Meine letzte RezensionUps, ich komme in die Schulevon Inke Hummel
Mit „Ups, ich komme in die Schule“ gelingt Inke Hummel ein wohltuend ehrlicher Blick auf den Schulstart – fernab von übertriebener Vorfreude und perfekter Einschulungsidylle. Während viele Kinderbücher rund um die Einschulung vor allem die Begeisterung über Schultasche, Federpennal und neue Hefte in den Mittelpunkt stellen, zeigt dieses Buch eine andere, oft viel realistischere Seite: Unsicherheit, Angst, Überforderung und Zweifel dürfen hier genauso Platz haben wie Freude und Neugier.
Die kleine Wildhilda ist genervt davon, ständig auf den bevorstehenden Schulstart angesprochen zu werden. Der berühmte „Ernst des Lebens“ klingt für sie nämlich alles andere als aufregend. Genau darin liegt die große Stärke dieses Buches: Es nimmt Kinder in ihren Gefühlen ernst. Wildhilda ist kein überzeichnetes Vorzeigekind, sondern ein ganz gewöhnliches Mädchen, das vor einer großen Veränderung steht. Dadurch können sich sowohl Kinder wieder finden, die dem ersten Schultag mit Begeisterung entgegenfiebern, als auch jene, die Sorgen oder Widerstände verspüren.
Besonders gelungen ist die Verbindung aus Vorlesegeschichte und Elternbegleitung. Immer wieder finden sich kleine Vorlese-Symbole, die auf Gesprächsanlässe hinweisen. Diese verweisen auf ergänzende Impulse und Fragen am Ende der Kapitel, mit denen Eltern leicht mit ihren Kindern über Gefühle, Erwartungen und Ängste sprechen können. Dadurch wird die gemeinsame Vorlesezeit zu wertvoller Beziehungszeit, die Kinder emotional auf diesen wichtigen Entwicklungsschritt vorbereitet.
Auch für Eltern bietet das Buch einen echten Mehrwert: Die einzelnen Gefühle und Situationen werden zusätzlich erklärt und eingeordnet, ohne belehrend zu wirken. Viele der kleinen Alltagsszenen rund um Wildhilda sorgen dabei immer wieder für ein Schmunzeln und machen die Geschichte besonders nahbar.
Ein kleiner Kritikpunkt ist allerdings das häufig verwendete Schriftdeutsch. Gerade für österreichische Familien wirken Begriffe wie „Eimer“ statt „Kübel“, „Rosenkohl“ statt „Kohlsprossen“ oder „Treppe“ statt „Stiege“ stellenweise ungewohnt und können den Lesefluss etwas erschweren. Eine österreichische Ausgabe wäre hier durchaus eine schöne Idee.
Trotzdem schafft das Buch einen gelungenen Spagat zwischen einfühlsamem Vorlesebuch und hilfreichem Elternratgeber. Es zeigt, dass beim Schulstart alle Gefühle erlaubt sind – und genau das macht „Wildhilda“ so besonders.