Februar 2003. Nach den Anschlägen von New York steht der Krieg gegen den Terror vor einem weiteren Höhepunkt: Die USA und ihre Verbündeten bereiten sich darauf vor, in den Irak einzumarschieren. BND-Agent Frank Jaromin ist gerade von einem Einsatz in Bosnien zurückgekehrt und will sich eigentlich um seine zerstrittene Familie kümmern. Da kommt ein hochbrisanter Auftrag aus dem Kanzleramt: Eine irakische Regimegegnerin behauptet, die Vorwürfe, die den Krieg legitimieren sollen, seien erfunden, es gebe im Irak nachweislich keine Massenvernichtungswaffen. »Curveball« - jener Informant, auf dessen Aussage die Vorwürfe basieren - lüge. Der BND schickt Frank Jaromin mit zwei Kollegen in geheimer Mission nach Bagdad, um die Beweise der Dissidentin zu sichern und den Krieg im letzten Moment zu verhindern. Das aber liegt nicht im Interesse einer Gruppe einflussreicher Akteure - ganz im Gegenteil. Und schon bald kämpft Frank Jaromin um sein Leben ...
Dem sechsfachen Deutschen-Krimipreis-Träger Oliver Bottini gelingt mit seinem neuen Roman ein Meisterwerk des Spionagethrillers, politisch brisant und absolut mitreißend.
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Die Rolle des BND im Irakkrieg
Bewertung am 28.09.2023
Bewertungsnummer: 2031921
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Letztes Jahr bekam ich für den Autor eine große Empfehlung und habe mich nach über 20 Jahren mal wieder an einen Politikroman getraut. Ja, Bottini nennt es einen Roman, auch wenn die Spannung an vielen Stellen mit einem Thriller mithalten kann.
Nun ist es nicht gerade mein Wohlfühlgenre, aber schon nach ein paar Seiten fühlte es sich für mich an, als lese ich einen Carré.
Worum gehts?
2003 präsentiert der US-amerikanische Außenminister Powell angebliche Beweise für Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen. Seine Quelle ist »Curveball«, ein fragwürdiger Informant des BND. Obwohl berechtigte Zweifel an dessen Aussage existieren, nutzt die Bush-Regierung sie als Legitimation für den Krieg gegen den Irak. Deutschland unter der Schröder-Regierung wird sich nicht daran beteiligen. So viel zu den Fakten. Im Roman gibt es eine irakische Regierungsgegnerin, die beweisen kann, dass Curveball lügt. Der Krieg könnte also noch abgewendet werden. Doch nun beginnt ein fieses Intrigenspiel. Frank Jaromin, Agent beim BND, wird nach Bagdad geschickt, um die Übergabe der Gegenbeweise zu sichern, doch schon seine Reise verläuft nicht wie gewünscht. Seine Mission läuft gründlich schief.
Gleichzeitig versucht die BKA-Sonderermittlerin Hanne Lay, die Identität Curveballs zu überprüfen, auch ihr werden von verschiedenen Seiten Steine in den Weg gelegt.
Schnell wird klar, dass beiden ein Gegner aus den eigenen Reihen gegenübersteht, eine Seilschaft, die im Gegensatz zur deutschen Regierung Interesse an dem Krieg hat.
Bottini hält sich natürlich an den Lauf der Geschichte, aber er stellt die Frage, ob der Krieg nicht frühzeitig hätte verhindert werden können. Was wäre gewesen, wenn? Und so konstruiert er einen vielschichtigen Plot, in dem es um Loyalität und Vertrauen, Verrat und verborgene Wahrheit geht.
Denn auch wenn man im Nachhinein festgestellt hat, dass Curveball gelogen hat, so bleiben doch einige Fragezeichen – wie das immer so ist, wenn Geheimdienste ihre Finger im Spiel haben. Bottini nutzt die Lücken, um seine Fiktion anzusiedeln und neue Fragen aufzuwerfen. Wie weit kann man staatlichen Institutionen trauen? Inwieweit war Deutschland tatsächlich am Krieg beteiligt? Dabei driftet Bottini aber nie ins Reich der Verschwörungstheorien ab.
Aber auch seine Figuren widmet er eine tiefe Charakterzeichnung. Was macht es mit einem, wenn man jahrelang als Agent arbeitet, seine Familie, die nichts davon wissen darf, daran zerbricht?
Bottins Politthriller ist ein absolut lesenswertes Buch, hochkomplex und rasant geschrieben. Schauplätze und Kapitel lösen sich in rascher Folge ab, und ganz allmählich verknüpfen sich alle Handlungsfäden. Köpfe rollen, Fäden werden gesponnen, Kollateralschäden in Kauf genommen. Die Welt ist und bleibt ein Wirrwarr aus Machtinteressen, die wir wohl nie durchschauen werden.
Erst dachte ich ja, dass ich an dem Genre scheitere, aber dem war nicht so. Ich habe mich zwar kurz in den historischen Hintergrund eingelesen, aber mit seiner Geschichte hat er mich restlos gefesselt.
Absolut verdienter 2. Platz beim Deutschen Krimipreis 2022.
Der perfekte Sündenbock…
Baerbel82 am 19.09.2022
Bewertungsnummer: 3001218
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Der perfekte Sündenbock Oliver Bottini ist zurück. „Einmal noch sterben“ ist nicht einfach nur Krimi, sondern ein packender Spionagethriller - und hat mich begeistert. Worum geht es? Februar 2003. Ist der Krieg im Irak noch zu verhindern? Der BND schickt Frank Jaromin mit zwei Kollegen in geheimer Mission nach Bagdad, um die Beweise einer Dissidentin zu sichern, die behauptet, es gebe im Irak gar keine Massenvernichtungswaffen. Das aber liegt nicht im Interesse einer geheimen deutschen Gruppe. Frank wird hereingelegt und gerät in eine monströse Verschwörung... „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ oder „Im weißen Kreis“, ein Fall für Louise Bonì, Hauptkommissarin der Kripo Freiburg, hatte ich mit großer Freude gelesen. Nun hat Oliver Bottini eine anspruchsvolle und wirklich spannende „Was-wäre-wenn“-Geschichte geschrieben. Ein Mix aus Fakten und Fiktion, bestens recherchiert. Ein Heer von Protagonisten. Zum Glück gibt es hinten im Buch ein „Who is Who“, damit der Leser den Überblick nicht verliert. Frank, ein Antiheld, der das Unglück regelrecht anzieht. Sein Handeln ist stets ein Drahtseilakt und nicht selten stürzt er dabei ab. So sehr er sich bemüht: Auch der Spagat zwischen Beruf und Privatleben will ihm nicht so recht gelingen. Doch wartet am Ende Erlösung? Nein, nur die Erkenntnis über die Zusammenhänge. Bis dahin sterben zahlreiche Menschen, nicht nur die Bösen. Fazit: Packender Verschwörungsthriller. Politisch und brisant.
Meinung aus der Buchhandlung
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Wäre der Einmarsch in Saddam Hussains Irak vermeidbar gewesen?
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Irak: Februar 2003. Nach den Terroranschlägen von 9/11 sehen die USA ihre Chance gekommen unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung gegnerische Staaten ins Visier zu nehmen. Es droht ein Einmarsch der Vereinigten Staaten im Irak unter Saddam Hussain. Als Legitimation gelten billiges Öl für den Westen und die angeblich mobilen B-Waffen Labors. Diese sollen im Land unentdeckt vor den UN Beobachtern ihre Arbeit verrichten. Doch nicht nur die Einheimischen wissen dass das nicht der Wahrheit entspricht. Vieles davon geht auf gezielte Desinformation einiger weniger Regimenter zurück. Auch der deutsche Bundesnachrichtendienst, kurz BND, ist davon überzeugt.
Sie entsenden ein fünfköpfiges Team in den Irak um sich selbst ein Bild zu machen. An der Grenze zu Jordanien bereiten die USA bereits den Einsatz der Bodentruppen vor. Kampfjets ziehen ihre Kreise über dem Territorium und kundschaften den neuen Gegner aus. Dies zwingt die BND Agenten zu äußerster Vorsicht. Auch der befreundete französische Auslandsgeheimdienst versorgt die Deutschen mit falschen Informationen und V-Männern. Aus Sicht des Agenten und profiliertem Scharfschützen Frank Jaromin wird geschildert wie in den letzten Tagen vor dem Einmarsch der USA in den Irak eine Kette an verhängnisvollen Ereignissen in Gang gesetzt wird. Weder die Deutschen noch die französischen Agenten vor Ort können vieles davon nachvollziehen.
Die Vereinigten Staaten stützen ihr gesamtes Wissen auf einen irakischen Chemieingenieur mit dem Decknamen „Curveball“. Dieser ist jedoch weder vertrauenswürdig, noch kann eine zweite Quelle seine Angaben bestätigen. Er verstrickt sich in Widersprüche und kann keinen klaren Gedanken fassen. Doch nicht nur er, auch eine Frau aus den Reihen der irakischen Revolutionsgarden hat wichtige Hinweise auf den wahren Grund für die geplante Invasion. Weder besitzt ihr Land Massenvernichtungswaffen, noch hat die irakische Armee eine Chance sich erfolgreich gegen die USA zu Wehr zur setzen. Das ganze Land befindet sich in einer Art kollektivem Schockzustand. Niemand vertraut seinem unmittelbaren Nächsten. Jaromin und seine BND Agentenkollegen müssen achtsam vorgehen um nicht an den Falschen zu geraten.
Da der Krieg als unausweichlich erscheint entscheidet die deutsche Regierung wichtige Dokumente außer Landes zu schaffen. Auch nicht transportfähige Gerätschaften sind für den Feind unbrauchbar zu machen. Die Botschaft in Bagdad wird geschlossen. Das französische Gegenstück hofft bis zuletzt auf eine Beilegung des aufkommenden Konflikts. Auch verlassen mehrheitlich Botschaftsmitarbeiter und Agenten das Land in Richtung jordanische Grenze. Doch dies ist nicht Jaromins einziges Problem.
Seine Frau wendet sich zunehmend von ihm ab. Infolge ständiger Auslandseinsätze kriselt es in ihrer Beziehung. Auch der Kontakt zu Sohn Alex ist fast gänzlich abgerissen. Nur noch seine 11-jährige Tochter Alina steht ihm zur Seite. In einem Lückenkonstrukt verpackt erzählt er ihr von der drohenden Katastrophe im fernen Land. Ein gelungenes Gedankenexperiment! Ausgehend davon dass letztlich falsche Informationen dazu geführt haben und somit die USA in ein Land eingefallen sind welche niemals über Massenvernichtungswaffen verfügten. Ferner erfährt man viel über die Arbeit deutscher Agenten Anfang der 2000er Jahre. Faszinierender Agententhriller welcher mich bis zuletzt fesselte!
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Ein Krieg wird kommen... Oliver Bottini schildert im großen Tempo und sehr spannungsreich die Vorbereitungen zur Invasion des Iraks 2003 durch Amerikanische Truppen. Massenvernichtungswaffen & fahrende Chemielabors sind ein Grund für einen Krieg aber stimmen diese Dinge auch.
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