Als bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter durch eine Verwechslung alles von Wert in die Müllverbrennungsanlage wandert, bleibt dem Erzähler wortwörtlich nur der Abfall der eigenen Familiengeschichte. Wie hat es so weit kommen können? Der Erzähler blickt auf die Biografie seiner Familie: ein Stammbaum des Wahnsinns. Die Großmutter bipolar, zwölf Suizidversuche, der Großvater Stammkunde in Steinhof, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Und er blickt auf seinen eigenen Weg: Eine Kindheit im Münchner Arbeiterviertel. Die frühe Angst, verrückt zu werden. Die Flucht vor der Familie ins entfernte New York. Jahre in Wien mit Freud im Kaffeehaus. Und wie er schließlich doch in der Anstalt landet – als Psychologe. Bei der Arbeit mit den Patienten lernt er, dass ein Mensch immer mehr ist als seine Krankheit, dass Zuhören wichtiger ist als Diagnostizieren. Vor allem aber muss er sich bald die Frage stellen, was das sein soll: ein normaler Mensch.Eine aus dem Ruder gelaufene Familienanamnese? Ein Schelmenroman? Ein Lehrstück in Empathie? Leon Englers Debüt ist all das und mehr, ein zärtlicher Befreiungsschlag, die Geschichte einer Versöhnung.Lieblingsbuch des Schweizer Buchhandels 2026.Nominiert für den ZDF-aspekte-Literaturpreis 2025.»Ein fantastisches Buch – abgrundtief und doch tröstend. Hab's verschlungen.« DORIS DÖRRIE»Unwiderstehlich. Leichtfüßig und ernst, zärtlich und brutal, ironisch und ehrlich.« SIRI HUSTVEDT
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
V
aus München
5/5
31.03.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Unterhaltsames, skurriles Buch
Der große Gau: Bei der Wohnungsentrümplung wird der falsche Haufen entsorgt, es bleibt nur der eigentlich aussortierte Rest übrig. Allerdings fügt sich dieser Unfall auch gut in die Familiengeschichte ein - fast jeder hat und hatte mit mentalen Krankheiten und Suchterkrankungen zu kämpfen. Der Erzähler blickt auf die Familiengeschichte und sein eigenes Leben zurück, dabei ist das Buch unterhaltsam und spannend eingelesen.
zeilen_echo
5/5
03.09.2025
Hörbuch-Download (MP3)
Wenn dein Stammbaum mit psychischen Krankheiten gespickt ist, gleicht dein Leben einem Russisch Roulette.
Genau dieses Bild ging mir beim Lesen immer wieder durch den Kopf.
Zur Story: Leon stammt aus einer Arbeiterfamilie in München und hat von klein auf an immer wieder miterlebt, wie sehr die anderen Familienmitglieder (Mutter, Vater, Großeltern) mit ihren psychischen Erkrankungen zu kämpfen haben.
Da ist es nur logisch, dass er sich anfängt zu fragen, wann dieses Schicksal auch ihn ereilen wird.
Seine Konsequenz? Er geht.
Nach New York, Paris und schließlich Wien.
Hier trifft er auf einen eremitischen Nachbarn, der Leons Horizont um einige Kilometer erweitert.
Btw auch mein Lieblings-Charakter in dem gesamten Buch!
Leon beginnt zu hinterfragen, was „normal sein“ überhaupt bedeutet und fängt an, das Leben zu ergründen.
Er beobachtet, beschreibt, notiert. Nüchtern, fast berichtartig, was normalerweise überhaupt nicht zu meinen Präferenzen gehört. Aber genau das macht den Reiz dieses Buches: Der trockene Ton trifft auf Humor, der so scharf und absurd ist, dass ich mehrmals laut lachen musste.
Insgesamt hat mich das Buch an „Die fabelhafte Welt der Amélie“ erinnert – nur eben in real, ungeschönt, mit psychiatrischen Kliniken und kaputten Träumen.
Kleiner Kritikpunkt: Der Zeitstrahl war für mich nicht immer klar ersichtlich (Arbeit in der Psychiatrie? Theaterstück? Oder doch andersrum?), aber vielleicht ist dieses Fragmenthafte genau Teil der Wahrheit: Ich kann mir vorstellen, dass sich gelebtes Leben mit psychischen Erkrankungen genau so anfühlen kann.
Ich habe zunächst das Hörbuch begonnen und der Sprecher passte wie die Faust aufs Auge, vor allem mit seinem Wienerischen Akzent, der der Hauptfigur und Situationen eine ganz persönliche Färbung gibt. Trotzdem habe ich nach ca. 15 % abgebrochen, nicht weil es schlecht gewesen wäre – im Gegenteil! Ich habe schnell gemerkt, dass dieses Buch so viele zitierwürdige Sätze enthält, die ich unbedingt Wort für Wort vor mir sehen wollte. Also habe ich mir das Hardcover nochmal selbst gekauft und das war die absolut richtige Entscheidung.
Für mich ein absolutes Jahreshighlight!
P.S.: Ich will auch so einen Nachbarn, der einem Bücher schenkt, nachdem ich sie 2 ½ Sekunden angesehen habe ;)
brauneye29
aus Wachtendonk
5/5
12.08.2025
Hörbuch-Download (MP3)
Bemerkenswertes Buch
Zum Inhalt:
Der Erzähler der Geschichte blickt auf die Geschichte seiner Familie zurück, die wahrlich eine Geschichte des Wahnsinns ist. Die Großmutter bipolar mit diversen Selbstmordversuchen, Mutter Alkoholikerin, Vater depressiv, blickt er nun auf seinen eigenen Weg aus dem Arbeiterviertel, über New York und Wien um selbst in einer Anstalt zu landen, als Psychologe.
Meine Meinung:
Das Buch und auch das Hörbuch habe ich als sehr besonders empfunden und könnte nicht mal sagen warum, aber diese Beschäftigung mit dem Wahnsinn war irgendwie unglaublich interessant und intensiv. Wie würde man wohl selbst damit umgehen, soviel Wahnsinn in der Familie zu haben? Das Leon Angst davor hat, selbst verrückt zu werden, ist mehr als verständlich. Der Umgang damit umso erstaunlicher. Wenn ich bedenke, dass es ein Debüt-Roman ist, in dem der Autor auch noch Einblick in die eigene Geschichte gibt, Hut ab dafür. Hat mir enorm gut gefallen.
Fazit:
Bemerkenswertes Buch
Bewertung
5/5
07.08.2025
Hörbuch-Download (MP3)
Kürbisse!
Schweres Erbe: Der junge Mann muss mit einer Verwandtschaft zurecht kommen, die durchaus als 'nicht die Regel' bezeichnet werden könnte (doch was ist die Regel?). Depressive. Drogenabhängige. Selbstmordgefährdete. Klinikaufenthalte inklusive. Kann sich wirklich so viel in einer Familie versammeln? Spielen da wirklich die Gene eine Rolle? Üblicherweise gibt es in so gut wie jeder größeren Familie (also so ab fünf Personen) jemanden, der / die es etwas schwerer im Leben hat. Also das was heutzutage wohl 'neurodivers etc.' genannt wird.
Es ist beeindruckend wie der Ich – Erzähler (Leon) sich damit beschäftigt, über Stationen Berlin, München, New York, Paris, Wien (und immer wieder Wien!) schließlich dann doch in der Psychiatrie landet – als angestellter Psychologe. Eigentlich schlüssig, dass er bei so vielen Fällen in der Familie sich damit beschäftigt und in Wien (ausgerechnet in Wien! Freud und so weiter...) Psychologie studiert. Interessant auch sein Umfeld, die Freunde und Freundinnen, die er sich aussucht.
Haben wir alle etwas Ver-rücktes an uns? Aus der Reihe tanzend. Eigensein. Irgendwie anders sein als der Rest?
Viele Menschen, vermutlich die Meisten, denken, dass sie diejenigen sind mit der schwersten Jugend aller Zeiten. Nach dem Lesen von Leon Englers Buch merkt man den Unterschied. Ich denke, schlimmer geht es nicht. Und trotz diesem schweren Erbe hat er es geschafft, wurde Autor diverser Werke, Psychologe und Dozent.
Das Cover sieht einfach unglaublich aus: Diese Blüten, die dann wie Paradiesvögel firmieren. Sehr aufsehenerregend. Doch auch passend, sind die Neurodiversen nicht die Paradiesvögel? Auch bei dem Titel stellt sich ein lesender Mensch gleich die Frage – was meint der Autor damit?
Das ist ein Büchlein, was langsam gelesen werden möchte. Ich bin beeindruckt von der Schreibart des Autors Engler und bitte ihn weiterzuschreiben! Es beschäftigt ganz schön und lässt auch die eigene Familiengeschichte erneut hinterfragen...
drawe
aus Landau
4/5
14.03.2026
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Harter Tobak...
Mein Hör-Eindruck:
„Trinker, Tagträumer, Tagelöhner“
So fasst der Protagonist, namensgleich mit dem Autor, die Biografien seiner Familie zusammen. Die Generationen vor ihm sind geprägt durch Depressionen, Alkoholismus, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Einsamkeit, Suizidversuche, Schizophrenie, Psychosen, lange Aufenthalte in psychiatrischen Anstalten, bipolare Störungen, Suchtverhalten, Verfolgungswahn. Leon ist um die 30 und trägt schwer an seinem Erbe. Voller Angst wartet er darauf, dass ihn dasselbe Schicksal ereilt, wobei er zugleich die Hoffnung nicht aufgibt, dass die Ursachen dieser Erkrankungen weniger in einer familiären Disposition, sondern eher in äußeren Einflüssen zu finden ist.
Der Autor entwickelt die Geschichte seines Protagonisten auf verschiedenen Zeitebenen. Er versucht, ausgehend von seinen Erinnerungen und ärztlichen Dokumentationen, die Krankheitsgeschichte der vorhergehenden Generationen zu rekonstruieren, wobei der häufige Wechsel zwischen den Generationen stellenweise unübersichtlich wird. Diese Familiengeschichte unterfüttert er mit theoretischen Informationen zur Diagnostik und Therapie und deutlich autobiografisch gefärbten Passagen zur ärztlichen Tätigkeit. Damit versachlicht er zwar seinen Text, aber dennoch rücken die betroffenen Menschen sehr nah an das Gemüt des Lesers heran.
Eine Klassifikation wie in der Botanik wird ebenfalls bei psychischen Störungen versucht, aber, so der Autor, jede Klassifikation nähert sich von außen dem Menschen als Objekt an. Damit wird sie dem persönlichen Erleben bzw. der individuellen Weltsicht des betroffenen Menschen selten gerecht. Voraussetzung für eine Annäherung an das Innere ist das genau Zuhören, so der Autor, das er mit viel Empathie einfordert. Und das Zweifel an den Begriffen „normal“ und „verrückt“ aufkommen lässt.
Darin liegt das Besondere dieses Buches: wie der Erzähler sich schweren Herzens zur Akzeptanz seiner Familiengeschichte durchringt, sodass er seinen kranken Eltern mit Verständnis und Mitgefühl begegnen kann. „Es ist nicht mein Kampf, den ich verliere“, schließt er resigniert. Diese Haltung erlebt er zwar als Scheitern, aber dennoch: er hat die Hoffnung, das Trauma der Familie nicht weiterleben zu müssen.
Das Hörbuch wurde eingelesen von Johannes Nussbaum, der mit seiner fast monotonen Stimme die Sachlichkeit des Buches verstärkt.
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5/5
16.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein wildwucherndes Sprachkunstwerk für den Kopf
Leo Englers Botanik des Wahnsinns ist ein literarisches Kammerspiel der Extraklasse. Der Text kommt ohne großen Ballast aus und trifft mit seinen pointierten, oft skurrilen Dialogen direkt ins Schwarze. Engler seziert die menschliche Psyche mit botanischer Präzision – das ist beim Lesen gleichermaßen amüsant wie beunruhigend.
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5/5
07.03.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Schwierige Themen, wunderbares Buch
Ein grandioses Buch, das Einblicke in die schwierigen Familienverhältnisse des Erzählers bietet.
Wird man selbst auch verrückt, wenn man einer wahnsinnigen Familie entstammt? Was bedeutet es, normal zu sein? - und gibt es Normalität überhaupt? Der Erzähler landet irgendwann selbst in der Anstalt, jedoch als Psychologe. Hier lernt er die andere Seite einer dünnen Medaille kennen, deren Seiten mehr gemein haben als sie trennt.
Leon Engler beschreibt in wunderbar prägnanter Sprache, das Innere eines belasteten Familiensystems. Seine Worte denken zum Nachdenken und Hineinempfinden an. Vor allem die Bezüge zu Wien und München verleihen der Erzählung Plastizität und erlauben Ortskundigen noch weiter in ihr zu versinken.
Ein tolles Buch, vor allem auch super gelesen von Johannes Nussbaum, u.a. bekannt als Erzherzog Maximilian aus "Die Kaiserin".
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5/5
07.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Geschichte voller Gefühl und Tiefe
“Botanik des Wahnsinns“ von Leon Engler hat mich tief berührt. Die Sprache ist unglaublich schön und intensiv, jedes Wort scheint mit Bedacht gewählt. Besonders beeindruckt haben mich die Charaktere. Sie wirken so lebendig und echt, dass man das Gefühl hat, ihnen ganz nah zu sein. Ein Buch, das nicht nur gelesen, sondern gefühlt wird.
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5/5
12.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Was ist ein normaler Mensch? Hast du schon einen getroffen?“
Der Protagonist führt uns durch seine Familiengeschichte, in der jede einzelne Person unter einer psychischen Krankheit litt. Kein Wunder, dass er sich fragt mit welcher Diagnose er früher oder später in der Psychiatrie landen wird…
Ein Buch, dass ganz anders ist, aber zum Nachdenken anregt und eine gelungene Mischung aus Ernsthaftigkeit, Empathie und Ironie beinhaltet.
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5/5
16.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Lieber verrückt als einer von euch"
Dieser sehr einfühlsame, anspruchsvolle und kurzweilige Debütroman thematisiert die psychischen Dynamiken der Familie des Autors, bei der über Generationen hinweg verschiedenste psychiatrische Erkrankungen vorherrschten. Ein Stammbaum des Wahnsinns? Ernst, ironisch, aber auch teils unterhaltsam lässt uns dieses Buch in die Welt abseits gesellschaftlicher Normen eintauchen. Bleibt nur noch die Frage: Was und wer ist schon normal?
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