New York, vierziger Jahre. Lutie Johnson zieht mit ihrem Sohn in eine schäbige Mietwohnung in Harlem. Ein übergriffiger Hausmeister, ein Bordell im Erdgeschoss und flüchtige Schatten, die die dunklen Flure bevölkern. Luties Leben wird bestimmt von täglichen Kämpfen. Gegen die Zweifel, ob sie ihrem Sohn eine gute Mutter sein kann, gegen Armut und Rassismus, gegen die Eintönigkeit des Alltags und die Perspektivlosigkeit ihrer Lage. Doch Lutie ist entschlossen, den Sprung in ein besseres Leben zu schaffen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
5/5
05.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
The Street erzählt die aufwühlende...
The Street erzählt die aufwühlende und herzzerreißende Geschichte einer jungen schwarzen Frau im Harlem der 1940er Jahre. Ein Roman den alle lesen sollten, die begreifen wollen, was es heißt, in einer rassistischen Gesellschaft zu leben. Ein faszinierendes Buch!
Elchi130
5/5
10.04.2020
Hörbuch (CD)
Ein Hörbuch-Highlight
Lutie Johnson will für sich und ihren Sohn ein besseres Leben schaffen. Ihr Leben in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Harlem ist ein ständiger Kampf gegen die Armut, Rassismus und Sexismus. Doch ihr Ziel ist es, herauszukommen aus dem erdrückenden Leben in einer kleinen Wohnung, einem schlechtbezahlten Job und Männern, die sie als ihren Besitz ansehen.
Zu Beginn des Hörbuchs war ich vollkommen geflasht. Noch nie habe ich eine Sprecherin als so perfekt besetzt empfunden, wie Bettina Hoppe für „The Street – Die Straße“ von Ann Petry. Sie passt mit ihrer erwachsen klingenden Stimme super zu dem Hörbuch, in dem eine Mutter und Schwarze gegen die Lebensumstände ankämpft. Die Figuren entstehen so ausdrücklich vor einem, dass man sie und die Umgebung und Umstände, in denen sie leben, plastisch vor sich sieht.
Dafür verantwortlich ist selbstverständlich ebenso die Autorin Ann Petry. Sie ist sehr privilegiert als Tochter einer Familie, die bereits seit Generationen dem Beruf des Apothekers nachgeht, in einem kleinen Ort aufgewachsen, in dem sie wohlbehütet groß geworden ist, ohne mit Armut, Sexismus oder ausgeprägtem Rassismus in Berührung zu kommen. Erst als sie im Alter von 30 Jahren nach New York gegangen ist, wurde sie mit dem Leben konfrontiert, das die meisten Schwarzen in Großstädten oder den Südstaaten führten.
Sie schildert die Lebensumstände der schwarzen Menschen in Harlem sehr eindrücklich. Als Hörerin konnte ich mir die Straßen, Gebäude und Menschen lebhaft vorstellen. Dabei verleiht sie den einzelnen Figuren eine eigene Persönlichkeit, in dem sie uns an deren Gedankengängen und Motivationen teilhaben lässt.
Zu Beginn habe ich die Leichtigkeit bewundert, mit der uns Ann Petry das harte Leben besonders der schwarzen Frauen schildert, ohne dass ich die Lektüre als deprimierend, niederdrückend oder frustrierend empfunden habe. Wir lernen Lutie als mutige und starke Frau kennen, die das Leben immer wieder bei den Hörnern packt und versucht, sich und ihrem Sohn ein gutes Leben zu ermöglichen. Doch wir lernen unter anderem auch die schwarze Partnerin des Hausmeisters und ihre Sorgen kennen. Wir begleiten die weiße Lehrerin, die in Harlem angstvoll schwarze Kinder betreut. Und so lernen wir nach und nach viele Menschen kennen und verstehen. Selten habe ich ein Buch gelesen, das ein Lebensgefühl, die Menschen und ihre Beweggründe so gut transportieren kann.
Ganz außergewöhnlich finde ich zudem, dass dieser Roman bereits im Jahr 1946 erschienen ist. Das merkt man dem Buch in keiner Weise an. Der Erzählstil ist modern, die Lebensumstände sind nachvollziehbar. Natürlich gibt es Inhalte, die heute nicht mehr unserer Realität entsprechen, zumindest hoffe ich das. So denkt hier z. B. jeder Mann, dass Lutie Johnson ihm gehört, im wahrsten Sinne des Wortes. Egal, ob es sich dabei um den schwarzen älteren Hausmeister handelt, der völlig auf die junge Frau fixiert ist oder der schwarze Musiker, der ein Gigolo und Lebemann ist. Genauso wie der weiße, hutzelige Pate des Stadtteils, der seinen Anspruch auf sie geltend macht.
Ich bin davon ausgegangen, dass dieses Buch ein Aufruf zu Mut, Selbstständigkeit und Stärke ist, sich nicht in sein Schicksal als Schwarze/r zu fügen. Vielleicht bin ich genau deshalb frustriert und deprimiert über den Verlauf, den die Geschichte nimmt. Aber wahrscheinlich war es der Schriftstellerin gar nicht möglich, etwas anderes zu schreiben, mit Blick auf ihre Biografie und ihrer Wahrnehmung der Lebensumstände von Schwarzen in New York.
Ein tolles Buch, das mich leider resigniert zurückgelassen hat.
Bewertung
aus Scuol
5/5
04.03.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Grandioses Buch - ein Genuss!
Rezessionen welche abschreiben was über den Inhalt bereits bei der Buchbeschreibung lesbar ist, sind für mich Wichtigtuerei! Sorry, aber das musste ich einmal los werden. Persönlich gemachte Erfahrungen, Gefühle, Emotionen beim Lesen eines Buches sind von Interesse, so denke ich.
Ich muss gestehen, derartige "Softliteratur" ist normalerweise nicht mein Ding. Die von allen Teilnehmerinnen/Teilnehmer geäusserte positive Kritik in der Sendung SRF-Literaturclub hat mich "gwundrig" gemacht. Gekauft, gelesen und ebenfalls begeistert! Ich bin überzeugt, Ihnen wird es beim Lesen gleich ergehen. Ein Genuss!
KaDiPre
aus Thüringen
4/5
28.06.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Klassiker der 50er Jahre,…
Ein Klassiker der 50er Jahre, heute genauso aktuell wie damals. Es geht um diskriminierte schwarze Menschen, ausgestoßen von der Gesellschaft, kämpferisch ein besseres Leben zu führen, eine Zukunft in einer weiß dominierend Welt zu ergattern.Im Fokus steht eine alleinstehende Mutter mit ihrem Sohn. Sie möchte ein besseres Leben für den Kleinen und sich selbst, arbeitet hart daran, um am Ende an all den unfairen und Erwartungen und Forderungen in ihrem Umfeld zu scheitern, sich dem gleichen Moloch hinzugeben, wie alle in ihrer Straße dazu gezwungen sind. Ein Buch ohne Happy End. Traurig und mahnend gerade in unserem Jahrhundert. PoC sind immer noch Zielscheibe von Hass und Unterdrückung, siehe George Floyd.
Bewertung
4/5
07.06.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hinter den Mauern des Lebens
Der Roman handelt von Lutie Johnson, einer jungen schwarzen Amerikanerin, die leidenschaftlich gegen ihre eigene Armut ankämpft. Nach dem Bruch ihrer frühen Ehe muss sie alleine den Unterhalt für sich und ihren Sohn Bubb bestreiten. Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden und so bleibt ihr nur der Umzug in ein erbärmliches Mietshaus in einer Strasse voller Gewalt, Dreck und Hoffnungslosigkeit. Ihrem Sohn möchte sie die Chancen auf ein besseres Leben ermöglichen. Leider trifft sie immer wieder auf Menschen, die es nicht gut mit ihr meinen und sie als schwarze, hübsche Frau nur als Begierde-Objekt sehen.
Mit den Themen Rassismus, Gewalt, Armut und Erniedrigung zwischen Schwarzen und Weissen ist das Buch noch immer sehr aktuell.
Gefallen hat mir insbesondere die wechselnden Perspektiven. Mit viel Empathie beleuchtet die Autorin die Romanfiguren. Sie klagt nicht an, sondern zeigt, welche Erfahrungen und Werte im Leben entscheidend sind für die Handlungen von Menschen, ohne dabei verwerfliche Taten zu entschuldigen.
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5/5
26.09.2020
Hörbuch (CD)
Falsche Hautfarbe, falsche Adresse
"Ist nicht gut, wenn die Frau arbeiten geht und der Mann ist daheim". Das hat Lutie Johnson immer zu hören bekommen und den Gehalt dieser Aussage dann auch bald selbst erfahren. Der Mann ist nämlich irgendwann weg weil er weder eine Arbeit findet noch die Untätigkeit erträgt. Also beginnt er mit einer anderen Frau von vorne. So bleibt Lutie Johnson mit ihrem Sohn Bob zurück und mietet für sie beide eine Wohnung in der 116. Strasse. Die Verhältnisse dort sind eigentlich unzumutbar und sie will möglichst bald wieder weg aber für mehr reicht es derzeit nicht. Lutie Johnson ist tüchtig, arbeitsam, hat sich um bestmögliche Ausbildung bemüht und kümmert sich fürsorglich um ihren Sohn. Sie ist auch gutaussehend und begabt - aber Lutie Johnson ist schwarz! Und damit steht fest, dass ein Aufstieg für sie so gut wie unmöglich ist! Das und nur das ist die klare Botschaft, die die Gesellschaft für Lutie und andere Personen ihrer Hautfarbe bereithält. ___Das Buch ist 1946 erschienen und spielt im New York der 40er Jahre. Auf Deutsch wieder aufgelegt wurde es 2020, also 74 Jahre später in jenem Jahr in dem George Floyd erstickt ist weil ein Polizist 8 Minuten auf seinem Hals gekniet ist, Breonna Taylor in ihrem eigenen Bett von 6 durch Polizisten abgefeuerte Kugeln getötet wurde, in jenem Jahr, in dem der um seine Wiederwahl kandidierende Präsident die Black Lives Matter Bewegung als Terrorismus diskreditiert und Armeeeinheiten zur Zerschlagung ihrer Kundgebungen aussendet. The Street von Ann Petry ist bestürzende und dabei umwerfend gute Literatur. ___Ich habe die Hörbuchausgabe in einer ganz besonders gelungenen, ungekürzten Lesung von Bettina Hoppe genossen.
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