Sternstunden der Medizin – eingefangen in einem packenden historischen Roman
1540. Die kräuterkundige Verena von Pfäffikon soll als Hexe verbrannt werden. Doch bevor sie auf dem Scheiterhaufen stirbt, brennt das Dorf – Verena gelingt die Flucht. Drei beschwerliche Wochen später trifft sie – als Mann verkleidet und sich nun Johann nennend – in Padua ein. Im Sog einer Gruppe von Studenten gelangt sie ins anatomische Theater und wird Zeugin, wie der berühmte Anatom Andreas Vesal eine Obduktion ausführt. Doch noch während der Demonstration wird Vesal nach draußen zu einem sterbenden Studenten gerufen. So wie der Arzt erkennt Verena sofort, dass der junge Mann vergiftet wurde. Gemeinsam obduzieren sie die Leiche und finden sich in ihrem Verdacht bestätigt. Doch wer sollte einen Studenten vergiften? Und warum?
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
03.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Historischer Roman der Extraklasse
Ich war von der ersten Seite an gefesselt, habe es verschlungen. Und war enttäuscht als es zu Ende war. Ich war noch nicht bereit zu gehen.
Es ist erst sein zweites Buch. Aber es ist genauso gut geschrieben wie sein Buch "Sixtinischer Himmel". Ein historischer Roman der Extraklasse.
1540 - Verena kann aus dem Hexenturm fliehen. Zu Fuß und einige Zeit später in Männerkleidung erreicht sie Padua eine Universitätsstadt in Italien als Johann Lederer. Eigentlich wollte sie unerkannt bleiben. An der Universität zeziert der Arzt Andreas Versal einen Menschen. Nichts für schwache Nerven, denn ist ziemlich genau und ausführlich beschrieben wie Versal den Schädel vom Rumpf trennt und den Schädel frei legt. Kurz nach der Vorführung kommt es draußen auf der Piazza zu einem Tumult. Ein Student auf der Piazza stirbt, Verena und der Arzt Andreas wissen sofort das er vergiftet wurde. Er nimmt Verena in seine Obhut. Und ernennt sie zu ihrem Assistenten. Gemeinsam erleben sie einige Abenteuer, nicht ungefährlich. Man erfährt wie die Trachialbeatmung entstanden ist. Nur eine einzige Woche ist Verena in Padua, lernt und erlebt viel, als wäre es ein ganzes Leben. Doch dann müssen Verena und Versal und zwei gute Freunde vor der Inquisiation fliehen.
Wer historische Romane liebt, sollte es unbedingt Lesen.
Kikki/Leseratte77
aus dem Thüringer Wald
5/5
03.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Geburtsstunde der Anatomie
„Die Anatomie einer neuen Zeit“ von Leon Morell ist ein historischer Roman der im 16. Jahrhundert spielt. Eine Zeit in der Hexen durch die Inquisition zu Tode verurteilt wurden. Betitelt wird dieser Roman auch mit >Der Medicus von Padua und was ihm die Toten erzählten<, was auch ein sehr passender Titel ist.
Verena ist eine Kräuterfrau, der die Flucht vorm Scheiterhaufen gelingt. Sie kämpft sich durch und probiert ihr Glück als Johann Lederer in der italienischen Studentenstadt Padua. Dort trifft sie auf den Anatom Andreas Vesal, der vor Publikum einen Toten obduziert. Dann wird vor Augen aller Zuschauer ein Mann vergiftet und Vesal will den Fall klären. Dabei trifft er auf Johann, der ab sofort sein Gehilfe ist. Bei allen Ermittlungen geraten beide in eine Gefahr und Johann muss handeln.
Eine sehr guter historischer Roman, ein wunderbarer Schauplatz und eine ergreifende Geschichte, die erzählt wird. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und empfehle es mit 5 Sternen weiter.
Ele
aus xxx
4/5
17.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was die Toten erzählen
Die Anatomie einer neuen Zeit, Historischer Roman von Leon Morell, Ebook von dtv
Der Medicus von Padua und was ihm die Toten erzählten.
Verena von Pfäffikon soll als Hexe verbrannt werden, die Heilkundige kann durch glückliche Umstände entkommen und flieht verkleidet als Mann nach Padua, dort gibt sie sich als Johann Lederer aus. Mit einer Gruppe von Studenten gelangt sie ins anatomische Theater wo der berühmte Anatom Vesalius eine Obduktion durchführt. Noch während der Vorlesung wird Vesal zu einem sterbenden Studenten gerufen, Verena und Vesalius erkennen, dass es sich um einen Giftmord handelt. Nach der gemeinsamen Obduktion nimmt Vesal sie unter seine Fittiche, gemeinsam suchen sie den Giftmörder und geraten dabei selbst in Gefahr.
Der Roman besteht aus 70 Kapiteln, die Geschichte ist aus der Sicht Verenas geschrieben, zu jeder Zeit ist der Leser somit in der Lage, das Geschehen aus erster Hand zu erfahren. Ergreifende Szenen, über die Gefahren, die den Charakteren begegnen. Lehrreiche Auftritte, die das Genie Vesalius aufzeigen und aufregende Ermittlungsarbeit der Beiden, haben mich nur so durch das Buch fliegen lassen. Schlagfertige Dialoge, beleben die Erzählung. Medizinische Begriffe, lateinische und italienische Phrasen sind kursiv deutlich hervorgehoben.
Das Buch hat mich auf das Leben und das Wirken von Andreas Vesalius aufmerksam gemacht, somit veranlasst, mich etwas über den flämischen Chirurgen und Anatom kundig zu machen. Er gilt als Begründer der neuzeitlichen Anatomie und des morphologischen Denkens in der Medizin. Die Entstehung seines Lebenswerks, „Sieben Bücher vom Bau des menschlichen Körpers“ kommt im Roman zur Sprache auch, die endotracheale Beatmung ist auf ihn zurückzuführen. All dies ist im Buch beschrieben, wer sich für Medizingeschichte interessiert, wird hier gut informiert. Eine gründliche Recherche des Autors liegt nahe. Fiktion und Realität haben sich hier sehr gut zum Gesamtwerk verbunden.
Das Buch hätte für mich mehr Seiten haben dürfen, vermutlich werde ich mich über Vesalius noch ein wenig weiter informieren. Alle anderen Charaktere sind verhalten beschrieben, gerne hätte ich über Najat mehr erfahren. Sie blieb für mich bis zuletzt fremd. Wie es in Verenas Leben weitergeht, hätte ich auch gerne gewusst. Mir kommt es vor, als ob im Buch einige Kapitel fehlen, ein abruptes Ende hat mich ratlos zurückgelassen.
Trotzdem hat mir der Roman gefallen, hat mich gut unterhalten, meine Neugierde geweckt. Das Setting war gut beschrieben, ich hatte das Gefühl mit den Figuren durch Padua zu gehen. Auch das Studiolo des Gelehrten war sehr bildhaft beschrieben. Insgesamt wurde hier ein klares Bild der Renaissance geschaffen, das war mir bei der Lektüre zu jeder Zeit bewusst.
Ein lehrreiches Buch welches mich gut unterhalten hat, ein wenig mehr Erläuterndes über die Figuren, hätte ich mir gewünscht. Eine Leseempfehlung und dazu 4 Sterne.
Andrea
aus Karlsruhe
4/5
13.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Zeitalter der Wissenschaften beginnt
Inhalt: Verena flieht, bevor sie als Hexe verbrannt werden kann, nach Padua und erlebt als Mann verkleidet den Kampf zwischen Wissenschaft und Kirche hautnah mit.
Meinung: Verena ist eine starke Frau, die sich durch reine Willenskraft durchschlägt und sich nicht scheut, ihr gesammeltes Wissen zu teilen. Sie ist keine Akademikerin - undenkbar zu dieser Zeit - kann aber immerhin als Mann verkleidet helfen. Sie stößt auf Vesal, mit welchem sie verschiedene Rätsel erkundet, vor allem das Rätsel um die vergifteten Studenten. Vesal zeigt sich nur in bestimmten Bereichen selbstbewusst, er braucht Verena ebenso wie sie ihn. Insgesamt ist die Handlung sehr dicht, es geschieht extrem viel in kurzer Zeit: die Spannung Kirche - Wissenschaft, die Rolle der Frau, gleichgeschlechtliche Anziehungskraft und enormer wissenschaftlicher Fortschritt.
Insgesamt ein unterhaltsamer und spannender historischer Roman!
Buchbesprechung
aus Bad Kissingen
4/5
27.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Über die Revolution in der Anatomie
REZENSION – Schon in seinem Debütroman „Der sixtinische Himmel“ (2012) hatte Schriftsteller Leon Morell (58) seine Kenntnis der italienischen Renaissance fachkundig in die Handlung eingebracht. Auch sein zweiter historischer Roman „Die Anatomie einer neuen Zeit“, im Februar beim dtv Verlag erschienen, spielt im frühen 16. Jahrhundert und erzählt vom jungen flämischen Anatom und Chirurgen Andreas Vesal (1514-1564) in der italienischen Universitätsstadt Padua zur Zeit des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs.
Die junge kräuterkundige Verena aus Pfäffikon, in der Schweiz als vermeintliche Hexe zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt, kann dem Kerker entfliehen, trifft drei Wochen später, als Student Johann Lederer verkleidet, im liberalen Padua ein und erlebt dort im Anatomischen Theater, einem Hörsaal der Universität, wie der berühmte „Medicus von Padua“, der aus Brüssel stammende und trotz seiner erst 26 Jahre schon berühmte Professor Andreas Vesal vor Honoratioren, Professoren und Studenten aus aller Welt eine Obduktion durchführt. Plötzlich wird der Arzt auf den Vorplatz gerufen, wo ein Student mit dem Tod ringt und bald erstickt. Dort treffen Vesal und Verena direkt aufeinander. Die junge Kräuterkundige überrascht den Mediziner mit ihrem Verdacht einer Vergiftung. Wieder zufällig treffen sich beide in der folgenden Nacht heimlich im Leichenhaus. Die unerlaubte Obduktion des Verstorbenen bestätigt diesen Verdacht. Doch wer sollte einen harmlosen Studenten vergiften und warum? Vesal nimmt die obdachlose Verena, den vermeintlichen Studenten Johann Lederer, als Assistenten in seiner Villa auf. Gemeinsam beginnen sie mit den Ermittlungen im Mordfall, der nach offizieller Version der Obrigkeit nur ein Todesfall mit unbekannter Ursache ist.
Im weiteren Verlauf der Handlung, in der Autor Leon Morell auf sehr eingängige Weise historische Fakten mit Fiktion mischt, erfahren wir viel über die damalige politische Situation Paduas, der unter dem Schutz Venedigs stehenden liberalen Universitätsstadt, in der freies Denken unabhängig vom Diktat des Vatikans möglich ist. Hier widersetzt sich der von seinen Studenten umjubelte Anatom in seinen Vorlesungen der bisher auf Erkenntnissen des altgriechischen Mediziners Galen noch beruhenden Lehre. „Mir geht es einzig darum, die Wissenschaft von vorgefassten Lehrmeinungen zu befreien.“ Durch seine revolutionären pathologischen Forschungsergebnisse am menschlichen Leichnam – bislang hatten Wissenschaftler aus religiösen Gründen nur Tierkadaver obduziert – wurde Vesal zum Begründer der neuzeitlichen pathologischen Anatomie. Während seiner Jahre ab 1537 in Padua verfasste er als Mittzwanziger bereits sein „Lebenswerk“ – das siebenbändige Lehrbuch „De Humanus Corporis Fabrica“ über den Bau des menschlichen Körpers, wie er seinem Assistenten im Roman erläutert: „Das erste anatomische Lehrbuch, das nicht nur systematisch aufgebaut sein, sondern dessen gesamter Inhalt sich wissenschaftlich nachprüfbaren Studien am menschlichen Leichnam verdanken wird.“
Nachdem der Anatom und Verena, die verkleidet als Mann und dank ihrer Intelligenz mit dem Rollenverständnis ihrer Zeit bricht, den Mordfall gelöst haben, Vesal aber dann doch vor Verfolgung durch den Vatikan nach Venedig fliehen muss, verlässt Verena mit Vesals Hauswirtschafterin Najat und mit Unterstützung des Universitätsrektors Gerolamo Cardano (1501-1576) die Stadt. Beide kutschieren die in Venedig vom Tizian-Schüler Jan Stephan van Calcar (1499-1546) geschnitzten hölzernen Druckstöcke für Vesals Lehrbuch „De Humanus Corporis Fabrica“ nach Basel zum Drucker Johannes Oporinus (1507-1568), wo die sieben Bände im Jahr 1543 erscheinen werden.
„Eine Woche war es her, dass sie nach Padua gekommen war. Eine Woche, in der ein ganzes Leben Platz gehabt hatte. Nun war es vorbei.“ Aktionsreich in der Fiktion, schildert Morell eindrucksvoll und authentisch den durch Vesal eingeleiteten medizinischen Fortschrift in der Renaissance. Zeitgemäß passend ist dabei die Gegenüberstellung abergläubischer, vermeintlicher Hexerei des Mittelalters, derer die kräuterkundige Verena in der Schweiz noch verdächtigt wurde, und der moderneren medizinischen Forschung. Durch die lebendige und gut recherchierte Erzählung ist auch dieser zweite Roman Leon Morells historisch äußerst interessant, wenn auch zugunsten der Handlung vereinzelt historische Fakten „angepasst“ wurden. Umso mehr motiviert dieser unterhaltsame und spannende Krimi, sich über das Leben Vesals genauer zu informieren.
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