Anton, 60 Jahre alt, ist Stepptänzer. Ja, er ist nicht mehr so schnell wie früher, aber mit seiner Erfahrung und Ausdruckskraft tanzt er - noch - allen davon. Wer sollte ihm also die Stelle als Choreograf an einer Theaterbühne streitig machen? Doch die neue Intendantin sieht das anders - und engagiert ausgerechnet Emma, Antons Tochter. Anton ist verletzt, wütend, traurig und zugleich stolz auf seine Tochter. Zeigen kann er ihr das nicht.
Die Absage spült etwas in ihm hoch, das er nicht länger verdrängen kann: das Gefühl des Älterwerdens. Plötzlich spürt er die eigene Endlichkeit und fragt sich, ob er sein Leben richtig gelebt hat. Eine Frage, die ihn wieder an eine alte große Liebe denken lässt. Jo war damals einfach spurlos verschwunden. Hätte er mit ihr ein besseres Leben gelebt?
Es ist Emma, die auf Jos Spur stößt. Mit ihr reist er nach Irland. Alte Konflikte zwischen Vater und Tochter brechen wieder auf. Für Anton wird es eine Reise zu sich selbst und er begreift: Zu Ende ist es erst, wenn es zu Ende ist. Bis dahin will das Leben gelebt werden.
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Reflektion eines Lebens
Bewertung aus Birkenfeld am 19.06.2026
Bewertungsnummer: 3172409
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"Fünf, sechs, sieben, acht" lautet der Titel des neusten Romans von Autor Ewald Arenz. Als gebundene Hardcoverausgabe ist das Buch seit Mitte Juni dieses Jahres im DuMont-Verlag mit ca. 240 Seiten erhältlich.
Im Mittelpunkt der Handlungsgeschichte steht der 60-Jährige Anton. Von Beruf ist er Stepptänzer und das mit ganzer Leidenschaft. Auch wenn das Lebensalter seine Schnelligkeit langsam immer mehr beeinflusst, ist seine Ausdruckskraft besser denn je. Das Theater wo er bisher angestellt war kündigt ihn und setzt seine Tochter als Nachfolgerin ein. Für Anton ein Schock. Die Kündigung löst in ihm Einiges aus: das drängende Gefühl des Älterwerdens, Beruf, Frau und Kind - hat Anton wirklich das 'richtige Leben' gelebt? Durch Antons Zweifel kommen Erinnerungen an die Vergangenheit hoch: seine Freundin Jo, die nach 5 Jahren Beziehung ohne ein Wort von einem auf den anderen Tag verschwunden ist...
Der Schreibstil von Ewald Arenz ist angenehm flüssig und langsam erzählend. Für mich war es das erste Buch des Autors. Mir persönlich hat es sehr gut gefallen, wie man als Leser mit in die Geschichte hineingenommen wird, den Protagonisten Anton immer besser kennenlernt und ihn in dieser Phase seines Lebens begleitet. Anders als in einem Coming-of-Age-Roman geht es hier um das genau Gegenteil: das Älterwerden. Urplötzlich kommen Fragen auf wie bspw. hat man die richtigen Entscheidungen getroffen. Auch Protagonist Anton geht es hier so: Er fragt sich was in diesem einen 'ungelebten' Leben (mit Jo) passiert wäre. Seine anschließende Suche nach Jo und deren Begegnung ist spannend erzählt und hat mir als Leser gut gefallen. Auch die Thematik des Stepptanzes kommt nicht zu kurz. Hier lernt man als 'unerfahrener' Leser diesbezgl. noch etwas dazu; bspw. waren mir die verschiedenen Schrittnamen etc. nicht bekannt.
Mein Fazit: "Fünf, sechs, sieben, acht" hat mir eine angenehme und nachdenklich stimmende Lektüre beschert ohne ins Melancholische abzudriften. Ich empfehle den Roman gerne mit fünf Sternen weiter.
Ein Lesegenuss! Wunderbar!
Bewertung am 17.06.2026
Bewertungsnummer: 3171048
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Mann, den das Altwerden herausfordert
Bereits der ästhetische Buchumschlag mit dem großartigen Tittel "Fünf, sechs, sieben, acht" von Ewald Arenz verrät, dass es sich hiermit um eine edle, sanfte, nachdenkliche und beflügelnde Geschichte handelt. Und genauso war es auch.
Es war eine großartige Geschichte über einen Mann, dem das Alter plötzlich vors Auge springt und ihn erschreckt!
Er kann es nicht akzeptieren, jetzt, wo er doch ganz oben ist und auf seinen Erfahrungsschatz blickt und auf diesen so stolz ist, dass man ihm den Vertrag nicht verlängert. Weil er ALT ist!, lautet die Begründung. Der Boden wird ihm unter den Füssen weggenommen, als er im selben Zug erfährt, dass seine Tochter seinen Posten übernimmt! Er akzeptiert sein Alt-Sein nicht, er ist wütend auf seine Umgebung und seine Tochter. Glaubt, all diese Menschen würden ihn nicht verstehen! Doch dieser Schock wird mit seiner Vergangenheit verwoben. Und diese Mischung, mag sie noch so hart sein, hilft ihm, eine neue Sicht auf dieses Thema zu bekommen - er lernt zu akzeptieren, ohne Bitterkeit zu empfinden und gewinnt seine Tochter wieder.
Mit dem 60-jährigen Anton konnte man sich sofort identifizieren. Und man muss nicht unbedingt ein Mann oder jung sein. Ab dem ersten Satz war man in seinem Leben. Er, ein Tänzer, Vater, ein Suchender, Lehrer - genauso wie - fröhlich, wütend, zornig, verletzt und einsichtig. Alles war mit dabei.
Der Schreibstil war lebendig, poetisch, humorvoll und nachdenklich zugleich. Jeden Satz verschlang ich. Es war mein erstes Buch des Autors. Ich bin begeistert!
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