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Das Jahresbankett der Totengräber Roman | Prix Goncourt Preisträger

5

16,00 €

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

01.12.2022

Verlag

Piper Taschenbuch

Seitenzahl

480

Maße (L/B/H)

13,2/20,2/3,4 cm

Gewicht

408 g

Farbe

Schwarz / Kaffee

Auflage

1

Originaltitel

Le Banquet annuel de la Confrérie des fossoyeurs

Übersetzt von

Holger Fock + weitere

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-492-30553-2

Warnhinweis

nicht erforderlich.

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

01.12.2022

Verlag

Piper Taschenbuch

Seitenzahl

480

Maße (L/B/H)

13,2/20,2/3,4 cm

Gewicht

408 g

Farbe

Schwarz / Kaffee

Auflage

1

Originaltitel

Le Banquet annuel de la Confrérie des fossoyeurs

Übersetzt von

  • Holger Fock
  • Sabine Müller

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-492-30553-2

Herstelleradresse

Piper Verlag GmbH
Georgenstr. 4
80799 München
DE

Email: info@piper.de

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Wenn der Tot ein Fest gibt…

Kristall86 aus an der Nordseeküste am 20.08.2021

Bewertungsnummer: 1553070

Bewertet: eBook (ePUB)

Klappentext: „Für eine Dissertation über das Leben auf dem Land im 21. Jahrhundert zieht der Pariser Anthropologe David aufs Dorf, um Sitten und Bräuche der Landbevölkerung zu beobachten. Die Stille, die ständige Anwesenheit von Tieren aller Art, vor allem aber die überraschende Unangepasstheit sämtlicher Dorfcharaktere ziehen ihn in ihren Bann, und bald ist er viel involvierter in das Landleben, als er es sich je hätte träumen lassen. Doch nie wird er all die weitverzweigten Vorgeschichten kennen, die Mathias Enard in kühner Fahrt durch Raum und Zeit mit komödiantischer Lust erzählt. Das neue Buch von Mathias Enard ist mehr als ein Roman, es ist ein atemberaubendes literarisches Erlebnis.“ Mal wieder ein Buch welches schon durch den skurrilen Titel auffällt und das auch völlig zurecht! Dem Leser springt hier eine Wortwahl und eine Geschichte entgegen, die außergewöhnlicher nicht sein könnten. Sie wird nicht nur Fans haben, das ist klar, denn hier bedarf es wiedermal ein wenig Sinn für sprachliche Ästhetik, Kenntnis im Fremdwort-Bereich, analytisches denken, einer gewissen Auffassungsgabe und eben Spaß an der Schwadroniererei und Jongliererei der deutschen Sprachkultur und Geschichte der Sprache weltweit - ein Hoch auf diese Übersetzung! Hauptprotagonist David hat eine Aufgabe zu erledigen, einen Titel zu erlangen und ihm begegnen neben Menschen auch Tiere, die alles irgendwie auf den Kopf stellen - von Ekel bis hin zu Liebe und Gefühl. Das Landleben, welches er näher untersuchen möchte, nimmt ihn regelrecht gefangen und er begreift allmählich den Sinn zwischen dem Zusammenleben der Tiere und dem der Menschen. Oder doch nicht? Mathias Enard ist ein Meister der Wortwahl und schmeißt hier mit diesen regelrecht um sich das es nur so ein Fest ist. Was die Totengräber damit zu haben und ihrem Bankett müssen Sie schon selbst herausfinden - es lohnt sich jedenfalls! Ich sage nur: ein Betriebsfest artet so aus, das es eine sehr geniale Beobachtungsgabe des Autors brauch sowie herrlichen schwarzen Humor um so etwas in Worte zu packen! Das der Tod einem so ein Fest bescheren kann, scheint unmöglich? Lesen Sie Enard! Der macht selbst noch den Tod zum Fress-Fest! David‘s Suche nach dem Sinn der Sinne wird der rote Faden und wir begleiten ihn auf seinen Recherchen. Es wird spannend und ob er seine Dissertation schaffen wird, verrate ich natürlich nicht. Egal, aber ob oder ob nicht: Enard zeigt auf, egal welchen Titel wir hinterher eifern, wir dürfen den Blick auf das Wesentliche und die dazugehörigen Details nicht vergessen! 5 von 5 Sterne für dieses besondere Werk!

Wenn der Tot ein Fest gibt…

Kristall86 aus an der Nordseeküste am 20.08.2021
Bewertungsnummer: 1553070
Bewertet: eBook (ePUB)

Klappentext: „Für eine Dissertation über das Leben auf dem Land im 21. Jahrhundert zieht der Pariser Anthropologe David aufs Dorf, um Sitten und Bräuche der Landbevölkerung zu beobachten. Die Stille, die ständige Anwesenheit von Tieren aller Art, vor allem aber die überraschende Unangepasstheit sämtlicher Dorfcharaktere ziehen ihn in ihren Bann, und bald ist er viel involvierter in das Landleben, als er es sich je hätte träumen lassen. Doch nie wird er all die weitverzweigten Vorgeschichten kennen, die Mathias Enard in kühner Fahrt durch Raum und Zeit mit komödiantischer Lust erzählt. Das neue Buch von Mathias Enard ist mehr als ein Roman, es ist ein atemberaubendes literarisches Erlebnis.“ Mal wieder ein Buch welches schon durch den skurrilen Titel auffällt und das auch völlig zurecht! Dem Leser springt hier eine Wortwahl und eine Geschichte entgegen, die außergewöhnlicher nicht sein könnten. Sie wird nicht nur Fans haben, das ist klar, denn hier bedarf es wiedermal ein wenig Sinn für sprachliche Ästhetik, Kenntnis im Fremdwort-Bereich, analytisches denken, einer gewissen Auffassungsgabe und eben Spaß an der Schwadroniererei und Jongliererei der deutschen Sprachkultur und Geschichte der Sprache weltweit - ein Hoch auf diese Übersetzung! Hauptprotagonist David hat eine Aufgabe zu erledigen, einen Titel zu erlangen und ihm begegnen neben Menschen auch Tiere, die alles irgendwie auf den Kopf stellen - von Ekel bis hin zu Liebe und Gefühl. Das Landleben, welches er näher untersuchen möchte, nimmt ihn regelrecht gefangen und er begreift allmählich den Sinn zwischen dem Zusammenleben der Tiere und dem der Menschen. Oder doch nicht? Mathias Enard ist ein Meister der Wortwahl und schmeißt hier mit diesen regelrecht um sich das es nur so ein Fest ist. Was die Totengräber damit zu haben und ihrem Bankett müssen Sie schon selbst herausfinden - es lohnt sich jedenfalls! Ich sage nur: ein Betriebsfest artet so aus, das es eine sehr geniale Beobachtungsgabe des Autors brauch sowie herrlichen schwarzen Humor um so etwas in Worte zu packen! Das der Tod einem so ein Fest bescheren kann, scheint unmöglich? Lesen Sie Enard! Der macht selbst noch den Tod zum Fress-Fest! David‘s Suche nach dem Sinn der Sinne wird der rote Faden und wir begleiten ihn auf seinen Recherchen. Es wird spannend und ob er seine Dissertation schaffen wird, verrate ich natürlich nicht. Egal, aber ob oder ob nicht: Enard zeigt auf, egal welchen Titel wir hinterher eifern, wir dürfen den Blick auf das Wesentliche und die dazugehörigen Details nicht vergessen! 5 von 5 Sterne für dieses besondere Werk!

Geradezu revolutionär Der…

Bories vom Berg aus München am 20.08.2021

Bewertungsnummer: 2750088

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Geradezu revolutionär Der neue Roman des französischen Schriftstellers Mathias Énard mit dem burlesken Titel «Das Jahresbankett der Totengräber» ist ein bildungssattes Epos über das Leben auf dem Lande, in dem ein Anthropologe dessen spezifische Merkmale in einer Felduntersuchung für seine Doktorarbeit ergründen will, und gleichzeitig ist dies auch ein Werk über Leben und Tod. Hier ist es nun ausnahmsweise mal der letzte Satz, der, wie von Poe für den ersten apostrophiert, ‹oft die ganze Geschichte enthält›: «Ich startete den Motor, legte den ersten Gang ein, und wir fuhren los, den Planeten zu retten». Der Roman beginnt mit dem ersten Eintrag ins neue ethnografische Feldtagebuch, wo der Pariser Anthropologe David Mazon den Ort seines bescheidenen Quartiers in der französischen Provinz für seine Studien beziehungsreich «Das wilde Denken» tauft. Er will durch genaues Beobachten seiner Umgebung und mit Hilfe vieler Interviews Material sammeln, um damit eine bahnbrechende Monografie über das Landleben im 21ten Jahrhundert zu schreiben. Unerwartet und ungewollt gerät er jedoch immer weiter von der Position des distanzierten Beobachters in die Rolle des unmittelbar Beteiligten hinein. Er gewinnt neben den Erkenntnissen neue Freunde unter den Dörflern und fühlt sich in dem 500-Seelen-Kaff immer mehr zuhause. In sieben Kapiteln, von denen die äußeren in Tagebuchform verfasst sind, entwickelt Mathias Énard ein lebenspralles Panorama menschlicher Existenz, zu der als untrennbares Faktum der Tod gehört. Ihm wird im titelgebenden Mittelteil gehuldigt, das vom jährlichen Treffen der 99 Totengräber aus der Region zu ihrem zweitägigen, orgiastischen Fress- und Saufgelage berichtet. Die fortwährend neu aufgetischte, endlos scheinende Speisefolge wird öfter mal unterbrochen durch Redebeiträge einzelner Mitglieder der Zunft. In seiner Begrüßungsrede fordert der Großmeister die Gesellschaft auf: «Lasst uns, Freunde, über unser trauriges Schicksal nachsinnen und die Ärzte preisen, die für unser täglich Brot sorgen». Andere Redebeiträge berichten, mit Zitaten gespickt, aus der Mythologie, von Melusine oder Gargantua, aber es gibt auch Fachvorträge wie «Einführung in die Ökologie des Sarges». Und am Schluss dann steht, als letztes zelebriertes Ritual, «Fröhliches Trinken und warten auf den Tod». In barocker Fülle brennt Mathias Énard ein wahres Feuerwerk an skurrilen Ideen ab. Er fügt zwischen seine Kapitel jeweils eine als Chanson bezeichnete Vignette ein, mit Titeln wie «In den Kerkern von Nantes», «Klagelied des heiligen Nikolaus» oder, zuletzt, «Jean Petite muss tanzen», wo genüsslich eine satanische Hinrichtung beschrieben wird. Kommunikative Zentrale des Dorfes ist das ‹Anglercafé›, in dem man sich fast täglich trifft, für den Anthropologen eine hochwillkommene Quelle für seine Recherchen. Neben dem Wirt hält der Bürgermeister und örtliche Bestatter in Personalunion alle Fäden in der Hand. Davids bäuerliche Vermieter gehören ebenso zu den Gästen wie Max, ein durchgeknallter Künstler, der versoffene Pfarrer, die aufmüpfige Gemüsebäuerin Lucie oder der Metzger. Zeitlich reicht dieser mit Geschichten prall gefüllte Landroman von der Antike bis in die Zukunft. Da kommt zum Beispiel ein Wildschwein, das vorher der Pfarrer war, ins Bardo und wird Mitte des 21ten Jahrhunderts in einem apokalyptischen Szenarium als Dachs wiedergeboren. Denn alles, was da lebt, kehrt in neuer Gestalt irgendwann zurück ins Leben, - die buddhistische Idee der Reinkarnation feiert hier fröhliche Urständ. Damit erweitert der Autor äußerst kreativ und zum Thema passend seinen Erzählradius durch eine schöpferische Einbeziehung der Fauna in das sich jeder kurzen Zusammenfassung widersetzende, turbulente Geschehen. Er stellt den eher moralisierenden, aktuellen Landromanen mit ihrer drögen Zurück-ins Dorf-Botschaft eine vor Sprachlust vibrierende, vergnügliche und auch noch intellektuell hochstehende Alternative entgegen. Das ist geradezu revolutionär!

Geradezu revolutionär Der…

Bories vom Berg aus München am 20.08.2021
Bewertungsnummer: 2750088
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Geradezu revolutionär Der neue Roman des französischen Schriftstellers Mathias Énard mit dem burlesken Titel «Das Jahresbankett der Totengräber» ist ein bildungssattes Epos über das Leben auf dem Lande, in dem ein Anthropologe dessen spezifische Merkmale in einer Felduntersuchung für seine Doktorarbeit ergründen will, und gleichzeitig ist dies auch ein Werk über Leben und Tod. Hier ist es nun ausnahmsweise mal der letzte Satz, der, wie von Poe für den ersten apostrophiert, ‹oft die ganze Geschichte enthält›: «Ich startete den Motor, legte den ersten Gang ein, und wir fuhren los, den Planeten zu retten». Der Roman beginnt mit dem ersten Eintrag ins neue ethnografische Feldtagebuch, wo der Pariser Anthropologe David Mazon den Ort seines bescheidenen Quartiers in der französischen Provinz für seine Studien beziehungsreich «Das wilde Denken» tauft. Er will durch genaues Beobachten seiner Umgebung und mit Hilfe vieler Interviews Material sammeln, um damit eine bahnbrechende Monografie über das Landleben im 21ten Jahrhundert zu schreiben. Unerwartet und ungewollt gerät er jedoch immer weiter von der Position des distanzierten Beobachters in die Rolle des unmittelbar Beteiligten hinein. Er gewinnt neben den Erkenntnissen neue Freunde unter den Dörflern und fühlt sich in dem 500-Seelen-Kaff immer mehr zuhause. In sieben Kapiteln, von denen die äußeren in Tagebuchform verfasst sind, entwickelt Mathias Énard ein lebenspralles Panorama menschlicher Existenz, zu der als untrennbares Faktum der Tod gehört. Ihm wird im titelgebenden Mittelteil gehuldigt, das vom jährlichen Treffen der 99 Totengräber aus der Region zu ihrem zweitägigen, orgiastischen Fress- und Saufgelage berichtet. Die fortwährend neu aufgetischte, endlos scheinende Speisefolge wird öfter mal unterbrochen durch Redebeiträge einzelner Mitglieder der Zunft. In seiner Begrüßungsrede fordert der Großmeister die Gesellschaft auf: «Lasst uns, Freunde, über unser trauriges Schicksal nachsinnen und die Ärzte preisen, die für unser täglich Brot sorgen». Andere Redebeiträge berichten, mit Zitaten gespickt, aus der Mythologie, von Melusine oder Gargantua, aber es gibt auch Fachvorträge wie «Einführung in die Ökologie des Sarges». Und am Schluss dann steht, als letztes zelebriertes Ritual, «Fröhliches Trinken und warten auf den Tod». In barocker Fülle brennt Mathias Énard ein wahres Feuerwerk an skurrilen Ideen ab. Er fügt zwischen seine Kapitel jeweils eine als Chanson bezeichnete Vignette ein, mit Titeln wie «In den Kerkern von Nantes», «Klagelied des heiligen Nikolaus» oder, zuletzt, «Jean Petite muss tanzen», wo genüsslich eine satanische Hinrichtung beschrieben wird. Kommunikative Zentrale des Dorfes ist das ‹Anglercafé›, in dem man sich fast täglich trifft, für den Anthropologen eine hochwillkommene Quelle für seine Recherchen. Neben dem Wirt hält der Bürgermeister und örtliche Bestatter in Personalunion alle Fäden in der Hand. Davids bäuerliche Vermieter gehören ebenso zu den Gästen wie Max, ein durchgeknallter Künstler, der versoffene Pfarrer, die aufmüpfige Gemüsebäuerin Lucie oder der Metzger. Zeitlich reicht dieser mit Geschichten prall gefüllte Landroman von der Antike bis in die Zukunft. Da kommt zum Beispiel ein Wildschwein, das vorher der Pfarrer war, ins Bardo und wird Mitte des 21ten Jahrhunderts in einem apokalyptischen Szenarium als Dachs wiedergeboren. Denn alles, was da lebt, kehrt in neuer Gestalt irgendwann zurück ins Leben, - die buddhistische Idee der Reinkarnation feiert hier fröhliche Urständ. Damit erweitert der Autor äußerst kreativ und zum Thema passend seinen Erzählradius durch eine schöpferische Einbeziehung der Fauna in das sich jeder kurzen Zusammenfassung widersetzende, turbulente Geschehen. Er stellt den eher moralisierenden, aktuellen Landromanen mit ihrer drögen Zurück-ins Dorf-Botschaft eine vor Sprachlust vibrierende, vergnügliche und auch noch intellektuell hochstehende Alternative entgegen. Das ist geradezu revolutionär!

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Das Jahresbankett der Totengräber

von Mathias Enard

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Ralf Rother

Thalia Wien – Mariahilfer Straße

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4/5

Samsara mit Deleuze quergelesen

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich halte ja nichts von der These, dass (gute) Literatur die Welt zu spiegeln hat, wie es ein Rezensent des Buches nahelegt. Auch interessiert mich keine überladene Erzählweise, wenn sie mit ihren Verweisen ausufert und eine wuchtige und farbige Welt erschaffen kann. Ein Freund empfahl mir Mathias Enards letztes Buch "Der Kompass", weil es klug geschrieben ist, komplexe Gedanken entfaltet und historische Beziehungen aufzeigt. Leider las ich das Buch dann doch nicht, jedoch nahm ich nun die Gelegenheit wahr, seinen neuen Roman zu lesen. Das neue Buch beginn mit einem Studenten, der seinen Abschluss in der Ethnologie vorbereitet. Als Leser bzw. Leserin begleiten wir ihn in der Feldforschung und lesen sein dazugehöriges Tagebuch. Da mir das Metier nicht gänzlich unvertraut ist, gefiel mir der satirische, parodistische Ton der Erzählung. Mit einigen Verweisen auf Levi-Strauss, Malinowski, Bourdieu und anderen Persönlichkeiten der Sozialanthropologie, wird das Missverhältnis von beobachtender und beobachteter Personen durchgespielt. Im Fortlauf des Buches kippt die Erzählweise und Mathias Enard fängt an mit der Wiedergeburt seiner Protagonisten zu spielen, wodurch er seine Erzählstränge vervielfältigen kann. Getrost kann man als Leser oder Leserin annehmen, dass Mathias Enard keinesfalls den Glauben an die Wiedergeburt bzw. an eine Palingenese preisen möchte. Allerdings erlaubt ihn dieser rhetorische Kunstgriff ein glaubhaftes Panorama eines Welttheaters zu inszenieren, worauf sein Gilles Deleuze-Zitat hinweist: "Was kann ein Mensch herausschreien, der an die Vernunft glaubt? Er kann nur eines herausschreien: Was auch immer geschieht und was auch immer man mir zeigt, all das muss einen Grund haben." Die Seelen seiner erzählten Personen wechseln nicht nur die Jahrhunderte und das soziale und politische Beziehungsgeflecht, sondern können auch ihr sexuelles Geschlecht austauschen und andere tierische Daseinsformen annehmen. So durchwanderten die Seelen der Dorfbewohner im Laufe der Jahrhunderte die Körper von Bäuerinnen, Tagelöhnern, Müttern, Füchsen, Royalisten, Nachtfaltern, Kriegsheimkehrern, Wildschweinen usw. Durch diesen rhetorischen Kunstgriff gelingt es Mathias Enard aber nicht nur die Erzählstränge zu multiplizieren, sondern alles miteinander zu verweben. So erweist sich sein Spiel mit der buddhistischen Wiedergeburt als ein deleuzianisches Rhizom, das als ein Netz wandernder Seelen durch die Körper der Gezeiten reist. Alles steht in Beziehung zueinander, alles wird vom Rad des Lebens und des Todes durchpflügt. Nach dem verspielten Ausflug in die ewige Wiederkehr des Gleichen (und des doch anderen) wird das Bankett der Totengräber wollüstig von Mathias Enard aufgetischt: Ein Rausch von Kulinarik gepaart mit der Gerechtigkeit der Geschlechterfrage im Berufsstand der Totengräber und einer obszön-orgiastischen Interpretation von Rabelais' Figur des Riesen Gargantua. Natürlich hängt über all dieser Lust nach Ausschweifung die Angst vor dem Tod. Vor allem bindet sich an dieser Angst jede Menge und jede Form von Gewalt, daraus macht Enard keinen Hehl. So dreht sich sein Rad der ewigen Wiederkehr durch eine Geschichte des Leidens und Sterbens, bis sich das Leben gänzlich ins Leblose auflöst, um womöglich ein erneuertes Samsara beginnen zu lassen. Keine Frage: Enards Buch zeugt von einer großen Belesenheit, Wortgewandtheit und einer ausführlichen Recherchearbeit. Der rhetorische Trick mit der Seelenwanderung, den Enard benutzt, um seinen Roman zu einem Weltenpanorama zu entfalten, ist aber nicht meine Sache!
  • Ralf Rother
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4/5

Samsara mit Deleuze quergelesen

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich halte ja nichts von der These, dass (gute) Literatur die Welt zu spiegeln hat, wie es ein Rezensent des Buches nahelegt. Auch interessiert mich keine überladene Erzählweise, wenn sie mit ihren Verweisen ausufert und eine wuchtige und farbige Welt erschaffen kann. Ein Freund empfahl mir Mathias Enards letztes Buch "Der Kompass", weil es klug geschrieben ist, komplexe Gedanken entfaltet und historische Beziehungen aufzeigt. Leider las ich das Buch dann doch nicht, jedoch nahm ich nun die Gelegenheit wahr, seinen neuen Roman zu lesen. Das neue Buch beginn mit einem Studenten, der seinen Abschluss in der Ethnologie vorbereitet. Als Leser bzw. Leserin begleiten wir ihn in der Feldforschung und lesen sein dazugehöriges Tagebuch. Da mir das Metier nicht gänzlich unvertraut ist, gefiel mir der satirische, parodistische Ton der Erzählung. Mit einigen Verweisen auf Levi-Strauss, Malinowski, Bourdieu und anderen Persönlichkeiten der Sozialanthropologie, wird das Missverhältnis von beobachtender und beobachteter Personen durchgespielt. Im Fortlauf des Buches kippt die Erzählweise und Mathias Enard fängt an mit der Wiedergeburt seiner Protagonisten zu spielen, wodurch er seine Erzählstränge vervielfältigen kann. Getrost kann man als Leser oder Leserin annehmen, dass Mathias Enard keinesfalls den Glauben an die Wiedergeburt bzw. an eine Palingenese preisen möchte. Allerdings erlaubt ihn dieser rhetorische Kunstgriff ein glaubhaftes Panorama eines Welttheaters zu inszenieren, worauf sein Gilles Deleuze-Zitat hinweist: "Was kann ein Mensch herausschreien, der an die Vernunft glaubt? Er kann nur eines herausschreien: Was auch immer geschieht und was auch immer man mir zeigt, all das muss einen Grund haben." Die Seelen seiner erzählten Personen wechseln nicht nur die Jahrhunderte und das soziale und politische Beziehungsgeflecht, sondern können auch ihr sexuelles Geschlecht austauschen und andere tierische Daseinsformen annehmen. So durchwanderten die Seelen der Dorfbewohner im Laufe der Jahrhunderte die Körper von Bäuerinnen, Tagelöhnern, Müttern, Füchsen, Royalisten, Nachtfaltern, Kriegsheimkehrern, Wildschweinen usw. Durch diesen rhetorischen Kunstgriff gelingt es Mathias Enard aber nicht nur die Erzählstränge zu multiplizieren, sondern alles miteinander zu verweben. So erweist sich sein Spiel mit der buddhistischen Wiedergeburt als ein deleuzianisches Rhizom, das als ein Netz wandernder Seelen durch die Körper der Gezeiten reist. Alles steht in Beziehung zueinander, alles wird vom Rad des Lebens und des Todes durchpflügt. Nach dem verspielten Ausflug in die ewige Wiederkehr des Gleichen (und des doch anderen) wird das Bankett der Totengräber wollüstig von Mathias Enard aufgetischt: Ein Rausch von Kulinarik gepaart mit der Gerechtigkeit der Geschlechterfrage im Berufsstand der Totengräber und einer obszön-orgiastischen Interpretation von Rabelais' Figur des Riesen Gargantua. Natürlich hängt über all dieser Lust nach Ausschweifung die Angst vor dem Tod. Vor allem bindet sich an dieser Angst jede Menge und jede Form von Gewalt, daraus macht Enard keinen Hehl. So dreht sich sein Rad der ewigen Wiederkehr durch eine Geschichte des Leidens und Sterbens, bis sich das Leben gänzlich ins Leblose auflöst, um womöglich ein erneuertes Samsara beginnen zu lassen. Keine Frage: Enards Buch zeugt von einer großen Belesenheit, Wortgewandtheit und einer ausführlichen Recherchearbeit. Der rhetorische Trick mit der Seelenwanderung, den Enard benutzt, um seinen Roman zu einem Weltenpanorama zu entfalten, ist aber nicht meine Sache!

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Das Jahresbankett der Totengräber

von Mathias Enard

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