Es ist ein dunkles Kapitel in Schwedens Geschichte. Bis in die 60iger Jahre war es üblich, schulpflichtige Kinder aus Familien samischer Rentierhalter aus ihrer gewohnten Umgebung herauszuholen und in Nomadenschulen zu stecken. Eine Vielzahl an Kinderseelen wurde in diesen Internaten gebrochen. Die Erziehungsmethoden waren an Härte und Bösartigkeit kaum zu überbieten. Oberstes Anliegen war das Auslöschen der Muttersprache und kulturellen Eigenheiten. Keine Beschämung und Erniedrigung war zu grausam, um nicht angewendet zu werden.
mrs-lucky
aus Norddeutschland
5/5
30.06.2024
eBook (ePUB 3)
eine bewegende Erzählung über ein düsteres Kapitel der schwedischen Geschichte
Ann-Helén Laestadius’ aktueller Roman ‚Die Zeit im Sommerlicht’ ist wieder im Umfeld der Sami angesiedelt, im hohen Norden Skandinaviens. Er behandelt ein besonders unrühmliches Kapitel der schwedischen Geschichte. In den 50er Jahren wurden Kinder der Sami im Grundschulalter in sogenannte Nomadenschulen geschickt, ein geschönter Name für Umerziehungsheime, in denen die Kinder im Grundschulalter ihrem familiären Umfeld entrissen wurden, um ihnen ihre samische Kultur abzuerziehen. Sie werden als ‚Lappen‘ beschimpft, Ihre samische Muttersprache wird ihnen ebenso verboten wie das Joiken, die Hausmutter schreckt dabei nicht vor physischer und psychischer Gewalt zurück.
Im Roman stehen 5 Kinder im Mittelpunkt, deren Geschichte in zwei ineinander verwobenen Zeitschienen erzählt wird, zum einen aus der Kindheit in der Mitte der 50er Jahre, sowie 30 später im Erwachsenenalter. Alle eint das Trauma, das sie seit ihrer Kindheit mit sich tragen, da sie nie die Gelegenheit bekommen haben, die Erlebnisse zu verarbeiten. Die meisten versuchen, ihre dunklen Erinnerungen zu vergessen und vermeiden es, über ihre Vergangenheit zu sprechen.
Man spürt in dem Roman, wie sehr das Thema die Autorin am Herzen liegt, sie schildert sehr eindringlich, wie sehr die Unterdrückungen und Misshandlungen aus der Zeit in der Nomadenschule die Protagonisten auch nach 30 Jahren noch in ihrem Alltag belasten. Dabei schlagen sie sehr unterschiedliche Wege ein, einige kehren zu ihren Traditionen zurück, andere verleugnen ihre samischen Wurzeln. Ihre innerlichen Qualen und Selbstzweifel sind mir beim Lesen ebenso nahe gegangen wie die unfassbaren Misshandlungen in der Nomadenschule.
Mich hat die Geschichte sehr berührt, wie schon in Ann-Helén Laestadius Roman ‚Das Leuchten der Rentiere‘ und anderen Geschichten aus dem Umfeld der Sami ist es auch hier wieder kaum begreiflich, wie die Sami seit vielen Jahren diskriminiert und ihrer Traditionen beraubt wurden.
Mandel120999
5/5
04.04.2024
eBook (ePUB 3)
Stimmungsvoll
Das Cover finde ich sehr schön und stimmungsvoll.
In diesem zweiten Roman der Autorin Ann-Helén Laestadius geht es um das Volk der Samen. Diese wurden in den 50er Jahren vom schwedischen Staat diskriminiert, indem die Kinder zwangsweise in Internate geschickt wurden. Es war ihnen verboten, ihre Sprache zu sprechen, sie wurden gezwungen, schwedisch zu sprechen und zu schreiben. Viele der Kinder trugen psychische Schäden davon.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, manche Kapitel spielen Mitte der 1950er Jahre, andere 30 Jahre später Mitte der 80er. Fünf der Kinder stehen im Mittelpunkt, wir lernen sie erst in jungem Alter kennen, dann in ihrem Erwachsenenleben, in dem sie noch immer unter den Erfahrungen von früher leiden. Die fünf Personen gehen alle unterschiedlich mit ihrer Vergangenheit um. Da ist z.B Elsa-Maj, die Samisch als Familiensprache spricht und das so an ihre drei Kinder weitergegeben hat. Sie hütet ihre Kultur und die Traditionen wie einen wertvollen Schatz.
Ich fand das Buch sehr interessant, da ich vorher so gut wie nichts über dieses Volk wusste und so einiges gelernt habe. Was den samischen Kindern angetan wurde, ist schlimm, ich finde es sehr gut, dass das Thema in diesem Buch aufgearbeitet wird. Der Stil der Autorin ist mitfühlend, so dass man die Verhaltensweisen, auch die destruktiven, der Hauptpersonen nachvollziehen kann.
mesu
3/5
07.10.2024
eBook (ePUB 3)
Das Schicksal der Kinder
In den 50iger Jahren werden viele Sami-Kinder aus ihrer gewohnten ruhigen Umgebung gerissen und in Internate gesteckt. Hier sollen sie nicht nur ihre Sprache verleugnen, sondern ihre ganze Kultur und Herkunft in Frage stellen. Diese Geschichte befasst sich mit den Schicksalen von einigen dieser Kinder. Die Autorin erzählt in eindringlichen aber ruhigen Worten von dem damaligen Geschehen. Die Kinder erleben Ablehnung, ja sogar Hass, Gewalt und noch viele schlimme Dinge, die sie einfach auszuhalten lernen müssen. Ein Buch das zum Nachdenken, zu Tolleranz und zum Umdenken anregt.
mesu
3/5
07.10.2024
eBook (ePUB 3)
Das Schicksal der Kinder In…
Das Schicksal der Kinder In den 50iger Jahren werden viele Sami-Kinder aus ihrer gewohnten ruhigen Umgebung gerissen und in Internate gesteckt. Hier sollen sie nicht nur ihre Sprache verleugnen, sondern ihre ganze Kultur und Herkunft in Frage stellen. Diese Geschichte befasst sich mit den Schicksalen von einigen dieser Kinder. Die Autorin erzählt in eindringlichen aber ruhigen Worten von dem damaligen Geschehen. Die Kinder erleben Ablehnung, ja sogar Hass, Gewalt und noch viele schlimme Dinge, die sie einfach auszuhalten lernen müssen. Ein Buch das zum Nachdenken, zu Tolleranz und zum Umdenken anregt.
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5/5
14.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bedrückende Geschichte
Mit einem bildhaften und berührenden Schreibstil bringt uns die Autorin eine dunkle Ära der samischen Geschichte näher. Kaum vorstellbar was die Kinder in dieser Zeit alles erleiden mussten und doch fanden sie immer wieder den Mut und die Hoffnung weiter zu kämpfen. Eine wirklich berührende Geschichte, die noch lange nachwirkt!
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