Meine letzte RezensionStark im Kopfvon Werner Katzengruber
Man merkt es ja an allen Ecken und Enden: Der Druck im Berufsleben steigt. In einer Welt, die auf Gewinnmaximierung und maximale Leistungserbringung ausgelegt ist, werden immer mehr Menschen psychisch krank. Gerade in Zeiten der Pandemie, als viele soziale Kontakte wegfielen und sich Arbeitsabläufe zunehmend nach Hause verlagerten, wurde vieles zwar einfacher. Der Nachteil dieses veränderten Arbeitsumfelds liegt jedoch klar auf der Hand: die fehlende Trennung zwischen beruflichen und privaten Tätigkeiten. Man kann nicht mehr wirklich abschalten – es sei denn, man ist im Urlaub und nicht mobil erreichbar.
Genau an diesem Punkt setzt das aktuelle Buch des deutschen Psychologen, Coaches und Erwachsenentrainers Werner Katzengruber an, das hier vorliegt.
Mit wirklich einfach nachzumachenden Übungen und praxisnahen Selbsttests gelingt es ihm, einem den sprichwörtlichen Spiegel vorzuhalten. Wie kann es mit möglichst wenig Aufwand wieder gelingen, mit sich selbst ins Reine zu kommen? Gerade in Zeiten permanenter Erreichbarkeit sind es die Momente, die man für sich selbst hat und die einem helfen, wieder zu sich selbst zu finden. Mentale Stärke ist zu einer wichtigen Kraft geworden, die nicht die Gesellschaft an sich, sondern einen selbst zusammenhält.
Es ist wirklich schwierig, sich immer besser auf eine einzelne Sache – wie etwa das Lesen des hier vorliegenden Buches – zu konzentrieren, wenn man permanent erreichbar sein soll. Doch nicht das Ausschalten des Dienstsmartphones oder das Stummschalten einer Videokonferenz ist die Lösung dafür, davon ist Katzengruber überzeugt.
Die Verbesserung der psychischen Gesundheit beginnt in einem selbst. Nur wenn man an sich arbeitet und versucht, sich vom Alltagsdruck sowie den täglich schlechten Nachrichten gekonnt zu distanzieren, gelingt es einem, sich auch nach offiziellem Dienstschluss auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren. Was das ist, kann für jeden Menschen etwas anderes sein – so lautet sein Credo. Für die einen sind es Familie und Freunde, für andere das Ausleben eines Hobbys wie Schwimmen, Radfahren oder das Spielen eines Instruments.
Diese Erkenntnis ist an sich nicht ganz neu. Dennoch muss man sich dieser Tatsache erst einmal wieder bewusst werden. Durch die gut lesbaren Selbsttests, die durch Katzengrubers Buch führen, gelingt das viel einfacher, als es auf den ersten Eindruck erscheinen mag.
Ein wirklich toll zu lesender Coaching-Ratgeber, der einem mit ganz einfachen Mitteln und Übungen zeigt, wie es wieder gelingen kann, den Kopf vom Druck, Stress und Lärm des Alltags freizubekommen und einfach wieder etwas Zeit für sich selbst zu finden. Herr Katzengruber hat mir durch sein Buch wirklich einfache Werkzeuge in die Hand gegeben. Sie zeigen, wie es mir als Durchschnittsmensch gelingen kann, ohne den Besuch eines teuren Coachingseminars, eine lange und intensive Weltreise oder den kompletten Ausstieg aus dem Berufsalltag in Form eines „Sabbaticals“ dem Alltag wieder etwas von seiner Geschwindigkeit zu nehmen – bevor es für viele von uns zu spät ist.
Es sind geniale, einfache Ideen ohne großen Aufwand und ohne kostenintensive Ausflüge. Auch das völlige Weglassen von fachlichem Kauderwelsch beim Lesen des Buches ist eine Gabe, die nicht jeder so gut beherrscht wie Herr Katzengruber es hier vormacht. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung.