Deutscher Buchpreis 2024Hey guten Morgen, wie geht es dir ist ein tiefgehendes Hörbuch, aber so leichtfüßig wie eine Komödie.Tagsüber hilft Juno ihrem schwerkranken Mann Jupiter dabei, seinen Alltag zu meistern. Außerdem ist sie Künstlerin, tanzt und spielt Theater. Und nachts, wenn sie wieder einmal nicht schlafen kann, chattet sie mit Love-Scammern im Internet.Martina Hefter hat einen berührenden Roman über Bedürfnisse und Sehnsüchte im Leben geschrieben. Und darüber, wie weit man bereit ist, für die Liebe zu gehen.Juno schreibt online mit Männern, die Frauen online ihre Liebe gestehen und so versuchen, sie um ihr Geld zu bringen. Doch statt darauf hereinzufallen, werden genau diese Männer zu einer Form von Freiheit für Juno. In den Gesprächen kann sie sein, wer sie will und sagen, was sie will - und das vermeintlich ohne Konsequenzen. Ganz im Gegensatz zu ihrem sonstigen Leben, in dem sie immer unterwegs, immer besorgt um Jupiter, immer beschäftigt und eingebunden ist. Also flüchtet Juno ab und zu vor ihrem Alltag ins Internet und spielt dort Spielchen mit Männern, die sie anlügen. Sie selbst wird zur Lügnerin. Aber ist es nicht so, dass man sich beim Lügen zuallererst selbst belügt? Eines Tages trifft Juno
Kundinnen und Kunden meinen
3.5/5.0
Novalie
aus Graz
4/5
07.12.2024
Hörbuch-Download
Kreativer Ansatz
Juno ist Künstlerin, pflegt ihren erkrankten Mann und verbringt ihre schlaflosen Nächte damit, heimlich mit Love-Scammern zu chatten. Diese Männer lügen Frauen die große Liebe vor, um an ihr Geld zu kommen. Doch Juno lügt zurück. Sie belügt die Männer und sich selbst, bis sich immer wieder neue Wahrheiten hineinschleichen. Aber dann trifft sie online den Love-Scammer Benu, der sie durchschaut.
Die Idee der Geschichte fand ich sehr kreativ und auch der Erzählstil hat mir richtig gut gefallen. Juno wirkt auf mich ein bisschen suchend und orientierungslos. Sie war mir nicht wirklich sympathisch, hatte aber einen sehr eigenen Blick auf die Welt, den ich gerne verfolgt habe und der im Hörbuch auch sehr gut rübergekommen ist.
Als sie begonnen hat mit den Love-Scammern zu chatten, habe ich fast schon etwas Mitleid mit den Männern bekommen, weil sie so gnadenlos war. Diese Unterhaltungen haben mir richtig gut gefallen.
Es werden viele verschiedene Themen angesprochen. Juno ist ein Mensch mit verschiedenen Diversitätsmerkmalen und beginnt durch ihre Unterhaltungen mit Beno zu recherchieren, zu kontextualisieren und zu hinterfragen. Dadurch werden sehr viele Dinge, die angesprochen wurden, für meinen Geschmack nicht genug behandelt, sondern nur gestreift und einiges bleibt offen.
Die Geschichte ist sicher nicht Main-Stream, aber mir hat es ganz gut gefallen, auch wenn ich glaube, dass ich nicht alles verstanden habe.
Monsieur
4/5
29.11.2024
Hörbuch-Download
Juno ist online
Jedes Jahr löst die Verleihung des Deutschen Buchpreises bei vielen Leserinnen und Lesern zunächst Skepsis aus. Auch Martina Hefters Roman „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ fällt in diese Kategorie – ein Werk, das thematisch und methodisch auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint. Doch bei genauerer Betrachtung offenbart es eine tiefere, nachdenklich stimmende Ebene, die sich den Lesern erst nach und nach erschließt.
Ohne die Nominierung für den Buchpreis wäre das Buch wahrscheinlich an einem breiten Publikum vorbeigegangen. Das Thema, in das Martina Hefter ihre Leser mitnimmt, wirkt auf den ersten Blick wenig einladend: Es geht um Love-Scamming, eine Art des Internetbetrugs, bei dem Männer versuchen, Frauen durch gefälschte romantische Absichten auszunehmen. Die Hauptfigur Juno, eine Performance-Künstlerin, fällt jedoch nicht auf diese Maschen herein. Stattdessen nutzt sie die anonymen Chatgespräche als Spiel, eine Art Bühnenauftritt in einem digitalen Raum. Hier kann sie Rollen annehmen, sich inszenieren und eine Art Kontrolle ausüben, die ihr im Alltag oft verwehrt bleibt.
Juno entspricht nicht dem typischen Opferbild, das oft mit Love-Scamming verbunden wird. Sie ist weder naiv noch verzweifelt auf der Suche nach Liebe. Im Gegenteil: Ihr Leben erscheint auf den ersten Blick stabil. Sie ist nicht reich, kommt jedoch mit ihrer sparsamen Lebensweise gut zurecht. Sie betreibt regelmäßig Sport, hat Ambitionen im Ballett und führt ein künstlerisch bereicherndes, wenn auch nicht erfolgreiches Leben. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich, dass der Alltag sie stark fordert. Die Pflege ihres Ehemannes, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, zehrt an ihrer Energie. Sie ist ständig unterwegs, gehetzt von einem Termin zum nächsten. Diese Überforderung, die sich schon seit längerem schleichend in ihrem Leben eingeschlichen hat, mag für viele Leser nachvollziehbar sein – sie ist keine Ausnahme, sondern ein Abbild der Realität vieler Menschen.
Doch warum lässt sich Juno, die weder verzweifelt noch mittellos erscheint, auf dieses Internetspiel ein? Martina Hefter nähert sich dieser Frage in kleinen, unaufdringlichen Schritten. Ist es einfach ein Zeitvertreib? Oder steckt eine tiefere Sehnsucht dahinter? Juno scheint sich selbst einzureden, dass sie die Männer durchschaut. Doch immer wieder lässt der Text erahnen, dass auch in ihr eine gewisse Hoffnung aufkeimt: Vielleicht sind die Dinge am Ende doch anders, als sie scheinen. Diese Ambivalenz macht die Figur so vielschichtig – Juno ist stark und verletzlich, kontrolliert und suchend zugleich.
Interessant ist auch, wie Hefter Junos Leben abbildet. Es gibt kaum Dialoge oder intensive menschliche Interaktionen. Der Text wirkt nüchtern und fast kalt, was den monotonen Alltag der Protagonistin treffend widerspiegelt. Doch gerade diese nüchterne Erzählweise erlaubt es Hefter, tief in Junos Gefühlswelt einzudringen. Die Handlung schreitet kaum voran, die Geschichte scheint auf der Stelle zu treten – eine literarische Reflexion von Junos stagnierendem Alltag. Und doch entsteht dabei keine Langeweile. Vielmehr schafft es die Autorin, die Leser in die scheinbare Leere von Junos Leben hineinzuziehen, die gleichzeitig voller leiser Konflikte und emotionaler Nuancen ist.
Ein wiederkehrendes Motiv des Romans ist Junos Fähigkeit, Rollen zu spielen – beruflich wie privat. Als Performance-Künstlerin ist sie es gewohnt, sich zu inszenieren, und im Internet kann sie diese Fähigkeit voll ausleben. Doch das Leben ist kein Drehbuch, und so stößt sie immer wieder an ihre Grenzen. In einer Szene am Ende des Romans wird sie Zeugin, wie Jugendliche gegen die Scheibe einer Bahn spucken, in der sie sitzt. Diese willkürliche Aggression überfordert sie, und sie bleibt passiv. Gleichzeitig zeigt der Roman auch ihre Stärke: So hindert sie einen Zug minutenlang an der Abfahrt, um sicherzustellen, dass der Rollstuhl ihres Mannes eingeladen wird. Diese Ambivalenz – zwischen Stärke und Hilflosigkeit, Kontrolle und Ohnmacht – macht Juno zu einer faszinierenden, vielschichtigen Figur.
Der Roman stellt immer wieder die Frage, was Juno wirklich antreibt. Ist es Liebe, die sie im Internet sucht? Oder einfach nur eine Flucht aus dem monotonen Alltag? Vielleicht ist es auch etwas Dunkleres: eine Sehnsucht nach dem Ende. Der wiederkehrende Verweis auf Lars von Triers Film „Melancholia“, in dem die Erde durch einen Kometen zerstört wird, legt nahe, dass Juno sich von der Vorstellung eines absoluten Endes angezogen fühlt. Diese morbide Faszination verleiht dem Roman eine zusätzliche Tiefendimension und öffnet Raum für Interpretationen.
„Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ ist kein Buch, das durch große Dramatik oder tiefschürfende Konflikte besticht. Vielmehr lebt es von seiner ruhigen, unaufgeregten Erzählweise, die die Leser schrittweise in Junos Welt zieht. Der Text ist leicht zugänglich, aber keineswegs oberflächlich. Hefter hat es geschafft, eine ungewöhnliche Protagonistin zu schaffen, die auch skeptische Leser für sich einnehmen kann.
Doch trotz aller Qualitäten bleibt die Frage, ob dieses Buch den Ansprüchen des Deutschen Buchpreises gerecht wird. Die Thematik ist sperrig, die Erzählweise monoton, und die Tiefe erreicht nicht die Intensität, die man von einem preisgekrönten Roman erwarten könnte. Es ist ein stimmiges, nachdenkliches Werk, das sicherlich seine Leser finden wird – doch ein Meilenstein der deutschsprachigen Literatur ist es nicht. Dennoch bleibt es ein ungewöhnliches literarisches Projekt, das nachhallt und zeigt, wie vielseitig moderne Literatur sein kann.
Eric
aus Dresden
5/5
20.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das etwas andere Hauptthema wird verarbeitet
„Hey Guten Morgen, wie geht es dir“ von Martina Hefter ist die Gewinnerin des deutschen Buchpreises 2024. Aus meinen Augen zurecht.
Mit Love Scammer zu schreiben wird gewarnt. Die Profile heucheln den Opfern Liebe vor, derweil haben sie es auf das Geld der Opfer abgesehen. Nur wer sind die Menschen die mit diesen Profilen schreiben? Einsame Personen, Menschen die aus dem Alltag fliehen? Muss ich als Opfer ein schlechtes Gewissen haben oder was ist Lüge, was ist Echt? Love Scammer sind Menschen, aber was passiert, wenn sich eine Beziehung daraus entwickelt. Wenn aus der vorgetäuschten Liebe, echte Liebe wird. Eine Bindung, Gefühle entstehen. Der Abschied oder das Blockieren des Profils ist umso schmerzlicher.
Hefter wirft zudem einen Blick auf die freie Kunstszene. Als Performancekünstlerin hat sie Sorge um ihre finanzielle Lage. Ein neues Stück muss produziert werden und mit bisherigen gehe ich auf Tournee. Zukunftsängste sind bedeutet.
Der Roman ist ein unterhaltsames, flüssig zu lesendes Buch welche komödiantische Züge trägt, gespickt mit ernsthaften Themen. Es besitzt viele autobiographische Züge und den Blick auf die Krankheit Mulitple Sklerose, an den auch Hefter´s Mann erkrankt ist. Durch diesen Part fühlt sich der Plot sehr vertraut, nah- und fühlbar an.
Bewertung
Book Circle Community
5/5
24.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Juno umkreist von Jupiter, Benu und anderen
Die Hauptperson ihres Buches ist Juno. Um sie herum kreisen viele Menschen, allen voran Jupiter und Benu.
Es geht um die alltäglichen Sorgen des Alltags mit einem pflegebedürftigen Partner, um Einsamkeit, Lügen bzw Verschweigen, Sternbilder, Lovescamming,… .
Martina Hefter hat für mich die Autofiktion auf eine neue Ebene gehoben. Sie nimmt einzelne Teile ihres persönlichen Lebens und kreiert eine völlig neue, davon losgelöste Geschichte.
Meiner Meinung nach definitiv ein Buch, das mehrmals gelesen werden kann.
KS
aus Rems-Murr-Kreis
5/5
02.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Positiv überrascht
Kurz und bündig - ich bin skeptisch an dieses Buch herangegangen und wurde eines Besseren belehrt.
Mir haben die Geschichte und die Erzählweise ausgesprochen gut gefallen.
Für mich ist Juno (und wir lesen ihre Geschichte, ihre Sicht der Dinge) eine starke Frau, die sich Auszeiten aus ihrem derzeitigen persönlichen Schicksal, ihrer Lebenssituation, sucht.
Und diese auch findet und dabei verschiedenste Erfahrungen macht.
Gut erzählt und unterhaltsam. Mit Raum zum Weiterdenken.
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5/5
26.01.2025
eBook (ePUB 3)
Kurz und flockig und doch wird man ins Buch hineingesogen!
Der absolut verdiente Siegertitel des Deutschen Buchpreises!
Das Buch beginnt (ob beabsichtigt oder nicht ) mit einer Kafka Referenz, die mir beim Lesen direkt klarmachte, dass Martina Hefter meine top Favoritin des Jahres ist.
Unsere Protagonistin Juno, beginnt hier aus Langeweile die Liebesschwindler in den Direktnachrichten ihres Social Media Kanals an der Nase herumzuführen - bis es ihr irgendwann reicht!
Sie konfrontiert einen ebendieser Männer - Benu - und die beiden lernen sich trotz der Lüge, durch die sie zueinander gefunden haben, kennen.
Mal abgesehen vom Plot, der wahnsinnig interessant war, habe ich den Schreibstil der Autorin geliebt! Denn während Hefter flüssig schreibt, ist das Buch kein typisches, schnell gelesenes Buch, sondern wirklich malerisch formuliert! Und auch wenn viele kritisieren, dass die Geschichte zu stark an Frauen gerichtet ist, fand ich gerade das zwischen den anderen Titeln, die dieses Jahr und auch sonst auf die Shortlist des DBPs kamen, erfrischend!
Das Cover ist ansprechend & wer vom Klappentext noch nicht überzeugt war, wird spätestens die Geschichte von Juno lieben!
Für mich ein großartiges Highlight des Jahres 2024 und eine klare Buchempfehlung!
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4/5
16.12.2024
Hörbuch (Audio)
Deutscher Buchpreis.
Am Anfang kam ich gar nicht zurecht. Die Einfachheit der Sprache hat mich dann doch ein wenig verwundert. ( Deutscher Buchpreis) Doch der Inhalt ist „schwierig“. Love Scamming, Sie fällt nicht darauf rein, sie hat die Profilbilder hinter den Scammern durchschaut. Sie chattet, während.
Ihr Mann im Pflegebett liegt. Aufopferungsvoll kümmert sie sich tagsüber um ihn. Nachts tauscht sie sich mit ihrem „Lovescammer" aus, eine Art Freundschaft zwischen ihnen entsteht, nur einseitig? Eines Tages ist er weg. Mir hat das Buch gut gefallen. Ein Buch das erst auf den zweiten Blick überzeugt hat.
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4/5
02.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Juno kümmert sich um Ihren schwerkranken...
Juno kümmert sich um Ihren schwerkranken Mann,mit dem sie in einer nicht barrierefreien Wohnung lebt, u. oft mit schwierigen Herausforderungen konfrontiert ist.
Abends kann Sie meistens nicht schlafen & chattet dann mit Love-Scammern, bei denen kann sie vor ihrem Alltag flüchten
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3/5
13.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Melancholie
Schon länger steht dieses Buch nun auf meiner Leselist und ich habe mich wirklich sehr darauf gefreut. Der Schreibstil ist sehr angenehm, und auch die Atmosphäre des Buches gefiel mir. Es gab jedoch einige Punkte, die mich nicht komplett überzeugen konnten. Die Charaktere waren mir etwas zu flach, und ich konnte mich gar nicht wirklich in sie hinein versetzen. Juno hatte dazwischen hin und wieder emotionalere Momente, trotzdem habe ich das Gefühl, sie nicht wirklich greifen und erleben zu können. Das Buch hat grundsätzlich viele wichtige Themen angeschnitten, aber eben auch nur das. Ich hätte mir weniger Scammer und mehr Einblicke in die Welt der körperlich eingeschränkten Personen gewünscht. Es ist so ein wichtiges Thema, mit viel zu wenig Repräsentation, das Buch hätte die perfekte Grundlage geboten, genau das aufzugreifen. Im Endeffekt denke ich, dass es vielleicht einfach kein Buch für mich war. Es gibt aber ganz viele Menschen da draußen, denen es bestimmt zusagen wird (meine Mama mochte es zum Beispiel sehr!).
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3/5
03.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine charmante Mischung aus Realität und Online-Abenteuer
Es gefiel mir besonders, dass die Protagonistin Juno aufgrund nächtlicher Schlaflosigkeit sogenannte Love Scammer im Internet via Chat auf witzige Weise „veräppelt“. Gleichzeitig kümmert sie sich liebevoll um ihren kranken Mann und meistert dennoch ihren Alltag, auch wenn ihr das zunehmend schwerfällt.
Die Geschichte wirkt sehr lebensnah und erzählt Alltägliches ohne viel TamTam. Der Erzählstil plätschert ruhig dahin, bleibt dabei aber charmant und unterhaltsam.
Mein Fazit: "Hey Guten Morgen, wie geht es dir?" besticht durch seinen natürlichen, lebensnahen Ton und die humorvollen Einblicke in Junos Online-Abenteuer. Wer Geschichten aus dem echten Leben mit feinem Humor und warmherzigen Figuren schätzt, wird an diesem Buch Freude haben.
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