Nach dem Tod ihrer Mutter Hanna entdeckt Anne ein handgeschriebenes Buch in deren Nachttischschublade. Während ihr Bruder abwinkt, taucht Anne mit klopfendem Herzen ein in die Vergangenheit der Mutter, die bis in das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte zurückreicht. Sie liest von Hannas Kindheit im katholischen Westpommern, von Verfolgung, Krieg und Flucht. Und sie erfährt, dass Hanna eine Schwester hatte: die kleine Rosa, die sie auf der Flucht für einen Moment aus den Augen verlor - und die seither verschwunden ist. Anne setzt alles daran, die verlorene Schwester wiederzufinden, fest davon überzeugt, dass ein Wunder auch nach über 60 Jahren möglich sein kann. Ein hinreißender, fesselnder und tief bewegender Roman.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
papa.hirsch.liest
5/5
05.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Roman, der Geschichte greifbar und zutiefst menschlich erzählt.
Worum geht es:
Hanna wächst als kleines Mädchen während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland auf. Zunächst scheint ihr Leben noch unbeschwert, doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verändert sich ihr Alltag zunehmend. Menschen aus dem Dorf werden eingezogen und kehren teilweise nicht zurück, der Umgangston – besonders in der Schule – wird rauer und die Angst wächst. Trotz allem versucht Hanna, stark zu bleiben und ihren Weg zu gehen.
Mein Eindruck:
Der Roman beginnt und endet in der Gegenwart. Dazwischen erleben wir eine einfühlsame und bedrückende Geschichte aus der Sicht eines kleinen Mädchens, das über sich hinauswachsen muss, weil es in eine Zeit voller Angst, Schrecken und Ungewissheit hineingeboren wurde.
Dabei ist das Buch keineswegs so schwer, dass man es nach jedem Kapitel zur Seite legen muss. Im Gegenteil: Die ernsten und traurigen Themen werden so anschaulich und einfühlsam erzählt, dass man sich sehr gut in Hanna und ihr Leben hineinversetzen kann. Auch wenn man es vielleicht gar nicht möchte – man ist mittendrin.
Für mich hatte die Geschichte noch eine ganz persönliche Ebene. Meine Oma wurde nur ein Jahr vor Hanna geboren und hat womöglich Ähnliches, wenn nicht sogar das Gleiche erlebt. Dieser Gedanke hat mich während des Lesens immer wieder begleitet und das Buch für mich noch eindringlicher gemacht.
Es erinnert daran, dass kein Kind – weder gestern, noch heute und auch nicht morgen – eine Kindheit in Angst und Krieg erleben sollte.
Bewertung
5/5
02.07.2026
eBook (ePUB 3)
Hannas Geschichte
"Vergiss nicht zu tanzen, Hanna" ist im Verlag Hoffmann und Campe erschienen. Bei dem Autorennamen Mareike Busch handelt es sich um ein Pseudonym. Denn tatsächlich wurde der Roman von einem Mann geschrieben, der einen weiblichen Namen gewählt hat, als Andenken an seine Mutter, die auch das Vorbild für seine Protagonistin Hanna ist. Eine schöne Liebeserklärung an seine Mutter.
Anne findet nach dem Tod ihrer Mutter Hanna ein Buch, das für Anne und ihrem Bruder Raphael bestimmt ist. Das Buch erzählt die Geschichte von Hanna und ihrer Familie, die vor Jahren ihre Heimat am Dümmer See verlassen haben und nach Westpommern gezogen sind. Und dieses Buch erzählt auch von Rosa und ihrem Schicksal. Die Geschichte beginnt im Frühjahr 1938. Hanna ist sechs Jahre alt und kommt bald in die Schule. Familie Gehrken muss sich gegen den Terrorismus der Nazis und, besonders innerhalb der Familie, gegen deren Einfluss wehren. Auch zwischen der katholischen und evangelischen Dorfgemeinschaft kommt es immer wieder zu Anfeindungen. Hanna versteht nicht immer, was da um sie herum geschieht, aber sie ist clever und mit Hilfe ihres Großvaters versucht sie, ihre Fragen zu beantworten. Hannas Geschichte endet mit dem Ende des zweiten Weltkriegs und der Flucht in den Westen.
Der Roman ist gut geschrieben und mit seinen Dialogen locker zu lesen. Neben Hanna haben mir der Großvater und Rosa gefallen. Er hat schöne und lustige Momente, aber auch Momente, in denen man sich fragt, wie können Menschen so handeln und warum. Diesen Roman sollte man sich nicht entgehen lassen.
Reginchen
aus Görlitz
5/5
07.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine berührende Geschichte
Der Roman " Vergiss nicht zu tanzen Hanna" von Mareike Busch, hat mich sehr berührt.
Als Hanna im Sterben liegt, reist ihre Tochter Anne zu ihr, um ihre Mutter die letzten Lebenstage zu begleiten. Gleich dem Tod von Hanna findet Anne ein Tagebuch ihrer Mutter. In diesem erzählt sie von ihrer Familie, ihren Geschwistern, ihrem Großvater und dem Leben auf dem Dorf in Westpommern im 2. Weltkrieg. . Besonders ans Herz ist ihr, ihre kleine Schwester Rosa . Sie ist mit einer Gaumenspalte geboren und benötigt besonders viel Zuwendung, da sie kaum spricht. Am Ende des Krieges müssen Hannas Familie, wie auch die anderen Dorfbewohner ihre Heimat verlassen. Sie werden in Richtung Oder geschickt. Rosa ist krank und bei der Flucht verlieren sie die kleine Schwester. Besonders Hanna gibt sich die Schuld dafür. Nach dem Lesen des Tagebuches versucht Anne, mit Hilfe ihres Mannes, Rosa zu finden.
Das Buch und die ganze Geschichte hat mich total gefesselt. Ich habe die über 500 Seiten in kürzester Zeit gelesen. Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. In die Protagonistin konnte ich mich gut rein versetzen. Besonders den Großvater hatte ich ins Herz geschlossen.
Ich kann den Roman nur empfehlen. Von mir gibt es 5 Sterne.
Astrid
aus Frankfurt
5/5
29.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bewegte Kindheit
Nach dem Tod ihrer Mutter Hanna findet Anne deren Tagebuch welches sie zurück ins Jahr 1938 katapultiert und ihr von deren Kindheit und der verlorenen Schwester erzählt. Bereits in den 20er Jahren mit anderen katholischen Siedlerfamilien aus Norddeutschland ins überwiegend evangelische Westpommern umgesiedelt findet ihre Familie dort ein neues Zuhause. Zusammen mit ihrem Großvater, ihren Eltern und Brüdern führt sie ein einfaches, aber ruhiges Leben. Doch die Macht der Nationalsozialisten reicht auch bis in ihr Dorf. Ausgerechnet der Vater ihres besten Freundes Martin ist ein riesiger Fan dieser Gesinnung und spielt sich als Herrscher des Dorfes auf. Mit aller Macht möchte er ihn zu einem treuen Parteigenossen erziehen. Doch Martin ist das alles ein Gräuel. Die Freundschaft zwischen Hanna aus einer nicht-parteitreuen Familie und seinem Sohn ist ihm ein Dorn im Auge, aber die beiden schaffen es immer wieder sich heimlich zu treffen und an ihrer Freundschaft festzuhalten. Auch Hanna merkt wie sich die Menschen und die Stimmung im Dorf verändert, aber vieles davon versteht sie einfach nicht. Und auch die eigene Familie bleibt davon nicht verschont. Mitten im Krieg kommt ihre Schwester Rosa zur Welt. Immer wieder muss die Familie Angst um die Kleine haben, denn diese kam mit einer Gaumenspalte zur Welt. Menschen mit Makeln wurden vom Regime ganz genau beobachtet und oftmals einfach weggebracht. Immer mehr greift der Krieg um sich. Die jungen Männer werden eingezogen, Pferde, Vieh und Lebensmittel beschlagnahmt. Doch Hanna schafft es immer wieder den Mut nicht zu verlieren. Selbst dann, als sie am Ende des Krieges von den Polen in eine ungewisse Zukunft vertrieben werden und ihre Schwester Rosa verloren geht.
Mit sehr viel Feingefühl wird uns die damalige Zeit detailliert vor Augen geführt. Eine sehr emotionale, berührende Geschichte aus der Sicht der kleinen, tapferen Hanna erzählt. Die besondere Beziehung zu ihrem Opa verschafft ihr Mut und Hoffnung. Doch ihr vermeintliche Schuld gegenüber ihrer verlorenen Schwester lässt sie ihr Leben lang nicht los.
Ein toller, historischer Roman den ich absolut nur empfehlen kann!
SusanK
aus Osnabrück
5/5
29.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schrecklich schön
Die Übersetzerin Anne reist in eine Kleinstadt in Norddeutschland, um ihre Mutter, die im Sterben liegt, zu begleiten. Die letzten Worte der Mutter deuten auf ein unausgesprochenes Familiengeheimnis, dem Anne nach und nach auf die Spur kommt, als sie nach deren Tod das handgeschriebene Buch ihrer Mutter findet, in dem diese von ihrer Kindheit in Westpommern zur Zeit des Nationalsozialismus berichtet ….
Die als Autorin genannte Mareike Busch ist das Pseudonym eines Autors, der bisher überwiegend Kriminalromane verfasst hat; für dieses Buch hat er nun aber einen weiblichen Autorennamen gewählt. Er verarbeitet mit dieser Familiengeschichte auch seine eigene, denn die Hauptfigur Hanna ist nach dem Vorbild seiner Mutter entstanden.
Eingebettet in die Rahmenhandlung der Gegenwart lässt Mareike Busch die - zunächst - sechsjährige Hanna in der Ich-Perspektive von ihrem Leben auf einem Bauernhof in Westpommern erzählen. Ihre Eltern sind mit ihren drei Kindern und dem Großvater, zu dem Hanna eine besondere Verbindung hat, aus einem niedersächsischen Dorf ausgewandert, woraus sich erste Schwierigkeiten ergaben, denn die Auswanderer sind streng katholisch und haben nur wenig mit den evangelischen Bewohnern gemein. Als der Nationalismus Einzug hält, geht ein Riss nicht nur durchs Dorf, sondern auch durch Hannas Familie. Zunächst schleichend, doch immer stärker wird das Leben von den politischen Auswirkungen und schließlich dem Zweiten Weltkrieg berührt. Während Hanna beobachtet und zu verstehen versucht, erhofft sie weitere Informationen durch das Belauschen ihrer Eltern zu erhalten.
Diese Erzählperspektive aus der Sicht eines Kindes ist ungewöhnlich, doch sie konnte hervorragend ein authentisches und genaues Bild zeichnen von den Vorgängen im Dorf. Unbefangen und eher wertfrei schildert Hanna das Gesehene und es wird aufgezeigt, welchen Einfluss die Geschehnisse und Schrecken des Krieges tatsächlich auf das alltägliche Leben hatten, was ich viel emotionaler empfand als in vielen Geschichtsbücher.
Leider endete der Roman mit einer nur kurzen Abhandlung über die Flucht und ihre dramatischen Auswirkungen für die Familie. Ich hätte so gerne noch mehr darüber erfahren, wie das Leben Hannas und ihrer Familie nach dem Krieg und einem weiteren Neuanfang weitergegangen ist, doch würde dies den Umfang des Buches restlos sprengen.
Die tragische Figur dieses Romans ist sicher die zuletzt geborene Tochter Rosa, die aufgrund einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und einer Entwicklungsverzögerung nicht nur besondere Aufmerksamkeit von ihrer Familie benötigte, sondern auch ins Visier des menschenverachtenden Systems geriet. Welches Schicksal sie ereilte, warum in Annes Familie später diese Schwester Hannas totgeschwiegen wurde, ergibt den besonderen Spannungsbogen in dieser Familiengeschichte.
Die Figuren sind einfühlsam beschrieben, wirken sehr authentisch und durch Hannas Sicht einfach wie aus dem Leben gegriffen. Einen besonderen Bezugspunkt stellte dabei der Großvater dar, der Hanna Denkanstöße und Erklärungen lieferte, aber auch ihr Freund Martin, der mit seiner künstlerischen Ader einen schweren Stand bei seinem Vater hatte, dem Metzger mit brauner Uniform und überzeugten nationalsozialistischen Ansichten.
Ein kleiner Wermutstropfen stellt in meinen Augen lediglich das etwas kitschige Ende dar, das einem großartigen Buch einen für mich zu banalen Abschluss bescherte.
Die ruhige Erzählweise, in der Gedanken und Gefühle ihren Raum fanden, konnte mich ganz in ihren Bann ziehen und ich wollte gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Das sehr genaue Bild, das Mareike Busch von einer normalen Familie in einer schrecklichen Zeit zeichnete, wirkte unaufgeregt und trotzdem - oder gerade deshalb - sehr eindringlich und ich möchte das Buch dringend allen weiterempfehlen, die mehr über diese Zeit wissen möchten (oder sollten).
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