An Deck eines Schiffes auf dem Weg von New York nach Europa sitzt Gustav Mahler. Er ist berühmt, der größte Musiker der Welt, doch sein Körper schmerzt, hat schon immer geschmerzt. Während ihn der Schiffsjunge sanft, aber resolut umsorgt, denkt er zurück an die letzten Jahre, die Sommer in den Bergen, den Tod seiner Tochter Maria, die er manchmal noch zu sehen meint. An Anna, die andere Tochter, die gerade unten beim Frühstück sitzt, und an Alma, die Liebe seines Lebens, die ihn verrückt macht und die er längst verloren hat. Es ist seine letzte Reise.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Boockpicker
Orell Füssli Book Circle Community
4/5
14.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Meeresrauschen in den Ohren
Auf seiner letzten Fahrt von New York nach Europa sitzt Gustav Mahler dick in Decken eingehüllt auf dem Sonnendeck der Amerika. Krank, erschöpft, mit fiebrigen Träumen und Schmerzen sinniert er beim Blick ins unendliche Wasser über sein Leben. In seinen Erinnerungen nimmt er innerlich Abschied von Konzerten, von seiner Liebe Alma und seiner Tochter Anna. Eine besinnliche Lebens- und Abschiedsreise, die das Wirken und die Eigenarten des Komponisten lebendig beschreibt.
«Es muss schrecklich sein, zu verdursten, dachte er. Aber jedes Sterben ist schrecklich. Wie hättest du es gerne»? (13)
«Mit leisem Staunen dachte Mahler an diese Zeit. Wie jung er damals war. Es kam ihm vor, als läge das alles ein Leben weit zurück. Man schlägt einen Ton an, und der schwingt dann weiter im Raum. Und trägt doch schon das Ende in sich». (33)
«Vielleicht war es die Energie, die sich aus dem Widerstand erhebt, eine Art sture Wut, die das Orchester an seine Grenzen und darüber hinaus trieb. Er hatte es oft erlebt: Verzweiflung, Verweigerung, Zusammenbruch, letztendlich aber Durchbruch und Auflösung. Zumindest solange die Wut und die Kraft reichten». (58)
«Es gibt keine Hilfe, dachte er. Und es gibt keinen Trost, man ist alleine in dieser Welt». (101)
«Alles war voller Leben. Selbst der Tod war nur eine Idee der Lebenden. Solange man ihn sich vorstellen konnte, war er noch nicht da». (108)
«Es ging heimwärts, das war alles. Der Unterschied zu früheren Reisen war bloss, dass dies seine letzte sein würde». (114)
Bewertung
aus Vaihingen
2/5
09.04.2022
Buch (Taschenbuch)
Doppeldeutigkeit des Buchtitels
Nach der Lektüre von "Ein ganzes Leben" und weiterer Seethaler-Bücher hatte ich unter diesem Titel doch eine tiefer gehende Geschichte um Gustav Mahler erwartet. Stattdessen führt Seethaler nur literarisch etwas ausgemalt aus, wie tragisch Mahlers Leben endete. Neben dem Tod seiner Tochter litt er unter der Selbst-Täuschung, seine optisch hübsche Frau liebe ihn. Dabei lassen ihre Liebschaften neben Werfel, Gropius, Kokoschka etc. den Schluss zu, jeweils nur in den berühmten Namen verliebt zu sein. Sprachlich überzeugt Seethaler, aber der historisch vorgegebene Inhalt allein reicht eben nicht, daraus Literatur entstehen zu lassen. Er wurde eher zum Glatteis für den Autor.
Bewertung
aus Nettersheim
5/5
03.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schönheit in der Musik eingefangen
„Der letzte Satz“ ist mein erstes Buch von Seethaler und hat mich sehr beeindruckt.
Mahler auf seiner letzten Reise, von Amerika nach Europa zurück, Amerika, wo er immer große Erfolge feierte und wo er sich auch gerne aufhielt. Doch nun, erst in den Fünfzigern, ist er krank und im Fieber und sieht er dem Ende des Lebens entgegen, viele Erinnerungen stellen sich ein.
Erinnerungen an seine schöpferischen Momente, die ihm Glück bereiteten, weil er in ihnen etwas erkennen konnte über die Welt und die Wahrheiten des Lebens und was er festzuhalten versuchte in der Musik.
Erinnerungen an sein Glück mit Alma, die er immer noch liebt, die er aber längst verloren hat, und das Glück mit den Kindern, der Tod seiner Tochter Maria, die er manchmal noch zu sehen glaubt.
Stationen seines Lebens, seine Zeit in Wien und in den Bergen, mit Rodin in Paris und immer wieder Amerika, wo er intensiv arbeiten konnte.
„ Es ist schön, man müßte es nur zu fassen kriegen“ - das ist es, was er mit seiner Musik zu erreichen versucht, die erlebte Schönheit und die flüchtigen Momente des Erkennens in Musik umsetzen!
Es gibt keine Sprache über Musik, sagt er an anderer Stelle, man kann nur die Musik erleben!
Das hat der Autor wunderbar poetisch umgesetzt, dieses schöpferische Sein herauszuarbeiten, um vielleicht Eine Ahnung zu bekommen von diesem großen Genie Mahler, ein Mann, der Alma einst faszinierte, den sie aber als Ehemann nicht mehr wirklich mehr anerkennen kann.
Interessant auch die Figur des Schiffsjungen an seiner Seite, der ihn umsorgt, dem er zugetan ist, weil er Interesse hat an der Musik und vor allem weil er Sinn hat für Hintergründiges.
Mir hat dieser Roman außerordentlich gut gefallen, besonders die Sprache, aber auch die Thematik, wie ein Genie aus dem, was sich ihm bietet und dessen Schönheit er wahrnimmt, etwas Großartiges erschafft.
Bewertung
aus Ahrensburg
5/5
25.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Abschied eines Titans
Gustav Mahler sitzt an Deck des Schiffes, das ihn von Amerika zurück nach Europa bringen soll. Er ist bereits schwerkrank; hat fortwährend Schmerzen und seine Lebenserwartung ist nur noch gering. Ein Schiffsjunge passt im Auftrag seiner Frau auf, dass es ihm an nichts fehlt.
Im Laufe des schmalen Büchleins reflektiert Gustav Mahler sein Leben und sein Werk. Insbesondere taucht immer wieder seine tote Tochter auf, aber auch seine Frau Alma, die die große Liebe seines Lebens gewesen ist, die sich jedoch längst einem anderen zugewandt hat.
Robert Seethaler gelingt es in hervorragender Weise, profunde musikalische Kenntnisse mit biographischen Elementen zu verbinden und das Wirken und das Leben des Komponisten auf diese Weise lebendig werden zu lassen. Die Reduzierung des Materials auf einen relativ überschaubaren Inhalt trägt dazu bei, dass man das Buch, die Novelle oder den Roman - je nach Lesart - schnell durchgelesen hat und sich danach erfüllt fühlt.
Hägar
aus Vorderpfalz
5/5
10.03.2021
Hörbuch (CD)
kurzweiliger Genuss
Ein berührendes Buch, das sprachlich ganz zauberhaft ist. Nach dem "Trafikanten" ein weiteres starkes Buch.
So möchte ich auch schreiben können. Ein frommer Wunsch.
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5/5
08.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wortgewaltig und einfühlsam
Die Vermutung liegt nahe, dass es bei einem Buch, das Gustav Mahlers letzte Tage beschreibt, um Musik geht, aber weit gefehlt. Musik spielt nur eine untergeordnete Rolle in diesem Buch, sie wird gerade mal erwähnt. Man muss also kein Mahler-Fan sein, um dieses Buch zu lieben, man darf allerdings einer sein, denn die historischen Eckpunkte aus dem Leben Mahlers stimmen. Seethaler schafft es einmal mehr, das Innerste einer Person einfühlsam auf Papier zu bringen!
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5/5
01.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
schön und sprachgewaltig
Die letzten Tage des Gustav Mahlers. Schöne Sprache, so wie wir es von ihm gewohnt sind. Poetisch geformte Sätze. Ein negativer Punkt, einfach viel zu kurz, ich wollte mehr, mehr von dieser schönen Sprache.
Gustav Mahler auf seiner letzten Reise - an Bord eines Ozeanriesens, das ihn und seine Familie von New York nach Europa heimbringt. Der berühmte Passagier ist tot krank. Am Schiffsdeck reflektiert er sein Leben.
Den Tod seiner kleinen Tochter, den er nie überwunden hat. Die Strapazen seines Musikerdaseins und Alma, seine untreue Ehefrau, beschäftigen den größten Musiker der Welt in seinen letzten Monaten. Nur ein Schiffsjunge sorgt sich um den kauzigen Kranken.
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