Lieblingsbuch der Unabhängigen 2025 und nominiert für den Schweizer Buchpreis 2025
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als ob er dessen Geheimnis ahnte. Mit Lajos' Geburt im Waldschloss bricht auch das 20. Jahrhundert an, das das alte Leben der Barone Lázár im südlichen Ungarn für immer verändern wird. Der Untergang des Habsburgerreichs berührt erst nur ihre Traditionen, aber alle spüren das Beben der Zeit, die schöne Mária ebenso wie der geisterhafte Onkel Imre. Als Lajos in den 20er-Jahren sein Erbe antritt, scheint der alte Glanz noch einmal aufzublühen. Doch die Kinder Eva und Pista - der das Dunkle so liebt - müssen erleben, wie totalitäre Zeiten ihre wuchtigen Schatten werfen - und lernen, gegen sie zu bestehen.
Ein Hörbuch wie eine Welt, die überwältigende Saga einer Familie, getrieben von der Liebe und der Sehnsucht nach ihr, in den Strudeln des 20. Jahrhunderts. Fesselnd und berührend, zugleich voller Leichtigkeit, voller Träume und Geheimnisse, in denen sich die ganze Tragik und Schönheit der Existenz spiegelt. Und - ob angesichts historischer Katastrophen oder schöner Sommertage - die ewige Frage, wie man leben soll.
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Tragische Leben, sinnliche Liebe, gewöhnlicher Sex
Bewertung aus Quickborn am 11.10.2025
Bewertungsnummer: 2622445
Bewertet: Hörbuch-Download
Ohne den Hinweis einer Literaturbloggerin hätte ich wohl nie zugegriffen. Ein Pferd auf dem Cover hält mich für gewöhnlich vom Zugreifen ab, nun aber wurde mir der Inhalt so schmackhaft gemacht, dass ich zwar nicht das Buch, aber das Hörbuch binnen weniger Tage verschlang.
Vor ein paar Tagen wurde ein mir vollkommen unbekannter Autor Gewinner des diesjährigen Literaturnobelpreises, der Ungar László Krasznahorkai. Und sofort hatte ich die Assoziation, auch Nelio Biedermann könnte eines Tages mit einem Buchpreis geehrt werden. Mit seinen ungarischen und dazu noch adligen Vorfahren und seinem Schreibtalent ist das überhaupt nicht ausgeschlossen. Noch ist dieser junge Mann von 22 Jahren ein Student und im Werden begriffen, aber er hat bereits jetzt ein Talent zum Schreiben, das so manchem, der sich Schriftsteller nennt, nicht gegeben scheint.
Dieser Roman hat alles in sich, das Bewundernswerte, Aufregende, Traurige, Schöne, Unfassbare, Bedeutende und Unbedeutende, und er beginnt so: Die Familie von Lázár bekommt in ihrem Schloss um 1900 Nachwuchs, ein durchsichtiges, unscheinbares Söhnchen mit dem Namen Lajos. Der Vater braucht recht lange, ehe er leise Zweifel an seiner Vaterschaft anmeldet, die Mutter indes leidet, an gebrochenem Herzen wie an Depressionen. Biedermann erzählt so haarscharf und doch so poetisch, dass mir fast der Atem stockte. Ein ganzes Jahrhundert zieht an einem vorbei, Erster Weltkrieg und Zusammenbruch des Habsburger Reiches, die „Zwischenzeit“, der aufkommende Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Holocaust und wieder ein Zusammenbruch der gewohnten Welt, dann Ungarn unter sozialistischer Knute. Die Zeit- und Familiengeschichte erscheint wie ein einziges großes Bild, fast ein Puzzle, Eltern und Kinder, Großeltern, Enkel, Geschwister, ein ungarischer Reigen. Man spürt die Zerrissenheit der Menschen wie der ganzen Welt.
Manch eine Szene bleibt mir wohl immer im Gedächtnis, eine der schlimmsten ist die Vergewaltigung des Dienstmädchens durch die marodierenden Russen. Es wurde von den anderen Frauen auserkoren, den Russen vorgeworfen zum Fraß und sollte hinterher durch Lajos‘ Frau mit einem Schmuckstück „entlohnt“ werden. Diese widerliche Herablassung lässt einen zweifeln, ob es gerechtfertigt ist, das Schicksal der Familie Lázár zu beweinen. Ebenso die nachträgliche Scham von Lajos, der sich als williger Mitläufer an der Judenverfolgung beteiligte.
Eingestreute Ereignisse der Weltgeschichte verlieren sich im Roman, so auch der Tod Stalins, hier hat Biedermann versucht, mehr hineinzulegen in seinen Roman als nur die Familiengeschichte. Notwendig war es nicht.
Biedermann beschreibt die Ereignisse mit regelrechter Wolllust, bei mancher Sexszene hat er vielleicht etwas übertrieben, vielleicht ist man diese Derbheit auch nur nicht gewohnt. Denn er kann auch anders, wie man tief berührt liest, wenn Pista, Lajos Sohn sich nach seiner fernen Geliebten Matilda verzehrt und sie sich nach ihm. Überhaupt ist wohl Pista meine Lieblingsfigur im Roman, er hat sich so viel Mühe mit dem Starkwerden gemacht, und doch konnte er seine Liebsten nicht vor den Schrecken der Zeit bewahren. Pista wäre es auch, von dem ich gern weiterlesen würde.
Ich habe vor Jahren mich intensiv mit Recherchen zu den 1950ern beschäftigt, auch zu den Ereignissen in Ungarn nach 1945. Aber diese persönlich anmutenden Schilderungen von Gewalt, Terror und Unterdrückung gingen mir unter die Haut. Ich will nicht zu viel preisgeben vom Inhalt, aber das Zerschlagen einer ganzen Familiendynastie und ihres weltlichen Besitzes ist hochdramatisch.
Bisweilen bedauerte ich, dass manche Episode recht abrupt endete. Dennoch machte mir das Zuhören große Freude, Max von Pufendorf liest genial, die Stimme ist dem Autor und dem Buch wie auf den Leib geschneidert, ganz leicht schwingt immer Ironie im Hintergrund, und doch sind Tragik ebenso wie Komik präsent und fast körperlich erlebbar.
Der poetische Schreibstil, die Wortwahl, das beschriebene Ambiente sind auf hohem literarischem Niveau. Die Lorbeeren des Vergleichs mit Thomas Mann und den Buddenbrooks möchte ich dennoch dem Autor nicht um den Hals hängen. Warum auch, Biedermann steht für sich selbst und ich bezweifle nicht, dass aus seiner Feder noch weitere Roman fließen werden, die die Leserschaft begeistern.
Wer Biedermann die Nutzung von KI beim Schreiben seines Romans unterstellt (ich las diesen Vorwurf in mehreren Rezensionen), ist sich in meinen Augen nicht klar darüber, wie ein Schreibprozess bei einem Schriftsteller abläuft. Das ist ein künstlerischer Vorgang, der mehr braucht als richtiges Deutsch und gute Grammatik. Der Vorwurf ist genauso unwürdig, wie zu behaupten, jeder könne malen wie Picasso.
Fazit: Das Buch hätte ich mit vier Sternen bewertet, das Hörbuch kommt für die geniale Sprechleistung von Max von Pufendorf auf fünf Sterne. Absolute Hörempfehlung!
Eine dramatische Zeitgeschichte voller Tragik und Verlust
Bewertung aus Penzberg am 05.10.2025
Bewertungsnummer: 2616211
Bewertet: Hörbuch-Download
Lajos von Lázár, Sohn eines Barons, wird in das 20. Jahrhundert hineingeboren und muss sich im Laufe seines Lebens mit dessen Wandel zurechtfinden. Das Habsburger Reich zerbricht, der Adel verliert seinen Status und der Krieg überrollt Ungarn. Und doch findet Lajos das Glück mit Lilli, seiner Frau, und den Kindern Eva und Pista, und erlebt sowohl wunderbare Augenblicke wie auch dramatische Momente voller Schmerz und Tragik, in denen es ums reine Überleben geht.
Der stolze Lipizzaner auf dem Cover steht gekonnt für den blaublütigen Adel, und Nelio Biedermanns Geschichte beginnt zu dessen besten Zeiten, als die von Lázárs noch Barone und reiche Grundbesitzer waren. Der junge Autor geleitet die Leserschaft durch deren Leben, von schillernden, unbeschwerten Bällen und langen Ausritten bis hin zum Verfall und durch den blutigen Krieg, dessen detaillierte Beschreibungen manchmal schwer auszuhalten sind. Gerade auch, weil man ähnliche Anklänge schon wieder unterschwellig spüren kann.
Der junge Autor schreibt sprachgewaltig, fast poetisch und schafft es spielerisch, zu fesseln. Sein Werk ist bewegend, dramatisch und voller Tragik und Verlust; ich denke, dieses Buch wird mir aufgrund seiner traurigen Thematik noch lange in Erinnerung bleiben.
Max von Pufendorf liest mit angenehmer Stimme und etwas zurückhaltend, sein unaufdringlicher Stil passt einfach perfekt.
Meinung aus der Buchhandlung
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Die Familiengeschichte der Lázárs über mehrere Generationen im Ungarn des 20. Jahrhunderts ist eine literarische Offenbarung! Die poetische, bildgewaltige Sprache ist ein Hochgenuss; man versinkt komplett in der Geschichte und lebt mit den Figuren mit.
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Ein überraschend intensiver, detailversponnener, episch pointierter Roman - zeigt den Glanz und Verfall einer ungarischen Adelsfamilie ab dem beginnenden 20. Jahrhundert; Harmonisch wirr und sexy, im Stil so klar und gerade heraus, Gespenstisches und Wahnsinniges neben der morbid atmenden Dekadenz der Jahrhundertwende; Nelio Biedermann fängt das Zeitgeschehen, damalige Moden und politische Umbrüche atmosphärisch ein, die Figuren ein Spiegel der Zeit - ein wahrer Lesegenuss!!
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