Wien um 1670: Barocke Herrlichkeit und bittere Armut prägen die Stadt. Kaiser Leopold I. leidet nicht nur unter Geldmangel für seine Feldzüge, er braucht auch dringend einen Thronfolger. Nur Leibarzt Pedro de Rojas kann der verzweifelten Kaiserin Margarita Teresa helfen. Der jedoch hat ein gefährliches Geheimnis: Er ist ein spanischer Converso, ein konvertierter Jude, der seinen Glauben im Geheimen praktiziert. Die katholische Kaiserin will die Juden aus der Stadt vertreiben, sie hält sie für die Ursache allen Übels. Wird es Don Pedro und seiner Geliebten, der Hebamme Esther, gelingen, das zu verhindern? Vladimir Vertlib verbindet Komödie und Drama zu einem großen Roman über Glaubenskämpfe und Standesdünkel, Hetze, Intrigen und Verrat, aber auch Liebe, Treue und tiefe Freundschaft.
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Ein starker historischer Roman
Johanna aus München am 23.05.2026
Bewertungsnummer: 3146745
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Machtspiele und Verschwörungsmythen, europaumspannende Geheimdienstaktivitäten, Verfolgung und Vertreibung von Minderheiten, Antisemitismus, Kindesmissbrauch durch die katholische Kirche … Das klingt sehr bekannt, hier ist es aber im 17. Jahrhundert angesiedelt.
Vladimir Vertlib hat einen historischen Schmöker geschrieben, der gründlich recherchiert ist und trotz allen historischen Edelrosts gut in die Zeit passt. Noch dazu ist es ein sehr unterhaltsamer Roman. 410 Seiten lang tauchen wir ein in die Machenschaften der Mächtigen und die Rettungsversuche ihrer Opfer.
Es geht um die Kaiserin Margarita Teresa. Diejenige, die Velasquez als fünfjähriges Kind gemalt hat. Damals lebte sie noch am spanischen Hof. Der Maler porträtierte sie mehrmals für den zukünftigen Ehemann, Kaiser Leopold I., den sie mit 15 Jahren heiraten musste. Sie war nicht nur seine Frau, sondern auch seine Nichte. Schön war sie sie nicht. Aber das spielte ja keine Rolle. Hauptsache gebärfähig.
Der Gatte hatte schlimme Attribute der Habsburger Inzucht-Degeneration. Als Margarita Teresa Leopold erstmals zu Gesicht bekommt, trifft sie ein Schock.
Weil sein Mund offenbar nicht ganz verschließbar ist, laufen ihm Diener mit „Trenztüchern“ nach, die ihm jederzeit den Speichel vom Kinn wischen.
Ein trauriges Gespann. Dazu kommen noch hunderte Hofschranzen, Ratgeber, geistliche Beistände, Ärzte, Kammerfrauen.
Zwei Vertraute hat sich die Kaiserin aus Spanien mitgebracht: ihren Beichtvater und ihren Leibarzt. Der Geistliche ist eine äußerst zwielichtige Gestalt, die sich an kleinen Jungen vergreift. Er fungiert als Gegenspieler zur Hauptfigur, dem Juden der Kaiserin. Pedro de Rojas ist konvertierter Jude, was keiner am Hof wissen darf. Der kaiserliche Geheimdienst allerdings weiß alles. Und sagt erstmal nichts.
Die Kaiserin muss dringend einen Thronfolger gebären, der länger als ein paar Jahre überlebt. Keine leichte Aufgabe mit den Habsburger Erbanlagen. Der Leibarzt soll ihr helfen.
Sogar eine jüdische Hebamme wird gerufen – obgleich die Kaiserin der Judengemeinde vor den Toren der Stadt Wien, am Unteren Werd, nicht wohlgesonnen ist und sie dringend vertreiben, wenn nicht auslöschen will. Pogrome haben interessierte Kreise schon angezettelt.
Die geschichtlichen Daten kann man nachlesen. (1670 wurden die Juden aus Wien vertrieben, wurde die Synagoge zerstört und an ihrer Stelle die Leopoldskirche erbaut.) Was Vertlib aus den Daten macht (natürlich inklusive Liebesgeschichte), ist anregend, traurig und manchmal sogar amüsant zu lesen.
Ein Historienroman, der mitten ins Herz des barocken Wiens führt
Bewertung aus Villach am 04.05.2026
Bewertungsnummer: 3129086
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie befinden uns im Jahr 1666 im barocken Wien. Kaiser Leopold I. reagiert das große Habsburgerreich nicht gern, hat ihm doch sein Bruder dies durch seinen Tod aufgebürdet – lieber komponiert er Opern oder andere Musikstücke. Dabei stehen die Türken vor Wien und die Bevölkerung stachelt ihn gegen die Jüd*innen auf. Noch kann er die Jüd*innen beschützen, aber wie lange noch?
Eine weitere Sorge bereitet Leopold großes Kopfzerbrechen: seine Frau, die spanische Prinzessin Margarita Teresa, muss ihm einen Thronfolger schenken. Das erste Kind – es war ein Sohn – ist nach der Geburt verstorben. Nun ist Margarita endlich wieder schwanger und steht unter Druck, endlich den ersehnten Thronfolger auf die Welt zu bringen. Dazu kommt: Margarita ist gegen die Jüd*innen in Wien, sie möchte sie alle vertreiben.
Margarita hat im kalten Wien wenige Vertraute. Ihren Beichtvater und ihren Leibarzt hat sie aus Spanien mitgebracht. Ihr Leibarzt Pedro de Rojas ist Jude, der zum katholischen Glauben konvertiert ist, und hofft, dass dies unentdeckt bleibt.
Es wird Wien zu jener Zeit beschrieben mit all seinem Glanz, aber auch seiner bitteren Armut und einem großen Teil der Gesellschaft, der am Rande lebt und unerträglich leiden muss.
Margarita ist übrigens jene Prinzessin, die Velazquez gemalt hat und deren Gemälde Berühmtheit erlangt hat.
Ein spannender, historischer Roman basierend auf wahren Fakten. Ich habe mich in die Zeit versetzt gefühlt, so plastisch beschreibt Vladimir Vertlib diese Geschichte. Ich liebe gut recherchierte und anspruchsvolle historische Bücher und dieses zählt absolut dazu. Der Roman ist emotional, aufwühlend, spannend und hochinteressant.
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Der jüdische Leibarzt der erzkatholischen Kaiserin
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„Hätte ich mein Reich nur durch Rechtschaffene und Ehrenwerte regieren lassen wollen, hätte ich nur den Guten und Liebenswerten mein eigenes Schicksal, das meiner Dynastie und meiner Untertanen anvertraut, wäre ich längst als Gefangener des Sultans in Ketten gelegt und in Stambul zum Gaudium des beschnittenen Pöbels zur Schau gestellt worden. Der Stephansdom wäre eine Moschee.“
Vladimir Vertlib erzählt eindrucksvoll von einer irrationalen und unbarmherzigen Zeit, in der das Individuum der Willkür der Mächtigen schutzlos ausgeliefert ist.
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