Eine Kleinstadt in Norddeutschland im Jahr 2002. Die Übersetzerin Anne reist aus Berlin an, weil sie ihre Mutter Hanna, die im Sterben liegt, in den letzten Lebenstagen begleiten möchte. Kaum dass ihre Mutter gestorben ist, findet Anne ein Buch, geschrieben von Hanna – die Geschichte über eine Kindheit in einem Dorf in Westpommern, über ein Mädchen namens Rosa und über eine schwere Schuld.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Nadys Bücherwelt
Thalia Book Circle Community
5/5
22.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ergreifend und gefühlsvoll !
Rezension:
In einer kleinen Stadt in Norddeutschland begleitet Anna ihre Mutter Hannah, die im Sterben liegt.
Nach deren Tod findet Anna in den Schränken ihrer Mutter ein Buch, das Hannah offenbar selbst geschrieben hat. Darin erfährt Anna Dinge, über die ihre Mutter nie gesprochen hat. Sie schreibt über ihre Kindheit in Westpommern, ihre Geschwister, die Kriegsjahre und die Flucht aus ihrer Heimat.
Zum ersten Mal erfährt Anna von einer kleinen Rosa, offenbar einer Schwester ihrer Mutter, von der sie bisher noch nie gehört hat. Hannah hatte wohl ihr ganzes Leben lang Schuldgefühle. In ihrem Buch hat sie sich alles von der Seele geschrieben. Anna ist tief beeindruckt von dem, was ihre Mutter damals erleben musste.
Anna möchte ihrer Mutter einen letzten Wunsch erfüllen und begibt sich auf die Suche nach Rosa. Doch sie hat nur deren Vornamen und der kann inzwischen ganz anders lauten. Kann ihr noch lebender Onkel dabei helfen? Anna unternimmt alles, um Rosa zu finden und damit ihre Mutter in Frieden ruhen kann.
Fazit:
Was für ein gefühlvolles und sehr ergreifendes Buch! Mareike Busch hat einen wundervollen Schreibstil. Ich hatte den Inhalt des Buches wie einen Kinofilm vor Augen, was mich beim Lesen manchmal zu Tränen rührte.
Der Roman spielt in zwei Zeitepochen: Zum einen in der Gegenwart, in der Anna versucht, ihre Tante Rosa zu finden, und zum anderen in der Vergangenheit, in der wir die unglaubliche Geschichte von Hannah miterleben. Die Autorin hat die Charaktere sehr lebensecht und glaubwürdig dargestellt, wodurch die Geschichte noch viel ergreifender wurde.
Der Name Mareike Busch ist das Pseudonym eines bekannten deutschen Krimiautors. Da er diesen Roman im Gedenken an seine Mutter geschrieben hat, veröffentlichte er ihn unter einem weiblichen Autorennamen.
Von mir bekommt „Vergiss nicht zu tanzen, Hanna“ 5 von 5 Sterne. Ein wirklich toller Roman, den ich von ganzem Herzen empfehlen kann
papa.hirsch.liest
5/5
05.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Roman, der Geschichte greifbar und zutiefst menschlich erzählt.
Worum geht es:
Hanna wächst als kleines Mädchen während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland auf. Zunächst scheint ihr Leben noch unbeschwert, doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verändert sich ihr Alltag zunehmend. Menschen aus dem Dorf werden eingezogen und kehren teilweise nicht zurück, der Umgangston – besonders in der Schule – wird rauer und die Angst wächst. Trotz allem versucht Hanna, stark zu bleiben und ihren Weg zu gehen.
Mein Eindruck:
Der Roman beginnt und endet in der Gegenwart. Dazwischen erleben wir eine einfühlsame und bedrückende Geschichte aus der Sicht eines kleinen Mädchens, das über sich hinauswachsen muss, weil es in eine Zeit voller Angst, Schrecken und Ungewissheit hineingeboren wurde.
Dabei ist das Buch keineswegs so schwer, dass man es nach jedem Kapitel zur Seite legen muss. Im Gegenteil: Die ernsten und traurigen Themen werden so anschaulich und einfühlsam erzählt, dass man sich sehr gut in Hanna und ihr Leben hineinversetzen kann. Auch wenn man es vielleicht gar nicht möchte – man ist mittendrin.
Für mich hatte die Geschichte noch eine ganz persönliche Ebene. Meine Oma wurde nur ein Jahr vor Hanna geboren und hat womöglich Ähnliches, wenn nicht sogar das Gleiche erlebt. Dieser Gedanke hat mich während des Lesens immer wieder begleitet und das Buch für mich noch eindringlicher gemacht.
Es erinnert daran, dass kein Kind – weder gestern, noch heute und auch nicht morgen – eine Kindheit in Angst und Krieg erleben sollte.
Reginchen
aus Görlitz
5/5
07.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine berührende Geschichte
Der Roman " Vergiss nicht zu tanzen Hanna" von Mareike Busch, hat mich sehr berührt.
Als Hanna im Sterben liegt, reist ihre Tochter Anne zu ihr, um ihre Mutter die letzten Lebenstage zu begleiten. Gleich dem Tod von Hanna findet Anne ein Tagebuch ihrer Mutter. In diesem erzählt sie von ihrer Familie, ihren Geschwistern, ihrem Großvater und dem Leben auf dem Dorf in Westpommern im 2. Weltkrieg. . Besonders ans Herz ist ihr, ihre kleine Schwester Rosa . Sie ist mit einer Gaumenspalte geboren und benötigt besonders viel Zuwendung, da sie kaum spricht. Am Ende des Krieges müssen Hannas Familie, wie auch die anderen Dorfbewohner ihre Heimat verlassen. Sie werden in Richtung Oder geschickt. Rosa ist krank und bei der Flucht verlieren sie die kleine Schwester. Besonders Hanna gibt sich die Schuld dafür. Nach dem Lesen des Tagebuches versucht Anne, mit Hilfe ihres Mannes, Rosa zu finden.
Das Buch und die ganze Geschichte hat mich total gefesselt. Ich habe die über 500 Seiten in kürzester Zeit gelesen. Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. In die Protagonistin konnte ich mich gut rein versetzen. Besonders den Großvater hatte ich ins Herz geschlossen.
Ich kann den Roman nur empfehlen. Von mir gibt es 5 Sterne.
Astrid
aus Frankfurt
5/5
29.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bewegte Kindheit
Nach dem Tod ihrer Mutter Hanna findet Anne deren Tagebuch welches sie zurück ins Jahr 1938 katapultiert und ihr von deren Kindheit und der verlorenen Schwester erzählt. Bereits in den 20er Jahren mit anderen katholischen Siedlerfamilien aus Norddeutschland ins überwiegend evangelische Westpommern umgesiedelt findet ihre Familie dort ein neues Zuhause. Zusammen mit ihrem Großvater, ihren Eltern und Brüdern führt sie ein einfaches, aber ruhiges Leben. Doch die Macht der Nationalsozialisten reicht auch bis in ihr Dorf. Ausgerechnet der Vater ihres besten Freundes Martin ist ein riesiger Fan dieser Gesinnung und spielt sich als Herrscher des Dorfes auf. Mit aller Macht möchte er ihn zu einem treuen Parteigenossen erziehen. Doch Martin ist das alles ein Gräuel. Die Freundschaft zwischen Hanna aus einer nicht-parteitreuen Familie und seinem Sohn ist ihm ein Dorn im Auge, aber die beiden schaffen es immer wieder sich heimlich zu treffen und an ihrer Freundschaft festzuhalten. Auch Hanna merkt wie sich die Menschen und die Stimmung im Dorf verändert, aber vieles davon versteht sie einfach nicht. Und auch die eigene Familie bleibt davon nicht verschont. Mitten im Krieg kommt ihre Schwester Rosa zur Welt. Immer wieder muss die Familie Angst um die Kleine haben, denn diese kam mit einer Gaumenspalte zur Welt. Menschen mit Makeln wurden vom Regime ganz genau beobachtet und oftmals einfach weggebracht. Immer mehr greift der Krieg um sich. Die jungen Männer werden eingezogen, Pferde, Vieh und Lebensmittel beschlagnahmt. Doch Hanna schafft es immer wieder den Mut nicht zu verlieren. Selbst dann, als sie am Ende des Krieges von den Polen in eine ungewisse Zukunft vertrieben werden und ihre Schwester Rosa verloren geht.
Mit sehr viel Feingefühl wird uns die damalige Zeit detailliert vor Augen geführt. Eine sehr emotionale, berührende Geschichte aus der Sicht der kleinen, tapferen Hanna erzählt. Die besondere Beziehung zu ihrem Opa verschafft ihr Mut und Hoffnung. Doch ihr vermeintliche Schuld gegenüber ihrer verlorenen Schwester lässt sie ihr Leben lang nicht los.
Ein toller, historischer Roman den ich absolut nur empfehlen kann!
SusanK
aus Osnabrück
5/5
29.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schrecklich schön
Die Übersetzerin Anne reist in eine Kleinstadt in Norddeutschland, um ihre Mutter, die im Sterben liegt, zu begleiten. Die letzten Worte der Mutter deuten auf ein unausgesprochenes Familiengeheimnis, dem Anne nach und nach auf die Spur kommt, als sie nach deren Tod das handgeschriebene Buch ihrer Mutter findet, in dem diese von ihrer Kindheit in Westpommern zur Zeit des Nationalsozialismus berichtet ….
Die als Autorin genannte Mareike Busch ist das Pseudonym eines Autors, der bisher überwiegend Kriminalromane verfasst hat; für dieses Buch hat er nun aber einen weiblichen Autorennamen gewählt. Er verarbeitet mit dieser Familiengeschichte auch seine eigene, denn die Hauptfigur Hanna ist nach dem Vorbild seiner Mutter entstanden.
Eingebettet in die Rahmenhandlung der Gegenwart lässt Mareike Busch die - zunächst - sechsjährige Hanna in der Ich-Perspektive von ihrem Leben auf einem Bauernhof in Westpommern erzählen. Ihre Eltern sind mit ihren drei Kindern und dem Großvater, zu dem Hanna eine besondere Verbindung hat, aus einem niedersächsischen Dorf ausgewandert, woraus sich erste Schwierigkeiten ergaben, denn die Auswanderer sind streng katholisch und haben nur wenig mit den evangelischen Bewohnern gemein. Als der Nationalismus Einzug hält, geht ein Riss nicht nur durchs Dorf, sondern auch durch Hannas Familie. Zunächst schleichend, doch immer stärker wird das Leben von den politischen Auswirkungen und schließlich dem Zweiten Weltkrieg berührt. Während Hanna beobachtet und zu verstehen versucht, erhofft sie weitere Informationen durch das Belauschen ihrer Eltern zu erhalten.
Diese Erzählperspektive aus der Sicht eines Kindes ist ungewöhnlich, doch sie konnte hervorragend ein authentisches und genaues Bild zeichnen von den Vorgängen im Dorf. Unbefangen und eher wertfrei schildert Hanna das Gesehene und es wird aufgezeigt, welchen Einfluss die Geschehnisse und Schrecken des Krieges tatsächlich auf das alltägliche Leben hatten, was ich viel emotionaler empfand als in vielen Geschichtsbücher.
Leider endete der Roman mit einer nur kurzen Abhandlung über die Flucht und ihre dramatischen Auswirkungen für die Familie. Ich hätte so gerne noch mehr darüber erfahren, wie das Leben Hannas und ihrer Familie nach dem Krieg und einem weiteren Neuanfang weitergegangen ist, doch würde dies den Umfang des Buches restlos sprengen.
Die tragische Figur dieses Romans ist sicher die zuletzt geborene Tochter Rosa, die aufgrund einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und einer Entwicklungsverzögerung nicht nur besondere Aufmerksamkeit von ihrer Familie benötigte, sondern auch ins Visier des menschenverachtenden Systems geriet. Welches Schicksal sie ereilte, warum in Annes Familie später diese Schwester Hannas totgeschwiegen wurde, ergibt den besonderen Spannungsbogen in dieser Familiengeschichte.
Die Figuren sind einfühlsam beschrieben, wirken sehr authentisch und durch Hannas Sicht einfach wie aus dem Leben gegriffen. Einen besonderen Bezugspunkt stellte dabei der Großvater dar, der Hanna Denkanstöße und Erklärungen lieferte, aber auch ihr Freund Martin, der mit seiner künstlerischen Ader einen schweren Stand bei seinem Vater hatte, dem Metzger mit brauner Uniform und überzeugten nationalsozialistischen Ansichten.
Ein kleiner Wermutstropfen stellt in meinen Augen lediglich das etwas kitschige Ende dar, das einem großartigen Buch einen für mich zu banalen Abschluss bescherte.
Die ruhige Erzählweise, in der Gedanken und Gefühle ihren Raum fanden, konnte mich ganz in ihren Bann ziehen und ich wollte gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Das sehr genaue Bild, das Mareike Busch von einer normalen Familie in einer schrecklichen Zeit zeichnete, wirkte unaufgeregt und trotzdem - oder gerade deshalb - sehr eindringlich und ich möchte das Buch dringend allen weiterempfehlen, die mehr über diese Zeit wissen möchten (oder sollten).
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