Im Juni des Jahres 1923 bereitet Clarissa Dalloway, die Ehefrau eines britischen Parlamentsabgeordneten, eine große Abendgesellschaft in ihrem Haus in London vor. Der unerwartete Besuch von Peter Walsh, den sie seit der Ablehnung seines Heiratsantrags vor mehr als 30 Jahren nicht mehr sah, bringt Mrs. Dalloway zum Nachdenken: Hat sie damals die richtige Wahl getroffen? Melancholie und tiefgründiger Witz machen den Klassiker von Virginia Woolf zu einem Lesegenuss der besonderen Art.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Lesebiene
aus Berlin
5/5
11.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wunderbarer Klassiker
Mrs. Clarissa Dalloway plant eine Abendgesellschaft.
Es ist ein besonderer Tag im Leben der zweiundfünfzigjährigen.
Sie ist die Gattin eines Parlamentsabgeordneten, will am Abend
eines ihrer berühmten -upper class dinner- geben.
Der Tag vergeht mit freudigen Vorbereitungen, zufälligen Begegnungen mit
Jugendfreunden, Konversation, nostalgischen Betrachtungen, Sinneseindrücken
beim Flanieren.
Ein besonderer Tag soll es, aus ganz anderen Gründen,
auch für Septimus Smith werden. Auch ihn beschäftigt die
Gegenwärtigkeit des Vergangenen in jedem einzelnen Augenblick.
Ein traumatisierter Kriegsveteran, der am Ende Selbstmord begeht.
Virginia Woolf dringt in diesem Roman sehr tief in die Seele der Protagonisten
ein. Am Anfang erscheint der Roman ziemlich schwer zugänglich. Wenn man sich aber
darauf einlässt, erwartet einen ein wunderbarer, überraschend moderner Roman.
Es geht nicht nur um die Oberschicht, sondern auch um den Untergang der
alten politischen Ordnung.
Um sexuelle Unterdrückung, Karrieren und ihr Scheitern,
Auswanderung zu einem neuen Aufbruch z.b. bis nach Kanada,
traumatisierte Kriegsveteranen, Depressionen, um Selbstmordgedanken.
Die Schreibweise ist etwas gewöhnungsbedürftig. Lange, endlos scheinende Sätze,
Reihen ohne Absätze. Mrs. Dalloways Gedanken, ihre Erinnerungen springen
wie gehetzt hin und her. Ein lebhafter und munterer Perspektivwechsel,
praktisch ein Redestrom an Selbstgesprächen.
Scheinbar Unwichtiges wird hervorgehoben und dadurch wichtig.
Die Sätze sind wohlgeformt, voller Leben und wuchtig in der Aussage.
Teilweise sehr poetisch.
Ein wunderbarer Klassiker der einen recht kritischen Blick auf Wohlstand und Armut,
der Dienstboten und ihrer Herrschaften gibt.
Das liegt auch an der wunderbaren Übersetzung ins Deutsche von
Dr. Hannelore Eisenhofer
Linchenliestgerne_
aus Essen
4/5
15.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Klassiker, der zu einer fröhlichen Diskussionsrunde einlädt und zum Nachdenken anregt; Ein Muss für jedes Bücherregal
Dieses Buch war mein erster Klassiker, den ich je gelesen habe und ich muss wirklich sagen, dass ich absolut begeistert bin. Dachte ich zu Beginn dieses Buches noch, dass die Schreibweise mit den ganzen verschachtelten Sätze schwierig sei, hat dies sich spätestens nach der 10 Seite nicht bewahrheitet. Der Schreibstil von Virginia Woolf ist für die damalige Zeit zeitgenössisch und sehr detailliert. So hatte man während der ganze Geschichte das Gefühl neben Clarissa - der Protagonistin - zu stehen und jedes noch so kleine Detail mitzubekommen. Das fand ich überaus ansprechend. Auch, dass Woolf in ihrem Buch Themen wie „Depressionen“ und „Suizid“ verarbeitet zeigt, dass diese beiden Themen schon zurück ins früher 20. Jahrhundert, wenn nicht sogar weiterreicht. Jedoch werden diese Themen heute noch totgeschwiegen. Die Protagonistin Clarissa fand ich super; man konnte sich super leicht in sie hineinversetzen und Woolf stellt sie sehr sympathisch dar. Lediglich bei ihrer „Upperclass-Gesellschaft“ wird sie etwas negativ dargestellt - er künstlich und aufgesetzt. Dies jedoch wird auch von der Gesellschaft während der Veranstaltung thematisiert. Die Einführung vor der eigentlichen Geschichte gab schon einen kurzen Einblick in das, was uns in diesem Buch erwartet. So heißt es am Ende der Einführung, dass sich jeder selbst ein Urteil darüber verschaffen soll, ob er den sofortigen Tod wählt (Suizid) oder aber ein langes Leben leben möchte. Mit dieser Einführung und mit dem Ende der Geschichte lässt sich eine hervorragende Diskussion beginnen, die sich meines Erachtens bis ins Unendliche zieht. Denn sind wir mal ganz ehrlich, jeder sieht die Geschichte anders, nimmt sie anders war und legt sie so aus, wie es ihm beliebt. Ich denke nicht, dass man da auf einen gemeinsamen Nenner kommen wird, aber für hitzige Diskussionen sorgt dieses Buch definitiv und ist auch bis ins Jahr 2023 ein „Dauerbrenner“ - ob geliebt oder gehasst.
Ich gebe diesem Buch wohlverdiente 4,5 von 5 Sternen.
Moontales
2/5
18.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Not my cup of tea! (2,5/5 Sterne)
Leider war das Buch nicht mein Ding. Sehr lange Sätze, absolut ausschweifend und ungefähr 80% der Informationen im Buch sind unrelevant. Das hat das Lesen für mich sehr langatmig und leider auch langweilig gemacht. Ich lese ansonsten sehr gern Klassiker und vielleicht werde ich mich irgendwann an einen anderen ihrer Romane heranwagen. Mit diesem bin ich leider nicht warm geworden.
Virginia Woolf erzählt hier fast ausschließlich über die Gedankenwelten der einzelnen Protagonist:innen. Man erfährt also sehr viele Einblicke in das Gefühlsleben der jeweiligen Person. Allen voran Clarissa und ihr verschmähter alter Liebhaber Peter. Es wird ab und an getratscht, man erfährt einiges über die Londoner Gesellschaft. Beim Lesen muss man sich sehr konzentrieren, nicht nur aufgrund der langen Sätze sondern auch, weil die Erzählstruktur extrem flatterhaft ist. Wie ein Schmetterling wird von einem Protagonisten oder einer Protagonistin zum/zur nächstem/nächsten gesprungen. Teilweise so "unspektakulär" dass man den Wechsel zunächst gar nicht bemerkt und sich dann erst einmal fragt wer überhaupt gerade "spricht". Es gab einige schöne und interessante Aspekte am Buch, aber es hat meine Erwartungen generell einfach nicht erfüllt. Wie die Engländer so schön sagen: Not my cup of tea!
Bewertung
aus St.Margarethen a.d.Sierning
5/5
16.05.2026
Buch (Taschenbuch)
Gedankenreise
Während Mrs. Dalloway ihren täglichen Beschäftigungen nachgeht, zieht sie Bilanz über ihr Leben. Was wäre wenn? Wie wäre ihr Leben verlaufen, wenn sie früher woanders abgebogen wäre? Kann sie ihre Ziele und Ideen noch erreichen und verwirklichen? Eine Gedankenreise einer priviligierten jungen Frau bei den Vorbereitungen zu einer Abendveranstaltungen im Herzen von London. Was banal beginnt, hat mich im Laufe der Geschichte hineingezogen und mitgerissen. Die ruhige und sachliche Schreibweise lässt Entscheidungen von Mrs. Dalloway noch radikaler und bewusster erscheinen. Hat mir gut gefallen.
Bewertung
Book Circle Community
5/5
25.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
An (old) new favourite
I’m currently reading all of the classics on my reading List. This book is a masterful exploration of the ordinary turned extraordinary. With poetic prose and deep character insights, it delves into the minds of its characters, revealing the fluidity of time and the complexity of human experience. Through the stories of Clarissa Dalloway and Septimus Warren Smith, Woolf encourages reflection on life’s small moments and the impact of the past on our present. It’s a must-read for those who appreciate literature that touches the soul and lingers in the mind.
An einem Tag im Juni des Jahres 1923 bereitet Clarissa Dalloway eine Dinnerparty, eine Abendgesellschaft vor. Nachdem sie selbst Blumen kaufen war, bekommt sie unerwarteten Besuch von Peter Walsh, einem Freund aus Jugendtagen der erst kürzlich aus Indien nach London zurückgekehrt war. Im Verlauf des Tages, lässt sie ihre Gedanken und Erinnerungen immer wieder schweifen, immer wieder von Big Ben unterbrochen, der sie an den fortschreitenden Tag erinnert.
Mrs. Dalloway sagte, sie werde die Blumen selbst kaufen. So beginnt wohl einer der Romane, um die ich mich immer ein bisschen gedrückt habe, aber auf die ich immer wieder mit der Nase gestoßen worden bin. So ist im Roman, Das Salz von Jean-Baptiste Del Amo, eine Ausgabe von Mrs. Dalloway, im Wohnzimmer von Louise, auf einer bestimmten Seite aufgeschlagen. Im Film The Hours Von Ewigkeit zu Ewigkeit, eine Verfilmung des Romans Die Stunden von Michael Cunningham, ein Roman der nun auch auf meine Wunschliste gelandet ist, spielt der Roman Mrs. Dalloway eine entscheidende Rolle und erzählt von schicksalshaften Leben dreier Frauen. Und zu guter Letzt, hat mich nun eine Freundin gebeten, diesen Roman zu lesen und ihr meine Meinung darüber kundzutun. Das mach ich natürlich gerne.
Das Augenmerk richtet sich in diesem Roman nicht auf die äußeren Ereignisse, sondern auf das Innenleben der Hauptprotagonisten, wobei die äußeren Ereignisse sozusagen der Motor für die inneren Gedanken und Erinnerungen sind. Über inneren Monologe und Erinnerungen wiederrum, erfährt der Leser mehr um Mrs. Dalloway und ihre Umgebung. Durch diese Gedankenerzählung geschaffenen, verschachtelten und ellenlangen Sätze, sollte der Roman mit einer gewissen Aufmerksamkeit gelesen werden. Spätestens wenn man diesen Roman ein zweites Mal gelesen hat, wird sich die eigentliche Schönheit der Geschichte voll entfalten. Die Rahmenhandlung ist auf einen einzigen Tag, dem Tag der Dinnerparty, der Abendgesellschaft beschränkt, was aber der Geschichte keineswegs schadet. Viele Schriftsteller haben dieses Element des Geschichtenerzählens übernommen und spontan fallen mir Joey Goebels Ich gegen Osborne, Replay von Benjamin Stein, hier bleibt der Protagonist während des ganzen Romans im Bett, oder auch eben oben bereits erwähnten Roman von Jean-Baptiste Del Amo ein. Wahrscheinlich könnte ich hier die Liste noch unendlich fortsetzen, aber ich will natürlich die Leser meiner Rezensionen nicht zu sehr langweilen. Der Titel meiner Rezension ist ein Zitat aus diesem Roman, das mir sehr gut gefallen hat. Unbestritten ist, dass Virginia Woolf einen ausgezeichneten Roman geschrieben hat und im Jahr 1925 mit der Veröffentlichung ihres vierten Romans, Geschichte geschrieben hat.
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