Ein sensibler, literarischer Roman über die Zerrissenheit der Frauen zwischen Beruf und Familie - Susanne Gregor 'beleuchtet psychologisch scharfsichtig Fremdheit und Entfremdung'. (Katja Gasser, ORF)
Klara ist tot, beim Wandern abgestürzt. Bei ihr war nur Paulína, eine Slowakin, die Klara nach dem Schlaganfall ihrer Mutter eingestellt hat. Endlich war die Mutter versorgt gewesen. Klara konnte sich wieder ihrer Karriere widmen, ihr Mann seine Freiheit genießen. Paulínas eigene Kinder wurden in der Zwischenzeit in der Slowakei von der Schwiegermutter betreut. Alles wunderbar organisiert, alles ganz einfach. Alle mochten Paulína, dankten ihr mit großzügigen Geschenken für Dienste und Extradienste. War man nicht eigentlich sogar schon befreundet?
In einer klaren, unprätentiösen Sprache widmet sich Susanne Gregor den großen Themen, die uns alle betreffen, und erzählt von der Ungleichheit - zwischen zwei Frauen, zwischen zwei Leben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Test-LR
5/5
28.04.2025
eBook (ePUB)
Frauen zwischen zwei Welten
Gestaltung:
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Das Titelbild zeigt zwei Frauen auf einer Wiese sitzend. Ihre Gesichter lassen sich nicht erkennen, generell wirkt das Bild sehr unscharf, verwaschen. Dies ist sicherlich beabsichtigt, denn die beiden Frauen könnten stellvertretend für jede beliebige Frau stehen. Es könnte aber auch die beiden Protagonistinnen darstellen. Auf jeden Fall passt es gut zu diesem leisen und tiefgründigen Roman.
Inhalt:
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"Es ist ein stiller Tod. An einem sonnigen Mainachnachmittag um vierzehn Uhr siebenunddreißig stürzt Klara an einer unscheinbaren Böschung fünfzig Meter in die Tiefe. Sie gibt keinen Laut von sich, zu hören ist nur ein schnelles Rascheln der Blätter, es könnte auch ein Reh sein, das davonläuft. Unten ein dumpfer Aufprall, dann Stille. An der Stelle, an der sie bis eben noch stand, nichts als ein paar dünne Zweige, brauner Boden, ein Baumstumpf, darauf Ringe, die nach außen hin immer heller werden. Wie ruhig Klaras Gesicht gewesen ist in diesem letzten Moment, wie angstlos, wird Paulína später denken." (S. 11)
Klara ist eine Karrierefrau, ihr Mann ist ein Künstler und Träumer. Die gemeinsame Tochter Ada (11) wurde bisher vor allem von ihrem Vater und dessen Mutter Irene großgezogen. Als Irene plötzlich einen Schlaganfall erleidet, muss Klara für eine Weile ihre Arbeit reduzieren und sich um die Familie kümmern und ist damit schnell überfordert. Daher engagiert sie zwei ausländische Pflegekräfte, die abwechselnd um Irene betreuen sollen. Eine davon ist Paulína. Sie ist alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen, die während ihrer Arbeit bei Klaras Familie in Österreich in der Obhut ihrer Schwiegermutter in der Slowakei verbringen. Für Paulína ist es eine Chance auf mehr Einkommen und ihren Söhnen finanziell mehr bieten zu können. Sie wird zunehmend eine Art Familienmitglied bei ihrer Arbeitsfamilie. Doch sowohl Klara als auch Paulína merken mit der Zeit, dass sie nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit dem Herzen jeweils halb in ihrem Arbeits- und Berufsleben bei der Sache sind, ihr jeweiliges Familienleben immer mehr zerfällt und sie sich zwischen beiden Welten zerreißen, ohne glücklich zu sein. Und dann geschieht ein Unglück, bei dem Klara stirbt. Was ist passiert?
Mein Eindruck:
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Das Buch beginnt gleich im Prolog mit Klaras Tod. Der letzte Satz des ersten Kapitels baut Spannung auf, denn anschließend wird die Geschichte nach und nach von Anfang an erzählt und man ertappt sich unwillkürlich bei dem Gedanken, wie es zu dem Vorfall kam bzw. ob es sich tatsächlich um einen Unfall oder gar Fremdeinwirkung ggf. durch Paulína handeln könnte. Schon dadurch wirkt das Buch wie ein Sog, der einen immer weiter lesen lässt.
Die Handlung ist in drei durchnummerierte Teile untergliedert, die wiederum nur in Abschnitte statt in Kapitel eingeteilt sind: 1. Ankommen von Paulina in der Familie, 2. Paulinas vollständiger Vereinnahmung durch Klaras Familie und schließlich 3. Paulinas emotionaler Rückzug. Der Titel "Halbe Leben" ist nicht nur auf Klara und Paulina, sondern auch auf Irene anwendbar, die seit ihrem Schlaganfall halb in der Gegenwart und zur anderen Hälfte in ihrer Vergangenheit lebt. Diese Vieldeutigkeit hat mir gut gefallen.
Man verfolgt die Entwicklung der Frauen aus ihren abwechselnd geschilderten Gedankengängen heraus in indirekter Rede verfasst. Das macht den Ton des Romans leise und ruhig, lässt den Leser aber auch tief eintauchen in die Empfindungen der Personen und deren Zerrissenheit spüren.
"Früher hat Irene Ada am Nachmittag von der Schule abgeholt, sie in den Park gebracht. Wenn Klara nach Hause kam, war ihr Kind satt und müde, es hat gereicht, sie zu waschen und ins Bett zu bringen. Erfüllt von ihren beruflichen Erfolgen, war es einfach gewesen, die Capricen ihres Einzelkindes auszuhalten, das pausenlose Geplapper, die unvermittelten Wutausbrüche oder die gezielte Gleichgültigkeit, mit der Ada den Aufforderungen ihrer Mutter begegnete. Geduldig saß sie abends am Bett ihrer Tochter und hörte zu, wenn Ada ihr etwas erzählen wollte, wenn sie mit einer Freundin gestritten oder einem Lehrer einen Streich gespielt hatte. Wie einfach es war, ein oder zwei Stunden am Tag Mutter zu sein.
Seit Irene selbst Hilfe braucht, kommt Klara noch weniger an ihre Tochter heran. Ada entzieht sich ihr, als wäre sie nie ihre Mutter gewesen, sondern bloß eine Aushilfe." (S. 30)
Das Gefühl, als Frau allen gerecht werden zu wollen, im Berufsleben ernst genommen zu werden und gleichzeitig den Erwartungen der Familie entsprechen zu wollen, kennen viele. Und oft bleibt frau mit ihren eigenen Bedürfnissen dabei auf der Strecke. In unserer westeuropäischen Kultur versuchen viele, die es sich leisten können, durch das Engagement von Haushaltshilfen oder Pflegekräften Entlastung herbeizuführen und sich damit teilweise aus ihrer Verantwortung freizukaufen. Das ist legitim. Aber in dieser Geschichte wird auch die andere Position der helfenden Kraft beleuchtet. Auch diese Person hat Familie und Bedürfnisse, die sich nicht allein mit Geld bezahlen bzw. kompensieren lassen.
Mir gefielen die vielen Zwischentöne, die subtile Spannung, die bis zu Klaras Tod aufgebaut wurde und die Auflösung am Ende.
Fazit:
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Ein Roman über moderne Frauen und ihre Zerrissenheit sowie an sie gestellte Erwartungshaltungen in sanften Tönen, aber fesselnd erzählt
Reader1965
aus Hamburg
5/5
02.02.2025
eBook (ePUB)
2 Frauen - 2 Lwben Siusanne…
2 Frauen - 2 Lwben Siusanne Gregor erzählt in "Halbe Leben" von Klara und Paulina, von ihren sehr unterschiedlichen Leben und ihren Rollen als berufstätige Frauen & Mütter. Sie beschreibt den Alltag & kleine Begebenheiten beeindruckend realistisch & ungeschönt: Wie schwer es ist, allen Rollen gleichzeitig gerecht zu werden. Von der Zerissenheit zwischen der Tatsache, Geld verdienen zu müssen, und dem Wissen, dadurch nicht ausreichend für die Kinder da sein zu können. Von dem Gefühl, der Verantwortung nicht gewachsen zu sein. Und von dem Druck, der von allen Seiten kommt. Gleichzeitig geht es um das Thema "billige" Pflegekräfte (hier aus der Slowakei) und den Abhängigkeiten dieser Pflegekräfte, von denen diese & jene Gefallen einfach erwartet werden und deren Lebensumstände ausgeblendet werden. In den nicht einmal 200 Seiten steckt viel Inhalt. Es ist ein sehr eindringlich geschriebener Roman, der bei mir beim Lesen einiges an Emotionen hervorgerufen hat. Eine absolute Leseempfehlung.
Reader1965
aus Hamburg
5/5
02.02.2025
eBook (ePUB)
2 Frauen - 2 Leben
Susanne Gregor erzählt in "Halbe Leben" von Klara und Paulina, von ihren sehr unterschiedlichen Leben und ihren Rollen als berufstätige Frauen & Mütter. Sie beschreibt den Alltag & kleine Begebenheiten beeindruckend realistisch & ungeschönt: Wie schwer es ist, allen Rollen gleichzeitig gerecht zu werden. Von der Zerissenheit zwischen der Tatsache, Geld verdienen zu müssen, und dem Wissen, dadurch nicht ausreichend für die Kinder da sein zu können. Von dem Gefühl, der Verantwortung nicht gewachsen zu sein. Und von dem Druck, der von allen Seiten kommt.
Gleichzeitig geht es um das Thema "billige" Pflegekräfte (hier aus der Slowakei) und den Abhängigkeiten dieser Pflegekräfte, von denen diese & jene Gefallen einfach erwartet werden und deren Lebensumstände ausgeblendet werden.
In den nicht einmal 200 Seiten steckt viel Inhalt. Es ist ein sehr eindringlich geschriebener Roman, der bei mir beim Lesen einiges an Emotionen hervorgerufen hat.
Eine absolute Leseempfehlung.
clematis
5/5
28.01.2025
eBook (ePUB)
Der slowakische Engel Klaras…
Der slowakische Engel Klaras Mutter braucht nach einem Schlaganfall Unterstützung. So richtet Klara kurzerhand den ersten Stock im Haus entsprechend ein und engagiert eine slowakische Pflegerin, Paulína. Rasch gewöhnt man sich aneinander, Klara stürzt sich wieder voll und ganz ins Berufsleben, Mutter Irene kommt bald gut aus mit ihrer fürsorglichen Betreuerin, und auch Ehemann Jakob und die zehnjährige Tochter Ada sind zufrieden. Paulínas eigene Kinder sind während ihrer jeweils 14tägigen Abwesenheit bei der Schwiegermutter. Es scheint alles bestens geregelt – bis Klara in den Tod stürzt. Raffiniert beginnt Susanne Gregor mit dem Ende ihrer Geschichte und lässt dem Leser somit viel Spielraum für eigene Interpretationen und Überlegungen, wie es zu diesem hat kommen können. Klar und schnörkellos in ihrer Sprache erzählt die Autorin von zwei Frauen, deren Wege einander kreuzen, so unterschiedlich sie auch sind. Da ist die erfolgreiche Klara in Österreich auf der einen Seite, die finanziell kaum über die Runden kommende Paulína aus der Slowakei auf der anderen Seite. Familie, Alter, Betreuung, Wurzeln und Nähe, Fremde und Auseinanderdriften sind zentrale Themen im Buch, die auf direkte, aber einfühlsame Weise angesprochen werden und den roten Faden durchs Geschehen ziehen. Nicht nur einmal kann man sich als Leser mit einzelnen Szenen identifizieren und fühlt sich gleichsam ernüchtert wie berührt von den feinen atmosphärischen Nuancen, welche stets im Text mitschwingen. Ihre Figuren beschreibt Gregor realitätsnah und so lebendig, als hätte man alle direkt vor Augen, sehr gut kann man sich daher in sie hineinversetzen und ihre Handlungen verstehen, wenn auch nicht immer gutheißen. Das offene, frei interpretierbare Ende passt für mich bestens zum bisherigen Geschehen und lässt mich überwältigt zurück. Ein großartiger Roman mit vielen wichtigen Überlegungen zu unserem Leben, ohne ins Theoretische abzudriften, eine gelungene Melange aus Ernst und Unterhaltung, spannend wie ein Krimi – ich empfehle dieses hervorragende Buch wirklich gerne weiter!
Lesemone
5/5
28.01.2025
eBook (ePUB)
Absturz
Die Geschichte fängt sehr harmlos an, mit der Einstellung von Paulina als Pflegekraft. Doch schnell merkt man die Unterschiede im Leben von Paulina und Klara. Während Paulina sich aufopfert, ihre Kinder gegen deren Willen bei der Oma lässt und ständig zwischen ihrem Arbeitsplatz in Österreich und ihrer Heimat in der Slowakei pendelt, lebt Klara einfach ihr bisheriges Leben weiter. Man spürt sehr schnell, dass Klara ihr Privileg gar nicht wertschätzt und ihre Macht auslebt. Ich fand den Einblick in das Leben einer Pflegerin gut gelungen. Die Autorin beschreibt nämlich sehr gut, was in Paulinas Heimat und mit ihren Kindern und ihrer Familie passiert. Der innere Zwist, nicht immer für die Seinigen da sein zu können und auch noch vom Arbeitgeber von oben herab behandelt zu werden, wird anschaulich beschrieben. Irgendwann fängt es in Paulina verständlicherweise an zu brodeln. Der Schreibstil ist klar und verständlich, man kann dem Geschehen sehr gut folgen. Mir hat gut gefallen, dass erst das Ende erzählt wurde und dann wird erzählt, wie es dazu überhaupt gekommen ist. Dadurch bleibt es bis zum Ende sehr spannend, wie es zu dem Absturz kam. Es gibt durchaus amüsante Episoden und so ist die Geschichte sehr unterhaltsam, obwohl das Thema eher von ernsterer Natur ist.
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5/5
26.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Keine halbe Sache
Karriere , Familie und die Sorge um die demente Mutter, unter einem Hut zu bringen- eine gewaltige Herausforderung.
Nicht nur für die Tochter, auch die slowakische Pflegekraft Paulina schwankt zwischen ihrer Sorge um ihre Familie daheim und der beruflichen Herausforderung in Österreich.
Hat mich persönlich sehr bewegt.
Sehr , sehr empfehlenswert.
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5/5
13.02.2025
eBook (ePUB)
Absolute Leseempfehlung
Macht, Abhängigkeit, innere Zerrissenheit, Sorgen. Die Autorin lässt uns tief in die Gedanken- und Gefühlswelt zweier Frauen aus völlig unterschiedlichen Welten blicken. Einerseits die erfolgreiche Unternehmerin und andererseits die slowakische Pflegekraft, die deren betagte Mutter versorgt.
Mit wortgewaltigen Schilderungen, scharfen Beobachtungen und sehr viel Einfühlungsvermögen wird ein beeindruckendes Bild über das Leben miteinander und die Beziehungen zueinander in dieser für alle immer schwieriger werdenden Konstellation geschaffen.
Dieser faszinierende und zugleich verstörende Roman hat mich - auch aufgrund der Thematik - sehr berührt und betroffen gemacht.
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