Der neue Roman von Booker-Preisträger Douglas Stuart: 'Menschliche Wärme, die seltsam schöne Atmosphäre eines unwirtlichen Insellebens, eine große innere Spannung: Ein Roman, wie er nur alle zehn, fünfzehn Jahre vorkommt.' (Daniel Schreiber)
Cal ist zurück und all das, vor dem er nach Edinburgh geflüchtet war, ist wieder da: das karge Leben auf den Hebriden, der windgepeitschte Kreislauf aus Schafzucht und Nächten am Webstuhl, die Enge der Inselgemeinschaft. Sein Vater John hat ihn nach Hause beordert, dem er all sein Wissen über Farben und Wolle verdankt, dessen Hingabe als Tweed-Weber er liebt und dessen presbyterianische Strenge er hasst. Sie sind einander so nah und kennen sich so wenig - blind für das wohlgehütete Geheimnis des anderen. Niemals könnte Cal dem Vater von seiner Sehnsucht nach einem Partner erzählen, wo dieser schon seine langen Haare als Sünde ahndet. Stattdessen sucht Cal immer mehr die Nähe von Innes, Johns sanftem bestem Freund ...
Ein großer Roman über Verpflichtung und Verblendung, Liebe und Scham und die verwandelnde Kraft der Wahrheit.
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Ein tiefgründiger und atmosphärischer Roman
Nicoles Bücherwelt am 16.05.2026
Bewertungsnummer: 3140244
Bewertet: eBook (ePUB)
„John of John“ ist der neue Roman von Booker-Preisträger Douglas Stuart und erzählt hier eine besondere Geschichte, die mit einem einnehmenden Schreibstil überzeugt.
Die Hauptfigur hier ist der zweiundzwanzigjährige John-Calum „Cal“ MacLeod, der vor vier Jahren von der schottischen Insel auf das Festland gezogen ist, um an einer Kunstschule zu studieren. Als sein Vater John ihn nun bittet heimzukehren, da es seiner Großmutter Ella nicht gut geht, macht er sich auf den Weg. Auch wenn er in der Stadt beruflich nicht Fuß fassen konnte, graut ihm vor der Heimkehr: Zurück zum einsamen und harten Leben auf den Hebriden, der Enge der Insel und seinem Vater. Dem Weber verdankt er seiner Liebe zu Wolle und bewundert ihn für seine Leidenschaft des Tweed-Webens. Doch gleichzeitig hasst er dessen presbyterianische Strenge. Dabei wünscht sich Cal nichts sehnlicher, als offen mit John zu reden - ihm zu sagen, dass er sich nach einem Partner sehnt und dass er ihn so akzeptiert, wie er ist. Doch es scheint unvorstellbar, offen über Gefühle zu reden.
Schließlich findet Cal in Innes, Johns Nachbar und besten Freund, einen Gesprächspartner…
Angesiedelt auf den Äußeren Hebriden im fiktiven Ort Falabay schildert der Autor atmosphärisch dicht das harte Leben auf den schottischen Inseln – wir bekommen einen Einblick in die heimische Tweed-Weberei und der Schafszucht, von der rauen Schönheit der Insel, die einzelne Lichtblicke zeigt, aber auch einige Schattenseiten hat: Kälte, Wind und Abgeschiedenheit. Dieses wird sehr bildgewaltig beschrieben.
Stark gezeichnet sind auch die Figuren, die man mit jeder Seite besser kennen lernt: Wir erfahren von Cals Ängsten und Sorgen, seine Sehnsüchte und den Wunsch, einfach so zu sein, wie er ist. Auch wird die Hassliebe zu seinem Vater immer deutlicher.
Aber auch John hat hinter seiner religiösen Strenge Geheimnisse und Wünsche. Nach und nach setzt sich ein Gesamtbild über die Familie MacLeod und auch einigen Inselbewohnern zusammen, das einige Überraschungen und auch Geheimnisse ans Licht bringt.
Der Roman ist nicht gemütlich, romantisch oder leicht geschrieben. Er ist direkt und zeigt ungeschönt viele Seiten auf, ist rau und auch schmerzhaft – doch gleichzeitig auch sehr bewegend, tiefgründig und manchmal leise-schön. Douglas Stuart ist hier eine komplexe Geschichte gelungen, die in seiner Gesamtheit fesselt und noch lange nachhallt.
Mein Fazit: Ein tiefgründiger und atmosphärischer Roman, der mit seinem besonderen Schreibstil überzeugt. Mal rau und ungeschönt, dann wieder leise, poetisch und eindringlich schildert der Autor das karge Inselleben – mit einer queeren Liebensgeschichte, religiöser Strenge und einigen Geheimnissen.
Ein beeindruckendes Werk, das viele Facetten hat und bewegend ist - besonders zum Ende hin. Sehr lesenswert.
Wenn Selbstverleugnung stumm macht.
Bewertung am 01.05.2026
Bewertungsnummer: 3126107
Bewertet: eBook (ePUB)
Was macht es mit Menschen, wenn sie nicht so leben können, wie sie es sich eigentlich erträumen? Cal und sein Vater (er-)leben diese Situation. Sich nicht zu erlauben man selbst zu sein, macht irgendwann stumm. Bisweilen verliert man sich zusätzlich total in Religiosität, so wie Cals Vater John. Über Homosexualität zu reden, ist auf einer kleinen Insel der Hebriden kein Thema, zwischen Vater und Sohn erst recht nicht. Sie zu leben ist gar eine Sünde.
Cal wird nach seinem Studium in Edinburgh von seinem Vater wieder heim beordert. Das Leben könnte und sollte so weiter gehen wie bisher. Aber die inneren Dämonen wollen sich bei beiden Männern immer mehr Bahn brechen. Das wird in einem sehr eindringlichen und doch ruhigen Schreibstil erzählt. Bei den Schilderungen der Charaktere geht man gedanklich mit. Man versteht die Protagonisten im Laufe der Handlung immer besser, ihr Verhalten, ihr Handeln, ihre Träume. Die Schilderung des Insellebens, der Kraft von den Elementen und der Natur, runden die Geschichte zu einem sehr stimmungsvollen Roman ab, welcher nachhallt. Ich las bisher noch nichts von diesem Autoren. Aber das Buch gefiel mir sehr und ich glaube ich muss mich mal nach den Romanen umschauen, welche schon von ihm erschienen. Das Cover wird dem Inhalt des Buches nicht gerecht. Es ist dafür schon fast lieblos gestaltet worden.
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