Die neue große Liebesgeschichte von Colm Tóibín, dem Autor des Welterfolges "Brooklyn"
Ein Mann und eine Frau treffen sich nach fast zwanzig Jahren wieder - und stehen noch einmal vor der Entscheidung ihres Lebens. Eilis lebt in Long Island mit ihren Kindern und Tony, für den sie ihre Jugendliebe Jim in Irland zurückließ. Als sie erfährt, dass Tony sein uneheliches Kind in der gemeinsamen Familie aufziehen will, bricht sie in ihre Heimat auf. Dort holen sie ihre alten Gefühle ein. Mit atemberaubender Intensität und psychologischer Klarsicht erzählt Tóibín von dem Versteckspiel, das sich zwischen den ehemaligen Liebenden entspinnt. Der neue Roman des Autors von "Brooklyn" ist ein Meisterwerk der Erkundung widersprüchlichster Gefühle: mitreißend, aufwühlend, unwiderstehlich.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
vöglein
aus B.-W.
4/5
06.06.2024
eBook (ePUB)
Geheimniskrämerei Es geht…
Geheimniskrämerei Es geht schon nach den ersten Seiten richtig zur Sache, denn der italienische Klempner Tony hat „ ein Rohr verlegt“ und seine Kundin ist nun schwanger von ihm. Deren Mann steht eines Tages vor Tony’s Frau Eilis Haustür und teilt ihr mit, dass er das Kind nicht aufziehen möchte und ihr direkt nach der Geburt das Baby vorbeibringt, es ggf. vor der Haustür ablegt. Eilis tritt zunächst die Flucht nach vorne an und flieht von NY zurück nach Irland, mit der Ausrede ihre Mutter zum 80igsten Geburtstag besuchen zu wollen. Dort trifft sie nach 20 Jahren ihre Jugendliebe Jim wieder, der sich „ eigentlich“ grade mit Eilis damals bester Freundin verlobt hat. Und so nimmt die Geschichte mit gaaanz vielen Geheimnissen an Fahrt auf…… Spannend wie ein Krimi fühlt und leidet man mit Eilis mit, aber auch Nancy, Jims Verlobte lässt einen nicht kalt. Das Ende war zwar so gar nicht nach meinem Geschmack, aber im wahren Leben läufts auch nicht immer wie gewünscht. Von mir eine klare Leseempfehlung!
begine
aus Lemwerder
4/5
13.05.2024
eBook (ePUB)
Liebeswirrwarr
Der irische Schriftsteller Colm Toibin
schreibt sensibel und elegant.
Long Island spielt erst in Amerika , der größte Teil spielt in Island.
Die Personen haben schon in dem Roman Brooklyn teilgenommen.
Eilis erfährt, das ihr Mann Toni, von einer Frau ein Kind bekommt.Der Mann der Frau will das Kind nicht, aber Eilis will es auch nicht aufziehen.
Tonis Familie wohnen alle sehr dicht zusammen. Seine zwei Brüder und die Eltern wohnen in einem Komplex.
Eilis fährt nach Island zu ihrer Mutter.
Da ist der Barbesitzer Jim, in den sie vor zwanzig Jahren verliebt war, aber sie war schon verheiratet.
Jim hat eine heimliche Beziehung zu Eilis früherer Freundin Nora.
Jetzt gibt es ein Kuttelmuttel. Er will Eilis heiratet, hat Nora immer noch in der Hinterhand. Ziemlich gemein.
Der Autor lässt die Liebesgeschichte offen enden. Vielleicht lesen wir ja später eine weitere Geschichte um Eilis, Jim und Nora.
Bewertung
Book Circle Community
3/5
19.03.2025
eBook (ePUB)
Von Unentschlossenheit und gesellschaftlichen Zwängen
Colm Tóibíns Long Island ist ein tiefgründiger, nachdenklicher Roman, der mich sowohl ratlos als auch traurig zurückgelassen hat. Im Zentrum der Erzählung steht die Geschichte von Eilis und Jim, die sich zwischen persönlichen Sehnsüchten und gesellschaftlichen Erwartungen hin- und hergerissen fühlen. Was das Buch für mich besonders auszeichnet, ist der zentrale Konflikt um die fehlende Entscheidungsfreudigkeit und die ständige Auseinandersetzung mit den Zwängen, die die Gesellschaft an sie stellt und was das die Unentschlossenheit bei den Mitmenschen auslöst.
Eilis wird zu Hause mit der Tatsache überrascht, dass ihr Mann sie betrogen hat und das daraus entstandene Kind bei ihrer Schwiegermutter aufgezogen werden soll, welche direkt nebenan lebt. Aus Trotz und fehlender Kommunikationsfähigkeit flüchtet Eilis in ihr Heimatland, Irland. Dort trifft sie ihre alte grosse (?) Liebe wieder, welche sie früher für ihren Mann in Amerika verlassen hat und sieht sich erneut mit der Frage konfrontiert, für welchen Mann sie sich jetzt entscheiden soll. Jim, der besagte Mann, ist seinerseits nun mit der ehemaligen besten Freundin von Eilis verlobt, was aber noch nicht offiziell ist, und hütet sich davor, sich für eine Frau zu entscheiden, da er diese Entscheidung ganz Eilis überlässt. Die inneren Konflikte und die Ängste, sich für eine Richtung im Leben zu entscheiden, ziehen sich durch die gesamte Geschichte. Tóibín schafft es meisterhaft, diese Zerrissenheit auf eine Weise darzustellen, die dem Leser das Gefühl gibt, wie lähmend und einschränkend diese Unentschlossenheit sein kann. Es ist nicht nur eine Frage des persönlichen Wunsches, sondern auch eine Frage der gesellschaftlichen Normen, die sie dazu drängen, Entscheidungen zu vermeiden, um Konflikte zu vermeiden. Manchmal habe ich mich aber schon gefragt, ob die gesellschaftlichen Zwänge einfach als Vorwand vorgeschickt wurden, sich nicht entscheiden zu müssen.
Was ich an diesem Buch am meisten prägte, war die Tatsache, dass es keine einfachen Antworten gibt. Es gibt keine klare Lösung für die inneren Konflikte der Hauptfiguren, keine eindeutige Entscheidung, die das Dilemma auflöst. Stattdessen bleibt die Geschichte in einer Art Schwebe, was mich als Leserin ratlos zurückließ. Tóibín fordert uns heraus, in einer Welt zu leben, in der Entscheidungen oft keine einfachen Lösungen bieten, und in der das Gefühl von Verlorenheit und Entfremdung alltäglich ist.
Obwohl der Roman in den 1950er Jahren spielt, ist er sehr aktuell. Denn in der heutigen Zeit scheint mir die Entscheidungsfreudigkeit auch nicht unbedingt herausragend zu sein. Und vielleicht ist es auch das, was einem am Ende ratlos und vielleicht auch etwas wütend zurücklässt. Als Leser kommt man definitiv an den Punkt, an dem man nach einer Entscheidung lechzt, was einem aber verwehrt bleibt.
Esther N.
Book Circle Community
2/5
10.02.2025
eBook (ePUB)
Ein verworrenes Netz aus Geheimnissen
Leider vermochte mich “Long Island” nicht zu begeistern. Es handelt sich bei dieser Geschichte um die Fortsetzung des Buches “Brooklyn”, das ich selber nicht gelesen habe. Das war nach meinem Empfinden allerdings nicht das Problem.
Eilis kehrt nach Irland zurück, um Abstand zu ihrem Ehemann zu gewinnen, der dabei ist, sein uneheliches Kind in die Familie zu holen. Zurück in Schottland trifft Eilis auf Jim, dem sie in ihrer Jugend schon einmal näher gekommen ist. Jim ist mittlerweile mit Nancy zusammen, was ausser den beiden niemand weiß.
Die Charaktere wirken auf mich kalt und distanziert, denn niemand steht zu seinen Gefühlen. Ich mochte keine der Figuren und konnte ihre Handlungen oft nicht nachvollziehen, was es schwierig machte, der Geschichte zu folgen. Ich verlor regelmässig die Leselust. Ich hielt nur durch, weil ich das Buch für eine Buchbesprechung in einer Leserunde lese.
Am Ende der Geschichte kam die gewünschte Spannung auf und dann enttäuschte mich das Ende. Der Autor verzichtet auf einen eindeutigen Schluss. Ich sehe leider oft keine Magie im Unvollendeten - hier tatsächlich gar nicht.
Das Cover passt nach meinem Empfinden nicht zum Buch, denn die abgebildete Frau passt nicht zu der traurigen Geschichte. Auch stellt sich mir die Frage nach der Titelwahl.
Aischa
aus Kissing
5/5
23.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ganz große Literatur
Der vielfach preisgekrönte Colm Tóibín ist ein Meister des Geschichtenerzählens, und "Long Island" beweist einmal mehr, warum er zu den größten Schriftstellern unserer Zeit gehört. Der irische Autor versteht es wie kaum ein anderer, die feinen Zwischentöne menschlicher Gefühle einzufangen und sie mit einer erzählerischen Klarheit und Eleganz in Worte zu fassen, die ihresgleichen sucht.
Der Roman spielt auf Long Island und im kleinen irischen Dorf Enniscorthy, wo verschiedene Lebenswege sich berühren und kollidieren. Im Mittelpunkt steht Eilis, die sich weigert, das Baby aufzuziehen, das aus einem Seitensprung ihres Mannes entstanden ist, und das dessen italienische Großfamilie nur zu gerne mit offenen Armen empfangen möchte. Eilis entzieht sich der Situation, indem sie zurück in ihre Heimat Irland geht, wo sie auf ihre Jugendliebe Jim trifft, der sich Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft macht.
Die Figuren kämpfen mit Verlust, Liebe, den unvorhersehbaren Wendungen des Lebens und der Frage danach, wie frei bestimmt man ein Leben gestalten kann. Tóibín zeigt, wie Begegnungen und Beziehungen das Leben prägen können – auf schmerzhafte wie heilende Weise. Mit unglaublichem Feingefühl zeichnet Tóibín Charaktere, die durch ihre Fehler und Schwächen ebenso glaubwürdig wirken wie durch ihre Hoffnungen und Träume. Selbst dann, wenn man ihre Entscheidungen nicht gutheißen kann, versteht man sie. Das ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen: Figuren zu schaffen, die so authentisch sind, dass man mit ihnen mitfühlt, mitfiebert und ihre Beweggründe nachvollzieht.
Tóibín lotet in diesem Roman die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen aus. Er zeigt, wie der Verlauf eines Lebens von Zufällen, Entscheidungen und unerwarteten Wendungen geprägt wird, und wie diese Umwege oder Abwege die Lebenslinie und das Wesen eines Menschen formen können. Dabei verzichtet er jedoch auf ein wertendes Urteil. Stattdessen begegnet er seinen Figuren mit einer bemerkenswerten Empathie, die die Leser*innen einlädt, dieselbe Großzügigkeit walten zu lassen. Die Schicksale in "Long Island" sind oft von Bitterkeit geprägt – Verluste, zerbrochene Beziehungen, enttäuschte Erwartungen –, aber der Autor erzählt davon mit einer bemerkenswerten Sanftheit und Ruhe. Seine Prosa wirkt nie verbittert oder zynisch, sondern strahlt eine stille Weisheit und Gelassenheit aus, die mir das Gefühl gibt, dass auch aus den dunkelsten Momenten Trost und Erkenntnis erwachsen können.
Besonders beeindruckend ist, wie Tóibín es schafft, die Lebenswege seiner Figuren so intensiv und nahbar zu gestalten, dass man beim Lesen das Gefühl hat, sie persönlich zu kennen. Ihre Kämpfe, ihre Zweifel und ihre leisen Triumphe begleiten einen noch lange nach der letzten Seite. Es ist ein Privileg, sie auf ihrem Weg zu begleiten – ein Weg, der nicht immer leicht ist, aber immer bedeutsam.
Fazit: Mit Long Island legt Colm Tóibín einen Roman vor, der die Tiefe und Komplexität des Lebens in einer Weise einfängt, die tief berührt und nachhaltig beeindruckt. Es ist eine Geschichte, die sich nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen verankert. Tóibíns Talent, selbst die tragischten Schicksale ohne Verbitterung und mit einem tiefen Verständnis zu erzählen, macht diesen Roman zu einem literarischen Erlebnis. Ich habe die Figuren liebgewonnen und hoffe, dass Tóibín ihre Geschichte in einem weiteren Roman fortführt.
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