Der Gründungsmythos unseres Kontinents ist unauflöslich mit der sagenumwobenen griechischen Insel Kreta verbunden: In Gestalt eines weißen Stiers entführt der verliebte Göttervater Zeus die phönizische Königstochter Europa über das Meer und setzt sie erst wieder an der Küste Kretas ab. Sie gebiert ihm drei Söhne - Minos, Rhadamanthys und Sarpedon -, die ihrerseits als bedeutende Gestalten der griechischen Mythologie auftreten. Vom Namen des Minos, der als König auf Kreta herrscht, leitet sich jener der minoischen Hochkultur ab (3000-1450 n. Chr.), deren reiches archäologisches Erbe noch heute auf Kreta zu bewundern ist. Die Paläste der Minoer werden schließlich von mykenischen Griechen eingenommen. Doch auch ihre Herrschaft versinkt gegen Ende des 2. Jt. n. Chr. in schriftloses Dunkel, ehe sich seit dem 8. Jh. n. Chr. eine neue Kultur in einer Vielzahl von Gemeinden mit differenzierter Gesellschaftsstruktur und bald auch einem entwickelten Rechtswesen herausbildet. Auch wenn die Vorherrschaft einzelner Städte auf Kreta in den folgenden Jahrhunderten mehrfach wechselt und schließlich die Insel unter den Römern - nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal - zum Objekt einer Fremdherrschaft wird, so bleibt sie doch stets ein bedeutender Faktor der antiken Welt. Kretas wechselvolle Ereignisgeschichte und seine kulturgeschichtliche Vielfalt läßt Angelos Chaniotis in diesem Buch wieder lebendig werden.
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Kurzweilig und informativ!
Bewertung aus Panketal am 20.07.2021
Bewertungsnummer: 1567571
Bewertet: eBook (ePUB)
Das Buch gibt eine schöne Zusammenfassung der Highlights der Geschichte Kretas. Ich habe das Buch an einem Nachmittag am Pool verschlungen und mir am nächsten Tag das archäologische Museum in Heraklion angeschaut.
Meinung aus der Buchhandlung
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Kreta ist heute eine der beliebtesten Urlaubsinseln der Deutschen und Österreicher/innen. Kaum eine andere Insel kann so problemlos von deutschsprachigen Flughäfen mit großer Intensität angeflogen werden. Das aber auch in früher Zeit, mit den Mitteln jener Tage, schon sehr gern besuchte Land hat aber nicht nur mit Touristen im Sommer zu kämpfen. Die Insel im Mittelmeer kann auf eine sehr reichhaltige Geschichte zurückblicken, welche über 6000 Jahre vor unserer Zeit liegt. Der hier vorliegende Band der „Beck Wissen“ Reihe gibt einen sehr guten Überblick darüber.
So erfährt man bereits zu Beginn, dass die früheste bekannte Hochkultur jener Zeit, die Minoer in der Bronzezeit, schon Wörter verwendet haben, die es noch bis in unsere moderne Welt geschafft haben. Die Begriffe „Labyrinth“ - also ein Irrgarten mit verschiedenen Lösungsbewältigungen - geht auf jene Kultur zurück. Auch die Bezeichnung „Hyazinthe“ - die gerne gemochte Blume für jedweden Anlass - ist auf die Minoer sowohl als Züchtung als auch als Begriff zurückzuführen.
Die Insellandschaft ist übersäht mit einer Vielzahl an antiken Bauwerken, die noch bis heute ins Staunen versetzten. Der älteste uns bekannte Thron der Menschheit steht in Knossos, einer der größten Palastanlagen der Welt. Bereits vor 6000 Jahren wurden hier nachweißlich Gesetze erlassen, die langen Bestand hatten. Gesellschaftliche Strukturen vor so langer Zeit sind noch bis in unsere moderne Welt bekannt. Selbst die Grundiee, von einem einzelnen Gebäude aus hier eine größere Menschenmenge zu organisieren, geht vermutlich auf die minoische Gesellschaft zurück.
Im Laufe der Zeit haben unterschiedliche Hochkuluren auf Kreta gelebt und ihre Spuren hinterlassen. Was wirkich interessant für mich zu lesen war, war die Tatsache, dass noch bis in die Zeit der Venezianer vermutlich noch große Teile der Insel bewaldet waren. Dadurch waren viele Menschen der Antike in völlig anderen Berufen beschäftigt als heute. Das reichte von verschiedenen Arten der Holzfällerei, über den Schiffsbau bis hin zu Zuliefern, die nur die Rohstoffe brachten. Heute wären das vermutlich Logistiker, damals allerdings in viel kleinerem Maßstab als jetzt.
Die minoische Kultur an sich, auch das war mir neu, ist nicht ein geschlossenrer Lebensraum. Viele auf der Insel lebende Bewohner hatten eigene Kleinststaaten und waren nicht einem zentralen Herrscher unterstellt. Ähnlich wie auf dem griechischen Festland die Stadtstaaten verwalteten sie sich weitestgehend selber. Auch den großen Kriegen jener Zeit beteiliten sie sich nicht. Der Peloponsische Krieg etwa wurde von Festlandgriechenland aus geführt, aber die einzelnen kretanischen Stämme haben sich nicht daran beteiligt. Auch das war mir völlig neu.
Der Schwerpunkt liegt natürlich auf der Minoischen Kutlur, aber auch andere Herrscher der Insel Kreta kommen immer wieder vor. Die hellenistische Zeit wird ebenso beleuchtet wie die Zeit der römischen Herrschaft. Diese hatte ein lange Zeit des Friedens zur Folge, welche bis zu deren Ende andauerte. Frühe Fromen der Schrift (Linea B) werden hier ebenfalls schon sehr bald eingeführt. Das Buch ist wirklich interessant, und völlig ohne Vorkenntniss zu lesen! Einige Karten zur Orientierung und Abbildungen verganger Herrscher runden das Buch ab.
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