Das neue Hörbuch von Bestsellerautorin Mareike Fallwickl stellt unsere Glaubenssätze zu Freundschaft und Romantik infrage und beschreibt mutig die Utopie, die wir uns für unser Leben wünschen.Luzia wächst in einer Gemeinschaft auf, die für ganz unterschiedliche Menschen eine Zuflucht bietet. Im »Haus« werden queere und platonische Formen von Liebe sowie geteilte Elternschaft gelebt. Später, als Erwachsene, kämpft Luzia als Theaterregisseurin gegen patriarchale Strukturen an und versucht, etwas zum Guten zu verändern. Ihre Jugendfreundin Marle verspürt mit Anfang vierzig einen starken Kinderwunsch und entscheidet sich für einen ungewöhnlichen Weg abseits von Beziehungen mit Männern.Doch plötzlich, nach einem verheerenden Unwetter, scheint alles bedroht, was diese Wahlfamilie über Jahrzehnte miteinander aufgebaut hat. Was braucht es, damit eine solche Gemeinschaft in Zeiten wie diesen bestehen kann?
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Eternal-Hope
aus Österreich
5/5
17.10.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Besonders - eigenwillig - mutig
Luzia wächst im "Haus" auf, einem Schutzhaus für Menschen, die selbstgewählt ihre Beziehungen jenseits der Normen des gesellschaftlichen Mainstreams gestalten wollen, bewacht von den "Unsichtbaren", freundlichen Schutzgeistern. Luzia hat zwei Mamas und zwei Papas: einerseits die Freundinnen Mama Charlotte und Mama Lena, andererseits das schwule Männerpaar Jerome und Paul, und von wem sie biologisch abstammt, weiß sie gar nicht, lange hat das auch keine Bedeutung für sie. Alle Erwachsenen teilen sich Erwerbsarbeit und Care-Arbeit solidarisch und je nach ihren individuellen Möglichkeiten.
Dazu leben noch wechselnde andere Menschen im Haus: "Blue Boy", ein junger Mann mit einer wahrscheinlich tragischen Hintergrundgeschichte, Henrika, die mal ein Henrik war, ein paar weitere Kinder und ältere Menschen, die das Haus vor einigen Jahrzehnten ursprünglich als Schutzraum vor Männergewalt gegründet haben. Und dann gibt es Menschen, die Luzia erst einmal von außen begegnen, etwa Marle, die mit ihrer Zirkusfamilie vor kurzem zugereist ist, als Luzia eine Jugendliche ist, Somi, die sie später kennen und schätzen lernt, oder Menschen aus dem Theaterumfeld, in dem die erwachsene Luzia ihre eigenen, feministischen Stücke inszenieren wird.
Es ist ein freies und unkonventionelles Leben, das die Menschen im Haus da führen, doch auch nicht frei von Bedrohungen von außen, etwa, wenn mal wieder das Jugendamt kommt und wissen will, wie genau die Partnerschaften und Familienverhältnisse hier nun aussehen würden, aber auch nicht von Zerrüttungserscheinungen im Inneren. Manche tragen eine seelische Last, die schwerer ist, als sie dauerhaft aushalten können. Manche sehnen sich nach mehr Rückzug und Individualität, oder doch nach einer klassischen heterosexuellen Paarbeziehung.
Was hält zusammen, wenn alles zu zerbrechen droht? Sind Familie die, die füreinander Verantwortung übernehmen und einstehen, unabhängig von Blutsverwandtschaft oder Heirat? Was passiert, wenn sich etwas daran ändert?
Ich habe die Geschichte als Hörbuch, einfühlsam, nuanciert und abwechslungsreich gesprochen von drei talentierten Sprecherinnen, gehört, und kann es auch in dieser Form sehr empfehlen.
Mareike Fallwickl ist mit diesem Hörbuch ein unkonventionelles, sprachgewaltiges, sensibel erzähltes, vielschichtiges und differenziertes Meisterwerk innovativer Erzählkunst gelungen. In diesem Haus wird ein Miteinander fühlbar, das so für die meisten Menschen bisher nur eine weit entfernte Utopie oder Dystopie ist (je nach individuellem Standpunkt). Besonders gefällt mir, dass nichts klischeehaft ist und auch die Menschen in diesem Haus ganz einfach Menschen sind... keine Heiligen, keine perfekten Ideale, sondern Menschen mit ihren Besonderheiten, Liebenswürdigkeiten und Unzulänglichkeiten.
Auch Freundschaften können Härteproben ausgesetzt sein und auch queere Beziehungen können sich neuordnen oder gar zerbrechen und das alles hat Auswirkungen auf alle Beteiligten und ganz besonders auf involvierte Kinder... so wie in heterosexuellen Beziehungen auch. Und doch ist bei all dem, was auch schwer ist, in der Vergangenheit, die ihre langen Schatten bis in die Gegenwart wirft, genauso wie in der jeweiligen Gegenwart, so viel Liebe spürbar, so viel Verbundenheit, so viel Hoffnung, Füreinander-Einstehen und Miteinander.
Zeitlich springt das Hörbuch zwischen verschiedenen Zeiten hin und her, mal sind wir in der Gegenwart, dann wieder in Luzias Kindheit oder Jugend oder noch früher in der Zeit, in der das Haus gegründet wurde, vor Luzias Geburt.
Im Mittelpunkt der meisten Szenen steht Luzia, als im Haus geborenes und aufgewachsenes Kind, das dadurch so selbstverständlich mit einem anderen, neuen und selbstbewussteren Blick auf die Welt schaut als viele andere und sich weniger gefallen lässt: weder von Jugendcampleitungen, die Bodyshaming oder das Bloßstellen von Jugendlichen im Rahmen von pseudolustigen Teamspielen als normal ansehen noch diktatorische und misogyne Praktiken eines selbstherrlichen, machtbesessenen Theaterregisseurs in ihrem ersten Praktikum nach der Schule. Da zeigt sich: das Haus hat dazu beigetragen, aus Luzia eine selbstbewusste, eigenständig denkende und mutige junge Frau zu machen, die für sich und ihre Werte und Prinzipien, aber auch für Gerechtigkeit und andere Menschen einzustehen vermag.
Insgesamt ist "Haltet euch fest" eine spannend erzählte Geschichte, die gleichzeitig dafür sensibilisieren will, vieles von dem, was wir als "normal" anzusehen gelernt haben, zu überdenken, zum Beispiel:
- Warum räumen wir romantischen Beziehungen immer automatisch so einen Vorrang vor Freundschaften ein, wenn es um die Wahl unseres Wohnortes, unsere zeitlichen und finanziellen Ressourcen und vieles mehr geht?
- Warum wird eine Frau mit zehn guten Freundinnen, aber ohne romantischen Partner, von der Gesellschaft oft als einsamer betrachtet als eine Frau in einer Beziehung, aber ohne Freundschaften?
- Werten wir Freundschaften ab, wenn wir nach dem Ende einer Beziehung von "Freunde bleiben" sprechen? So als ob eine Freundschaft weniger Bedeutung hätte als eine romantische Beziehung?
- Wenn wir davon sprechen, dass Kleidung vorteilhaft sei, wessen Vorteil meinen wir? Doch selten den der Trägerin und so gut wie nie geht es darum, sich darin besonders wohlzufühlen? Was macht es mit uns, wenn wir schon früh darauf trainiert werden, dass es wichtiger sei, wie wir aussehen, als wie wir uns fühlen?
- Wie können wir friedlichere, freundschaftlichere Gesellschaftsmodelle gestalten und wie gehen wir damit um, wenn auch diese ihre Unzulänglichkeiten haben, so wie alles?
- Wo beginnen Utopien, wo enden sie und wo gibt es Hoffnung für positive Veränderung?
Ja, es ist ein wichtiges, mutiges, unkonventionelles Hörbuch. Eines, das genauso unterhält wie tief berührt und weiterbildet, zum Mitfühlen und Nachdenken anregt. Aber auch eines, das Konzentration braucht, gerade aufgrund der vielen Zeitsprünge und das deshalb in konzentrierten Momenten gehört werden sollte... es eignet sich weniger als manch andere Geschichten dazu, nebenbei etwas anderes zu tun, zu viel Relevantes ist sonst schnell verpasst. Wer sich beim Hörbuch-Hören also nicht so ganz konzentrieren kann oder will, der greife lieber zur Printausgabe.
Jedenfalls kann ich es all jenen Lesenden, die offen für queere Beziehungen, unkonventionelle Lebensweisen und erfrischende neue Gedanken dazu sind, sehr empfehlen.
Bewertung
aus Dortmund
5/5
18.10.2026
eBook (ePUB)
Ein Haus der Freiheit
MAREIKE FALLWICKL: HALTET EUCH FEST
Buch & Hörbuch
Der neue Roman von Bestsellerautorin Mareike Fallwickl stellt unsere Glaubenssätze zu Freundschaft und Romantik infrage und beschreibt mutig die Utopie, die wir uns für unser Leben wünschen.
Luzia wächst in einer Gemeinschaft auf, die für ganz unterschiedliche Menschen eine Zuflucht bietet. Im Haus werden queere und platonische Formen von Liebe sowie geteilte Elternschaft gelebt. Später, als Erwachsene, kämpft Luzia als Theaterregisseurin gegen patriarchale Strukturen an und versucht, etwas zum Guten zu verändern. Ihre Jugendfreundin Marle verspürt mit Anfang vierzig einen starken Kinderwunsch und entscheidet sich für einen ungewöhnlichen Weg abseits von Beziehungen mit Männern.
Doch plötzlich, nach einem verheerenden Unwetter, scheint alles bedroht, was diese Wahlfamilie über Jahrzehnte miteinander aufgebaut hat. Was braucht es, damit eine solche Gemeinschaft in Zeiten wie diesen bestehen kann?
Das war mein erster Roman von Mareike Fallwickl, und ich brauchte ein bisschen, bis ich die Personen zuordnen konnte – aber vielleicht war genau das schon beabsichtigt, um die Vielfalt der Bewohner des Hauses zu zeigen.
Auf der einen Seite finde ich die Idee faszinierend, daß so viele unterschiedliche Menschen miteinander leben und jede/r so sein darf, wie er/sie ist. Auf der anderen Seite weiß ich nicht, ob ich in einem solchen „Gewusel“ leben könnte (aufgewachsen als Einzelkind mit einer sehr ordentlichen Mutter).
Der Gedanke der Freiheit (mit all ihren Schwierigkeiten, auch der Außenwelt) gefällt mir jedoch sehr gut. Es sollte nur selbstverständlich sein… Wir arbeiten daran.
Fallwickls Stil liegt mir sehr, und ich werde die anderen auch bald lesen!
Das Hörbuch wird ganz wunderbar vorgelesen von Marie-Isabel Walke und Jana Kozewa.
Ich kann beides nur empfehlen.
Nicole
5/5
11.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ja einfach nur JA
Mareike Fallwickl ist so eine unglaublich gute Autorin. Ich habe so viel gefühlt beim Lesen, ich war total versunken darin. Ich habe es so geliebt. Generell dieses aufbrechen von Stereotypen, dieses Neudenken von Familie. Es ist so wichtig, gerade in der aktuellen Zeit. Danke Mareike, danke für dieses Buch.
seitenmusik
3/5
10.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wahlfamilie, Freund*innenschaft und die Grenzen einer literarischen Utopie
Wie wollen wir miteinander leben, wenn wir uns von patriarchalen Vorstellungen von Liebe, Familie und Zusammenhalt lösen? In "Haltet euch fest" entwirft Mareike Fallwickl eine Gemeinschaft, in der queere und platonische Liebe, Wahlfamilien und geteilte Elternschaft selbstverständlich sind. Luzia kämpft als Theaterregisseurin gegen patriarchale Strukturen, während ihre Jugendfreundin Marle ihren Kinderwunsch unabhängig von einer romantischen Beziehung mit einem Mann verwirklichen möchte.
Die Grundidee hat mich diiiiirekt angesprochen. Vor allem die Vorstellung, dass Freund*innenschaften einen zentralen Platz einnehmen und Liebe nicht automatisch romantisch sein muss, finde ich super wichtig. Auch das Thema Wahlmutterschaft hat mir neue Perspektiven eröffnet. Dazu kommen spannende Einblicke in die Theaterwelt und wunderschöne sprachliche Passagen wie: „In der Verweigerung liegt eine große Kraft.“ (S. 134)
Nachdem mich "Und alle so still", "Die Wut, die bleibt" und "Das Pen!smuseum sehr (!) begeistert haben, waren meine Erwartungen entsprechend hoch. Leider konnte mich der Roman diesmal nicht so überzeugen wie erhofft.
Einer meiner Kritikpunkte betrifft den Umgang mit Vielfalt. Bei Somi mit koreanischem Vater und Marle mit kolumbianischer Mutter hat sich mir nicht erschlossen, welche Bedeutung diese Hintergründe für die Handlung oder die Figurenentwicklung haben. Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass Vielfalt sichtbar gemacht wird, ohne wirklich relevant für die Erzählung zu werden (Tokenism). Auch die Aussage „Wer anders ist, muss vorsichtig sein. Aber wer anders ist, hat jene an der Seite, die auch anders sind.“ (S. 180) empfinde ich als zu pauschal. Menschen, die Diskriminierung erfahren, sind nicht automatisch solidarisch miteinander. Eine intersektionale Utopie sollte zeigen, wie Solidarität aktiv gelebt und immer wieder ausgehandelt werden muss.
Zudem hatte ich stellenweise das Gefühl, ein Sachbuch in Romanform zu lesen: Viele wichtige gesellschaftliche Themen stehen nebeneinander, ohne sich für mich immer organisch aus den Figuren und ihren Konflikten zu entwickeln. Die zahlreichen Personen, Perspektiven und Zeitsprünge haben es mir außerdem schwer gemacht, eine Beziehung zu den Figuren aufzubauen. Besonders von Sigrid und Frieda hätte ich gern noch mehr erfahren.
Über zwei weitere Aspekte habe ich noch länger nachgedacht: 1. Reicht es, patriarchale Märchen umzudrehen, oder sollten wir lieber ganz neue Geschichten erfinden, die andere Lebensentwürfe selbstverständlich machen? Und 2. die Verwendung des Begriffs „Missbrauch“. Darin schwingt für mich die Vorstellung eines vermeintlich legitimen „Gebrauchs“ (Gegenteil von Missbrauch) von Menschen mit, was durchaus problematisch ist (= Objektivierung).
Trotzdem möchte ich die Stärken nicht kleinreden. Fallwickl stellt wichtige Fragen zu Freund*innenschaften, Selbstbestimmung, Familie und alternativen Formen des Zusammenlebens. Die wunderschöne Gestaltung des Covers, viele sprachlich wunderschöne Passagen und vor allem die Idee einer Wahlfamilie, in der Menschen ihre Beziehungen freier gestalten dürfen, bleiben mir in Erinnerung. Vielleicht bin ich in manchen feministischen Themen schon einfach sehr tief drin und hätte mir deshalb mehr erzählerische Tiefe statt thematischer Breite gewünscht. Für andere Leser*innen können gerade diese Perspektiven aber genau das Richtige sein.
Nach den Büchern von Mareike Fallwickl, die ich weiterhin sehr gerne empfehle, bin ich einerseits froh, "Haltet euch fest" gelesen zu haben. Ob ich es wegen der Umsetzung noch einmal lesen würde? Eher nicht. Die Vision dahinter finde ich aber umso wichtiger: „Familie ist kein Zustand. Familie ist eine Entscheidung.“ (S. 351)
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