Im Sommer tummeln sich wohlhabende Städter auf dem Hochplateau an der polnisch-tschechischen Grenze. Im Winter hütet die ehemalige Englischlehrerin Janina Duszejko deren Häuser und widmet sich der Astrologie und der Lyrik von William Blake. Man hält die ältere Dame für verschroben, wenn nicht gar für verrückt, auch weil sie die Gesellschaft von Tieren der von Menschen vorzieht. Dann gibt es einen Toten. Und es bleibt nicht bei einer Leiche. Janina ermittelt auf eigene Faust und scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Olga Tokarczuks Kriminalroman verbindet skurrilen Witz mit Zivilisationskritik. Ungekürzte Lesung mit Angelika Thomas 1 mp3-CD | ca. 8 h 40 min
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Wortschätzchen
aus Kreis HD
5/5
28.01.2020
Hörbuch (Audio)
Was für eine Wortkraft!…
Was für eine Wortkraft! Janina lebt ein ganz anderes Leben, als all die Menschen, die sich für normal halten. Deshalb gilt sie als verschroben. Sie hütet im Winter die Ferienhäuser reicher Städter und beschäftigt sich mit Astrologie und der Übersetzung der Lyrik von William Blake. Früher war sie Ingenieurin für Brückenbau, dann Englisch-Lehrerin. Tiere sind ihr lieber als Menschen, aber zu Dysio hat sie Vertrauen, mit ihm übersetzt sie Blake, es ist eine Art symbiosische Freundschaft. Dann findet Janina einen Nachbarn, einen Wilderer, tot – erstickt an einem spitzen Knochen eines Rehs. Für Janina ist schnell alles klar. Doch es geht weiter … Dass Janina die Jagd als Mord ansieht und philosophiert, dass die Tiere zurückgeschlagen haben, um sich zu rächen, ist gleichzeitig sehr bewegend, als auch urkomisch und noch dazu Grund, an ihrem Geisteszustand zu zweifeln. Da wundert es nicht, dass die Polizisten sie nicht so ganz ernst nehmen. Allerdings zeigt die Story auch auf, dass die polnischen Polizisten nicht so diensteifrig sind, wie sie sein sollten, wenn es ihnen nicht passt. Kein Wunder also, dass die Autorin in Polen nicht nur Freunde mit ihrem Werk fand. Janinas Hinweise, dass man den Rehspuren nachgehen muss, interessieren niemanden. Denn Janina spricht ja mit Tieren und ihrer toten Mutter. Und sie hat eine mysteriöse Krankheit, die nur sie selbst in Schach halten kann. Nicht mal ihr geliebter Doktor Ali kann ihr helfen. Olga Tokarczuk hat eine wunderbare Art, mit den Worten zu spielen. Sie spielt mit der Sprache, zeichnet Bilder und fasziniert mich mit der wie mühelos entstehenden Stimmung. Es muss für Doreen Daume eine riesige Aufgabe gewesen sein, das Buch zu übersetzen, ohne die zauberhaften Bilder und Wortspiele zu verlieren. Beide zusammen malen ein wunderbares Bild mit Worten und Angelika Thomas liest das Buch mit ganz viel Liebe ein, als hätte sie das Buch selbst geschrieben. Ihre Sprachmelodie, die Art, wie sie betont, ist wunderschön und passt perfekt zum Buch. Die Autorin hat so viele Themen so geschickt in der Story versteckt, dass man das kaum merkt. Ich finde das extrem gelungen und habe da eine große Freude dran. Manchmal sind das nur zwei, drei Sätze (wie bei der Sache mit dem Geschmack von Erdbeeren), manchmal auch längere Abschnitte oder wiederkehrende Stellen. Über einen großen Bogen führt sie den Leser ans Ende der Story. Dieses ist für mich zwar irgendwann so ähnlich schon klar gewesen, dennoch finde ich es gelungen und geradezu liebenswert. In welches Genre ich das Buch einsortieren möchte, kann ich gar nicht sagen. Es ist ein Roman, der ein paar Thriller-Elemente beherbergt, aber auch ein Krimi mit Herz. So oder so – es ist ein Buch, das den Leser auf eine außergewöhnliche Reise mitnimmt, auf die er sich komplett einlassen muss, dann wird es ein unvergessliches Erlebnis. Ich hatte das Buch seit Jahren originalverpackt im Regal, schob das Lesen immer hinaus und habe es dann doch verschenkt. Das war ein Fehler, denn dieses Hörbuch ist einfach wunderbar und das Buch es wert, es zu lesen. Die Mischung aus so vielen Emotionen, die es auslöst, ist einzigartig. Janina fasziniert, aber sie lässt auch den Kopf schütteln, sie kann erschrecken, sie kann überfordern, aber sie trifft immer wieder mitten ins Herz und schenkt wunderbare Ideen und Überlegungen. Hier kann ich endlich mal verstehen, warum die Autorin den Literaturnobelpreis gewonnen hat. Das hat sie wirklich verdient! Von mir bekommt sie zusätzlich noch fünf Sterne.
Bewertung
aus Waldbüttelbrunn
3/5
13.01.2021
Hörbuch (Audio)
Zum Ende hin überraschend gut!
Inhaltsangabe: "Im Sommer tummeln sich wohlhabende Städter auf dem Hochplateau an der polnisch-tschechischen Grenze. Im Winter hütet die ehemalige Englischlehrerin Janina Duszejko deren Häuser und widmet sich der Astrologie und der Lyrik von William Blake. Man hält die ältere Dame für verschroben, wenn nicht gar für verrückt, auch weil sie die Gesellschaft von Tieren der von Menschen vorzieht. Dann gibt es einen Toten. Und es bleibt nicht bei einer Leiche. Janina ermittelt auf eigene Faust und scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein.
Olga Tokarczuks Kriminalroman verbindet skurrilen Witz mit Zivilisationskritik."
Dieses Hörbuch besteht aus 1 MP3-CD, hat eine Laufzeit von ca. 9 h 13 min (ungekürzte Lesung) und wird von Angelika Thomas hervorragend gelesen. Ich bin wirklich ganz begeistert von ihrem Vortrag, hätte sie es nicht so toll gelesen hätte mich die Geschichte wohl gelangweilt.
Die Protagonistin Janina Duszejko ist wirklich sehr verschroben, eigenbrötlerisch und ganz besonders. Ich musste über ihre Handlungen und Gedanken oft schmunzeln, denn für sie sind Tiere eindeutig wichtiger als Menschen. Sie stellte sogar die These auf, dass die Tiere die Morde begangen haben, um sich an die Menschen zu rächen. Aber auch ihre Gedanken, warum wir Menschen glauben mehr Wert zu sein als andere Lebewesen, fand ich doch sehr interessant. (Was mich dann auch wieder an das Buch "Farm der Tiere" erinnerte, dass ich vor vielen Jahren mal gelesen habe.) Zudem meint Janina in dieser Geschichte "So wie wir eine Weltanschauung haben haben die Tiere eine Weltanfühlung". Tja, vielleicht ist da ja was wahres dran. Trotzallem konnte ich Janina's Gedanken nicht immer nachvollziehen, obwohl sie mit manchen sicher Recht hat.
Zum Ende überraschte mich das Buch noch mit einer Wendung, mit der ich so nicht gerechnet habe und war dann doch sehr amüsiert. Ja, ich war tatsächlich sehr amüsiert und konnte die Protagonistin absolut verstehen!
Fazit: Eine Geschichte, auf die man sich einlassen muss, mit einer sehr speziellen Protagonistin, aber die mich dann doch überraschte und vorallem zum Schmunzeln brachte. Zudem schneidet die Autorin hier Themen an, die zwischen den Zeilen liegen. Ich vergebe hier gute 3 Sterne.
Bewertung
aus Groß-Umstadt
5/5
17.10.2025
Buch (Taschenbuch)
Großes Buch
Olga Tokarczuk hat meine ungeteilte Aufmerksamkeit einige Tage auf ihr ganz besonderes Buch gelenkt und das im besten Sinne. Ein schnödes, abstruses Buch, ein raffiniertes Buch, ein fesselndes, aufschreiendes, Gerechtigkeit forderndes Buch, ein amüsantes, intelligentes Buch...danke!! Man lässt sich darauf ein und bereut es nicht.
Ein Krimi der ganz anderen Art mit feministischer und dem Tierschutz geschuldeter Absicht, mit der Liebe zur Astrologie, zu der Natur, zu Menschen, die liebenswert anders sind..so viele Aspekte, die die Literaturnobelpreisträgerin verschachtelt und verknüpft.
Ein kluges, vielschichtiges, warmherziges Buch. Sehr anders. Sehr spannend. Klare Empfehlung!
Bewertung
aus Thun im Kanton Bern
5/5
27.07.2025
Hörbuch-Download (MP3)
schön geschrieben
Welch schönes Buch! So gut geschrieben, unterhaltsam, einfühlend, präzise Charakterbeschreibungen. Der Plot geht meiner Ansicht nach nicht wirklich auf (die zeitliche Chronologie deckt auf, dass die Erzählerin zu gewissen Zeitpunkten deutlich mehr wusste, als sie dem Leser sagt. Wie übel!), trotzdem ist er glaubhaft und konsistent und überaus gefällig. Einzig die Wahl des Titels bleibt ein Rätsel.
MEva
aus Düsseldorf
5/5
20.12.2024
Buch (Taschenbuch)
Sehr empfehlenswert und aufwühlend!
Genialer Genre-Mix, der seiner Zeit voraus war. Ein zukünftiger Klassiker!
Kennen wir nicht alle diese eine Person, deren Moralvorstellungen ihre kleine Welt überschreiten? Die eigentlich alles weiß aber trotzdem kein glückliches Leben führt - oder gerade deshalb? Janina Duszejko liebt die Natur, vor allem die Tiere - und sie liebt es die Essenz der Menschen zu erfassen: ihren wahren Namen und ihr Horoskop zu entschlüsseln. Auf ihrem Hochplateau an der polnisch-tschechischen Grenze lebt sie abgeschieden und friedlich bis die gejagten Tiere der Umgebung zurückschlagen.
Als Leser begibt man sich auf eine spannende Reise durch Astrologie, menschliche Psyche und die Grenzen des Möglichen.
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4/5
27.04.2023
Buch (Taschenbuch)
Das Loblied auf das Töten ist das Böse
Zum fulminanten Beginn dieses Werkes, lernen wir die schrullige Protagonistin mit ihrem großen Faible für Astrologie und Esoterik, doch mit sympatischen Zügen in ihrer Weltanschauung kennen. Wir begleiten sie durch eine Serie mysteriöser Todesfälle, beginnend mit dem Ableben ihres unbeliebten Nachbarn. Die Geschichte zeigt gekonnt die Sicht einer imaginären Einsiedlerin auf das Kollektiv der Menschheit. Sie beleuchtet deren Motive zu Diskreditierung, Tratsch und Klatsch und arbeitet die abstrakte Sichtweise der Religion und der Mehrheit der Menschen gegenüber Tieren auf. Aus Konventionen auszubrechen, kann stets seine Folgen mit sich bringen. Ein literarisches Manifest für einen besseren Umgang mit Pflanze, Tier und Mensch.
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