Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler und nach zwei gescheiterten Ehen Liebhaber einer wunderschönen Sängerin. Weit ist der Weg, den er aus dem hintersten, ärmlichsten Winkel Galiziens zurückgelegt hat, vom Schtetl in die obersten Kreise Wiens. Ihm kann keiner etwas anhaben, davon ist Isidor überzeugt. Und schon gar nicht diese vulgären Nationalsozialisten.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
aus Wien
5/5
11.08.2022
Hörbuch-Download (MP3)
Die Vergangenheit darf nicht vergessen werden
Dr. Isidor Geller hat es hautnah miterlebt. Die steigende Macht Hitlers und die enormen Auswirkungen dieser Macht auf, unter anderem, das jüdische Volk.
Aus seiner Heimat Galiziens nach Wien gezogen, erhofft er sich hier ein angenehmes Leben in den gehobenen Kreisen der Gesellschaft. Doch sowie er dies erreicht, ändert der politische Umsturz das Leben unter anderem seiner Familie.
Zu Beginn des Buches musste ich mir erst einmal mit den vorkommenden Namen zurechtfinden, was sich nicht ganz so einfach gestaltet hat. Ganz hinten im Buch ist ein Stammbaum zu finden, welcher hierbei sicherlich nützlich gewesen wäre!
Als ich die Namen in meinem Kopf schlussendlich zuordnen konnte fand ich diese Familiengeschichte sehr mitreißend.
Ohne sich in Details zu verlaufen hat es die Autorin geschafft dem Leser bzw. der Leserin den Ernst der damaligen Zeit darzustellen.
Johanna
aus München
5/5
20.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wiener bis 1938
Shelly Kupferberg beschreibt in ihrem Buch „Isidor“ den Besuch ihres Vaters Walter Grab 1956 in seiner Heimatstadt Wien. Am Bauernfeldplatz im Alsergrund sucht er die Wohnung, wo er mit seinen Eltern lebte. Auf dem Klingelschild sieht er nur einen bekannten Namen, den der alten Hauswartsfamilie. Er klingelt.
„Kreidebleich ruft sie in die Wohnung hinein: ‚Der Jud‘ is wieda doa!‘ Worauf ihr Mann rüde antwortet: ‚Sag koa Wort!‘. In den wenigen Sekunden, ehe sie die Tür vor Walters Nase zuschlägt, kann er einige Möbel seiner Eltern und ehemaliger Nachbarn ausmachen.“
Eine häufige Erfahrung von Überlebenden des Holocaust. Der Journalist und Schriftsteller Georg Stefan Troller beschreibt eine ähnliche Szene aus dem Jahr 1949. (Die Nachbarn hatten den Bösendorfer-Flügel, die Biedermeier-Möbel und die Bibliothek „arisiert“.)
Auf dem Cover von Kupferbergs Buch steht „Roman“. Eigentlich eine irreführende Bezeichnung, denn das Buch ist das Ergebnis ihrer Recherche in die Familiengeschichte. Im Zentrum steht der Großonkel Isidor Geller. Seinen allzu jüdischen Vornamen Israel hat er geändert, als er aus dem ostgalizischen Schtetl gemeinsam mit einem Bruder nach Wien geht, wo schon ein älterer Bruder sein Glück versucht. Er studiert Jura, legt großen Wert auf Bildung und ist vom Kulturleben der Stadt fasziniert. Er klettert die Karriereleiter nach oben, verdient viel Geld, lädt zu Diners, wird eine bekannte Größe der Gesellschaft, ein Lebemann. Sein Neffe Walter besucht ihn regelmäßig:
„1935. Wie jeden Sonntag ging er zu seinem Onkel zum Mittagessen. In der vornehmen Canovagasse im I. Wiener Bezirk, gleich hinter dem Musikverein und in der Nähe des Karlsplatzes, bewohnte Onkel Isidor eine Etage im Palais des Freiherrn Eugène de Rothschild. […] Bei jedem Besuch bestaunte Walter, gerade einmal sechzehn Jahre alt, Isidors exquisites Mobiliar. Und seine vielen Bücher, im eigens dafür eingerichteten Lesezimmer, darunter in Leder gebundene lateinische Einzelexemplare, die gesamte Weltliteratur, Erstausgaben französischer und deutscher Klassiker.“
Kupferberg hat in allen möglichen Archiven gegraben und eine ganz erstaunliche Figur gefunden, der sie kaum mehr etwas hinzudichten brauchte. Noch dazu hatte sie die Aufzeichnungen ihres Vaters (des Historiker Walter Grab) und viele nach Palästina gerettete Familienfotos zur Verfügung. So entstand ein lebendiges Porträt des Großonkels und seiner Familie in Wien – bis ins Jahr 1938, als Isidor von den Nazis verhaftet und gefoltert wird. An den Nachwirkungen stirbt er kurze Zeit später.
Die Geschichte eines Juden in Wien, der nicht glauben konnte, dass es so schlimm kommen würde, wie es kam. Die Stadt Wien war seine Heimat – trotz latentem und auch offenem Antisemitismus auch schon vor dem „Anschluss“.
Ein ungemein spannendes, sehr leicht lesbares Buch, das ich in einem Rutsch verschlungen habe.
Bewertung
5/5
14.09.2025
eBook (ePUB 3)
Wunderschön und traurig
Mich hat das Buch sehr berührt und ich sehe Parallelen zur jetzigen Zeit. Ich habe mit der Familie mitfiebern können, dass alles noch gut geht. Es hat mich sehr mitgenommen.
Andererseits ist es aber auch sehr anschaulich geschrieben, was die noch „schönen“ Zeiten der Familie anging, aber wirklich dramatisch. Und es sollte eine Pflichtlektüre für jeden Menschen sein, der in diesen Zeiten wählen darf.
Edith Berger
aus Graz
5/5
16.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
eine Spurensuche
Shelly Kupferberg hat sich auf Spurensuche begeben. Wer war dieser Urgrossonkel Dr. Innozenz „Isidor“ Keller, von dem in der Familie kaum geredet wurde? Aus sehr ärmlichen Verhältnissen in Galizien stammend, schafft es Isidor bis in die höchsten Wiener Kreise. Als gerne gehörter Berater des österreichischen Staates und klugen Imvestitionen erarbeitet er sich ein ansehnliches Vermögen. Kommerzialrat, Multimillionär, eleganter Kunst und Opernliebhaber und beliebter Gastgeber der Wiener Gesellschaft. Dieser beeindruckende Lebenslauf endet, als die Nazis an die Macht kommen. Die reißen sich alles unter den Nagel was für sie von materiellem Wert ist.Trotz eindringlichen Warnungen von Freunden bleibt Dr. Isidor Keller in Wien. Sein Status und sein Reichtum wiegen ihn in einer fatalen Sicherheit.
Bewertung
5/5
31.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr wichtiges und interessantes Buch
Isidor wurde als Israel 1886 in einem Dorf bei Lemberg geboren. Dort wurde er von seinen Eltern streng jüdisch erzogen, dich seine Mutter unterstützte seinen Willen, in die weltliche Lebenswelt einzutauchen. Als junger Mann kam er mittellos nach Wien , wo er seinen jüdischen Vornamen Israel in Isidor umwandelte. Er wurde dort schnell durch verschiedene Geschäfte Millionär und auch zum Kommerzialrat ernannt.
Er führte ein sehr gutes Leben bis 1938 die Nazis in Österreich einmarschierten.
Isidor war der Großonkel der Autorin, die versucht hat, sein Leben zu rekonstruieren.
Doch ihre Recherchen führten auch zu den Geschwistern Isidors und seinem Neffen Walter, der Großvater der Autorin.
Es ist kein Roman im eigentlichen Sinne, es sind Fragmente, die zu einzelnen Kapiteln zusammengesetzt sind.
Das Buch bietet einen historischen Einblick in das Leben Isidors und seiner Familie.
Es ist sehr gut lesbar, bewegend und ein wichtiges Zeitdokument!
Ein absolut empfehlenswertes Buch!
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5/5
26.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spurensuche.
Als die Kinder der Familie Geller ihr Zuhause in Galizien um 1900 Richtung Westen verlassen, ahnt niemand, welches Schicksal sie drei Jahrzehnte später ereilen wird. In Wien angekommen macht einer von ihnen - Israel alias Isidor- sehr schnell Karriere, wird vermögend und von der feinen Gesellschaft sehr geschätzt. Er glaubt an Schönheit, Musik und Kunst, genießt das gute Leben in vollen Zügen. Als die ersten jüdischen Familien verfolgt, enteignet und aus der Stadt vertrieben werden, fühlt er sich noch unantastbar, doch bald folgt ein Kampf ums Überleben. Sehr berührend und feinfühlig erzählt.
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3/5
18.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Merkt auf!
Kupferberg erschafft eine authentische Familienaufstellung und begleitet uns ins Wien des frühen und mittleren zwanzigsten Jahrhunderts.
Ihre Geschichte spielt sich emotional zwischen schleichendem Gift und unerwartetem Kanoneneinschlag ab. Es werden Anekdoten des Grauens erzählt und Einblicke in die Abgründe der Menschheit geschaffen.
Die Autorin verdeutlicht damit die Willkür der Gesetzgebung für Juden in dieser Zeit und wie es gelang, sie als Personen strategisch zu annullieren.
Ganz nebenbei, lässt sie persönliche Enttäuschungen der einzelnen Individuen glaubhaft einfließen.
Wie der Protagonist selbst, gleicht auch der literarische Stil Kupferbergs der Grazie eines stolzen Rehs!
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