Harlem, 60er Jahre: die Geschichte eines einfachen Mannes, der so ehrlich wie möglich versucht aufzusteigen. Der neue Roman des zweifachen Pulitzerpreisträgers und Bestsellerautors Colson Whitehead
Eigentlich würde Ray Carney am liebsten ohne Betrügereien auskommen, doch die Einkünfte aus seinem Laden reichen nicht aus für den Standard, den die Schwiegereltern erwarten. Cousin Freddy bringt gelegentlich eine Goldkette vorbei, die Ray bei einem Juwelier versetzt. Doch was tun mit dem Raubgut aus dem Coup im legendären "Hotel Theresa" im Herzen Harlems, nachdem Freddy sich verdünnisiert hat? Als Polizei und Gangster Ray in seinem Laden aufsuchen, steht sein waghalsiges Doppelleben auf der Kippe. Der mitreißende Roman des zweifachen Pulitzer-Preisträgers Colson Whitehead ist Familiensaga, Soziographie und Ganovenstück, vor allem aber eine Liebeserklärung an New Yorks berühmtestes Viertel.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
10.01.2022
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Interessant
interessant, aber nicht meine Welt. Ein wenig zu episch. Die damalige Zeit war nicht sehr lustig.
Bewertung
aus Speyer
5/5
10.08.2021
eBook (ePUB)
Dieses Buch ist so vieles … vor allem aber eins: lesenswert
„Harlem Shuffle“ war mein erster Colson Whitehead – vermutlich aber nicht der letzte und das hat einige Gründe, beginnen wir mit einer Handlungsskizze:
Die Geschichte spielt in den 1960er Jahren im New Yorker Stadtteil Harlem. Hier begegnet der Leser Ray Carney, einen „unter seinesgleichen“ angesehenen Ladenbesitzer, aber eben „nur“ unter Schwarzen, denn es gibt eine klare Rassentrennung im New York der 1960er Jahre. Ray käme gern ohne Schmu klar, aber dann reicht es hinten und vorne nicht für das, was von ihm erwartet wird. Also verkauft er auch Hehlerware – bis eines Tages sein Cousin richtig heiße Ware vorbeibringt, sich verkrümelt und Ray damit alleinlässt. Es dauert nicht lange, bis sich diverse (nennen wir sie) „Interessengruppen“ (vulgo Krimininelle und Polizei) für Ray interessieren und Rays Existenz bedrohen.
Was für eine Art von Geschichte ist „Harlem Shuffle“ denn? Eine mit vielen Aspekten … zunächst trifft der Titel es auf den Kopf: Es geht um den „Rhythmus Harlems“, das Lebensgefühl dort in den 1960er Jahren. Das wird exemplarisch an Ray, seiner Familie und seinen Erlebnissen entfaltet: Es geht um Schwarze, um das sich Emporarbeiten, Stolz auf seine Leistungen, Angst vor bzw. Kampf gegen Abstieg oder Fall … Der Verlag beschreibt es treffend als „Familiensaga, Soziographie und Ganovenstück, vor allem aber eine Liebeserklärung an New Yorks berühmtestes Viertel“. Man kann es kaum besser umschreiben. Es geht um Rays Ursprungsfamilie, wie er sich hochgekämpft hat, um Rays eigene Familie, den Druck, den er von der Familie seiner Frau verspürt, seinen Willen, ihr und den Kindern mehr zu bieten als mit legalen Mitteln und Anstrengungen möglich. Deutlich wird daran, dass es mehr gab als die Rassentrennung zwischen Schwarz und Weiß, nämlich auch sowas wie Diskriminierung unter Schwarzen von den etwas besser Gestellten. Dabei gestaltet Whitehead seinen Protagonisten Ray durchweg sympathisch: Er ist einer, der sich hochkämpft, abschließen will mit kriminellen Machenschaften, aber wegen seiner Komplexe in Richtung seiner Schwiegerfamilie auch immer auf Messers Schneide balanciert; sich selbst aber auch immer hinterfragt; jemand, der es letztlich allen recht machen will und dabei selbst am meisten zu verlieren hat; ein bisschen Schlitzohr und ein bisschen tragischer Held. Zur Seite stellt er Ray zahlreiche Figuren und entfaltet die Geschichte über die Zeit von 1959 bis 1964 mit Rückblenden in die Vergangenheit; nicht eben unkomplex aber immer gut nachvollziehbar. Woran es liegt, kann ich nicht genau festmachen, vielleicht an der offensichtlichen Begeisterung und Liebe, die Whitehead für seine Geschichte mitbringt. Vermutlich ist sie es, die die Geschichte, die nach „schwerer Kost“ klingen könnte, zu einem absoluten Lesevergnügen macht, denn sie macht Hoffnung, dass heute wo „Black Lives Matter“ eine nicht kleine Bewegung ist, sich etwas zum Guten verändern könnte – denn es gelang in Whiteheads Geschichte im Kleinen ja schon in einer deutlich schwierigeren Zeit. Hinzu kommt Whiteheads Sprache, die abwechslungsreich (allein die unterschiedlichen „Stilarten“ innerhalb der Schwarzen haben zahlreiche Facetten), extrem präzise und doch literarisch und bildreich ist. Ein durchaus politisches Buch, das so unterhaltsam ist, hat echten Seltenheitswert! Ich bin begeistert und schreibe jetzt nichts mehr, damit so viele Menschen wie möglich schnellstmöglich beginnen, dieses wichtige Buch zu lesen.
Bewertung
aus Luckenwalde
4/5
21.11.2021
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Leben in Harlem
"Harlem Shuffle" von Colson Whitehead erzählt hier die Geschichte des Möbelhändlers Ray Carney. Eigentlich ist es aber auch die Geschichte eines Stadtteils und des Lebensgefühls dort. Beschrieben werden die Jahre 1959 - 1961 - 1964 aus der Sicht von Ray.
Der Vater von Carney hat sein Geld nicht auf ganz legale Weise verdient, aber Carney will raus aus dem Milieu. Er hat eine Familie und will sich ein besseres Leben aufbauen. Der Zeitgeist, die Kriminalität, der Rassismus, das alles kommt sehr gut raus in der Beschreibung von Carneys Alltag.
Sein Cousin Freddie bringt ihm aber immer mal wieder Dinge aus Diebstählen, um sie zu Geld zu machen und Familie ist immer noch das Wichtigste. Deshalb kommt er nie so ganz raus aus dem Kreislauf, obwohl er sich bemüht stets ehrlich und auch menschlich zu bleiben.
Es ist ein ruhiges Buch, mit langen und gründlichen Beschreibungen, Spannung oder Action gibt es nur am Rande, aber der Autor versteht es trotzdem einen in die Geschichte zu ziehen. Man kann sehr gut nachvollziehen, wie sich Ray und sein Umfeld persönlich verändert haben und auch die komplette Stadt und die Stimmung dort. Ich empfand es als sehr interessante Lektüre, die mir den Zeitgeist näher brachte.
Birgit
aus Wien
4/5
23.09.2021
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Porträt Harlems
Colson Whitehead zeichnet ein Porträt Harlems, wie es kaum ein anderer kann. Er nimmt die Leser:innen mit auf eine Reise in eine den meisten wohl fremde Welt, die zwar schon oft dargestellt wurde, aber noch nie so realistisch und lebensnahe wirkte. Er schafft es zu zeigen, wie hart der Alltag in den Straßen dieses Stadtteils ist, in dem Gangs über das Leben aller herrschen und ihre Finger sogar in der Wirtschaft mit drin haben. Dabei schafft er es, dass es nicht, wie so viele andere Werke, nur schockierend und "mitleidssuchend" wirkt, sondern gleichzeitig auch positive Aspekte dieses Lebens zeigt - den Zusammenhalt unter der schwarzen Bevölkerung und vieles mehr.
Whitehead weckt mit diesem Buch gemischte Gefühle in den Leser:innen, am Ende möchte man dieses Harlem selbst erleben, gleichzeitig ist man froh, dass man all das nicht erleben muss. Eine Stimmung, die schwierig zu erreichen ist, aber umso schöner und magischer auf die Leser:innen ist. Eine Stimme, die scheint, als würde sie genau aus diesem Harlem kommen.
Harlem Shuffle schlägt vielleicht nicht so ein wie "Die Nickel Boys" und lässt die Leser:innen nicht so geschockt zurück, ist aber auf jeden Fall auch wichtig und lesenswert.
Jaleki
4/5
17.08.2021
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Unterhaltsam
Colson Whiteheads neuer Roman entführt die Leser nach Harlem, NY in den frühen 60ern. Er zeichnet ein unglaublich lebendiges Bild dieses Stadtteils, fast hat man das Gefühl Harlem zu hören, zu riechen und die kleinen und großen Ganoven der Stadt selbst zu beobachten.
Ray Carney ist einer von ihnen, auch wenn er das selbst nicht so ganz wahrhaben will. Er ist Besitzer eines (halb) legalen Möbelgeschäfts und wird durch seinen Cousin Freddie immer mehr in zwielichtige Geschäfte hineingezogen.
Carneys Gedankengänge und eine gewisse Situationskomik haben mich immer wieder zum Lachen gebracht, der ganze Roman und die Atmosphäre und Gestaltung erinnerten mich phasenweise sehr an Pulp Fiction :)
Andererseits versteht es Whitehead (Alltags-)Rassismus und soziale Ungerechtigkeit auf den Punkt zu bringen, vermittelt die Wut von Harlems Bürger in einer erschreckenden Weise, dass sie auch auf den Leser überspringt.
Verglichen mit Underground Railroad oder Nickelboys, war dieser Roman allerdings eher leichtere Kost, zwar durchaus sehr unterhaltsam, er wird mir aber nicht ganz so lange im Kopf bleiben wie dessen Vorgänger.
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4/5
30.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lebst du noch oder dealst du schon?...
Lebst du noch oder dealst du schon? In „Harlem Shuffle“ erzählt Colson Whitehead die Geschichte eines einfachen Mannes im New York der sechziger Jahre und zeichnet dabei ein Sittenbild Amerikas.
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4/5
18.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von Kriminellen, Cops und Couchgarnituren
Wenn man als bislang einziger Mensch zwei Mal den Pulitzer Preis gewinnt und das noch innerhalb von gerade einmal vier Jahren, steigt die Erwartungshaltung auf den nächsten Roman gleich enorm. Colson Whitehead entgeht dieser beachtlichen Fallhöhe, indem er seinen zentralen Themen zwar treu bleibt, ihnen aber einen gänzlichen neuen Stil und Sound verpasst:
Ray Carney betreibt einen ganz ordentlich laufenden Möbelladen, mitten im Harlem der 1960er Jahre. Sein Leben verläuft in verhältnismäßig geregelten Bahnen, vor allem wenn er es mit dem seines Vaters vergleicht, der als Schläger und Geldeintreiber zu den berüchtigsten Kriminellen New Yorks zählte. Doch diese familiäre Prägung scheint ihn einzuholen, als sein Cousin ihn ungefragt als Hehler für einen großangelegten Hoteldiebstahl mit ins Boot holt.
In „Underground Railroad“ und „Die Nickel Boys“ stand Rassismus in seinen verschiedenen Ausprägungen im Mittelpunkt von Whiteheads prämierten Romanen. Dieses Mal sind die Unruhen und Aufstände der 60er, ausgelöst von nicht geahndeten Polizistenmorden an schwarzen Jugendlichen mehr der zeithistorische Rahmen, in dem er seine Geschichte ansiedelt. Im Zentrum steht Rays Suche nach einem Weg, aus dem scheinbar vorgezeichneten Weg eines Lebens in Armut und Abhängigkeit auszubrechen – für sich und seine Familie. Dabei wandelt er schon bald gefährlich lang auf der Schneide zwischen der Legalität seines immer stärker florierenden Möbelhandels und dem scheinbar so viel einfacher zu erzielendem Gewinn aus Hehlergeschäften und damit der verbrecherischen Vergangenheit seines Vaters.
Der Ton, den der in Manhattan aufgewachsene Autor anschlägt, ist um einiges leichter und heller als bei den Vorgängern, erinnert mitunter auch vom Erzählfluss an Michael Chabon. Teils Familien-, teils Ganovengeschichte erschafft Whitehead bestes Kopfkino von Harlem und seinen zahlreichen schillernden Persönlichkeiten, vermischt individuelles Schicksal mit sozialpolitischen Umbrüchen eines ganzen Jahrzehnts. Temporeich, intelligent und sehr unterhaltsam – Erwartungshaltung umgangen und eine neue Facette hinterlassen.
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