In "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" entführt Rainer Maria Rilke den Leser in die psychologische und existenzielle Innenwelt eines jungen Dänen, der in Paris lebt. Der Roman, der in Form von Tagebuchnotizen geschrieben ist, ist stark autobiografisch geprägt und spiegelt Rilkes eigene Erfahrungen und Gedanken wider. Durch eine dichte und poetische Sprache schafft Rilke ein eindringliches Bild von Isolation, Angst und der Suche nach Sinn in einer entfremdeten modernen Welt, wobei die Reflexion über das Wesen der Kunst und das Leben als zentrale Themen in den Vordergrund rücken. Der literarische Stil ist von einer impressionistischen Erzählweise geprägt, die den Leser dazu einlädt, die komplexen Emotionen und Gedanken des Protagonisten nachzuempfinden. Rainer Maria Rilke, einer der bedeutendsten Lyriker des 20. Jahrhunderts, nutzt in diesem Werk seine eigene verwundbare Sicht auf die Welt und die Kunst. Er lebte in einer Zeit des kulturellen Wandels und der Unsicherheit, was seine Themen von Existentialismus und individueller Identität stark prägte. Rilkes persönliches Ringen mit seinen eigenen Ängsten und die Suche nach künstlerischer Wahrheit fließen direkt in die Erlebnisse und Reflexionen von Malte Laurids Brigge ein, deren emotionale Tiefe den Leser fesselt. "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" ist nicht nur ein literarisches Meisterwerk, sondern auch eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz. Diese Kombination von Reflexion und poetischer Sprache macht das Buch zu einem unverzichtbaren Werk für jeden, der sich für die Themen Identität, Kunst und das menschliche Dasein interessiert. Rilkes einzigartiger Ansatz bietet nicht nur tiefgründige Einsichten, sondern auch eine emotional berührende Lektüre, die zum Nachdenken anregt.
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Die Verwirrungen des Malte Laurids Brigge
C. Welser aus Salzburg am 18.09.2017
Bewertungsnummer: 274162
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Rilke gelingen in seinem einzigen Prosaroman vielfältige, interessante Beobachtungen in gewohnt poetisch und feinfühliger Sprache, die diesen Roman der literarischen Moderne besonders aufwerten. Trotz Ruhe und Konzentration, die für dieses Buch vonnöten ist, sehr sehr lesenswert.
Der Lyriker als Romancier…
Bories vom Berg aus München am 24.08.2015
Bewertungsnummer: 2708417
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der Lyriker als Romancier Rainer Maria Rilke selbst hat «Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge» als Prosabuch bezeichnet, nicht als Roman. Im Brockhaus wird der Roman definiert durch «die individuell gestaltete Einzelpersönlichkeit, die einer als problematisch empfundenen Welt gegenübertritt», und genau dieses Charakteristikum findet sich hier in der fiktiven Figur des dänischen Poeten, der einem aussterbenden Adelsgeschlecht angehört und als armer Dichter in Paris seinen Weg sucht - also doch ein Roman! Es ist der einzige, den der Lyriker Rilke geschrieben hat, ganz unter dem Eindruck seines Aufenthaltes in der damals drittgrößten Stadt der Welt, sein Roman wurde 1910 veröffentlicht. Im ersten Teil der fragmentarischen, aus 71 Aufzeichnungen bestehenden Erzählung berichtet der 28jährige Malte als eine Art Tagebuchschreiber von seinen Pariser Erlebnissen und den schockierenden Eindrücken, der Moloch Großstadt steht jedenfalls in krassem Gegensatz zu seiner Kindheit in einer wohlbehüteten ländlichen Welt. Er schildert die Menschenmassen und das unsägliche Elend, das mit der Industrialisierung einhergeht. Verfall, Krankheit und Tod scheinen allgegenwärtig, ständig begegnen ihm nie gesehene Aussätzige, Krüppel, übelste Gerüche verfolgen ihn auf seinen Streifzügen, - in seinem Eckel ist ihm die Bibliothek einzige Zufluchtsstätte im Paris des Fin de Siècle. Seine Kindheitserinnerungen im zweiten Themenkomplex sind geprägt von hochherrschaftlichen Wohnsitzen mit großen Zimmerfluchten, dunklen Ölgemälden mit den Portraits der Vorfahren, steifen Essensritualen im Kreise der Familie, sogar der Spuk einer vor hundert Jahren gestorbene Ahnfrau fehlt da nicht, sie erscheint gelegentlich in weißem Kleide und durchquert das Esszimmer, zum Schrecken aller. Und ganz verschlüsselt schimmert auch eine verbotene Liebe durch in den Jugendbildern, von denen Malte in nicht chronologischer Folge berichtet. Ergänzt wird all dies durch Reflexionen über historische Ereignisse, denen zu folgen, deren Anspielungen zu verstehen, den Normalleser deutlich überfordern dürfte, bei mir war es jedenfalls so. Ob da von längst verblichenen Königen oder edlen Damen die Rede ist, vom Papst in Avignon, von antiken Gestalten, hundert Jahre nach Erscheinen des Romans dürfte dem heutigen Leser oft der adäquate Verständnishintergrund fehlen. Einfacher ist es da und auch ergiebiger, Rilkes Gedanken über Grundfragen menschlichen Lebens zu folgen, die Frage nach Gott, die eigene Identität, Schicksal, Liebe, Angst, Tod, aber auch Gesellschaft, Kunst und Sprache natürlich, die Benennung von Geschehnissen und Dingen also, deren pure Existenz ohne die Sprache ihm fraglich erscheint. Und damit sind wir genau bei dem, was diesen Roman auszeichnet, die unglaublich feinfühlige, tiefgründige Sprache nämlich, die ihresgleichen sucht in der deutschen Prosa, kurzum subtil Erzähltes, gemeinhin als Prosagedicht bezeichnet. Hier wird nicht blumig in Worten geschwelgt wie bei manchen Großschriftstellern, nicht maßlos ausufernd wie bei seinem Zeitgenossen Proust zum Beispiel, Rilke entwirft im Gegenteil in knappen Worten einen ganzen Kosmos an Gedanken. Die Dichte seiner Prosa ist atemberaubend, er war der sensible Poet, der «unter dem Sichtbaren nach dem Äquivalenten suchte für das innen Gesehene», und was wir als Ergebnis bei ihm lesen ist äußerst komprimierte «Schmucksprache» im besten Sinne des Wortes. Als einer der Wegbereiter der literarischen Moderne verwendet Rilke Montagetechniken, setzt den Bewusstseinsstrom ein, sogar ein fiktiver Herausgeber findet sich, personifiziert durch gelegentlich eingestreute Randnotizen im Manuskript und verschiedene Fassungen im Anhang. Auch wenn wir nicht alles erfahren über Malte, an dieser oder jener Verständnisklippe scheitern, dieser Roman ist ein sprachliches Fest für entsprechend orientierte Leser mit Muße für ihre Lektüre, vielleicht sogar mit der seltenen Geduld, ein schwieriges, aber wichtiges Werk auch mehrmals zu lesen.
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