Windstärke 17
»Mit ›Windstärke 17‹ zielt Caroline Wahl lässig ins Herz.« MARIE SCHMIDT, SZ — Der Roman nach ›22 Bahnen‹ | Nominiert für das Lieblingsbuch der Unabhängigen 2024 (Shortlist)
Ida hat nichts bei sich außer dem alten, verschrammten Hartschalenkoffer ihrer Mutter, ein paar Lieblingsklamotten und ihrem MacBook, als sie ihr Zuhause verlässt. Es ist wahrscheinlich ein Abschied für immer von der Kleinstadt, in der sie ihr ganzes bisheriges Leben verbracht hat. Im Abschiednehmen ist Ida richtig schlecht; sie hat es vor zwei Monaten nicht einmal auf die Beerdigung ihrer Mutter geschafft. Am Bahnhof sucht sie sich den Zug aus, der am weitesten wegfährt – auf keinen Fall will sie zu ihrer Schwester Tilda nach Hamburg –, und landet auf Rügen. Ohne Plan, nur mit einem großen Klumpen aus Wut, Trauer und Schuld im Bauch, streift sie über die Ostseeinsel. Und trifft schließlich auf Knut, den örtlichen Kneipenbesitzer, und seine Frau Marianne, die Ida kurzerhand bei sich aufnehmen. Zu dritt frühstücken sie jeden Morgen Aufbackbrötchen, den Tag verbringt Ida dann mit Marianne, sie walken gemeinsam durch den Wald oder spielen Skip-Bo, abends arbeitet Ida mit Knut in der »Robbe«. Und sie lernt Leif kennen, der ähnlich versehrt ist wie sie. Auf einmal ist alles ein bisschen leichter, erträglicher in Idas Leben. Bis ihre Welt kurz darauf wieder aus den Angeln gehoben wird.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
WortGewand
aus Krefeld
5/5
18.08.2026
Buch (Taschenbuch)
Was, wenn Weglaufen nicht Flucht bedeutet, sondern der erste Schritt zurück ins eigene Leben ist?
„Windstärke 17“ von Caroline Wahl lag (wie schon „22 Bahnen“) über ein Jahr ungelesen in meinem Bücherregal. Und dann kam dieser eine Griff. Nachdem mich „22 Bahnen“ so begeistert hatte, musste ich nicht lange überlegen: Noch am selben Tag begann ich mit „Windstärke 17“. Und wieder hatte Caroline Wahl mich sehr schnell in ihrer Geschichte.
Diesmal steht Ida im Mittelpunkt (Tildas jüngere Schwester), die wir aus „22 Bahnen“ bereits kennen. Nun bekommt sie ihre eigene Stimme.
Ida verliert nach dem Tod ihrer Mutter den Boden unter den Füßen. Sie fährt los, eigentlich mit dem Ziel Hamburg. Doch sie fährt an Hamburg vorbei und landet schließlich auf Rügen. Und vielleicht ist genau dieses „Danebenfahren“ der Beginn von etwas Neuem. Ida flieht und findet dabei Menschen, die sie nicht reparieren wollen.
Knut und Marianne geben ihr Raum, Wärme und Zeit. Sie erwarten nicht, dass Ida funktioniert. Sie hören zu. Sie lassen sie sein. Und sie schaffen einen Ort, an dem sie langsam wieder atmen kann.
Später begegnet Ida Leif - einem Menschen, der selbst seine Wunden trägt.
Was mich an diesem Buch besonders berührt hat, ist genau diese Frage: Was brauchen Menschen eigentlich, wenn ihr bisheriges Leben aus den Fugen geraten ist? Aufgrund der Positiven Psychologie habe ich beim Lesen immer wieder auf Themen wie Resilienz, Selbstwirksamkeit, Bindung, Zugehörigkeit und die Kraft unterstützender Beziehungen geschaut.
Und ich habe mich gefragt: Was macht Menschen widerstandsfähig?
Ist es die eigene Stärke oder sind es manchmal vor allem die Menschen, die uns auffangen?
Was geschieht, wenn wir aufhören, von Menschen zu erwarten, dass sie „funktionieren“, und ihnen stattdessen Zeit, Raum und echte Zuwendung geben?
Vielleicht ist Unterstützung manchmal gar nicht die große Lösung.
Vielleicht ist es ein gemeinsames Frühstück.
Ein Spaziergang.
Ein Kartenspiel.
Ein Gespräch.
Oder einfach ein Mensch, der bleibt.
Für mich führt „Windstärke 17“ damit auch direkt zu einem Gedanken, der mich begleitet: mut-willig zu sein. Mut-willig bedeutet für mich nicht, immer stark zu sein. Es kann bedeuten, sich einzugestehen, dass etwas nicht mehr funktioniert. Einen Schritt zurückzugehen. Hilfe anzunehmen. Die Perspektive zu wechseln. Oder einen Weg einzuschlagen, den andere vielleicht nicht verstehen.
Und gerade mit Blick auf unsere aktuelle Zeit beschäftigt mich das sehr. Wir erleben gesellschaftliche Spaltungen, Unsicherheit und große Herausforderungen. Wir begegnen Menschen, die wütend sind, sich zurückziehen oder Entscheidungen treffen, die wir nicht nachvollziehen können.
Vielleicht brauchen wir gerade jetzt mehr Perspektivwechsel und weniger vorschnelle Urteile.
„Windstärke 17“ ist für mich deshalb weit mehr als eine Fortsetzung von „22 Bahnen“.
Es ist ein Buch über Trauer, Schuld, Wut, Zugehörigkeit und Neuanfang. Über die Tatsache, dass Heilung nicht linear verläuft. Und darüber, dass nach einer Flaute durchaus wieder Sturm kommen kann und es trotzdem leichter werden darf.
Sie erzählt all das klar, direkt und mit einer erstaunlichen Leichtigkeit. Schwere Themen bleiben schwer, aber es gibt Humor, Wärme und diese kleinen Momente, die das Leben wieder lebenswert machen.
Und vielleicht liegt genau darin die Sogwirkung dieses Buches: Nach „22 Bahnen“ wollte ich Ida noch einmal anders kennenlernen. Ich wollte verstehen, was in ihr steckt. Hinter der Wut, hinter der Härte, hinter dem Verhalten, das manchmal schwer auszuhalten ist.
Und am Ende bleibt bei mir eine Frage zurück:
Was würde sich verändern, wenn wir bei einem Menschen nicht zuerst fragen würden: „Was stimmt mit dir nicht?“, sondern: „Was ist dir passiert und was brauchst du gerade?“
Dieses Buch bietet viel Inhalt für Diskussionen und zum Nachdenken.
Renate Vorwerk
aus Bergisch Gladbach
5/5
20.05.2026
Buch (Taschenbuch)
Der Weg eines jungen Mädchens aus einem tiefen Trauma heraus
Dieses Buch knüpft an das vorige Buch „17 Bahnen“ an, ist aber auch ohne dessen Kenntnis gut lesbar. Das erste Buch handelte von Tilda, die trotz vieler Stolpersteine ihren Weg findet.
Mit ihrem ganz eigenen Stil schildert Caroline Wahl die Entwicklung der kleinen Schwester Ida, die mit mehreren Verlusten fertig werden muss. Sie ist ähnlich stachelig wie Tilda und macht damit sich und anderen das Leben schwer. Wie sie sich langsam von ihren Traumata löst, das beschreibt Caroline Wahl spannend und eindrucksvoll
Bewertung
5/5
11.04.2026
Buch (Taschenbuch)
Hat mich gepackt
Mein erstes Buch von Caroline Wahl und ich bin mit ziemlich hohen Erwartungen gestartet. „Windstärke 17“ wurde ja viel gelobt, und ich war gespannt, ob es mich genauso erreichen würde. Was soll ich sagen: Die Erwartungen wurden größtenteils erfüllt. Die Geschichte um Ida hat mich schnell gepackt, vor allem wegen der intensiven, oft rohen Gefühlswelt. Ihre Trauer, Wut und Orientierungslosigkeit wirken sehr echt, manchmal fast unangenehm nah, aber genau das macht den Reiz aus. Besonders gefallen hat mir die ruhige Atmosphäre auf Rügen. Dieses Entschleunigte, fast Unaufgeregte bildet einen starken Kontrast zu Idas innerem Chaos. Die Begegnungen mit den Menschen dort, vor allem mit Knut, Marianne und Leif, geben der Geschichte Wärme, ohne dabei ins Kitschige abzurutschen. Allerdings muss ich auch sagen: An ein paar Stellen hätte ich mir etwas mehr Dynamik gewünscht. Die Handlung bleibt oft sehr leise und zurückhaltend, was zwar zum Stil passt, aber nicht immer meine Erwartungen an Spannung erfüllt hat.Trotzdem bleibt am Ende ein sehr intensives, gefühlvolles Buch, das nachwirkt und mich definitiv neugierig auf weitere Werke der Autorin gemacht hat.
Suska
5/5
28.02.2026
Buch (Taschenbuch)
Was kommt nach Sturm
Nach "22 Bahnen" konzentriert sich der Nachfolger "Windstärke 17" auf Ida, die kleine Schwester von Tilda. Ida ist mittlerweile erwachsen. Nach dem Tod ihrer Mutter hält sie es nicht mehr in der Wohnung in dem hässlichen Haus aus und verschwindet mit nichts als einem alten Koffer ihrer Mutter. Tilda hat ihr ein Zugticket nach Hamburg geschickt, doch sie entscheidet sich weiter zu fahren und landet schließlich auf Rügen. Hier trifft sie auf Knut und Marianne, die sie bei sich zu Hause aufnehmen. Und Leif, auch wenn der das letzte ist, was sie gerade braucht. Ida richtet sich auf Rügen ein, vielleicht kann sie hier ein neues Zuhause finden. Bis ihre Welt wieder zerbricht.
Eine sehr emotionale Geschichte über Trauer, Wut und Schuld. Ida hat ein sehr großes, emotionales Päckchen zu tragen und viel erlebt, seit Tilda sie mit ihrer Mutter allein gelassen hat. Sie handelt oft irrational, wider besseren Wissens und geleitet von ihren Gefühlen.
Windstärke 17 hat mich nicht ganz so mitgenommen wie 22 Bahnen. Trotzdem ist es eine sehr gelungene Fortsetzung. Der besondere Schreibstil, der mir schon im ersten Teil so gefallen hat, findet auch hier Anwendung.
Bewertung
5/5
12.02.2026
Buch (Taschenbuch)
Großartiges Buch
Eine bewegende Geschichte, die zugleich packend geschrieben ist. Das Buch kann auch gut für sich stehen, auch wenn man 22 Bahnen noch nicht gelesen hat. Es ist absolut empfehlenswert!
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5/5
08.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Und flüchten funktionierte mit Geschichtenerzählen fast noch besser als mit Lesen. Weil ich mich konzentrieren musste. Wichtig war nur, dass es nie um mich ging.“
Trauer bringt Menschen oft dazu, für andere unverständliche Dinge zu tun. So handelt auch Ida nach dem Tod ihrer Mutter, für Tilda komplett unverständlich, als sie auf eine Insel abhaut und sich von ihrem gesamten Umfeld isoliert. Um weder ihre Trauer noch die von trauma geprägte Kindheit aufarbeiten zu müssen flüchtet sich Ida in ihr neues Leben auf Rügen. So wie bereits in Caroline Wahl s vorherigem Buch fühlt man die Geschichte der beiden Schwestern mit und findet sich in der einen oder anderen Situation auch oft selbst wieder. Obwohl ich 22 Bahnen schon sehr gut fand fand ich Windstärke 17 sogar noch besser. Absolute Leseempfehlung für jeden der mit Trauer zu kämpfen hat.
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5/5
18.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartige Fortsetzung des Romans...
Großartige Fortsetzung des Romans "22 Bahnen", bei dem die jüngere Schwester Ida nach dem Suizid der Mutter versucht mit ihrem Leben klarzukommen. Trauer, Schuldgefühle und eine nicht unproblematische Liebesbeziehung lassen sie fast den Halt verlieren. Bin absolut begeistert!
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5/5
14.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spitzen-Newcomerin - absolute Lese-Empfehlung
Mit Windstärke 17 tobt der Sturm im Kopf der jungen Protagonistin: Ida fühlt sich schuldig am Tod ihrer alkoholkranken Mutter – der zweite Roman einer Spitzen-Newcomerin, schwieriges Thema mit gutem Ende, erfrischend-direkter Stil, berührend. Absolute Lese-Empfehlung.
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5/5
03.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Flucht und Selbstfindung.
Ida ist eine junge Frau, die nach ihrem Platz im Leben und der Welt sucht. Nach dem Tod der alkoholkranken Mutter, um die sie sich lange alleine gekümmert hat, landet sie auf einer Ostseeinsel. Mit einer verletzten Seele, unverarbeiteter Trauer und großen Schuldgefühlen bekommt sie endlich eine Chance auf ein neues, selbstbestimmtes Leben und ein Gefühl dafür, wie es ist, eine Familie zu haben.
Fortsetzung des ersten Romans der Autorin,“22 Bahnen”, aber auch sehr gut als eigenständiger Roman zu lesen.
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5/5
03.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Welch ein Sog!
Ich hab dieses Buch in einem Sog durchgelesen.
Großartig, welch gelungenes Buch.
Die Geschichte von Ida, der kleinen Schwester ist einfach großartig.
Mir gefällt die Aussage, "Dem Leben auch unter widrigsten Umständen Schönheit abzutrotzen".
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