Sternstunden der Medizin - eingefangen in einem packenden historischen Roman
1540. Die kräuterkundige Verena von Pfäffikon soll als Hexe verbrannt werden. Doch bevor sie auf dem Scheiterhaufen stirbt, brennt das Dorf - Verena gelingt die Flucht. Drei beschwerliche Wochen später trifft sie - als Mann verkleidet und sich nun Johann nennend - in Padua ein. Im Sog einer Gruppe von Studenten gelangt sie ins anatomische Theater und wird Zeugin, wie der berühmte Anatom Andreas Vesal eine Obduktion ausführt. Doch noch während der Demonstration wird Vesal nach draußen zu einem sterbenden Studenten gerufen. So wie der Arzt erkennt Verena sofort, dass der junge Mann vergiftet wurde. Gemeinsam obduzieren sie die Leiche und finden sich in ihrem Verdacht bestätigt. Doch wer sollte einen Studenten vergiften? Und warum?
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Penibel recherchiert und gekonnt erzählt
Gertie G. aus Wien am 10.03.2025
Bewertungsnummer: 2433892
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Man schreibt das Jahr 1540. Die kräuterkundige Verena von Pfäffikon wartet wie Karin im Kerker auf ihre Hinrichtung. Die beiden wurden als Hexen denunziert. Nachdem seit Wochen der Regen ausgeblieben ist, kommt es zu einem großflächigen Waldbrand, in dessen Chaos Verena die Flucht aus dem Turm gelingt. Allerdings nicht ohne ihrem ärgsten Widersacher Hämmerli, der schon ihre Mutter als Hexe auf den Scheiterhaufen geschickt hat, zu niederzuschlagen und sich seiner Kleidung zu bemächtigen.
Als Johann Lederer überwindet sie die Alpen und trifft nach einer mehrwöchigen Wanderung in Padua ein. Dort lernt sie Andreas Versalius (1514-1564) kennen, der öffentliche Sektionen vornimmt und dafür bekannt ist, seine Erkenntnisse lautstark zu verkünden, vor allem dann, wenn sie von der offiziellen Lehrmeinung der Kirche und dem Medicus Galen abweichen.
Als während einer Vorlesung ein deutscher Student vor den Toren der Universität zusammenbricht und in Verenas Armen stirbt, sind sich die beiden einig, dass der Mann vergiftet worden ist. Nur welches Gift? Und von wem und vor allem WARUM?
Die Suche nach Motiv, Täter und Gift führt Verena/Johann und Vesalius in höchste Kirchenkreise und beweist Johann, dass man auch in Padua nicht vor der Inquisition sicher sein kann.
Meine Meinung:
Dieser historische Roman ist kein Krimi im engeren Sinn, sondern ein Einblick in die Medizingeschichte des 16. Jahrhunderts. Padua ist damals der Nabel der (medizinischen) Welt. Obwohl die katholische Kirche Obduktionen streng verbietet, ausgenommen sind nur Körper von verurteilten Verbrechern, nimmt Andreas Vesalius heimlich Sektionen vor. Sein Drang nach Wissen, wie der menschliche Körper innen aussieht bzw. wie man Krankheiten erkennen und möglicherweise heilen kann, lässt ihn das Verbot der Kirche missachten. Diese Erkenntnisse notiert es akribisch, zeichnet, was er sieht und verfasst letztlich sein Lebenswerk, die sieben Bücher „De humani corporis fabrica“ („Über den Bau des menschlichen Körpers“). Um diese Bücher geht es letztendlich auch, denn der schwerkranke Vesalius muss letztlich auch Padua verlassen, nachdem er sich im Netz der geistlichen Intrigen verfangen hat. Eigenständig denken, die Bibel in deutscher Sprache lesen - das alles „bedroht“ die katholische Kirche, die nun die Inquisition auf Frauen und Wissenschaftler loslassen.
Geschickt werden Fakten und Fiktion miteinander verquickt. So begegnen wir anderen Geistesgrößen dieser Zeit wie Tizian, Jan van Kalkar und – indirekt - der Basler Drucker Oporinus). Ich hätte mir neben einem Personenverzeichnis zu diesen Persönlichkeiten auch ein historisches Nachwort gewünscht. Aber, das ist Jammer auf hohem NIveau.
Einzig über den Namen Karin bin ich anfangs gestolpert. Ich glaube nicht, dass er in der Schweiz des 16. Jahrhunderts gebräuchlich war, da er die schwedische Form von Katharina ist. Lokale Namensheilige sind eher Elisabeth, Anna oder Johanna. Verena hingegen, auch wenn der Name modern klingt, ist ein gängiger „alter“ Name in der Schweiz, auch wenn seine Herkunft nicht zur Gänze geklärt ist.
Der Schreibstil ist ansprechend. Hin und wieder sind die Dialoge zwischen Verena/Johann und Andreas Versalius ein wenig zu modern geraten.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem sehr gut recherchierten und opulent erzählten historischen Roman 5 Sterne.
Vesalius Reformator der Anatomie
Tschy am 07.03.2025
Bewertungsnummer: 2431228
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Verena soll als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, doch sie hat Glück. Es kommt zu einem Feuer in der Stadt und es gelingt ihr die Flucht.
Da ihr klar ist, dass es als Mann einfacher ist Mitte des 16. Jahrhunderts durchs Leben zu kommen, verkleidet sie sich als junger Student und nennt sich von nun an Johann Lederer. Als sie die Universitätsstadt Padua erreicht, kommt sie zufällig zu einer öffentlichen Leichensektion des berühmten Anatomen Andreas Vesalius. Vesalius ist dafür bekannt kein Blatt vor den Mund zu nehmen, auch wenn er Beobachtungen verkündet, die im Widerspruch zur den von der Kirche unterstützen Lehren des Galenos stehen. Während der Leichensektion wird Vesalius nach draußen zu einem sterbenden Studenten gerufen. Versal und Verena/Johann stellen bei einer geheimen nächtlichen Aktion fest, dass der Student vergiftet wurde. Vesal macht Johann von nun an zu seinem Assistenten und die Beiden machen sich zusammen auf die Suche nach dem Gift und auch probieren auch weiteres Leben zu retten. Dieser historische Roman hat mir sehr gut gefallen, er gibt tolle Einblicke in die damalige Zeit der Hexenverfolgung, der Kirche, der Medizin und des studentischen Lebens. Auch mein Latein wurde etwas aufgefrischt, ein toller Nebeneffekt.
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