Meine letzte RezensionStonehenge - Die Kathedrale der Zeitvon Ken Follett
Gleich vorweg: Eigentlich bin ich ein großer Fan dieses Autors. Seine Bücher „Säulen der Erde“, „Die Nadel“ oder auch „Der Schlüssel zu Rebecca“ gehören zu den wenigen historischen Romanen, die ich im Abstand von ein paar Jahren mehrmals gelesen habe. Fundiertes Wissen über die echte Historie und das Ganze verpackt in einer spannenden Geschichte ist eine hohe Kunst, die eigentlich nur sehr wenige Autoren wirklich gut beherrschen. So dachte ich auch über das aktuell vorliegende Buch von Herrn Follett zunächst nur das Beste. Auch die Idee, einmal geschichtlich noch weiter als ins Mittelalter oder ins 20. Jahrhundert zurückzugehen, gefiel mir zunächst sehr.
Diesmal versucht er sich an einem noch älteren Stoff, nämlich den frühesten Überlieferungen in England. Es geht um nichts Geringeres als einen der ältesten uns bekannten Monolithen der Welt: Stonehenge. Dieses aus mehreren konzentrischen Kreisen bestehende Bauwerk im Norden Englands ist unterschiedlichen Quellen zufolge über 13.000 (!) Jahre alt und somit eines der ältesten von Menschen geschaffenen Bauwerke unserer Welt. Daher ist auch der Anspruch ziemlich hoch. Zumal in der Jungsteinzeit in Europa noch niemand lesen und schreiben konnte. Erst in der Neuzeit ist dies einem Großteil der Menschheit möglich. Somit ist viel von der hier erzählten Geschichte leider Erfindung und Vermutung.
Follett lässt daher verschiedene Kleingruppen und auch Einzelpersonen nach Stonehenge pilgern, um dort Rituale durchzuführen. Gerade in einer Zeit, in der noch keine globale Vernetzung möglich war, ist das schon für Menschen, die nur wenige Kilometer entfernt leben, eine halbe Weltreise, und sie müssen sich wirklich anstrengen, die Reise nicht gleich mit dem Leben zu bezahlen. Auch gehen sie, mir zu langatmig erzählt, profanen Dingen des Alltags nach. Sie haben Probleme, die aus heutiger Sicht komplett banal klingen, aber auch wenig mit den Menschen der Neuzeit gemein haben. Vieles liegt im Dunkeln, so auch einiges aus diesem historischen Roman, der sich mir leider nach knapp 200 Seiten immer noch nicht wirklich erschlossen hat.
In erster Linie wird der Konflikt zu Beginn der Sesshaftwerdung des Menschen zwischen Jägern und Sammlern (Waldmenschen), Hirten und Bauern in einer kleinen Geschichte beschrieben. Der Konflikt beginnt mit dem Besitzanspruch der Bauern auf Land. Gleichzeitig ist mit der Sesshaftwerdung und dem Ackerbau auch der Beginn der Unterdrückung und Ausnutzung der Frauen, der Beginn von Besitz an Land, Gier, Habgier und Krieg ein großes Thema.
Grundsätzlich eine interessante Idee, zeigt sie doch ein Bild einer Epoche, die schon lange vergangen ist. Vieles jedoch wird viel zu langatmig erzählt und konnte mich daher nicht wirklich abholen. Ich muss es leider wirklich sagen: Das ist bis jetzt der schwächste Band des Autors. Ich hoffe daher sehr, dass das bei einem zukünftigen historischen Abenteuer, das sicher wieder eine interessante Episode der Menschheitsgeschichte aufwirft, etwas spannender und unterhaltsamer aufbereitet wird. Schade drum.