The Washington PostShuggie ist anders, zart, fantasievoll und feminin, und das ausgerechnet in der Tristesse und Armut einer Arbeiterfamilie im Glasgow der 1980er-Jahre, mit einem Vater, der virile Potenz über alles stellt. Shuggies Herz gehört der Mutter, Agnes, die ihn versteht und der grauen Welt energisch ihre Schönheit entgegensetzt, Haltung mit makellosem Make-up, strahlend weißen Kunstzähnen und glamouröser Kleidung zeigt – und doch Trost immer mehr im Alkohol sucht. Sie zu retten ist Shuggies Mission, eine Aufgabe, die er mit absoluter Hingabe und unerschütterlicher Liebe Jahr um Jahr erfüllt, bis er schließlich daran scheitern muss.Schauspieler Mark Wascke interpretiert die Geschichte über das Elend der Armut und die Beharrlichkeit der Liebe – tieftraurig und zugleich von ergreifender Zärtlichkeit.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Leiraya
5/5
03.01.2022
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Klasse Literatur - aber sicher nicht jedermanns Sache
Ein Roman der so ganz anders ist. Schon das Cover hat mich neugierig gemacht, was dieser kleine Junge wohl zu seiner Mutter sagt. Und sehr verwunderlich beginnt auch dieses Buch. Man hört sehr deutlich den Slang Glasgows, gleichwohl es eine deutsche Übersetzung ist. Aber man muss sich zunächst etwas daran gewöhnen.
Shuggie ist ein sehr ungewöhnlicher kleiner Junge der sich hauptsächlich um das Wohlergehen seiner Mutter sorgt. Und es ist beachtlich, was er dabei alles beobachtet, welche Feinheiten er in ihrem Verhalten bemerkt und sich danach richtet, um sie vom Alkohol fernzuhalten oder zumindest ein “Funktionieren“ der Familie zu ermöglichen. Sehr deutlich werden die schwierigen Umstände der 80er Jahre in Glasgow und auch der Familie, die sehr stark unter dem Alkoholkonsum der Mutter aber auch der Trostlosigkeit der ehemaligen Minenarbeiter und Armut der damaligen Zeiten leiden.
Sprachlich ist das Buch auch auf deutsch ein wahrer Genuss. Allerdings verstehe ich, dass es nicht jedem zusagt. Denn dieses Spezielle, Englische der niedrigsten “Klasse“ ist in unsrer Sprache und Kultur nicht wirklich erfahrbar oder vergleichbar. Wer das nicht kennt, für den ist es vermutlich etwas befremdlich.
Als Hörbuch ist es sehr angenehm zu hören und der Sprecher macht seine Sache fabelhaft. Er bringt Emotionen gut zur Geltung und weiß es, betont und gekonnt seine Stimme einzusetzen, um die Figuren unterscheidbar zu machen.
Kein Buch für jedermann, allein schon von der Thematik her. Für Britophile Hörer- oder Leser:innen, die sich gern auch der untersten Klasse annehmen, ein wahrer Genuss.
Bewertung
5/5
09.11.2021
Hörbuch-Download (MP3)
Verlorene Kindheit, verlorene Träume
Ich weiß nicht wann ich zuletzt ein Buch gelesen habe, das mich derart aufgewühlt hat. Ich war mehrfach kurz davor das Hörbuch abzubrechen. War wütend und traurig. Dachte, dass ich so Shuggies Geschichte ungeschehen machen könnte, indem ich sie einfach ignoriere. Harte Worte, ich weiß, denn Shuggie sollte unbedingt gehört werden. Seine Geschichte und sein Schicksal müssen erzählt werden. Shuggie Bain ist ein Buch, das mich an meine emotionalen Grenzen gebracht hat. Sehr schmerzhaft und hoffnungslos und doch fesselnd. Eine Triggerwarnung wäre aber auf jeden Fall angebracht gewesen.
Glasgow, 80er Jahre: Douglas Stuart erzählt die Geschichte des jungen Shuggie Bain, der in der Monotonie und Tristesse der Arbeitersiedlung aufwächst. Es ist eine Zeit geprägt von Arbeitslosigkeit und Armut, in der Menschen wie der herzensgute Shuggie und seine alkoholkranke Mutter Agnes von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, weil sie in ihr schlichtweg keinen Platz haben. Während Shuggies Vater jedem Rockzipfel der Stadt nachjagd und seine Familie vernachlässigt ist es Shuggie selbst, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, seine wunderschöne Mutter zu retten.
Douglas Stuart verarbeitet in seinem Drama auch seine eigene Familiengeschichte und Kindheit. Der Autor schildert schonungslos und ohne beschönigende Worte die furchtbare und zu Tränen rührende Situation, in der sich der zarte und feminine Shuggie befindet. In der Schule wird Shuggie schwer wegen seines "Anderssein" gemobbt. Gewalt steht an der Tagesordnung. Zu Hause muss Shuggie beobachten, wie sich seine Mutter erniedrigt, um an Geld zu kommen und dabei immer mehr in einem Sumpf aus Alkohol und Depression versinkt. Und trotz allem ist Shuggies Liebe zu seiner Mutter unerschütterlich. Es ist eine ganz besondere Mutter-Sohn-Beziehung, an der uns Douglas Stuart über einen Zeitraum von 10 Jahren teilhaben lässt. Ein jahrelanges Auf und Ab, ein Wandeln zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Aufwühlend, berührend und traurig.
Zum Schluss möchte ich noch den besonderen Schreibstil von Douglas Stuart bzw. die gelungene Übersetzung ins Deutsche hervorheben. Der verwendete schottische Arbeiterslang verleiht der Erzählung eine unglaubliche Authentizität. Hier muss ich auch ein großes Lob an Mark Waschke, welcher das Hörbuch eingelesen hat, aussprechen. Ich habe zwar eine Zeit lang gebraucht, um mich an den verwendeten Dialekt zu gewöhnen, fand das Hörbuch dadurch aber unglaublich intensiv und mitreißend.
Fazit:
Gewalt, Mobbing, Missbrauch, Depression
Alkoholsucht, Arbeitslosigkeit und die Perspektivlosigkeit in Schottlands 80er Jahren. Shuggie Bain ist Milieustudie und Familiendrama in gleichem Maß. Douglas Stuart erzählt schonungslos und mit einer unglaublichen Intensität die Geschichte des jungen Shuggie Bain, der selbst als "Schwuchtel" gemobbt, verzweifelt versucht seine geliebte, alkoholkranke Mutter Agnes zu retten.
Shuggies Geschichte verdient es gehört zu werden, dennoch kann ich nur eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen. Es sind bedrückende Themen, die hier angesprochen werden und die durchaus triggern können.
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
4/5
04.09.2021
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Wenn der Alkohol alles zerstört
Glasgow, in den 80er Jahren: Shuggie Bain, Lieblingskind von Agnes, der Trinkerin, wächst hier im Arbeiterviertel in Armut auf. Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit prägen das Leben der Arbeiter in Glasgow. Huggies Vater hat schon lange die Flucht ergriffen: Anfänglich von Agnes Schönheit geblendet, hat er längst begriffen, dass er ihr nicht helfen kann. Unterhalt zahlt er nicht - und so landen Agnes, ihre zwei Kinder aus erster Ehe und dem gemeinsamen Kind Shuggie in der Sozialwohnungssiedlung. Agnes versäuft das Geld von der Stütze am ersten Tag nach Erhalt und für Essen bleibt den Kindern nichts mehr. Wenn das Geld alle ist, macht Agnes sich schön, pflegt sich, zieht ihren schönen Pelz aus alten Tagen an (der Pfandleiher wollte den nicht haben) und macht sich auf dem Weg um einen Mann zu suchen, der ihr einen Drink spendiert.
Shuggies ältere Geschwister Kath und Leek ziehen aus, und so ist es an Shuggie sich um seine Mutter zu kümmern. Er, der anders ist als andere Jungs, feminin mit weichem Gang, versucht auf seine Mutter aufzupassen. Er schwänzt die Schule, beschützt sie vor aufdringlichen Männern die an die Tür klopfen, wischt ihr Erbrochenes auf und bringt sie ins Bett. Doch Shuggie gibt nicht auf: Das Wohlbefinden seiner Mutter ist für Ihn das erste Gebot…
Es ist ein Buch über bedingungslose Liebe, Sucht und Abhängigkeit und deren Auswirkungen auf alle Familienmitglieder.
Shuggie Bain ist der Romandebüt von Douglas Stuart, der hier die eigene Geschichte seiner alkoholkranken Mutter erzählt, ausgezeichnet mit dem Booker Preis 2020.
Mir persönlich hat die tieftraurige Geschichte gut gefallen, lesenswert, aber nicht mein Lesehighlight des Jahres.
brauneye29
aus Wachtendonk
3/5
31.08.2021
Hörbuch-Download (MP3)
Milieustudie
Zum Inhalt:
Shuggie sieht es als seine Mission, seine Mutter zu retten, die immer in den Alkoholismus abgleitet. Denn sie ist die Person, die ihn versteht und er würde alles für sie tun. In der Armut der Arbeiterfamilie im Glasgow der achtziger Jahre stellt sich das aber alles andere als einfach da und der Vater ist auch nicht gerade eine Hilfe.
Meine Meinung:
Was mir an diesem Buch sehr gut gefallen hat, ist wie das ganze Milieu beschreiben wurde. Man konnte förmlich spüren, wie die Stimmung in der Zeit war und wie schwer es die Familien in bestimmten Kreisen geht. Ich hätte mir aber gewünscht, dass das die Charaktere von Shuggie, der Mutter und dem Vater etwas ausdrucksvoller gestaltet worden wären. Die waren mir dann doch an der ein oder anderen Stelle ein wenig zu flach, somit kann ich den Hype nicht ganz verstehen. Ich hatte das Buch als Hörbuch und der Sprecher hat mir gefallen und er passte auch gut zur Geschichte.
Fazit:
Milieustudie
Elina Z.
5/5
31.12.2024
Buch (Taschenbuch)
Tiefergreifend
Der Roman wird uns aus der Perspektive eines Kindes namens Hugh oder nur Shuggie gezeigt. Eines Kindes, das seine Mutter Agnes liebt und alles für sie tut, damit sie glücklich wird. Meistens braucht Agnes dafür nur Alkohol. Für alles andere gibt es kein Geld mehr. Nicht mal fürs Essen. Shuggie ist das jüngste Kind, er beobachtet, wie seine Geschwister Familie verlassen und danach sich nie melden. Es gibt keinen Ausweg, es kommt keine Hilfe. Und das ist das Tragische in diesem Roman, der uns schmerzlich die Wahrheit mancher Familien zeigt. Denn es gibt ja solche Familien.
Während Shuggie älter wird, ändert er nie seine Meinung bezüglich Agnes. Er wächst im Glauben auf, dass wenn er brav bleibt, muss seine Mutter nicht mehr trinken. Sein Platz ist immer bei ihr. Er kann sie nicht allein lassen. Und er hofft auf die bessere Zukunft, weil Hoffnung das einzige ist, was er hat. Ohne Hoffnung würde er schon längst aufgeben.
Stuart beschreibt in seinem Roman eine besondere Mutter-Sohn-Beziehung, grausame Kindheit und Brutalität der Menschen. Kein Wunder, dass das Buch mit Booker Preis ausgezeichnet wurde. Denn „Shuggie Bain“ ist ein einzigartiger und tiefgreifender Roman über gestörte Familie, der nicht für jeden geeignet ist aufgrund schwerer Thematik.
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4/5
17.06.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Working class Glasgow vibe, ein...
Working class Glasgow vibe, ein bisschen wie bei Trainspotting, allerdings trister. Sozialrealismus der mitunter ins märchenhafte, selten auch ins Kitschige kippt. Übersetzung des Glasgow slangs virtuos, mir aber etwas zu künstlich. Insgesamt anrührend wenn auch etwas overhyped
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3/5
23.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Trostlose Stimmung ohne Langeweile
Eine schottische Bergarbeitersiedlung Anfang der 80er Jahre. Shuggie lebt dort mit seinem älteren Bruder und seiner alkoholkranken Mutter. Geldnot, Alkohol und schlechte Arbeitsverhältnisse sind an der Tagesordnung, das Leben ist bedrückend und trostlos.
Obwohl wir der Geschichte des heranwachsenden Shuggie folgen, fehlt der rote Faden. Die Szenen machen Zeitsprünge, sind oft zusammenhangslos, und trotzdem bleibt die Situation die Gleiche: Die Mutter gibt dem Alkohol nach, die Nachbarinnen zerreissen sich die Mäuler und der sensible Shuggie wird von seinen Mitschülern gehänselt. Während sein älterer Bruder das Problem der Mutter ignoriert, hat er aber weiterhin Hoffnung, dass es ihr besser gehen kann.
Die Geschichte ist so grau wie ihr Cover: trostlos und mit wenig Freude. Leider vor allem Anfangs auch anstrengend zu lesen, da der schottische/Glasgower Dialekt auch im Deutschen in Dialektform geschrieben ist.
Ich hätte mir mehr Nähe zum Titelhelden gewünscht und den Fokus mehr auf seinem Leben als auf dem seiner Mutter gesehen.
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