»Ein brillant geschriebener Roman, der einem in seiner Gnadenlosigkeit den Atem stocken lässt.« WDR2
Maurice Swift ist Schriftsteller. Er kann brillant erzählen, doch ihm fehlen die Geschichten. In Westberlin trifft er auf sein Idol, Erich Ackermann, der gerade mit einem großen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Ackermann verfällt dem Charme des jungen Mannes, der sich für alles, was er sagt, interessiert. Er nimmt ihn mit auf Lesereise durch Europa und erzählt ihm sein Geheimnis. Es ist diese Geschichte, für die Maurice endlich als Autor gefeiert wird. Und die Ackermanns Karriere beendet. Doch Maurice ist schon auf der Suche nach dem nächsten Stoff …
John Boyne erzählt von der verführerischen Macht des Vertrauens und von einem, der für Ruhm alles tut.
Vom Autor des vielfach ausgezeichneten Romans »Der Junge im gestreiften Pyjama«
»Amüsant, originell – kurz: ein großer Lesespaß!« ZDF Morgenmagazin
»Ein Roman wie Der talentierte Mr. Ripley, voll von gieriger Täuschungslust« – New York Post
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Daniela Heinen
aus Sankt Augustin
5/5
04.06.2022
Buch (Taschenbuch)
Ein wirklich tolles Buch
Dieses Buch von John Boyne hat mir sehr gut gefallen, weil es ihm gelungen ist, mich zu fesseln und immer wieder aufzuwühlen. Und das, weil der Protagonist des Buches einfach ein wahnsinnig unsympathischer, egoistischer und selbstverliebter Mensch ist, der keinerlei Skrupel hat, anderen Menschen (sogar seiner Familie) zu schaden, um sich Vorteile zu verschaffen. Und als Leser sind einem die Hände gebunden: Man verfolgt mit, was er tut und kann nichts ändern. Man sieht seinen Erfolg und wird mit dem Wissen stehengelassen, dass er mit dem, was er tut, durchkommen wird, da es meistens nicht mal strafbar, sondern "nur" moralisch verwerflich ist. Ich finde, das hat der Autor wirklich großartig geschrieben, und obwohl ich den Protagonisten absolut nicht leiden konnte, war es mir nicht möglich, das Buch aus der Hand zu legen.
Worum geht es? Maurice Swift will Schriftsteller werden und ist bereit, alles für dieses Ziel zu tun. Und tatsächlich besitzt er ein gewisses Schreibtalent - ihm fehlen aber die Ideen! Bis er eines Tages die Lebensgeschichte des älteren Autors Erich Ackermanns in einem Buch veröffentlicht - und damit seinen großen Durchbruch hat. Nur leider braucht er, um daran anzuknüpfen, wieder eine Idee, und er hat keine Skrupel, sie sich woanders zu holen...
Bewertung
5/5
02.04.2022
Buch (Taschenbuch)
Beim Lesen haben sich mir die Nackenhaare aufgestellt!
John Boyne ist als Autor immer wieder für eine Überraschung gut. Seine ganzen Romane sind inhaltlich so unterschiedlich, dass man nach der Lektüre dieses Romans fast auf dumme Gedanken kommen kann!
Dieser Roman „Die Geschichte eines Lügners“ hat mich schon einfach auf Grund des Autors interessiert – „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“ ist immer noch eins meiner „all time favorite books“, doch auch „Das Haus zur besonderen Verwendung“ über die russische Revolution, „Das späte Geständnis des Tristan Sadler“ über den 1. Weltkrieg und „Der Junge mit dem Herz aus Holz“ ein modernes Märchen für Kinder und Erwachsene über einen Jungen, der wegläuft und auf seiner Reise etwas über Ängste und Mut lernt, fand ich großartig. Und ich habe noch einige Bücher von ihm zu entdecken. Gerade sein 2020 erschienenes Jugendbuch „Mein Bruder heißt Jessica“ interessiert mich sehr.
Als mir dann auf Facebook auch noch die Besprechung eines Freundes zu dem Buch so richtig schmackhaft machte, habe ich es vorgezogen. Und einmal angefangen, konnte ich es nicht mehr richtig aus der Hand legen. Ich habe mich immer darauf gefreut, wenn ich endlich weiterlesen konnte.
Der Inhalt ist hier bereits gut wiedergegeben. Und es ist von Anfang an relativ klar, dass Maurice Swift ein aalglatter und eigentlich unsympathischer Mensch ist. Die Natur hat es gut mit ihm gemeint. Er ist ausgesprochen attraktiv und wird von Männern und Frauen angehimmelt und begehrt. Dies weiß er sehr gut für seine Zwecke zu nutzen. Es gibt nur wenige Menschen, die ihn gleich durchschauen. Während des Lesens bin ich immer mehr in die Geschichte hineingezogen worden. Mir gruselte vor Maurice und trotzdem wollte ich unbedingt wissen, wie die Geschichte und sein Leben weitergehen. Wird er als Sieger oder Verlierer daraus hervorgehen?
Der Roman ist in drei Hauptteile und zwei Zwischenspiele unterteilt. Jeder Teil wird von einer anderen Person erzählt, aber alle fünf Teile beschäftigen sich mehr oder weniger mit Maurice Swift und seinem Leben als Autor.
Den Anfang macht der Autor Erich Ackermann, der 1988 einen renomierten Literaturpreis gewonnen hat. Es war nicht sein erster Roman, aber sein bisher erfolgreichster. Er stammt aus Berlin, lebt aber seit Kriegsende in Cambridge/UK, wo er an der Universität lehrt. 1988 lernt er auf seiner Lesereise in Berlin Maurice Swift, einen Kellner kennen. Und dieser attraktive Jüngling erweckt seine nie gelebte Homosexualität. Die beiden Männer freunden sich an und im Laufe der Freundschaft erzählt Erich Ackermann Maurice ein dunkles Geheimnis aus seiner Jugend.
Im ersten Zwischenspiel besuchen wir Gore Vidal in seinem Haus in Ravallo/Italien. Gore Vidal und sein Lebensgefährte Howard Austen erwarten den homosexuellen US-Schriftsteller Dash Hardy und seinen Begleiter, einen jungen Autoren, der einen großen Erfolg mit seinem Debüt „Zwei Deutsche“ hatte. Der junge Autor ist natürlich Maurice Swift. Mir hat dieses Kapitel am besten gefallen, weil es so herrlich spitzzüngig und witzig ist. Gore Vidal ist ein amerikanischer Autor, Schauspieler und Politiker gewesen, der laut Wikipedia als einer der intelligentesten amerikanischen Schriftsteller galt. Berüchtigt waren seine humorvollen Gedanken und seine sarkastische Scharfzüngigkeit. Und genau dies hat John Boyne hervorragend übernommen. Ich habe dieses fiktive Geplänkel zwischen Gore Vidal und Maurice Swift genossen.
Im zweiten Hauptteil sind wir inzwischen im Jahr 2000 angekommen. Edith Camberly, die Ehefrau Maurice Swifts, erzählt ihre Geschichte. Sie ist selbst eine erfolgreiche Autorin und gibt gerade ein Seminar zum Thema kreatives Schreiben an der Universität in Norwich. Maurice hat weitere Romane geschrieben, die aber gefloppt waren. Es fehlt ihm an Ideen. Bei diesem Teil war mir zwar relativ früh klar, was passieren würde. Aber es kam dann doch etwas anders, als ich es vermutet hatte. Und die Kaltblütigkeit hat mich dann doch überrascht.
Im zweite Zwischenspiel sind wir in New York, wo Maurice Swift inzwischen mit seinem kleinen Sohn lebt. Er gibt eine vierteljährlich erscheinende Literaturzeitschrift heraus. Sein letzter Erfolg ist schon wieder länger her, aber er arbeitet an etwas neuem. Es war schon sehr interessant, wie Maurice Swift auf die Idee gekommen ist, eine Literaturzeitschrift zu gründen.
Und im letzten Hauptteil bekommt es Maurice Swift mit einem jungen Studenten zu tun, der seine Abschlussarbeit über Maurice schreiben möchte. Maurice schmeichelt dieses natürlich sehr und er willigt ein, sich mit dem jungen Mann zu treffen. Sein letzter Erfolg ist schon wieder einige Zeit her. Der junge Mann, Theo Field, sieht seinem Sohn Daniel erschreckend ähnlich. Und er ist erschreckend effektiv, einiges aus Maurice herauszukitzeln. Hat Maurice hier endlich seinen Meister gefunden? Wirklich faszinierend, wie sich anscheinend die Schlinge zuzieht.
Ich fand diesen Roman faszinierend. Es geht darin nämlich um ein ausgesprochen interessantes Thema. Wie kommt ein Autor auf die Idee zu seinen Büchern. Darf man Geschichten von unbekannten oder bekannten Menschen, die man einmal gehört oder gelesen hat, einfach für seine eigene ausgeben, wenn man sie in einen Roman einbindet und etwas verfremdet? Muss man seine Quellen nennen, oder die entsprechenden Personen, wenn man sie kennt, um Erlaubnis fragen? Hat es jede Geschichte oder jeden Gedanken nicht schon einmal gegeben?
Wenn zwei Menschen zusammen etwas schreiben, ist es dann in Ordnung, dass man nur den bekannteren der beiden Autoren als Urheber ausgibt? Dies ist nicht nur eins der Themen dieses Romans, sondern kam auch im wirklichen Leben schon vor. Mir fallen hierzu F. Scott Fitzgerald und seine Frau Zelda ein. F. Scott Fitzgerald hat gerne ganze Textpassagen aus den Briefen seiner Frau ohne ihre Erlaubnis in seine Romane eingebunden. Und einige Kurzgeschichten, die unter seinem Namen erschienen sind, hat in Wirklichkeit Zelda Fitzgerald geschrieben. Nur die Verlage zahlten natürlich mehr, wenn sie von F. Scott stammten. Zelda kannte ja zu diesem Zeitpunkt niemand.
Es geht also um die Moral beim Erzählen von Geschichten. Wem gehören die Geschichten. Und wie erkennt man, ob etwas geklaut wurde? John Boye hat dieses Thema brillant in seinem Roman abgehandelt. Dieser Roman ist kein Krimi, aber er liest sich wie einer. Eine geniale Geschichte, die mich an die Romane von Katherine Kressman Taylor „Adressat unbekannt“. Joel Dicker „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ und Patricia Highsmith „Der talentierte Mr. Ripley“ erinnert, aber eben auch an F. Scott Fitzgerald und Zelda. Zelda hat übrigens zeitlebens ihres kurzen Lebens mit diesem „Diebstahl“ gehadert.
Ach ja – und ich möchte jetzt unbedingt etwas von Gore Vidal lesen. Leider sind viele seiner Bücher auf Deutsch nicht mehr lieferbar.
Jürg Stocker
aus Scuol
5/5
15.10.2021
Buch (Taschenbuch)
Eine raffinierte Idee, umgesetzt in eine kurzweilige Geschichte
Es ist dies mein erster Roman den ich von Johne Boyne gelesen habe, aber sicher nicht der letzte. Ausgangslage der Geschichte: Wo nehmen Schriftsteller eigentlich die Ideen her zu ihren Büchern? Boyne meint, dass das kein Mensch weiss und das soll auch gut sein. Das ist so lange möglicherweise richtig bis festgestellt wird, die Geschichten sind nicht nur geklaut oder geschickt umgeschrieben. Sie basieren im schlimmsten Fall sogar auf der Basis sogenannter «unglücklichen Todesfälle». Spezielle Charaktere, aussergewöhnliche Atmosphären, überraschende Abläufe in welche Boyne seinen Roman verpackt ist gelungen und fesselnd.
Bewertung
5/5
09.08.2021
Buch (Taschenbuch)
Sehr speziell, aber auch sehr...
Sehr speziell, aber auch sehr gut! Wer eine außergewöhnliche Handlung sucht und Bücher gerne lange im Gedächtnis behält, ist hier goldrichtig!
Bewertung
5/5
12.04.2021
Buch (Taschenbuch)
In jedem Menschen verbergen sich Abgründe.
Manche sind tiefer als andere...
Kann man ein Monster sympathisch finden? So erschreckend das auch sein mag, im Fall von Maurice Swift geht das. Er ist ein skrupelloser, narzistischer Mensch und doch schafft er es, dass ich seine Gedankengänge halbwegs nachvollziehen kann.
John Boyne gelingt es, Figuren zu erschaffen, die vor nichts zurückschrecken um ihre Ziele zu erreichen, die sich dabei immer treu bleiben und mich in ihren Bann ziehen.
Anders.
Erschreckend.
Ein echter Boyne
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4/5
15.02.2021
Buch (Taschenbuch)
Wenn einer lügt wie gedruckt
Literatur und Lüge sind zwei Konzepte, die sich durchaus ähnlich sind: In beiden geht es darum, etwas zu erschaffen, dass nur in der Vorstellung existiert und es so zu vermitteln, dass es die Anderen als wahr erachten. Aber was, wenn Karriere und Leben eines Schriftstellers ausschließlich auf Lügen basiert?
Maurice Swift hat ein Ziel, erfolgreicher Schriftsteller zu werden. Dabei geht es ihm weniger darum, Kunst zu erschaffen, sondern für sein Schreiben ausgezeichnet und berühmt zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, bricht er bereits früh in seinem Leben mit etwaigen moralischen Bedenken und spielt seine starke körperliche Anziehungskraft auf Frauen wie auch Männer als auch psychologische Manipulation und Fadenspinnerei aus.
Für die Leser*innen entsteht dadurch eine herrlich verachtenswerte Hauptfigur, die jedoch über Jahrzehnte hinweg mit ihren Lügen davon zu kommen scheint und man es kaum erwarten kann, bis ihn – doch hoffentlich – eines Tages Gerechtigkeit ereilen wird.
In einer an John Irving erinnernden Erzählform schildert Boyne die Biografie seines Protagonisten aus den wechselnden Perspektiven verschiedener Menschen, die für Swift in den unterschiedlichen Jahrzehnten seines Lebens bestimmend waren: Als junger Mann trifft er auf den gealterten und jüngst mit einem hochrangigen Preis ausgezeichneten Autor Erich Ackermann, der sich sogleich zu dem attraktiven Swift hingezogen fühlt und ihn für ein halbes Jahr als seinen Assistenten anstellt. Auf den verschiedenen Reisen erzählt er ihm Stück für Stück eine prägende und dabei wenig ehrenvolle Episode seiner Jugend, worin Swift den Stoff für sein erstes Buch findet.
Was sich von da an entwickelt, ist eine immer mehr an Tempo und Dramatik annehmende Spirale aus Lügen, Betrug und den nachhaltigen Bemühungen, diese unter allen Umständen und ungeachtet jeglicher moralischen Bedenken zu beschützen. Und wo es zu Beginn der Ereignisse vielleicht noch eher als moralischer Graubereich erscheint, entwickeln sich die Taten des aufstrebenden Literaten mit deutlicher Konsequenz zu unargumentierbaren (Gewalt-) Verbrachen.
Faszinierend liest sich dabei, wie die Hauptfigur ihre Handlungen vor den Mitmenschen wie sich selbst begründet und ein moralisches Weltbild aufbaut, in dem es eine Rechtfertigung für die Art gibt, wie er denkt und agiert. Eine weitere Stärke des Buchs sind die verschiedenen Zweierkonstellationen bestehend aus Swift und dem jeweils für ihn bestimmenden „Lebensmenschen“ oder Mentor: John Boyne baut dabei vielschichtige Netze aus emotionalen oder wirtschaftlichem Abhängigkeiten, spielt Liebe, Ehrgeiz, Neid und persönliche Traumata gegeneinander aus.
Auch wenn in manchen Teilen einzelne Figuren überzeichnet wirken (wie die Schwester seiner Frau) und gegen Ende des Romans die Ereignisse wenig subtil mit dem großen Vorschlaghammer daherkommen, bleibt „Die Geschichte einer Lügners“ ist ein kurzweilig und spannungsreich geschriebener Roman über Lug und Trug und irgendwo dazwischen Literatur.
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