Eine Galeristin tauscht ihr aufregendes Berufsleben gegen den eintönigen und überfordernden Job als Vollzeitmutter. Doch der Drang, ihr Leben mit Kind gegen jede Konvention ungezähmt und frei zu gestalten, wird immer stärker - bis sich eine völlig neue Identität Bahn bricht. Dieser brillante Roman erzählt auf unerhört komische Weise davon, wie viel zu gewinnen ist, wenn man sich auf die monströsen Seiten der Mutterschaft einlässt.
Eine junge Mutter legt ihre eigene Karriere auf Eis, um sich um ihren Sohn zu kümmern. Ein Knochenjob zwischen Holzeisenbahn und Lätzchen. Doch als sie körperliche Veränderungen feststellt - geschärfte Eckzähne und Haare, die sich wie Fellbüschel anfühlen - entdeckt sie eine unbekannte, animalische Seite an sich. Je stärker sich die rationale Künstlerin auf ihre Verwandlung einlässt, desto natürlicher gestaltet sich die Beziehung zu ihrem Kind. Doch wie soll sie es ihrem Mann erklären, dass der Sohn neuerdings im Hundekorb schläft und statt Joghurt und Cornflakes lieber rohes Fleisch frühstücken möchte?
Rachel Yoder hat mit ihrem sensationell klugen und urkomischen Roman über moderne Mutterschaft einen Nerv getroffen. Ein feministischer Familienroman, der seinesgleichen sucht.
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auf den Hund gekommen
stefanb am 18.09.2023
Bewertungsnummer: 2024977
Bewertet: Hörbuch-Download
Nightbitch. Man könnte auch sagen, die Protagonistin sei auf den Hund gekommen. Aber jetzt erstmal ganz von vorne. Das Cover sticht schon ziemlich aus der Masse heraus. Mir fällt kein Roman ein, der den Lesenden einfach ein rohes Stück Fleisch präsentiert. Und auch der Titel ist sehr prägnant. Am besten geht man unvoreingenommen an diesen Roman heran und lässt die Geschichte einfach auf sich wirken. Es lohnt sich.
Oh wie schön ist es, wenn eine Frau zu einer Mutter wird. Während sich für die Männer nicht allzu viel ändert, gibt es bei den Frauen einiges, das das Leben richtig umkrempelt. Körperliche Veränderungen sind da nur ein Aspekt. Aber genau diesen Aspekt lässt die Autorin Rachel Yoder ihre Protagonistin auf das Intensivste durchleben. Das Ganze ist sehr pointiert geschrieben und trifft genau ins Schwarze. Wer selbst Kinder hat, egal ob Frau oder Mann, wird sich des Öfteren in den verschiedenen Szenen wiedererkennen.
Mir persönlich gefällt, dass Yoder das Thema Mutterschaft auf unorthodoxe Weise anspricht, verdeutlich und interpretiert. Besonders gefällt mir das Ende. Mit so einer gekonnten Kurve und dem darauffolgenden Abschluss des Romans hätte ich nicht gerechnet.
Gesprochen wird der Roman von Jana Kozewa. Bei dem Hörbuch konnte man sich entspannt zurücklehnen und der Verwandlung, hin zu Nightbitch, konzentriert und gespannt lauschen.
Eine Grenzerfahrung
Sursulapitschi am 16.09.2023
Bewertungsnummer: 2023128
Bewertet: Hörbuch-Download
Dieses Buch ist eine Grenzerfahrung. Und die Tatsache, dass es als lustiges Buch angekündigt wird, ist wirklich irreführend. Es ist ironisch bis sarkastisch und räumt bitterböse mit allen Klischees auf, mit denen man die Mutterschaft in der Regel belegt.
Da ist eine junge Mutter am Limit. Sie hat ihren Job aufgegeben, um sich um ihren kleinen Sohn zu kümmern und stellt dabei fest, auch das ist ein Fulltimejob, sogar mit maximalen Überstunden, Schlafentzug und dem Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse bis zur Selbstaufgabe.
Ihre Situation wird höchst mitreißend geschildert. Man spürt all ihre Zweifel und Verzweiflung und jede Mutter weiß genau, was sie durchmacht. Was heißt Mutterschaft eigentlich? Ist es Selbstverwirklichung, Dienst an der Menschheit oder ist man als Mutter nicht eigentlich die Milchmaschine. Hat so ein Mutterdasein nicht etwas Animalisches? Allein schon der Vorgang der Geburt ist so absurd, dass man sich fragen kann, warum zivilisierte Menschen nicht schon längst etwas Menschenwürdigeres erfunden haben, statt diesen Vorgang zur erfüllenden Erfahrung zu verklären.
Die zutiefst verzweifelte Frau findet einen Ausweg: Sie akzeptiert den animalischen Aspekt ihrer Situation und wird zu Nightbitch, einer Hundefrau mit einem Hundesohn, die beide plötzlich entspannt herumtollen oder auch Kaninchen jagen können, ohne darüber nachzudenken, was man von ihnen erwartet.
Natürlich ist das spooky und auch zynisch. Sie kommt in absurde Situationen, weil sie doch innerhalb ihres Umfelds den Schein wahren muss. Komisch fand ich allerdings erst das Ende. Die Autorin findet eine unglaublich originelle Art, dem Ganzen einen gespenstischen Showdown zu verschaffen.
Dieses Buch ist eine gnadenlose Abrechnung mit dem verklärten Bild der Supermutter, sprengt alle Normen und schmeißt sie uns vor die Füße. Es ist ein aufwühlendes Erlebnis und bringt auch den Leser an seine Grenzen. Chapeau.
Das Hörbuch liest Jana Kozewa in genau dem richtigen Tonfall, fast abgebrüht serviert sie uns die absurdesten Dinge. Es dauert 8 Stunden und 47 Minuten, ist ganz und gar kein Spaß, aber eine eindrückliche Erfahrung.
Meinung aus der Buchhandlung
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Was sollte man sich erwarten von einem Roman der den Titel „Nightbitch“ trägt und dann noch dazu ein Stück rohes Fleisch auf seinem Cover trägt? Hier wird skeptisch mit einem der großen bei uns im deutschen falsch eingesetzten englischen Begriffe gespielt. „Bitch“ heißt nämlich im britischen Englisch „Hündin“. Wenn man sowohl die richtige Bedeutung kennt macht der Titel nämlich auf den zweiten Blick einen völlig anderen Eindruck auf einen und man kann das Titelbild mit dem veränderten Blick erneut betrachten. Jeder Hund ist ja bekanntlich gerne Fleisch, unabhängig von der Rasse und ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist.
Der Roman an sich ist nämlich auch eine Anspielung auf bekannte Stereotypen welche wir in unserer westlichen Welt gerne sehen. Ein Pärchen kommt zusammen und es passt im ersten Moment alles. Beide Partner sind beruflich voll aktiv und in ihrem jeweiligen Arbeitsumfeld auch höchst erfolgreich. Die namenlose „Ich“ Erzählerin kommt aus der Werbebranche und hat hier schnell den Aufstieg geschafft. Doch dann kommt der große Umbruch auf die Frau zu. Das Paar bekommt den ersten gemeinsamen Sohn. Das ist auch auf den ersten Blick nicht allzu ungewöhnlich, tausende wenn nicht Millionen anderer beruflich zuvor aktiver Frauen geht es ja nicht anders. Der unterschied liegt auch hier nach einem genaueren Blick verborgen.
Nach der Geburt des Sohnes, der dann schon zwei Jahre alt ist, fällt die Frau in ein schweres psychisches Loch. Die radikale Veränderung plötzlich nicht mehr die ganze Woche in die Arbeit zu gehen zu müssen stellt viele Frauen vor große Herausforderungen, so auch die namenlose „Ich“ Erzählerin. Während viele, vor allem jüngere Mütter mit dieser Veränderung gut zurecht kommen, tun sich vor allem Spätgebärende Damen hier wesentlich schwerer. Oft glauben diese ja das es ohne sie in der Arbeit nicht geht, das dass jedoch nicht der Fall ist und bekanntlich jeder im Job ersetzbar ist, schockiert viele Menschen, vor allem die Mütter die nun zu Hause sitzen „müssen“. Die ganze Welt dreht sich plötzlich nicht mehr um Meetings und diverse Sitzung sondern um den Sohnemann.
Die Ich-Erzählerin muss nun plötzlich allein zurecht kommen und bemerkt schnell eine weitere Veränderung an sich. Sie bekommt plötzlich lange Fangzähne und einen stärkeren Haarwuchs am Rücken. Ganze Fellbüschel wachsen ihr plötzlich an schwer zugänglichen Körperstellen. Doch was war passiert? Auch ihr Essverhalten ändert sich von Grund auf. Waren es vor wenigen Tagen noch das gute Frühstücksmüsli mit Kaffee so bevorzugt sie plötzlich rohes Fleisch zum Start in den Tag. Wie kann das sein? Auch der Sohn soll in Zukunft nicht mehr im Gitterbettchen schlafen sondern in einem Hundekorb. Das fällt natürlich auch dem Mann bald auf. Er ignoriert das jedoch eine Zeit lang, da er beruflich ohnehin voll eingespannt ist und während der Woche beruflich nicht zu Hause ist.
Ein Roman der auf witzige und kluge weise die Veränderung eine beruflich erfolgreichen Frau zu einer fürsorglichen Mutter zeigt, die sich mit dieser Lebensumstellung schwer tut. Den ganzen Nachmittag am Spielplatz zu verbringen ist ja auch nicht für jede Jungmutter lebenserfüllend. Immer wieder sind auch ein etwas zynischer und versteckter jüdischer Witz zu finden. Mann muss das allerdings dann sehr genau lesen. Interessante Idee von leicht feministischem Roman nicht nur für Frauen.
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"Nightbitch" von Rachel Yoder hat mich etwas sprachlos zurückgelassen.
Der Roman folgt einer jungen Künstlerin, die inzwischen hauptberuflich Mutter ist. Zwischen Kind füttern, in den Park gehen und auf ihren Mann warten verfällt sie der absoluten Langeweile. Eine Sehnsucht breitet sich in ihr aus. Eine Sehnsucht nach etwas Freiem, nach etwas Animalischem. Immer mehr bemerkt "Nightbitch", dass sich etwas an ihrem Körper verändert. Langsam aber sicher verfällt sie ihren Trieben.
Ich habe etwas gebraucht, um wirklich in das Buch reinzukommen. Nach einer Zeit war ich dann so neugierig, dass ich es doch recht zügig durch hatte. Alles, was "weird", feministisch und anders ist, findet bei mir eigentlich immer Anklang. Hier muss ich sagen, dass es mich nicht zu 100 % abgeholt hat. Meine Erwartungen an das Buch waren wahrscheinlich auch deswegen so hoch, weil dieses Buch oft mit "Das Beste sind die Augen" (von dem ich ein großer Fan bin) auf einer Liste stand Es waren dann doch nur 3 Sterne für mich. Der Schreibstil ist gut und auch die Handlung spannend. Ich hab auch nichts gegen abstrakte Arbeiten oder stark metaphorische Werke, doch irgendwas an diesem Buch hat mich nicht für sich gewinnen können. Vor allem das Ende fand ich sehr seltsam gewählt. Trotzdem möchte ich sagen, dass Rachel Yoder es sehr gut geschafft hat, die Verzweiflung, Langeweile und Ohnmacht einer jungen Mutter, die alles quasi alleine meistern muss, zu vermitteln.
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