Holzfällen ist die Geschichte einer »Erregung«, die Geschichte eines »künstlerischen Abendessens« in Wien, in der Gentzgasse. Der Ich-Erzähler, ein Schriftsteller, sitzt auf dem Ohrensessel und beobachtet die Gesellschaft, die auf den Schauspieler des Burgtheaters wartet, der versprochen hatte, gegen halb zwölf zu diesem Essen zu kommen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
24.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Tiefgründig
Durch die YouTube-Clips bin ich auf Thomas Bernhard aufmerksam geworden und schließlich in den Bann dieses Pessimisten geraten. Immer wieder tun sich darin Abgründe auf, die untrennbar mit jener Landschaft verbunden scheinen, deren Spuren die Menschen dort merklich geprägt haben dürften. Wer sich ohnehin mit depressiven Gedanken herumschlägt, dürfte nach der Lektüre von Holzfällen feststellen, dass Bernhard in dieser Hinsicht noch einmal ganz andere Abgründe bereithält.
Polar
aus Aachen
5/5
01.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Furios
Dieser Roman hat in Österreich für Furore gesorgt, da die Protagonisten allzu leicht innerhalb der Wiener Gesellschaft auszumachen waren. Er führte dazu, daß Thomas Bernhard sich seiner Heimat noch weiter entfremdete und sowohl ein Publikations- als auch ein Aufführungsverbot für seine Werke erließ. Neueste Erkenntnisse lassen vermuten, daß er wußte, was er tat, als er seine Fiktion so nahe an der Wirklichkeit anlehnte. Bei manchen Autoren ist es das Nichts, die eigene Leere, eine unglückliche Liebe, Sendungsbewußtsein, bei Bernhard war es ein ganzes Land, das ihn zum Schreiben trieb. Österreich hinterließ seine Spuren. Die Geschichte einer Erregung war geplant, und nur von einem Schriftsteller zu bewältigen, der mit sich im Reinen war und sich einem Sturm der Entrüstung aussetzte. Daß der Roman sowohl sprachlich auch inhaltlich bestehen kann, stellt sich unter Beweis, wenn man ihn heute noch einmal zur Hand nimmt. Bernhards manische Kunst der Sprache seinen Überdruß, seinen Ärger, seine Verachtung anzuvertrauen, dient hier dem Zweck der Demaskierung. Wehe dem, der sich einem so gewaltigen Schriftsteller gegenübersieht. Er schreibt einen mit Lust in die Verdammnis.
Brigitte Bouman-Mengering
aus Lingen (Ems)
5/5
01.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Ein streitbarer Geist
Thomas Bernhard lesen ist immer ein Parforceritt.Anders kann und will ich es nicht beschreiben.Und er ist,man staune,immer noch aktuell.Seine Bissigleit,seine Sturheit,seine Ungebrochenheit.Und gerade durch die Reaktionen beim Erscheinen des Buches,wird er bestätigt.Denn diese oberflächlichen Fratzen und Möchtegern-Menschen sind entlarvt,blossgestellt.Niemand anderes hat diese Wucht,diese Wut und konnte sie so ausdrücken wie dieser grossartige Mann.Es sei jedem ans Herz gelegt.
Bewertung
aus Thun im Kanton Bern
4/5
06.07.2025
Buch (Taschenbuch)
im Zorn
Ein klassisches Thomas Bernhard - Werk, das sich dieses Mal die Kunstszene in Wien vornimmt. Inhaltlich ist die Kritik wohl kaum begründet, aber wie er stilistisch über die Protagonisten herzieht, sich selber dabei als neutraler Beobachter, liegend und fast schlafend, inszeniert, obwohl nach und nach ersichtlich wird, dass er, der Neutrale, alle Akteure bestens kennt, - ja das alles ist so wunderbar geschrieben. Offenbar haben es viele Menschen gern, einen „Menschen im Zorn“ zu sehen bzw. zum lesen, insbesondere wenn dieser Zorn sich sehr rational und humorvoll, ästhetisch und stilvoll, überlegt und argumentierend, ausdrückt.
Bories vom Berg
aus München
4/5
09.04.2014
Buch (Taschenbuch)
Von Künstlerattrappen und…
Von Künstlerattrappen und geistlosen Poltermimen «Eine Erregung» heißt der Untertitel dieses avantgardistischen Werkes von Thomas Bernhard, der damit einst seinen Ruf als Enfant terrible der Kunstszene Österreichs nachhaltig unterstrichen hat. Im Stil des inneren Monologs angelegt, dessen Gedankenfluss der Autor sprachlich durch einen absatzlos dahin fließenden Textstrom ohne jedwede Gliederung von der ersten bis zur letzten Seite abbildet, erlebt der Leser das Geschehen eines Tages aus der Sicht des Ich-Erzählers, mit unübersehbar autobiografischen Elementen allerdings, und zwar nicht nur, weil er ebenfalls Schriftsteller ist. Denn ob der Begriff Schlüsselroman hier berechtigt ist, mag man daran ermessen, dass kurze Zeit nach seinem Erscheinen der Verkauf des Buches gerichtlich gestoppt wurde von Leuten, die sich darin wiedererkannt hatten - und sich verunglimpft fühlten. Dieser Text ist eine einzige, breit angelegte Suada, polemisch, sarkastisch, geradezu gallig, die vor niemandem halt macht, auch vor ihrem Urheber selbst nicht, dem «auf seinem Ohrensessel» sinnierenden, misanthropischen Schriftsteller. Er nimmt im Geist die kulturelle Schickeria Wiens aufs Korn, zu der auch die zu einem späten «künstlerischen Abendessen» im Hause des Komponisten Auersberger geladenen Gäste zählen, die nun geduldig auf einen Burgschauspieler warten, der nach seinem Auftritt in Ibsens «Die Wildente» sein Erscheinen zugesagt hat. Vormittags hatte der Schriftsteller noch am Begräbnis einer alten Freundin teilgenommen, seine Gedanken kreisen deshalb anfangs immer wieder um die «Bewegungskünstlerin» Joana, die sich erhängt hat. Mit ihr wie auch mit den Gastgebern hatte er schon vor Jahrzehnten den Kontakt abgebrochen, er war jetzt von London aus nur zu einem Besuch nach Wien gekommen und hatte ohne richtig nachzudenken diese Einladung angenommen, worüber er im Nachhinein entsetzt ist. Denn ihn regt alles auf, er demaskiert geradezu niederträchtig den Kunstbetrieb Österreichs im Allgemeinen und Wiens im Besonderen, und ihm ist nichts heilig dabei, insbesondere die Burgschauspieler nicht. «Geistlose Poltermimen» und «kleinbürgerliche Popanze» seien sie allesamt, die denn auch «aus dem Burgtheater längst ein Siechenhaus ihres dramatischen Dilettantismus gemacht haben». Dieses Abbild der Künstlerszene und der durch die Auersbergers repräsentierten «Guten Gesellschaft» ist für Thomas Bernhard wahrhaft jämmerlich. Bei aller bitterbösen Kritik ist aber immer auch ein subtiler Humor nicht zu übersehen, mit dem er sein Kultur-Szenario vor dem Leser ausbreitet und dann gnadenlos demaskiert, ich musste jedenfalls öfter schmunzeln bei seinen «Erregungen». Detailliert beschäftigt sich der Ich-Erzähler mit den anwesenden Künstlern, allesamt gescheiterte Existenzen, denen nie der Durchbruch gelungen ist, deren Kunst er jedenfalls vehement in Frage stellt, die er recht uncharmant als «Künstlerattrappen» bezeichnet. Was das handlungsarme Buch lesenswert macht ist vor allem die kreative Sprache, der in vielen Wendungen steckende Wortwitz, aber auch der raffinierte dramaturgische Aufbau mit seinen geradezu suggestiv eingesetzten Wiederholungen, von denen «dachte ich auf dem Ohrensessel» wohl das häufigste Element ist, man sitzt irgendwann buchstäblich selbst dort! Dieses literarische Ostinato wird auch musikalisch verdeutlicht durch Ravels «Bolero», der zu später Stunde vom Plattenspieler ertönt. In einem ziemlich langen letzten Satz erkennt der Schriftsteller selbstkritisch, dass er sich kaum unterscheidet von den Menschen um ihn herum mit ihren Lügen und Halbwahrheiten, und er beschließt spontan, über das «künstlerische Abendessen» zu schreiben, «sofort und gleich, bevor es zu spät ist». Das war gut so!
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